Schöne Bilder: Was das Auge beim zweiten Hinschauen noch findet

Irgendwann abends, Licht aus einer anderen Richtung als sonst, gehst du an der Wand vorbei. Und bleibst stehen. Nicht weil das Bild neu wäre. Weil du jetzt zum ersten Mal siehst, wie sich die Farbschichten voneinander absetzen. Das Orange darunter. Die Stelle wo die Farbe leicht verschoben gedruckt hat, sodass ein zweiter Kontur entsteht. Das kann Originaldruckgrafik. Poster nicht.

Wer den Markt systematisch erkunden will, findet auf Bilder online kaufen eine Orientierung nach Preisstufen. Schöne Bilder fürs Zimmer gibt es viele. Bilder, die nach drei Wochen unsichtbar werden, auch. Was den Unterschied macht, hat weniger mit Motiv zu tun als mit Oberfläche, Handwerk und dem Bewusstsein, dass dieses eine Exemplar so aussieht wie es aussieht.

Was macht ein Bild wirklich schön, und nicht nur kurzfristig?

Georgia Green druckt ihre Siebdrucke in vier getrennten Durchgängen. Cyan, Magenta, Yellow, Black, jede Farbe einzeln auf das Papier. Die Farben entstehen nicht vor dem Druck, sondern auf dem Papier selbst: transluzente Schichten die übereinander gedruckt werden und Töne erzeugen die eine einzelne Farbmischung nie hinbekommt.

Drei Siebdrucke von Georgia Green auf einem Metalltrockner in verschiedenen Farbschicht-Stadien: reines Magenta, Magenta mit Blauviolett überlagert, fertiges Bernstein-Orange
Georgia Green, Siebdruck-Prozess: Jede Farbe ein eigener Durchgang. Die Tiefe entsteht auf dem Papier, nicht im Farbtopf.

Eine Studie der Psychologen Newman und Bloom hat das 2012 untersucht. Menschen schätzen Originale höher ein als identische Kopien. Die Forscher beschreiben zwei Mechanismen: Die wahrgenommene Performance des Künstlers und die sogenannte Kontagion, das Gefühl einer physischen Verbindung zum Schaffenden. Menschen verhalten sich, als würde etwas vom Künstler auf das Objekt übergehen.

Ein Werk das von Hand gedruckt, in Bleistift signiert und auf 30 Exemplare limitiert wurde, wirkt deshalb anders als ein Poster derselben Datei. Dieser Effekt setzt kein Kunstwissen voraus. Was Wandbilder als Originaldruck konkret leisten, erklärt eine eigene Seite.

Welches Bild passt in welchen Raum?

Richard Studer, "Head of State I", Holzstich. Ein Dinosaurier in Krönungsrobe, ernsthaft. Hunderte feinste Linien in Buchsbaumhirnholz gestochen, jede unter der Lupe platziert. Studer arbeitet auf einer historischen Albion-Presse in Wales, Auflagen in der Regel 75 Exemplare. Das Ergebnis ist ein Format, das aus zwei Metern als Gesamtbild funktioniert und aus zwanzig Zentimetern als Rätsel: Wie hat jemand das gemacht?

Richard Studer betrachtet Holzstich-Detail durch Vergrößerungslupe, winzige Linien auf Buchsbaumholz sichtbar
Richard Studer bei der Arbeit. Holzstich-Details entstehen unter der Lupe, Strich für Strich in Buchsbaumholz.

Im Arbeitszimmer: Wer vom Schreibtisch aufschaut und einen T-Rex in Amtstracht an der Wand sieht, muss lachen. Und wer dann näher rangeht, bemerkt wie viele Stunden in diesem kleinen Format stecken. Das macht Gespräche, nicht Tapete.

Georgia Green, "Tiger in the Bear Rainforest", Siebdruck. Ein weißer Tiger, umgeben von herbstlichem Laub in Orange und Bernstein. Das Werk existiert in 30 Exemplaren. Green bietet es auf zwei verschiedenen Papieren an: Context Birch mit einem warmen, melierten Ton, oder Southbank in weichem Weiß. Dasselbe Bild, zwei Temperaturen.

Im großen Wohnzimmer oder Esszimmer wirkt dieses Format am stärksten. Die Farbschichten erzeugen eine Tiefe die erst aus zwei Metern Entfernung als Einheit sichtbar wird, und aus einem halben Meter als Handwerk. Beide Erfahrungen sind richtig.

Antonia Reber zieht Rakel mit beiden Händen über Sieb, Siebdruck-Aktionsaufnahme mit sichtbarer Farbe in Pink, Gelb und Grün
Antonia Reber beim Siebdruck. Jede Farbschicht ist eine eigene manuelle Aktion. Foto: Antonia Reber.

Antonia Reber, "Echo Surfaces 4", Siebdruck. Die Vorlage ist eine Reflexionsfotografie, aufgenommen auf einer der Straßen die Reber in Stuttgart, Seoul, Osaka und London fotografiert hat. Durch die Siebdrucktechnik wird aus der Fotografie etwas Reduziertes: Flächen statt Details, Bewegung ohne Unruhe.

Die "Echo Surfaces"-Serie ist auf je 5 Exemplare pro Motiv limitiert. Im Schlafzimmer funktioniert diese Reduktion: Flächen statt Unruhe, ein Bild das nicht anspricht sondern dasein lässt. In der Küche als Beobachtung: Stadtleben ohne Lärm.

Wie groß, und wo hinhängen?

Für die meisten Räume gilt eine einfache Faustregel: Das Bild sollte ca. zwei Drittel der Breite des Möbelstücks darunter einnehmen, und die Bildmitte sollte auf Augenhöhe hängen, also ungefähr 145 bis 155 cm vom Boden (Bilder aufhängen: Höhe und Abstände). Das klingt mechanisch und funktioniert trotzdem fast immer.

Ein Hinweis zu Formaten: Kleinere Werke (A3, 30×40 cm) wirken im Flur oder über dem Schreibtisch, wo man nah herankommt. Größere Formate brauchen Abstand um zu wirken. Was im Shop als "30×40 cm" klein klingt, kann an der richtigen Wand mehr Präsenz haben als ein Poster in A0. Wenn du unsicher bist, schreib uns: hello@studiosonsu.de. Wir helfen gern beim Abschätzen was für welchen Raum passt.

Siebdruck, Holzstich, Radierung: Was steckt dahinter?

Siebdruck funktioniert mit einer Schablone im Siebgewebe, durch das Farbe mit einem Rakel gedrückt wird. Bei CMYK-Siebdruck wie bei Georgia Green entstehen vier Durchgänge. Die Farben mischen sich nicht im Topf, sondern auf dem Papier. Das erklärt die charakteristische Tiefe und die leichten Verschiebungen die einen Siebdruck erkennbar machen.

Jemma Gunning zieht einen großen Druck von der Presse, begeisterter Gesichtsausdruck beim ersten Blick auf das fertige Werk
Jemma Gunning beim Print-Reveal: der Moment wenn das Bild zum ersten Mal sichtbar wird. Foto: Alex Sedgmond.

Holzstich ist nicht dasselbe wie Holzschnitt. Beim Holzschnitt arbeitet man mit der Maserung des Längsholzes, was kräftige, oft etwas grobe Linien ergibt. Beim Holzstich dagegen arbeitet der Künstler ins Hirnholz, also die Querschnittsfläche des Stammes. Das erlaubt feinste Linien in alle Richtungen, weil keine Maserung den Schnitt beeinflusst. Richard Studers Dinosaurier entstehen unter der Lupe, Strich für Strich. Die Tiefenschärfe ist enorm.

Radierung ist ein Tiefdruckverfahren. Bei der Ätzradierung ritzt der Künstler durch einen Ätzgrund, eine Wachsschicht auf der Metallplatte, und Säure frisst die freigelegten Linien tief in das Metall. Bei der Kaltnadel dagegen ritzt er direkt in die Platte, ohne Säure. Dabei entsteht ein feiner Grat der Farbe hält und dem Druck eine samtige Qualität gibt. Dieser Grat verflacht nach wenigen Abzügen. Darum sind Kaltnadel-Auflagen so klein.

Jemma Gunning arbeitet als Radiererin. Ein Foto aus ihrer Werkstatt zeigt den Moment wenn ein Druck zum ersten Mal sichtbar wird: Künstlerin zieht das Blatt von der Presse, das Bild erscheint. Jedes Exemplar ist dieser Moment, eingefroren auf Papier. Was man kauft, ist nicht nur das fertige Werk, sondern das Wissen wer dahintersteckt und wie es entstanden ist.

Mehrwertsteuer: Siebdruck 19 %, alle anderen Techniken (Holzstich, Radierung, Linolschnitt) 7 %.

Wer tiefer einsteigen möchte: Druckgrafik: Techniken und Geschichte gibt einen vollständigen Überblick, und Original vs. Kunstdruck erklärt warum sich ein Original anders verhält als eine Reproduktion. Alle Siebdrucke und Radierungen im Sortiment lassen sich nach Technik filtern.

Wie funktioniert die Bestellung?

Du wählst ein Werk aus, entscheidest ob du es gerahmt oder ungerahmt möchtest, und legst es in den Warenkorb. Rahmenoptionen (Schwarz oder Weiß, mit oder ohne Passepartout) wählst du direkt beim Produkt.

Versand über DHL, in einer stabilen Planversandbox. Ungerahmte Werke kommen nach 5–8 Werktagen, gerahmte nach ca. 10–14 Werktagen. Jedes Werk kommt mit Echtheitszertifikat und der Bleistiftsignatur und Nummerierung der Künstlerin oder des Künstlers.

14 Tage Widerrufsrecht, Rückgabe im Originalzustand.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Newman und Bloom, Art and Authenticity: The Importance of Originals in Judgments of Value, Journal of Experimental Psychology: General, 2012
  • Hawley-Dolan und Winner, Seeing the Mind Behind the Art, Psychological Science, 2011
  • Art Basel und UBS, The Art Market Report 2025

Studio Sonsu

Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026.

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de

Häufige Fragen zu schönen Bildern

Was sind schöne Wandbilder die nicht nach drei Wochen unsichtbar werden?

Bilder mit physischer Oberfläche, die je nach Abstand und Licht unterschiedlich wirken. Ein handgedruckter Siebdruck zeigt aus einem Meter die Farbschichten als Einheit, aus zwanzig Zentimetern die einzelnen Durchgänge. Eine Radierung, besonders Kaltnadel, hat einen samtigen Grat der direkte Nähe belohnt. Poster haben keine solche Oberfläche: Was man beim ersten Blick sieht, ist alles was da ist.

Wie erkenne ich coole Bilder die wirklich zum Raum passen?

Das Motiv ist zweitrangig. Entscheidender ist das Format relativ zur Wand und zu den Möbeln darunter. Dann die Technik: Radierungen mit feinen Linien funktionieren auf Nähe, großflächige Siebdrucke wirken aus Distanz. Für den Flur, wo man vorbeigeht: kräftige Kontraste. Für das Schlafzimmer, wo man liegt: Reduktion. Hawley-Dolan und Winner haben 2011 gezeigt, dass Betrachter professionelle abstrakte Werke bevorzugen, auch wenn ihnen gesagt wird, die Bilder seien von Kindern oder Tieren. Die Teilnehmer begründeten ihre Wahl mit der wahrgenommenen Intention des Künstlers.

Ab welchem Preis gibt es schöne Bilder als Originaldruck?

Originaldruckgrafik beginnt ab 30 Euro. Viele Werke liegen zwischen 200 und 500 Euro. Limitierte Werke bekannter Künstlerinnen kosten mehr, einfache Editionen weniger. Der Preis steht transparent auf jeder Produktseite.

Wie viele Exemplare gibt es von einem Bild?

Die meisten Editionen bei uns liegen zwischen 15 und 30 Exemplaren. Rebers "Echo Surfaces"-Serie ist auf 5 Exemplare pro Motiv begrenzt, Greens "Tiger in the Bear Rainforest" auf 30. Nach Abschluss der Auflage wird nicht nachgedruckt. Die Editionsnummer steht links unter dem Werk in Bleistift, die Signatur rechts.

Kann ich online Kunst kaufen ohne das Werk vorher gesehen zu haben?

Ja, und das ist inzwischen normal. Was hilft: gute Produktfotos aus mehreren Winkeln, Detailaufnahmen der Oberfläche, Raum-Mockups mit Maßstab und klare Formatangaben. Dazu 14 Tage Widerrufsrecht, falls das Werk doch nicht passt. Zur Einordnung: 46 Prozent der Online-Kunstverkäufe gehen heute an Erstkäufer, so der Art Basel/UBS Report 2025. Fragen beantwortet hello@studiosonsu.de.