Druckgrafik Künstler: Übersicht in sechs Epochen
Diese Seite versammelt 28 Druckgrafik-Künstler in sechs Epochen: von Dürers Apokalypse-Holzschnitten 1498 bis zu dreizehn zeitgenössischen Grafikerinnen und Grafikern, deren Originaldrucke hier erhältlich sind. Wer die Tradition der Druckgrafik in ihrer historischen Tiefe verstehen will, findet hier den Überblick – jede Einzelseite geht tiefer. Zeitgenössische Druckgrafiker der Galerie stehen im letzten Abschnitt.
Studio Sonsu zeigt Druckgrafik aus mehr als fünf Jahrhunderten: dreizehn zeitgenössische Künstler und die historischen Meister, die das Medium geformt haben. Was diese Galerie zusammenhält, ist eine gemeinsame Haltung: Die Platte, der Block, der Stein als Ort, wo etwas entsteht, das sich per Hand nicht identisch wiederholen lässt. Was diese Originale von einer fotografischen Reproduktion trennt, ist auf Original vs. Kunstdruck ausführlich erklärt: Es geht nicht um Auflage oder Signatur, sondern um die Frage, wer die Druckform geschaffen hat. Der argumentative Essay über diese Kontinuität findet sich auf Berühmte Druckgrafiker.
Alte Meister (15.–17. Jahrhundert)
Das Druckmedium als Massenmedium und Kunstform zugleich.
Albrecht Dürer: Holzschnitt, Kupferstich. Dürer betrieb Holzschnitt und Kupferstich nicht als Nebenbeschäftigung des Malers, sondern als eigenständiges Medium. Den Beweis legte er 1498 vor: Die Apokalypse, selbst verlegt, selbst gedruckt, gilt als das erste Buch, das ein Künstler im eigenen Verlag herausbrachte.
Rembrandt van Rijn: Radierung, Kaltnadel. Ca. 314 Radierungen, von denen rund 80 originale Kupferplatten überliefert sind. Rembrandt experimentierte mit Plattenton und selektivem Wischen, sodass jeder Abzug individuelle Qualitäten haben konnte.
18. und 19. Jahrhundert
Druckgrafik als politisches Instrument, als Exportmedium und als eigenständige Kunstform, die sich von der Malerei löst.
Francisco de Goya: Aquatinta, Radierung. Seine Desastres de la Guerra (1810–1820) erschienen erst 35 Jahre nach seinem Tod: Bilder, die Kriegsgräuel und Inquisitionszustände zeigten, zu scharf und zu riskant, um zu Lebzeiten veröffentlicht zu werden.
Katsushika Hokusai: Farbholzschnitt (Ukiyo-e). Die Große Welle entstand ca. 1831. Hokusai war Designer, nicht Schneider: Im Ukiyo-e-System übernahmen spezialisierte Handwerker das Schnitzen und Drucken. Das blaue Pigment seiner bekanntesten Werke war europäisches Preußischblau, kein japanisches.
Klassische Moderne (frühes 20. Jahrhundert)
Die Expressionisten machten den Holzschnitt wieder zum zentralen künstlerischen Instrument. Roh, direkt, politisch.
Käthe Kollwitz: Radierung, Lithografie, Holzschnitt. 275 Werke im druckgrafischen Gesamtwerk. Kollwitz wechselte die Technik je nach Motiv: den Weberaufstand-Zyklus begann sie in Lithografie, schloss ihn in Radierung ab. Den Krieg-Zyklus schließlich als Holzschnitte; zu diesem Medium war sie über das Gedenkblatt für Karl Liebknecht gekommen, weil ihr die Radierung für das Monumentale nicht ausreichte.
Ernst Ludwig Kirchner: Holzschnitt, Lithografie. Die Neue Deutsche Biographie zählt 990 Holzschnitte, 673 Radierungen und 478 Lithografien.
Edvard Munch: Holzschnitt, Lithografie, Kaltnadel. Seine ersten Holzschnitte entstanden 1896. Munch entwickelte die Jigsaw-Technik: Den Holzblock in Teile sägen, jedes Teil separat einfärben, dann vor dem Druck wieder zusammensetzen.
Henri de Toulouse-Lautrec: Farblithografie. Das Moulin-Rouge-Plakat von 1891 war sein erster großer Lithografie-Auftrag. Ca. 3.000 Exemplare wurden als Werbeplakate über Paris verteilt, fast alle sind verloren. Toulouse-Lautrec starb 1901 mit 36 Jahren und hinterließ 363 Drucke und Plakate.
Pablo Picasso: Radierung, Linolschnitt, Lithografie. Zwischen 1958 und 1962 schuf er 107 Linolschnitte, in Zusammenarbeit mit seinem Drucker Hidalgo Arnéra in Vallauris, der ihm den Reduktionsschnitt empfahl. Erfunden hat Picasso die Technik nicht, aber er machte sie zu einer ernsthaften künstlerischen Methode.
Kurt Schwitters: Collage, Buchdruck (MERZ). Hannoveraner Künstler. Der Name MERZ stammt aus einem Textfragment "Commerz und Privatbank" in einem seiner frühen Werke. Ab Mitte der 1920er betrieb er die Werbeagentur Merzwerbe in Hannover: Buchdruck als Geschäftsmodell.
HAP Grieshaber: Holzschnitt. Grieshaber druckte Holzschnitte in Wandformat: Sein Ulmer Tuch I von 1949 misst 270 mal 221 Zentimeter. 1966 erschien sein Totentanz von Basel mit vierzig Farbholzschnitten.
Nachkriegsmoderne und Pop Art
Siebdruck als das Medium einer Epoche, die sich von der Handarbeit verabschiedet und das Serielle feiert.
Andy Warhol: Siebdruck. Begann im August 1962 mit der Technik und beschrieb sie als "quick and chancy". Das fotografische Motiv wurde auf ein Sieb übertragen, Farbe durchgedrückt, das Ergebnis bewusst ungleichmäßig: Jeder Druck ein Unikat trotz Massenproduktion.
David Hockney: Radierung, Aquatinta, Paper Pools. The Blue Guitar (1976–77): zwanzig Farbradierungen mit Aquatinta, jede von zwei Kupferplatten gedruckt und von Hand aus fünf Farben eingefärbt, 1977 bei Petersburg Press erschienen. Die Paper Pools von 1978 gehen noch weiter: Kein Druck auf Papier, sondern gefärbter Papierbrei, der unter hydraulischen Pressen zu Bildschichten wird.
William Kentridge: Radierung, Drypoint, Linolschnitt. 1986 radierte Kentridge acht Blätter nach Hogarths Serie "Industry and Idleness" von 1747 und verlegte sie ins Johannesburg der Apartheid-Zeit, zehn Jahre bevor die Wahrheits- und Versöhnungskommission die Verbrechen der Apartheid dokumentierte. Die Druckplatte funktioniert bei Kentridge wie ein Gedächtnisspeicher: Jede Bearbeitung bleibt eingeschrieben, Löschung ist nie vollständig. Das ist kein ästhetisches Prinzip, sondern ein politisches.
Street Art und Gegenwartskultur
Banksy: Siebdruck, Schablone. Begann 1990–1994 als Freehand-Sprayer in Bristols DryBreadZ Crew. Girl with Balloon erschien zwischen 2003 und 2005 als limitierte Druckedition in verschiedenen Auflagen. Authentifizierung über Banksys offizielle Stelle Pest Control.
Zeitgenössisch bei Studio Sonsu
Von Dürers Holzschnitten über Warhols Siebdrucke bis zu Banksys Schablonen: Mehr als fünf Jahrhunderte Druckgrafik münden in eine Generation, die dieselben Techniken nutzt und weiterentwickelt. Dreizehn Druckgrafik-Künstler, deren Originaldrucke hier erhältlich sind. Gemeinsam sind ihnen handwerkliche Tiefe und internationale Ausstellungshistorie. Sonst könnten die Unterschiede kaum größer sein: Holzschnitt und Siebdruck, Industrielandschaft und kosmische Abstraktion, Kupferplatte und Risograph.
Stephen Lawlor RE: Radierung, Lithografie. Aosdana-Mitglied, die höchste staatliche Auszeichnung für irische Künstler, und Mitglied der Royal Society of Printmakers. Lawlor arbeitet mit drei bis vier Kupferplatten pro Motiv, die übereinandergedruckt Farbschichten aufbauen. 2019 erhielt er gleichzeitig den Clifford Chance Award und den Aberystwyth Prize bei der RE Originals.
Jemma Gunning RE: Radierung, Sugar Lift Aquatinta. RE-Mitglied seit 2019, davor QEST Johnnie Walker Scholarship 2018 und Elizabeth Greenshields Foundation Awards 2019 und 2020. Ihr Werk "The Fading City" kombiniert 3,5 Meter Seidenmonotypien mit Kupferradierungen. Thematisch arbeitet sie in den Industrie- und Bergbaulandschaften von Wales und Cornwall.
Antonia Reber: Siebdruck. Reber arbeitet in der Druckwerkstatt des Künstlerhauses Stuttgart. Ausgangsmaterial ihrer urbanen Szenen sind Reflexionsfotografien von Schaufensterscheiben, die sie durch Rasterung und Fragmentierung in bis zu sechsschichtige Siebdrucke überführt. 2025 bei der Jahresausstellung der Royal Society of Printmakers in der Bankside Gallery London vertreten.
Georgia Green: Risographie, Siebdruck. BA Fine Art: Painting and Printmaking, Glasgow School of Art 2018. Jackson's Art Prize 2024 in der Kategorie Planografische Druckgrafik. Surreale Tierwelten trifft historische Interieurs.
"There is also a natural drift which occurs from layer to layer. I love that these capricious shifts and changes are entirely beyond my control, as though the machine is a collaborative partner."
– Georgia Green, im Gespräch mit Art Pistol (artpistol.co.uk)
Rod Nelson ARE: Holzschnitt. Bis in seine Sechziger arbeitete Nelson als FSC/PEFC-Auditor für Waldprodukte. Der Wechsel zum Holzschnitt war eine Rückkehr zum Material. Der Auslöser war eine Shiko-Munakata-Ausstellung in der Hayward Gallery 1994. ARE 2022, Co-Autor von Making Woodblock Prints (Crowood Press 2016). Sein Triptychon "The Irascible Sea" verbindet Japonismus und Romantik.
Inga Eicaite: Holzschnitt, Radierung, Mokuhanga. Kosmische Linien auf schwarzem Grund. Eicaite druckt auf Washi und Hanji, japanischem und koreanischem handgeschöpftem Papier. Doppelpreis bei der RE International 2024: Printmaking Today Prize und Ironbridge Fine Arts Prize.
Bronwen Sleigh RSA: Radierung. BA Glasgow School of Art 2002, MA Printmaking am Royal College of Art 2008. RSA-Wahl 2023, Printmaker of the Year beim Printfest 2024. Ihre isometrischen Architektur-Radierungen zeigen Gebäude von Glasgow bis Uganda, darunter die Kampala-Serie aus einer Residency 2015.
John Simpson: Siebdruck. Organische Formen in Schichtsiebdruck. 2019 nahm Simpson am Tate Exchange der Tate Modern teil mit dem Projekt "Museum as Ecosystem": GPS-Daten kombiniert mit Holzschnitten von Mykorrhiza-Netzwerken.
Richard Studer: Holzstich. Studer ist Artistic Director of Mid Wales Opera und lernte ab 2012 Druckgrafik am Sidney Nolan Trust. Seit 2023 arbeitet er fast ausschließlich im Holzstich auf einer historischen Albion-Presse. Hyperdetaillierte Tierwelt trifft schwarzen Humor: "Head of State I" zeigt einen T-Rex als Monarchen.
Michelle Hinshelwood: Intaglio. Bristol-basiert, Mitglied und Treuhänderin von Spike Print Studio. Fünf Techniken (Kupferätzung, Kaltnadel, Photopolymer, Collagraph, Chine Collé) in kleinen Auflagen auf Somerset-Papier. Ausgestellt an der Bankside Gallery London (IOPE 2024, 2025) und der Royal West of England Academy.
Rachel Duckhouse: Radierung (Ätzradierung). Glasgow-basiert, BA Textile Design Leeds 1997, MA Material Culture Winchester 1998. Ihre Arbeit "Corallinae" (2011) war 2019 in der Ausstellung "Pushing Paper" im British Museum vertreten, neben Hockney und Emin. Geometrische Serien als Radierungs-Meditation.
Richenda Court RE: Linolschnitt, Radierung. Studierte Freie Kunst und zeitgenössischen Tanz in Brighton und London, an der Trinity Laban (das erklärt vielleicht die Körperlichkeit in ihren Linien). Stuart Southall Printmaking Prize 2020. ARE 2021, RE-Vollmitglied 2024. Werke in der V&A und der British Library.
Anna Francis: Kaltnadel. Fotografiestudium in Nottingham Trent 1997, heute arbeitet sie mit der Kaltnadel auf Kupfer. Verfallende Pflanzenskelette, feines Geäder, das sich kurz vor dem Verschwinden in die Platte eingräbt. Art Academy Prize for Outstanding Emerging Printmaker.
FAQ
Welche Drucktechnik ist die häufigste bei euren Galeriekünstlern?
Radierung (Tiefdruck) kommt am häufigsten vor: Lawlor, Gunning, Sleigh, Duckhouse, Hinshelwood und Court arbeiten mit der Radierung, Francis mit der Kaltnadel. Daneben sind Holzschnitt (Nelson, Eicaite), Siebdruck (Reber, Green, Simpson), Holzstich (Studer) und Linolschnitt (Court) vertreten. Mokuhanga-Druck und Risografie decken die Sonderverfahren ab.
Kann ich Werke mehrerer Künstler zusammen bestellen?
Ja, jedes Werk ist einzeln bestellbar. Wer eine Bilderwand mit Werken verschiedener Künstler plant, kann mehrere Artikel in eine Bestellung legen. Bei Fragen zur Kombination von Formaten und Techniken hilft hello@studiosonsu.de.
Wie limitiert sind die Auflagen?
Die Auflagenhöhe steht auf jeder Produktseite. Sobald eine Auflage ausverkauft ist, wird nicht nachgedruckt.
Haben alle Galeriekünstler professionellen Ausstellungshintergrund?
Ja. Alle dreizehn Galeriekünstler können internationale Ausstellungsnachweise vorweisen, darunter Bankside Gallery London, Royal West of England Academy, Tate Modern, V&A und British Museum. Mehrere sind Mitglieder der Royal Society of Printmakers (RE). Die Kurzprofile auf dieser Seite nennen jeweils die wichtigsten Stationen.
Gibt es auch günstige Einstiegswerke für Sammler, die noch nie Originaldruck gekauft haben?
Originaldrucke bei Studio Sonsu beginnen bei 35 Euro. Gute Werke gibt es im Sortiment bereits zwischen 100 und 300 Euro. Eine Beratung per E-Mail zu Format, Technik und Raumkontext ist kostenlos und unverbindlich.
Quellen und weiterführende Literatur
- Rijksmuseum Amsterdam, Rembrandt-Radierungen und Kupferplatten-Sammlung
- Metropolitan Museum of Art, Conservation Stories: Hokusai und Preußischblau
- Käthe Kollwitz Museum, Werkverzeichnis Druckgrafik (Knesebeck 2002)
- Merlyn Chesterman und Rod Nelson, Making Woodblock Prints (Crowood Press 2016)
- Royal Society of Printmakers, Mitgliederverzeichnis und Jahresausstellung in der Bankside Gallery
- Rijksmuseum, Rembrandt's etchings – 314 Radierungen 1627 bis 1665
- Neue Deutsche Biographie, Kirchner, Ernst Ludwig – 990 Holzschnitte, 673 Radierungen, 478 Lithographien
- Princeton University Art Museum, Edvard Munch: Symbolism in Print – Jigsaw-Technik mit der Laubsäge
- Art21 Magazine, Ink: Thinking Aloud, the Prints of William Kentridge – Industry and Idleness 1986, acht Radierungen nach Hogarth
- Wikipedia: Apocalypse (Dürer), Rembrandt, The Disasters of War, The Great Wave off Kanagawa, Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Moulin Rouge: La Goulue, Henri de Toulouse-Lautrec, Linolschnitt, Vallauris, Kurt Schwitters, HAP Grieshaber, Marilyn Diptych, The Blue Guitar, Banksy, Girl with Balloon
Zuletzt aktualisiert am 12.09.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover-Linden. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern.
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