Japanpapier (Washi): Das Papier der Druckgrafiker
Washi ist ein handgeschöpftes japanisches Papier aus Bastfasern, kein Reispapier. Drei Pflanzen liefern das Rohmaterial: Kozo, Gampi, Mitsumata. Je nach Pflanze und Schöpftechnik entsteht ein Papier, das wasserbasierte Pigmente tief aufnimmt, gleichmäßig mit Feuchtigkeit reagiert und unter dem Baren gleitet ohne zu reißen. Für Mokuhanga ist Washi die physikalische Voraussetzung.
Das Blatt liegt vor ihr, leicht feucht. Inga Eicaite legt den Baren auf die Oberfläche und beginnt den Zug. Was sie spürt: Das Washi gibt nach, puffert den Druck, nimmt den Baren auf. Geduldig, ohne zu reißen.
Das beschreibt einen Druckvorgang, aber auch eine physikalische Tatsache. Washi reagiert auf Druck und Feuchtigkeit anders als jedes westliche Papier. Der Grund liegt in seiner Faserarchitektur. Die Antwort auf das Warum liegt in drei Pflanzen, einer Schöpftechnik mit einem Dispergiermittel aus einer Wurzel und einer Handelsstrecke von Echizen nach Amsterdam, die Rembrandt um 1647 für seine wichtigsten Radierungen nutzte. Washi ist ein Grundstoff der Druckgrafik.
Kozo, Gampi, Mitsumata: Was steckt in einem Blatt?
Drei Pflanzen, drei Charaktere. Washi ist kein einheitliches Material, sondern eine Familie von Papieren, die sich nach Rohstoff, Schöpftechnik und Verwendungszweck unterscheiden.
Kozo, botanisch Broussonetia kazinoki × B. papyrifera, liefert die am häufigsten verwendete Bastfaser. Die Fasern sind bis zu 10 Millimeter lang, was für ein Pflanzenfaserpapier ungewöhnlich viel ist. Diese Länge erklärt die Reißfestigkeit: Ein dünnes Kozo-Blatt hält mehr aus als ein vielfach dickeres Holzschliffpapier, weil die Fasern sich gegenseitig verankern statt zu brechen.
Gampi ist das Paradox dieser drei Pflanzen. Wikstroemia sikokiana wächst nur wild. Seit Jahrhunderten des Papiermachens ist niemand in der Lage gewesen, sie erfolgreich zu kultivieren. Das eleganteste Papier kommt also aus dem unzugänglichsten Rohstoff. Gampi-Fasern sind die feinsten der drei Typen. Sie verleihen dem fertigen Blatt einen natürlichen Seidenglanz und eine Oberfläche, die feinste Linien ohne Ausfransen aufnimmt.
Mitsumata (Edgeworthia chrysantha) liegt zwischen beiden. Das fertige Papier ist weich, glatt, hat einen leichten natürlichen Glanz und eine absorbierende Oberfläche. Traditionell wurde Mitsumata-Papier für offizielle Dokumente und Banknoten verwendet, wo Weichheit und Beständigkeit zusammenkommen mussten.
Aus diesen drei Fasern entstehen sehr unterschiedliche Papierqualitäten. Hosho-Papier (奉書紙) besteht überwiegend aus Kozo, ist schwer und glatt und gilt in Japan als Standardqualität für Holzschnitt-Druck und Kalligrafie. Torinoko-Papier (鳥の子紙) besteht überwiegend aus Gampi, ist ultra-glatt, cremefarben bis goldschimmernd und ist die erste Wahl für Tiefdruck und Chine-collé: Die glatte Oberfläche nimmt feinste Linien auf ohne das Raster zu verwischen. Tengucho liegt unter 9 Gramm pro Quadratmeter, ist nahezu transparent und wird für Chine-collé-Anwendungen eingesetzt, wo das Papier während des Druckvorgangs auf ein schwereres Trägerpapier aufgebracht wird.
Was macht Nagashi-zuki zu einer eigenen Schöpftechnik?
Die beiden grundlegenden japanischen Schöpftechniken heißen Nagashi-zuki (流し漉き, "Fluss-Schöpfen") und Tame-zuki (溜め漉き, "Steh-Schöpfen"). Wer westliches Büttenpapier kennt, kennt Tame-zuki. Das Schöpfsieb wird horizontal gehalten, das Wasser läuft von selbst ab. Was übrig bleibt, ist ein Blatt.
Nagashi-zuki funktioniert anders. Der entscheidende Unterschied ist Neri, ein Schleim aus der Wurzel von Abelmoschus manihot (Tororo-aoi). Neri ist ein natürliches Dispergiermittel: Es hält die Fasern gleichmäßig in der Suspension, verhindert das Zusammenklumpen und verzögert das Abfließen des Wassers. Das gibt dem Schöpfer Zeit.
Diese Zeit nutzt er. Das Schöpfsieb, die Sugeta, wiegt mehrere Kilogramm wenn es voll Suspension hält, und der Schöpfer kippt es in alle Richtungen, wirft überschüssiges Wasser am Rand weg, ein gleichmäßiges Rauschen jedes Mal. Er wiederholt diesen Vorgang mehrfach, die Sugeta schwingt, der milchig-schleimige Neri zieht die Fasern hinter sich her ohne sie zu verdrängen. Was dabei entsteht, ist ein Blatt mit kontrollierter Faserorientierung: Die Fasern liegen gleichmäßig in alle Richtungen verteilt, nicht überwiegend in eine Richtung. Das hat Konsequenzen für alles, was danach passiert.
Das Ergebnis ist dünner, gleichmäßiger und transluzenter als ein Tame-zuki-Blatt. Tame-zuki ergibt dickere, opakere Blätter, die der westlichen Tradition entsprechen.
Nach dem Schöpfen werden die Bögen übereinandergestapelt, ohne Filzeinlagen dazwischen. Neri macht das möglich: Die Bögen kleben nicht aneinander. Dann werden sie gepresst und einzeln auf Holzbretter gestrichen, an der Luft oder in der Sonne getrocknet. Ein nassgeschöpftes Blatt, das sich auf einem Holzbrett selbst in Form trocknet, behält seine Faserorientierung. Das ist der Moment, in dem Nagashi-zuki-Papier seine spezifischen Eigenschaften einzementiert.
Ohne Neri hätte Nagashi-zuki nie existiert. Die Frage ist, warum das jemanden interessieren sollte, der 1647 in Amsterdam eine Druckplatte in Säure taucht.
Was ist aus dem Papier geworden, das ein Mönch 610 mitgebracht hat?
Der Ursprung liegt nicht in Japan. Papiermacherei-Techniken kamen aus China über Korea nach Japan. Die Überlieferung datiert auf das Jahr 610 nach Christus, als der buddhistische Mönch Donchō die Technik von Korea nach Japan brachte.
Im 8. Jahrhundert wurde die Papierherstellung staatlich gefördert. Jede Provinz war verpflichtet, Papier für offizielle Aufzeichnungen zu produzieren. Das Engishiki, ein Verwaltungserlass, der 927 nach Christus abgeschlossen wurde, dokumentiert regionalisierte Papiertypen und die staatliche Produktionspflicht. Das war Verwaltungslogik: Wer Papier produziert, produziert Verwaltung.
Aus dieser regionalen Struktur entstanden über Jahrhunderte eigenständige Papiertraditionen, die den Ukiyo-e-Farbholzschnitt ebenso prägten wie Kalligrafie und religiöse Texte. Drei davon wurden international anerkannt.
2009 trug die UNESCO Sekishū-Banshi (石州和紙) aus der Shimane-Präfektur als erstes handgeschöpftes japanisches Papier einzeln auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit ein. Zunächst stand Shimane allein.
2014 erweiterte die UNESCO den Eintrag und fasste drei Papierregionen unter dem Titel "Washi: Craftsmanship of Traditional Japanese Hand-made Paper" (和紙:日本の手漉和紙技術) zusammen: Sekishū-Banshi aus Shimane, Hon-minoshi aus der Gifu-Präfektur und Hosokawa-shi aus der Saitama-Präfektur. Drei Regionen, drei Papierstile, eine gemeinsame Anerkennung.
Was den Unterschied zwischen Sekishū-Banshi und Hosokawa-shi ausmacht, sind vor allem Rohstoff-Varianten und regionale Fertigungsdetails. Hosokawa-shi aus Saitama gilt als besonders geeignet für offizielle Dokumente und Kunstdrucke, während Sekishū-Banshi traditionell robust und witterungsbeständig gemacht wurde. Beide sind Kozo-Papiere, beide Nagashi-zuki, aber das Wasser, das Klima, die lokale Pflanzengenetik formen das Ergebnis.
2014 trägt die UNESCO drei Papierregionen ein. Was das für die verbleibenden Werkstätten bedeutet, zeigt sich erst in den nächsten Jahrzehnten.
Warum funktioniert Mokuhanga nur mit diesem Papier?
Der japanische Farbholzschnitt, Mokuhanga, verwendet wasserbasierte Pigmente. Dieses Detail bestimmt alles Weitere.
Wasserbasierte Pigmente dringen nur in Papiere mit offener Faserstruktur und hoher Saugfähigkeit ein. Kozo-Nagashi-zuki-Papier schafft genau diese Struktur: Die langen Fasern liegen locker verteilt, die Poren zwischen ihnen sind größer als bei gepressten westlichen Papieren. Farbe, die auf die Oberfläche trifft, wird absorbiert.
Das Papier wird vor dem Druck angefeuchtet. Vorgenässtes Washi dehnt sich aus. Entscheidend ist, wie es sich ausdehnt: durch die Neri-induzierte Faserorientierung aus der Nagashi-zuki-Herstellung dehnt sich Washi gleichmäßig aus. Westliche Papiere dehnen sich ungleichmäßig, weil ihre Fasern überwiegend in eine Richtung liegen. Bei Mehrfarbdruck mit mehreren Holzblöcken bedeutet das: Die zweite Farbe trifft nicht mehr auf die exakt gleiche Stelle wie die erste. Der Druck verschiebt sich. Sorgfalt hilft hier nicht. Die Fasern liegen falsch, der Druck verschiebt sich, egal wie präzise der Drucker arbeitet.
Der Baren, das Reibewerkzeug des Mokuhanga-Druckers, stellt eine dritte Anforderung. Er überträgt Druck ohne Presse, durch Reiben. Dafür braucht er eine Oberfläche, die gleichzeitig gleitet und saugt. Nagashi-zuki-Papier ist leicht texturiert, aber nicht rau. Rau würde schleifen. Glatt würde gleiten ohne Pigment aufzunehmen. Der Punkt dazwischen ist präzise, und Washi trifft ihn.
In der professionellen Mokuhanga-Praxis gilt Washi als Standard, weil kein anderes Material die drei Anforderungen gleichzeitig erfüllt: kontrollierte Feuchtigkeitsaufnahme, vorhersehbare gleichmäßige Dehnung, Baren-Kompatibilität. Ein Amsterdamer Drucker wusste das schon 1647, ohne je Mokuhanga gesehen zu haben.
Wer hat Rembrandts Papier nach Amsterdam gebracht?
Eine Schiffsrechnung der "De Swaen" vom 1. Oktober 1643 belegt zwei Fässer japanisches Papier, importiert nach Amsterdam. Die Lieferung kam über Deshima, den VOC-Handelsstützpunkt bei Nagasaki, dem einzigen Ort, wo Europa und Japan im 17. Jahrhundert Handel treiben durften. Ob dieses konkrete Papier Rembrandt erreichte, ist nicht belegt: Die VOC-Aufzeichnungen deckten nie den gesamten Export ab, und Privathandel blieb undokumentiert. Fest steht: Ab ca. 1647 begann Rembrandt systematisch auf japanischem Papier zu drucken.
Das Papier war Gampi: goldgelb-rötlich schimmernd, mit einer Oberfläche, die feinste Linien aufnahm. Das Echizen-Gebiet in der heutigen Fukui-Präfektur gilt als eine der traditionellen Gampi-Regionen Japans.
Was Rembrandt auf diesem Papier druckte, ist direkt aus der Rijksmuseum-Sammlung belegbar. Das Hundert-Gulden-Blatt (Christus heilt die Kranken, ca. 1648, RP-P-OB-602): echtes japanisches Papier, handgeschöpft. Rembrandt druckte mehrere Zustände dieses Blatts auf Gampi-Papier. Heiliger Hieronymus liest in einer italianisierten Landschaft (ca. 1653, RP-P-OB-184): ebenfalls echtes japanisches Papier. Und die Vier Illustrationen zu Menasseh Ben Israels "Piedra Gloriosa" (1655, RP-P-OB-66): japanisches Papier.
Das letzte dieser Werke verdient einen kurzen Blick. Menasseh Ben Israel war ein sephardischer Rabbiner und Drucker in Amsterdam, den Rembrandt kannte. Sein Buch "Piedra Gloriosa" war ein kabbalistisches Werk. Rembrandt illustrierte es auf japanischem Papier: Das Papier reiste von Echizen (Fukui-Präfektur) nach Deshima, von Deshima nach Amsterdam, von Amsterdam in Rembrandts Atelier und von dort in ein hebräisches Buchprojekt. In einem einzigen Objekt vereinen sich der VOC-Japanhandel, die sephardisch-jüdische Gelehrtenwelt und die europäische Druckgrafik.
Das Gampi-Papier tat für Rembrandts Radierungen etwas, das europäisches Papier nicht konnte: Es wärmte die Schwarz-Weiß-Abstufungen auf, gab ihnen einen goldenen Grundton, der die Tiefen des Tiefdruckverfahrens nicht schluckte, sondern noch vertiefte.
Der Amsterdamer Markt registrierte das sofort. Die Rijksmuseum-Sammlungsdatenbank unterscheidet bei Rembrandt-Drucken systematisch zwischen echtem "Japans papier (handgeschöpft)" und "imitatie Japans papier", europäischen Papieren, die das Aussehen japanischen Papiers imitierten, aber westliche Fasern enthielten. Der Markt schuf Imitate. Rembrandt benutzte für seine wichtigsten Drucke weiterhin das Original.
Rund 150 Jahre später griff die französische Druckgrafik auf dieselbe Eigenschaft zurück. Die Chine-collé-Technik, entwickelt in Frankreich im frühen 19. Jahrhundert, klebt ein dünnes japanisches oder chinesisches Papier während des Druckvorgangs mit Leim auf ein schweres Trägerpapier, in einem einzigen Pressgang. Eugène Delacroix' "Cheval effrayé sortant de l'eau" (1828) gilt als ein frühes dokumentiertes Chine-collé-Beispiel in einer bedeutenden europäischen Sammlung. So kann man von der Oberfläche des Gampi-Papiers profitieren, ohne das ganze Blatt aus dem leichten, empfindlichen Material zu fertigen.
Was spürt Inga Eicaite, wenn das Papier nachgibt?
Der Baren-Zug über das vorgenässte Blatt ist das Moment, in dem Druckerin und Material am stärksten kommunizieren. Das Papier muss gleichzeitig gleiten und saugen. Zu glatt, und der Baren überträgt keinen Druck. Zu rau, und er kratzt statt zu reiben. Washi trifft genau den Punkt dazwischen, Mal für Mal, weil die Nagashi-zuki-Oberfläche reproduzierbar ist. Eine Druckerin, die dieses Papier kennt, weiß was sie beim nächsten Bogen vorfindet.
Inga Eicaite druckt auf Washi. Beim japanischen Holzschnitt wird das Papier zum Mitspieler im Druckergebnis. Die wasserbasierte Pigmentschicht dringt in die Fasermatte ein, nicht nur an die Oberfläche. Was ein Betrachter sieht, ist ein eingebettetes Bild.
Das Pigment sitzt im Papier. Die Bastfasern haben von Natur aus einen neutralen bis leicht alkalischen pH, den die Neri-basierte Verarbeitungsweise erhält. Holzschliffpapier vergilbt, versprödet, bricht. Washi nicht. Historische Washi-Dokumente aus der Nara-Periode überdauern Jahrhunderte.
Das Washi, das Eicaite in Hannover-Linden nutzt, stammt aus einer Region mit langer Washi-Tradition. Echizen in der Fukui-Präfektur produziert seit Jahrhunderten Papier und gilt als eine der traditionellen Gampi-Regionen Japans. Es ist die nüchterne Entscheidung, ein Material zu nehmen, das physikalisch macht was man braucht.
Was eine Druckerin heute auf Nagashi-zuki-Kozo zieht, wird länger halten als alles, was sie auf holzhaltigem Papier gedruckt hätte.
Wo hört das Material auf, wo fängt die Technik an? Beim Mokuhanga ist die Antwort: nirgends. Faser, Feuchtigkeit und Holzblock greifen ineinander, das Papier ist Teil des Verfahrens.
Häufig gestellte Fragen zu Japanpapier (Washi)
Was ist der Unterschied zwischen Washi und normalem Papier?
Washi wird aus Bastfasern (Kozo, Gampi oder Mitsumata) im Nagashi-zuki-Verfahren geschöpft: Das Sieb schwingt in alle Richtungen, ein natürlicher Schleim namens Neri hält die Fasern gleichmäßig verteilt. Das Ergebnis sind ungewöhnlich lange Fasern in einer offenen, gleichmäßigen Struktur, die wasserbasierte Pigmente tief aufnimmt und bei Feuchtigkeit vorhersehbar reagiert. Der entscheidende Praxisunterschied für die Druckgrafik: Washi kann Wochen vor dem Druck in feuchtem Zustand zwischen Plastikfolien gelagert werden, ohne dass es schimmelt oder seine Faserstruktur verliert, weil der alkalische pH keinen Nährboden bietet.
Welches Japanpapier eignet sich für Radierungen?
Für Tiefdruck (Radierung, Kaltnadel, Aquatinta) ist Torinoko das klassische Washi. Überwiegend aus Gampi-Fasern, hat es eine ultra-glatte Oberfläche, die feinste Linien aufnimmt ohne das Raster zu verbreitern. Die seidenartige Textur und der natürliche Glanz des Gampi geben dem fertigen Druck eine Wärme, die auf westlichem Papier nicht erreichbar ist. Für Chine-collé-Anwendungen kommt Tengucho in Frage: unter 9 Gramm pro Quadratmeter, fast transparent, wird während des Druckgangs auf ein schweres Trägerpapier aufgeklebt.
Warum muss Washi vor dem Druck angefeuchtet werden?
Für Mokuhanga ist Vorwässern zwingend: Wasserbasierte Pigmente dringen nur in feuchtes Papier tief ein, und das vorgenässte Washi dehnt sich durch seine gleichmäßige Faserorientierung vorhersehbar aus, so dass der Register bei Mehrfarbdruck stimmt. In der Praxis werden Bögen beidseitig mit einem feuchten Schwamm oder Pinsel benetzt und dann 15 bis 30 Minuten gestapelt, bis die Feuchtigkeit gleichmäßig ins Blatt gezogen ist. Zu nass, und das Pigment schwimmt; zu trocken, und es haftet nicht tief genug.
Was bedeutet UNESCO-Kulturerbe für Washi?
2009 trug die UNESCO Sekishū-Banshi (Shimane-Präfektur) als ersten Washi-Typ auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes ein. 2014 erweiterte die UNESCO den Eintrag auf drei Typen: Sekishū-Banshi (Shimane), Hon-minoshi (Gifu) und Hosokawa-shi (Saitama). Der Eintrag gilt für das Handwerk, nicht für das Papier als Produkt. Die praktische Folge: Werkstätten in den drei Regionen erhalten staatliche Förderung und Ausbildungsplätze, und das Papier darf auf dem Markt mit dem UNESCO-Label gekennzeichnet werden. Ob der Status die Produktion langfristig sichert oder nur dokumentiert, dass sie schrumpft, ist in den betroffenen Regionen eine offene Diskussion.
Ist Washi dasselbe wie Reispapier?
Nein, und dieser Mythos sitzt hartnäckig. Washi hat nichts mit Reis zu tun. Die drei Rohstoffe sind Bastfasern: Kozo (Maulbeerbast), Gampi (Wikstroemia sikokiana, eine wilde Bast-Pflanze) und Mitsumata (Edgeworthia chrysantha). "Reispapier" ist ein irreführender Volksname, der wahrscheinlich aus dem historischen Handel stammt, wo japanische Waren pauschal mit "Reis" assoziiert wurden. Kein traditionelles japanisches Druckpapier enthält Reisfasern.
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026.
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Quellen und weiterführende Literatur
- UNESCO, Washi: Craftsmanship of Traditional Japanese Hand-made Paper (2014)
- UNESCO, Sekishu-Banshi: papermaking in the Iwami region of Shimane Prefecture (2009)
- Hiromi Paper, History of Washi
- Rijksmuseum Amsterdam, Sammlungsdatenbank (RP-P-OB-602, RP-P-OB-184, RP-P-OB-66)
- National Gallery of Victoria, Rembrandt Etchings on Oriental Papers
- Poj.co.jp, Nagashi-zuki: Japanese Papermaking Process
- Tate, Glossary: Chine-collé