Kunstrichtungen
Kunstrichtungen oder Kunststile beschreiben Epochen und Bewegungen in der Geschichte der Kunst, in denen Künstler ähnliche Themen, Techniken oder Weltanschauungen teilten. Von der Romantik im frühen 19. Jahrhundert bis zur Street Art der Gegenwart lassen sich mehr als ein Dutzend große Strömungen unterscheiden, die bis heute Sammler, Museen und zeitgenössische Künstler prägen. Fast jede dieser Bewegungen nutzte Druckgrafik als eines ihrer Ausdrucksmittel.
Berlin, 1881. Mit der Ausstellung "Maler-Radierungen französischer und englischer Künstler der Neuzeit" kommt moderne Druckgrafik erstmals in die Berliner Museen, 740 Blätter auf einmal. Ein Gemälde Manets kauft die Nationalgalerie erst 1896, mit "Im Wintergarten" als erstes Museum überhaupt. Die Druckgrafik war der Malerei also einen Schritt voraus. Genau aus dieser Perspektive schreibt Studio Sonsu, eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover, diesen Überblick: Kunstrichtungen entlang ihrer gedruckten Blätter.
Erschwinglicher. Handhabbarer. Und in vielen Fällen radikaler als das zeitgleiche Gemälde.
Für die Techniken selbst, in denen diese Kunstrichtungen ihre Drucke realisierten, gibt es eine eigene Einführung: Druckgrafik: Was ist das?. Warum die Blätter dieser Bewegungen Originale sind und nicht Reproduktionen, klärt der Beitrag Original vs. Kunstdruck.
Welche Kunstrichtungen gibt es, und wie spielte Druckgrafik jeweils eine Rolle?
Der Schwerpunkt zwischen 1900 und 1945 hat einen eigenen Überblick: die Klassische Moderne bündelt Expressionismus, Kubismus, Bauhaus, Dada und die russische Avantgarde in einer Epoche. Die folgende Übersicht folgt grob der Chronologie, ohne sklavisch an Jahreszahlen zu kleben. Bewegungen überschneiden sich, reagieren aufeinander, widersprechen sich. Wo das besonders deutlich wird, steht es dabei. Eine knappe Definition dessen, was eine Kunstbewegung überhaupt ist, gibt die Encyclopaedia Britannica zum Begriff "art movement".
Romantik (ca. 1790–1850)
Die Romantik wandte sich gegen die Ratio der Aufklärung und suchte das Erhabene, das Fragmentarische, die Natur als Spiegel innerer Zustände. Caspar David Friedrich steht im deutschsprachigen Raum exemplarisch für diese Haltung: Rückenansichten, Nebelmeere, endlose Weiten.
In der Druckgrafik arbeitete Friedrich mit seinem Bruder Christian, einem Holzschnitzer, der Zeichnungen seines Bruders in Holz schnitt. In England produzierte J.M.W. Turner sein "Liber Studiorum" (1807–1819) mit 71 Drucken als programmatisches Lehrwerk der Landschaftsmalerei. William Blake erfand 1788 eine eigene Drucktechnik, die Text und Bild untrennbar verband.
Druckgrafik war in der Romantik kein Massenmedium, sondern ein persönliches: das Medium für Ideen, die auf Leinwand zu groß oder zu intim gewirkt hätten (ausführlicher auf der Romantik). Der Übergang zum Realismus, der die Druckgrafik zum politischen Instrument machte, ist im Vergleich Romantik vs. Realismus beschrieben.
Ukiyo-e (ca. 1600–1900)
"Bilder der fließenden Welt": japanische Holzschnittkunst, die Stadtleben, Schauspieler, Kurtisanen und Landschaften in klar begrenzten Farbflächen zeigte. Ukiyo-e war von Anfang an Massenware: Hokusais "Große Welle" entstand in einer Auflage von rund 8.000 Blatt.
Was Ukiyo-e vom Rest trennt, ist die konsequente Arbeitsteilung: Der Künstler zeichnete den Entwurf, ein Schneider übertrug ihn auf Holz, ein Drucker druckte ihn, ein Verleger gab das Blatt heraus. Hokusai war Zeichner, kein Schneider. Das Metropolitan Museum of Art ordnet Ukiyo-e und seine Werkstattlogik entsprechend kunsthistorisch ein. Das macht Ukiyo-e kunsthistorisch interessant: Hier liegt die Urheberschaft nicht im handwerklichen Vollzug, sondern im Entwurf. Ein Prinzip, das die zeitgenössische Druckgrafik-Szene heute wieder diskutiert. Mehr zu Ukiyo-e und seiner Wirkung auf die westliche Druckgrafik auf der Ukiyo-e.
Jugendstil (ca. 1890–1910)
Der Jugendstil wollte die Trennung zwischen freier und angewandter Kunst aufheben. Ornament und Funktion sollten verschmelzen. Das Plakat wurde zum Hauptschauplatz dieser Idee.
Toulouse-Lautrec schuf in einer Laufbahn von unter zwanzig Jahren 363 Drucke und Plakate. Sein erstes Lithografie-Plakat, "Moulin Rouge: La Goulue" (1891), wurde in einer Auflage von ca. 3.000 Exemplaren gedruckt. Jules Chéret hatte mit auf drei Steine vereinfachten Farblithografien das Verfahren geschaffen, das Toulouse-Lautrec dann künstlerisch übertraf. Ein Pionier, den der Nachfolger überholte. Die ganze Geschichte des Jugendstils als Druckmedium gibt es auf der Jugendstil.
Impressionismus (ca. 1860–1900)
Der Impressionismus brach mit dem akademischen Ideal der fertigen Form und malte das Licht, das Flimmern, den Moment. Was weniger bekannt ist: Radierung war für viele der Hauptakteure kein Nebenprojekt.
Die Société des Aquafortistes, 1862 in Paris gegründet, war eine der Vereinsgründungen des Etching Revival. Auch Manet radierte. Degas schuf rund 300 Monotypien in zwei Arbeitsphasen. Pissarro schuf rund 200 Radierungen und Lithografien und bearbeitete seine Platten auch mit Sandpapier und Drahtbürste. Mary Cassatt zeigte 1891 eine Serie farbiger Kaltnadel-Aquatinten, inspiriert von den japanischen Meistern, die im Jahr zuvor in Paris ausgestellt worden waren. Mehr zur Druckgrafik im Impressionismus auf der Impressionismus.
Expressionismus (ca. 1905–1930)
Ernst Ludwig Kirchner gründete 1905 in Dresden mit drei Freunden Die Brücke und griff sofort zur Druckgrafik. Allein 1917 schenkte er 34 Radierungen, 83 Holzschnitte und 125 Lithografien als Botho-Graef-Gedächtnis-Stiftung nach Jena.
Die Brücke verkaufte Originalgrafiken per Jahresabonnement: Passive Mitglieder bekamen für 12, später 25 Mark im Jahr Originaldrucke der Gruppenmitglieder. Das war Distribution als Kunstform, lange bevor das Wort "Edition" in Galerien etabliert war. Was die Brücke mit Druckgrafik machte, erklärt die Expressionismus, und die eigene Die Brücke noch detaillierter.
Kubismus (ca. 1907–1925)
Kubismus hieß: ein Objekt von allen Seiten gleichzeitig sehen.
In der Druckgrafik erzwangen die linearen und tonalen Grenzen der Platte eine Reduktion, die dem kubistischen Programm entgegenkam. Weniger Farbe, weniger Tiefe, mehr Struktur.
Picasso schuf über sein Leben viele Tausend Druckgrafiken. Sein druckgrafisches Hauptwerk entsteht nach der kubistischen Phase, mit Lithografien ab 1919 und der Suite Vollard von 1930 bis 1937. Das Centre Pompidou ordnet den Kubismus als eine der Gründungsbewegungen der Moderne ein. Der Kubismus und seine druckgrafischen Konsequenzen auf der Kubismus.
Bauhaus (1919–1933)
Das Staatliche Bauhaus in Weimar versuchte, alle Künste unter dem Dach des Handwerks zu vereinen. Druckgrafik war von Anfang an dabei: Die Graphische Druckerei war eine der ersten Werkstätten, eingerichtet 1919.
Lyonel Feiningers Holzschnitt "Kathedrale" (1919) war das Titelbild des Bauhaus-Manifests. Feiningers Mappe "Zwölf Holzschnitte" erschien 1920. Als bedeutendes Werk der Werkstatt unter Feiningers Leitung gilt die 1924 entstandene fünfteilige Kunstdruckmappe "Neue Europäische Graphik" mit Werken der internationalen Avantgarde. Alles zum Bauhaus als Druckgrafik-Institution auf der Bauhaus.
Dadaismus (ca. 1916–1924)
Dada war eine Anti-Bewegung. Gegen Sinn, gegen Stil, gegen Krieg, gegen Konvention. Das Cabaret Voltaire in Zürich eröffnete am 5. Februar 1916. Das Medium der Wahl war selten das Gemälde.
Kurt Schwitters, der von den Berliner Dadaisten abgelehnte Hannoveraner, gründete sein eigenes System und nannte es MERZ. Seine Merz-Mappe von 1923 enthielt Lithografien. Die Zeitschrift MERZ erschien unregelmäßig, 1932 druckte Heft 24 die vollständige Partitur der Ursonate. George Grosz veröffentlichte 1922/23 beim Malik-Verlag sein "Ecce Homo" mit 84 Zeichnungen und 16 Aquarellen. Ein Gericht ordnete die Entfernung von 17 Zeichnungen und 5 Aquarellen aus der Mappe an. Mehr zum Dadaismus als Druckgrafik-Bewegung auf der Dadaismus.
Surrealismus (ca. 1924–1940er)
Der Surrealismus wollte das Unbewusste sichtbar machen: Traumbilder, Automatismus, das Irritierende im Alltäglichen. Für die Drucktechnik war die Bewegung erstaunlich produktiv, weil ein einziges Atelier ihre wichtigsten Druckgrafiker verband.
William Hayter eröffnete 1927 in Paris sein Atelier 17. Miró, Max Ernst und andere Surrealisten arbeiteten dort gemeinsam. Als Hayter 1940 nach New York auswich, arbeitete dort unter anderen Jackson Pollock. Atelier 17 war weniger ein Stil als eine Infrastruktur: Es verband Bewegungen, die sonst nichts verband. Mehr auf der Surrealismus.
Art Déco (ca. 1920–1940)
Art Déco verbindet geometrische Eleganz mit industrieller Ästhetik. Es war keine politische Bewegung, sondern eine des Stils: präzise Linien, symmetrische Muster, Luxus als Form. Der Begriff "Art Déco" erschien 1966 erstmals im Druck. Zum festen Fachbegriff wurde er 1968 durch Bevis Hilliers Buch "Art Deco of the 20s and 30s".
In der Druckgrafik dominierte die Farblithografie. Die Plakate entstanden zunächst als Entwurf in Gouache oder Öl, wurden dann Farbe für Farbe auf separate Lithografiesteine übertragen. A.M. Cassandre (1901–1968) schuf seine bekanntesten Plakate, "Nord Express" (1927) und "Normandie" (1935), als Farblithografien. Ein Exemplar des Normandie-Plakats gelangte aus dem Nachlass des Illustrators René Bouvard, der in den 1930ern für die Reederei Compagnie Générale Transatlantique arbeitete, in die Sammlung des Victoria and Albert Museum. Mehr zu Art Déco und Druckgrafik auf der Art Déco. Wie sich diese arbeitsteilige Art-Deco-Produktion vom selbst gezeichneten Jugendstil-Stein unterscheidet, vergleicht Jugendstil vs. Art Deco.
Neue Sachlichkeit (ca. 1920–1933)
Die Neue Sachlichkeit entstand als nüchternes Gegenprogramm zum Expressionismus. Gustav Friedrich Hartlaub prägte den Begriff 1925 mit seiner Ausstellung an der Kunsthalle Mannheim. Sozialkritisch, präzise, desillusioniert.
Otto Dix schuf "Der Krieg" (1924) in 50 Radierungen, Auflage 70 Exemplare, verlegt von Karl Nierendorf. Es erschien zehn Jahre nach Kriegsbeginn. George Grosz veröffentlichte zwischen 1917 und 1928 sechs Grafik-Mappen beim Malik-Verlag. Käthe Kollwitz schuf ihre Holzschnittfolge "Krieg" (1922/23) als Verarbeitung des Todes ihres Sohnes Peter, gefallen 1914. Ausführlicher auf der Neue Sachlichkeit.
Abstrakte Kunst (ab ca. 1910)
Abstrakte Kunst verzichtet auf erkennbare Gegenstände und arbeitet mit Form, Farbe und Komposition als eigenständigen Bildmitteln. Von Mondrian über Rothko bis zu zeitgenössischen Minimalisten reicht das Spektrum.
In der Druckgrafik ist Abstraktion besonders interessant, weil jede Technik eine eigene Ästhetik mitbringt. Radierung denkt in Linien, Lithografie in Flächen und Übergängen, Siebdruck in flächigen Farbbereichen mit harten Kanten. Abstrakte Drucke machen diese Technik-Logiken sichtbar, statt sie zu verstecken. Ein prägnantes Beispiel dafür sind Picassos Stier-Lithografien "Le Taureau" (1945/46): elf Zustände zwischen Dezember 1945 und dem 17. Januar 1946, von der realistischen Darstellung bis zur reinen Form. Mehr auf der Abstrakte Kunst.
Pop Art (ca. 1955–1975)
Pop Art übernahm die Bildsprache der Massenkultur: Werbung, Comics, Konsumartikel. Das Hauptmedium war folgerichtig der Siebdruck, weil er die flächige Farbqualität von Druckerzeugnissen replizierte.
Andy Warhol übernahm 1962 den Siebdruck, um einen "assembly-line effect" zu erzeugen. Das Marilyn-Portfolio entstand 1967 als Mappe von zehn Siebdrucken (MoMA dokumentiert die Marilyn-Serie in seiner Sammlung). Roy Lichtenstein arbeitete mit Rasterpunkten, die den Offsetdruck imitierten. Warhol machte den Siebdruck zum logischen Werkzeug einer Kunst, die Massenproduktion reflektierte. Mehr zur Pop Art und ihrer Druckgrafik auf der Pop Art. Parallel zur Pop Art entstand die Op Art, die denselben Siebdruck für das Gegenteil nutzte: nicht Konsumbilder reproduzieren, sondern das Auge destabilisieren. Beide liefen in London durch dieselbe Werkstatt, wie der Vergleich Pop Art vs. Op Art zeigt.
Street Art (ab ca. 1980)
Street Art begann als urbane Aneignung des öffentlichen Raums und ist heute in Museumssammlungen angekommen. Banksy gehörte laut Monopol-Magazin und Google-Auswertungen regelmäßig zu den meistgesuchten lebenden Künstlern in Deutschland, von 2013 bis 2022, mit einer Ausnahme (2016: Christo).
Die Verbindung zur Druckgrafik ist strukturell: Schablonen sind nichts anderes als Siebdruck-Logik im öffentlichen Raum. Shepard Fairey finanzierte seine eigene Arbeit nach dem Studium mit einem Siebdruckgeschäft für T-Shirts und Sticker. Swoon klebt ihre Papierarbeiten und Blockdrucke an Hauswände. Die Grenze zwischen Grafik-Edition und Straßenkunst ist fließend. Mehr dazu auf der Street Art.
Zeitgenössische Kunst (ab ca. 1980 bis heute)
Zeitgenössische Kunst ist keine Bewegung, sondern ein Zeitraum. Was Künstler heute produzieren, fällt in diese Kategorie, unabhängig vom Stil. Innerhalb dieser Breite spielen Drucktechniken eine lebendige Rolle: Risograph in kleinen Auflagen, Siebdruck als kollaboratives Medium, Radierung als bewusst archaisches Verfahren. Manche zeitgenössische Positionen orientieren sich dabei an der japanischen Wabi-Sabi-Ästhetik, die das Unvollkommene und Prozesshafte im Druck bewusst stehen lässt.
Allein in Deutschland verzeichnet unser Atlas 186 Druckwerkstätten, 53 davon offen ohne Mitgliedschaft. Handwerkliches Wissen wird nicht automatisch weitergetragen. Die Eintragung ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes seit 2018 dokumentiert das. Wie Originale erkannt, bewertet und gepflegt werden, erklärt diese Seite: Originalgrafik erkennen. Mehr auf der Zeitgenössische Kunst.
Wie hängen diese Kunstrichtungen zusammen?
Die Chronologie allein erklärt nicht, warum diese Bewegungen so unterschiedlich und gleichzeitig so verbunden klingen.
Reaktion auf das Vorherige. Impressionismus reagiert auf den Akademismus, Expressionismus auf den Impressionismus, Neue Sachlichkeit auf den Expressionismus, Pop Art auf den abstrakten Expressionismus. Jede Bewegung definiert sich auch darüber, was sie ablehnt.
Medien als Manifest. Die Wahl der Technik war selten neutral. Die Brücke griff zum Holzschnitt, dem rohesten der Verfahren. Warhol wählte den Siebdruck für den "assembly-line effect". Blake erfand ein Verfahren, das Text und Bild auf einer Platte vereinte.
Druckgrafik als Verteilermedium. Bevor ein Stil zum Museum kommt, kommt er oft durch Drucke. Die Impressionisten kamen über Grafiken nach Berlin, nicht über Gemälde. Dix 1924: 70 Mappen, die der Verleger mit der Friedensbewegung durch Deutschland schickte. Ukiyo-e nach Europa: durch Holzschnitte in Wohnzimmern, nicht durch Museen.
Die Druckgrafik ist das Medium der Bewegungen. Nicht immer. Aber erstaunlich oft.
Was verbindet die Epochen technisch?
Grob gesagt gliedern sich alle genannten Kunstrichtungen in vier Drucktechniken:
- Hochdruck (Holzschnitt, Linolschnitt): Erhobene Flächen drucken. Expressionismus, Ukiyo-e, Romantik.
- Tiefdruck (Radierung, Kaltnadel, Aquatinta, Mezzotinto): Vertiefte Linien halten die Farbe. Impressionismus, Neue Sachlichkeit, Romantik.
- Flachdruck (Lithografie, Steindruck): Chemie trennt druckende und nicht-druckende Flächen. Jugendstil, Surrealismus, Abstraktion.
- Durchdruck (Siebdruck): Farbe wird durch ein Sieb gedrückt. Pop Art, Street Art, Zeitgenössisch.
Auffällig ist: Politische Bewegungen (Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Dadaismus) griffen fast immer zum Hochdruck oder Tiefdruck. Dekorative Bewegungen (Jugendstil, Art Déco) zur Lithografie. Und Pop Art wählte den Durchdruck, weil er wie Massenproduktion aussieht.
Für einen Überblick über die Techniken selbst, ihre Geschichte und ihre Erkennungsmerkmale: Originaldruck oder Reproduktion? So erkennst du den Unterschied
Häufige Fragen zu Kunstrichtungen
Was ist der Unterschied zwischen Kunststil und Kunstrichtung?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Streng genommen beschreibt "Kunstrichtung" eine historisch situierte Bewegung mit gemeinsamer Programmatik (wie den Expressionismus), während "Kunststil" auch individuelle Stileigenschaften eines Künstlers meinen kann. In der Praxis sind beide Begriffe austauschbar.
Welche Kunstrichtung hat die stärkste Verbindung zur Druckgrafik?
Am dichtesten ist die Verbindung beim deutschen Expressionismus, beim Jugendstil und bei der Pop Art. Beim Expressionismus war Druckgrafik ein zentrales Medium der Bewegung. Beim Jugendstil definierte das Plakat die Bewegung nach außen. Bei der Pop Art war der Siebdruck nicht Handwerk, sondern Aussage.
Welche Kunstrichtungen entstanden in Deutschland?
Expressionismus (Die Brücke, Dresden 1905; Der Blaue Reiter, München 1911), Dadaismus (Berlin), Neue Sachlichkeit (Mannheim/Berlin) und Bauhaus (Weimar, Dessau) sind im engeren Sinne deutsche Bewegungen oder hatten Deutschland als Hauptschauplatz. Die Affinität zur Druckgrafik ist bei fast allen auffällig hoch.
Müssen Kunstwerke einer Richtung zugeordnet werden?
Nein. Viele der stärksten Werke entstehen genau an den Übergängen zwischen Bewegungen. Käthe Kollwitz wird oft dem Expressionismus zugerechnet, arbeitete aber mit einer Präzision, die eher an Neue Sachlichkeit grenzt. Picasso passte in keine Bewegung vollständig. Solche Unschärfen sind kein Problem, sondern der interessante Teil. Der Kunsthistoriker Ernst Gombrich hat das in seinem Standardwerk auf eine bekannte Formel gebracht:
"There really is no such thing as Art. There are only artists."
– Ernst H. Gombrich, "The Story of Art", Phaidon Press, Eröffnungssatz der Einleitung
Die Etiketten helfen beim Verstehen. Die Werke leben davon, dass sie sich nicht restlos einsortieren lassen.
Was sind Kunstrichtungen, die in Originaldrucken besonders zugänglich sind?
Zeitgenössische Druckgrafik beginnt ab 30 Euro pro Werk. Expressionismus und Bauhaus im Original sind historisch und entsprechend teurer, aber es gibt solide zeitgenössische Positionen, die in dieser Tradition arbeiten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Ausstellung "Der andere Impressionismus: Internationale Druckgraphik von Manet bis Whistler" (2024–2025)
- Metropolitan Museum of Art, Heilbrunn Timeline: "The Etching Revival", "Woodblock Prints in the Ukiyo-e Style"
- Museum of Modern Art, Sammlungsdatenbank: Otto Dix, Der Krieg (1924); Pablo Picasso, The Bull (1945); Andy Warhol, Marilyn Monroe (1967)
- Harvard Art Museums: Twelve Woodcuts by Lyonel Feininger (1920); Victoria and Albert Museum: Cassandre, Normandie (E.648-2017); Van Gogh Museum: Camille Pissarro, Druckgrafik
- Deutsche UNESCO-Kommission, Bundesweites Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, Eintrag Künstlerische Drucktechniken
- Monopol, Google-Jahresrückblick: Banksy bleibt der meistgesuchte Künstler (2022)
- Wikipedia, Artikel Liber Studiorum, William Blake, The Great Wave off Kanagawa, Jules Chéret, Moulin Rouge: La Goulue, Etching revival, Edgar Degas, Mary Cassatt, Ernst Ludwig Kirchner, Brücke (Künstlergruppe), Pablo Picasso, Bauhausdruckerei, Cabaret Voltaire, Kurt Schwitters, Ursonate, George Grosz, Atelier 17, Art Deco, Cassandre, Gustav Friedrich Hartlaub, Käthe Kollwitz, Le Taureau, Andy Warhol, Marilyn Monroe (Warhol), Shepard Fairey, Swoon, The Story of Art, In the Conservatory
Zuletzt aktualisiert am 16.09.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.
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