Fotoemulsion im Siebdruck

Die Fotoemulsion im Siebdruck ist eine lichtempfindliche Schicht, die auf das Siebgewebe aufgetragen, getrocknet und mit UV-Licht belichtet wird. Belichtete Bereiche härten aus und blockieren die Farbe. Unbelichtete Bereiche lassen sich mit Wasser herauswaschen. Was übrig bleibt, ist die Druckschablone.

Wer die Fotoemulsion im Siebdruck zum ersten Mal auf dem Gewebe sieht, schaut auf eine nasse, leicht gelblich-grüne Schicht. Das Sieb liegt auf dem Tisch, die gelbe Sicherheitslampe brennt. In zehn, zwanzig Minuten kommt das UV-Licht. Was dann passiert, entscheidet, ob die Farbe später deckend und präzise sitzt oder ob nach dem dritten Durchgang alles leicht verschwimmt.

Fehler in der Emulsionsphase sind irreversibel. Eine schlecht gehärtete Schablone löst sich beim dritten Farbdurchgang. Bei zu dünner Emulsionsschicht kommt es zu Farbdurchschlag an den Rändern. Und wer zu kurz belichtet, hat das Problem spätestens nach einigen Durchgängen mit der Rakel.

Wie macht die Emulsion aus einem Gewebe eine Druckschablone?

Das Siebgewebe, gespannt in einem Rahmen aus Aluminium oder Holz, ist zunächst offen: Jede Masche ist durchlässig, Farbe würde durch die gesamte Fläche fließen. Die Aufgabe der Fotoemulsion ist es, ausgewählte Bereiche des Gewebes dauerhaft zu verschließen, sodass nur das Motiv durchdruckt.

Der erste Schritt ist das Beschichten. Eine Beschichtungsrinne, ein längliches Metallwerkzeug mit abgerundeter Kante, wird mit Emulsion gefüllt. In einem gleichmäßigen Aufwärtszug über das gespannte Gewebe geführt, dringt die Fotoemulsion, im Werkstattdeutsch auch Kopierschicht genannt, in die Maschen des Gewebes ein und bildet gleichzeitig eine dünne Schicht auf der Gewebeoberfläche. Zu langsam ergibt eine zu dicke Schicht, zu schnell eine zu dünne. Siebdruck-Beschichten ist eine körperliche Fertigkeit: Nach einer Weile stimmt der Winkel der Rinne, der Druck, der Zug. Vorher ist es Raten und Üben.

Beschichtungsrinne zieht Fotoemulsion in gleichmäßigem Aufwärtszug über gespanntes Siebgewebe, gelblich-grüne Emulsionsschicht glänzt auf dem Rahmen.
Beschichtungsrinne auf dem Siebrahmen: Die Emulsion dringt in die Maschen und bildet die lichtempfindliche Schicht. Foto: Antonia Reber.

Das frisch beschichtete Sieb muss vollständig trocknen, bevor es belichtet werden kann. Professionelle Druckwerkstätten arbeiten mit Trockenschränken, die genau diese Bedingungen halten. Wer in einem normalen Atelier bei Raumtemperatur trocknet, braucht erheblich länger und riskiert, dass Feuchtigkeitsreste in der Emulsionsschicht die spätere Belichtung beeinträchtigen. Das Sieb muss im Dunkeln oder unter gelbem Sicherheitslicht gelagert werden: sichtbares Weißlicht würde die Emulsion vorzeitig aushärten.

Dann die Belichtung. Das getrocknete Sieb wird in die Belichtungseinheit eingelegt, das Filmpositiv (eine transparente Folie mit dem Druckbild in tiefem, deckendem Schwarz) wird flach auf das Gewebe aufgelegt. UV-Licht mit Wellenlängen zwischen 350 und 420 Nanometern trifft auf die Emulsionsschicht. Wo das Licht durch die klare Folie fällt, löst es eine chemische Vernetzungsreaktion aus: Die Emulsion härtet vollständig aus und haftet dauerhaft am Gewebe. Wo das schwarze Druckbild auf der Folie das Licht abschirmt, bleibt die Emulsion unvernetzt.

Nach der Belichtung kommt das Auswaschen. Das Sieb wird mit Wasser besprüht oder eingetaucht. Die unbelichteten Bereiche, die zukünftigen Druckstellen, lösen sich heraus. Was bleibt, ist die Siebdruckschablone: hartes Emulsionsrelief ringsum das Motiv, offene Gewebefläche dort, wo die Farbe später durchgedrückt werden soll. Wie der vollständige Prozess vom Sieb bis zum fertigen Blatt aussieht, beschreibt die Serigrafie-Übersicht. Die Technik wurde durch Künstler wie Andy Warhol populär, der den Siebdruck in der Pop Art zu seinem Hauptmedium machte.

Diazo, Dual-Cure, SBQ: Welche Emulsion für welchen Einsatz?

Diazo, Dual-Cure, SBQ-Photopolymer: Die gängigen Emulsionstypen unterscheiden sich in Haltbarkeit, Belichtungsgeschwindigkeit und Aufwand bei der Vorbereitung. Die Entscheidung zwischen ihnen ist keine Markenpräferenz, sondern eine praktische Abwägung.

Wer Siebdruck lernt, fängt meistens mit Diazo an. Es ist günstig und weit verbreitet, und der zweiteilige Aufbau lehrt ein wichtiges Prinzip. Diazo-Emulsion kommt als zwei Komponenten: Basis-Emulsion und Diazo-Pulver werden erst vor dem Einsatz angemischt. Nach dem Anmischen ist die gemischte Emulsion 30 bis 45 Tage verwendbar, wenn sie kühl und lichtgeschützt gelagert wird. Die Belichtungszeiten sind vergleichsweise lang, was für Einsteiger eher hilfreich ist: Bei langen Belichtungszeiten hat man mehr Toleranz für kleine Abweichungen.

Dual-Cure-Emulsionen enthalten bereits beides: Diazo-Komponente und Photopolymer-Anteile. Kürzere Belichtungszeiten bei gleichzeitig besserer Detailauflösung sind das Ergebnis. Dual-Cure ist die praktische Lösung für Werkstätten, die mit wechselnden Motiven und unterschiedlichen Gewebefeinheiten arbeiten: Das System verzeiht etwas mehr bei der Belichtung und erzeugt trotzdem präzise Schablonenkanten.

SBQ-Photopolymer-Emulsionen stehen am anderen Ende des Spektrums. Die Emulsion kommt gebrauchsfertig, ohne Anmischen, und hält bis zu einem Jahr. Belichtungszeiten sind deutlich kürzer als bei Diazo. Der japanische Hersteller Murakami Screen brachte im Juli 1985 eine solche Emulsion auf den Markt, nicht zu verwechseln mit dem japanischen Gegenwartskünstler gleichen Namens.

Für die Praxis in Kunstwerkstätten ist diese Progression relevant: Diazo eignet sich für den Einstieg und kurze Betriebszeiten. Dual-Cure trifft die meisten Werkstätten, die täglich verschiedene Motive belichten. SBQ kommt bei professionellen Betrieben mit hohem Durchsatz oder sehr feinen Gewebetypen zum Einsatz. Antonia Reber druckt in der Siebdruckwerkstatt des Künstlerhauses Stuttgart, ausgestattet mit einem Drucktisch von 100 × 140 cm und einer professionellen Belichtungsanlage. Welche Emulsion dort zum Einsatz kommt, ist eine Werkstatt-Entscheidung, die von den Motiven, den Gewebetypen und dem Druckrhythmus abhängt. Die Wahl beeinflusst die Schärfe feiner Strukturen, die Belichtungstoleranz und am Ende die Reproduzierbarkeit über mehrere Farbdurchgänge.

Die historische Dimension gehört zum Handwerk: Die ersten fotochemischen Schablonen für den Siebdruck entstanden in den 1910er Jahren auf Basis von Chromsalzen mit Leim und Gelatine. Das Prinzip, lichtempfindliche Schichten durch UV-Belichtung zu vernetzen, ist seither das gleiche geblieben. Die frühen Bichromat-Schablonen enthielten Chromsalze, die heute als krebserregend eingestuft sind. Die Firma Ulano, Ende der 1920er Jahre gegründet, war ab Mitte der 1970er Jahre maßgeblich am Branchenwechsel von Bichromaten zu Diazo beteiligt.

Woran scheitern Belichtungen?

Fehler in der Emulsionsphase sind die häufigste Ursache dafür, dass ein Druck nie die Qualität erreicht, die das Motiv erlauben würde.

Antonia Reber zieht Rakel über Siebdruckrahmen, Farbschicht wird durch die belichtete Schablone auf Papier gedrückt.
Das Ergebnis des Emulsionsprozesses: Die Rakel drückt Farbe durch die offenen Bereiche der Schablone. Foto: Antonia Reber.

Unterbelichtung. Wer zu kurz belichtet, bemerkt das oft schon beim Auswaschen: Die unzureichend gehärtete Emulsion wird schleimig und löst sich in belichteten Bereichen teilweise auf. Bei leichter Unterbelichtung übersteht die Schablone das Auswaschen zunächst, verliert aber unter dem Druck der Rakel nach einigen Durchgängen die Stabilität. Details verschwimmen, Ränder werden unscharf. Bei einem mehrfarbigen Druck mit sechs oder acht Durchgängen bedeutet das, dass frühe Farblagen am Ende nicht mehr sauber sitzen.

Die Lösung klingt trivial: länger belichten. Aber die richtige Belichtungszeit hängt von Emulsionstyp, Gewebefeinheit, Schichtdicke und der Lichtleistung der Belichtungsanlage ab. Professionelle Werkstätten führen Stufentests durch: Dabei wird die Belichtungszeit in mehreren Schritten variiert und das jeweilige Ergebnis nach dem Auswaschen bewertet. Keine Schätzung, sondern systematisches Kalibrieren.

Ungenügende Filmvorlage. Die Transparentfolie mit dem Druckbild muss absolut deckend schwarz sein. Grau, leicht transparent, leicht körnig: Das reicht nicht. An den Stellen, wo das Schwarz nicht vollständig deckt, trifft UV-Licht durch die Folie auf die Emulsion. Die Schablone härtet genau dort aus, wo Farbe durchkommen soll. Die Schablone ist dann in den Druckbereichen teilweise verschlossen: Feiner Text verliert Lesbarkeit, scharfe Konturen werden ausgefranst.

Zu feine Details im Verhältnis zur Gewebefeinheit. Details in der Schablone brauchen Haftung an mindestens drei bis vier Fäden des Gewebes, um beim Druck stabil zu bleiben. Wer ein Gewebe mit grober Maschenweite für ein Motiv mit feinen Linien verwendet, bekommt eine Schablone, die in den Detailbereichen schlicht nicht halten kann. Der Faden ist zu dick, der Zwischenraum zu groß. Die Emulsion liegt über den Maschen, nicht in ihnen.

Das ist der Grund, warum in Kunstdruckwerkstätten verschiedene Gewebetypen für verschiedene Motive verwendet werden. Feinmaschig für Motive mit Linien und Text, grobmaschig für große Farbflächen, die deckend drucken sollen. Die Emulsion ist in diesem System nicht die einzige Variable, aber die, die alle anderen zusammenhält.

Was unterscheidet eine Kunstwerkstatt-Schablone vom Hobbyraum-Tutorial?

Wer Siebdruck-Anleitungen online sucht, bekommt überwiegend Prozessbeschreibungen, die funktionieren. Emulsion auftragen, Sieb an die Sonne halten, Schablone auswaschen, drucken. Das ist nicht falsch. Es erklärt aber nicht, warum ein Siebdruck aus einer professionellen Kunstwerkstatt eine andere Präzision hat als der gut gemeinte Druck vom Küchentisch.

UV-Belichtungseinheit für Siebdruck, tiefes Blau-Violett des UV-Lichts vernetzt die Fotoemulsion auf dem Siebrahmen.
UV-Belichtung der Schablone: Eine professionelle Belichtungsanlage liefert reproduzierbare Lichtleistung, unabhängig von Wetter und Tageszeit. Foto: Antonia Reber.

Der Unterschied liegt in der Summe der Kontrolle. Sonnenlicht hat schwankende UV-Intensität. Ein Trockenschrank mit stabilen 40 Grad und unter 35 Prozent Luftfeuchtigkeit hat das nicht. Eine professionelle Belichtungsanlage liefert reproduzierbare Lichtleistung, unabhängig vom Wetter und der Tageszeit. Moderne UV-LED-Einheiten brauchen etwa 100 Watt statt der 10.000 Watt älterer Metallhalogenid-Lampen.

Das Entscheidende ist nicht, dass professionelle Werkstätten bessere Geräte haben, auch wenn das stimmt. Es ist, dass sie diese Variablen kennen, systematisch kontrollieren und dokumentieren. Wer weiß, bei welcher Belichtungszeit und welcher Emulsionsschichtdicke ein bestimmtes Gewebe mit einem bestimmten Motiv optimal funktioniert, kann das replizieren. Über sechs Farbdurchgänge. Über fünf Exemplare einer Auflage. Sichtbar wird das in der Registerhaltigkeit: Alle Farblagen sitzen passgenau übereinander, keine Verschiebung zwischen erstem und sechstem Durchgang.

Rebers Werkstatt im Künstlerhaus Stuttgart ist dafür ein konkretes Beispiel: klare Entscheidungen über Gewebefeinheit und Emulsionstyp pro Motiv, dokumentiert und wiederholbar. Die Emulsionsphase ist dort nicht trennbar vom Druckergebnis, sondern Teil davon, was das fertige Bild kann. Den genauen Entstehungsprozess dieser Arbeiten beschreibt die Seite zu Antonia Reber. Wer den Unterschied zwischen Originaldruck und Reproduktion verstehen will, findet die Grundlagen auf Original vs. Kunstdruck. Wenn Künstler dieses Verfahren gezielt für Originalgrafik einsetzen, heißt das Ergebnis Serigrafie.

Häufige Fragen

Was ist eine Fotoemulsion im Siebdruck?

Siebdruckgewebe ist ohne Behandlung vollständig offen: Farbe würde durch jeden Punkt der Fläche fließen. Die Fotoemulsion ist die lichtempfindliche Schicht, die das ändert. Aufgetragen auf das Siebgewebe, getrocknet und mit UV-Licht belichtet, härtet sie an den belichteten Stellen aus. Die unbelichteten Bereiche lassen sich mit Wasser auswaschen und werden zu den Druckstellen der fertigen Schablone.

Was ist der Unterschied zwischen Diazo und Photopolymer-Emulsion?

Diazo-Emulsionen müssen vor dem Einsatz aus zwei Komponenten angemischt werden und haben nach dem Anmischen eine Haltbarkeit von 30 bis 45 Tagen. Photopolymer-Emulsionen (SBQ-Typ) kommen gebrauchsfertig, halten bis zu ein Jahr und haben kürzere Belichtungszeiten. Dual-Cure-Emulsionen kombinieren Anteile beider Systeme und bieten eine gute Belichtungstoleranz für gemischten Einsatz.

Was passiert bei Unterbelichtung?

Die chemische Vernetzung bleibt unvollständig, und die Schablone hält nicht, was sie verspricht. Bei starker Unterbelichtung zeigt sich das sofort: Die Emulsion löst sich beim Auswaschen schleimig auf, auch in Bereichen, die eigentlich hart sein sollten. Bei knapper Unterbelichtung sieht die Schablone zunächst intakt aus, verliert aber nach wenigen Farbdurchgängen die Präzision: Kanten werden unscharf, Feinstrukturen verschwimmen, und bei einem mehrstufigen Druck sitzen frühe Farblagen am Ende nicht mehr sauber.

Warum druckt meine Schablone feine Details nicht sauber?

Häufigste Ursache ist eine Diskrepanz zwischen Gewebefeinheit und Motivdetail. Feine Strukturen brauchen Haftung an mehreren Gewebefäden; auf groben Geweben fehlt diese Unterstützung. Zweithäufigste Ursache: Die Filmvorlage ist nicht deckend genug schwarz, sodass UV-Licht durch die Druckstellen fällt und die Emulsion dort aushärtet. Eine zu dünne Emulsionsschicht kann ebenfalls die Ursache sein.

Wie lange muss eine Siebdruck-Emulsion trocknen?

Unter optimalen Bedingungen (ca. 40 Grad Celsius, unter 35 Prozent Luftfeuchtigkeit) mindestens 60 Minuten. Bei Raumtemperatur und normaler Luftfeuchtigkeit deutlich länger. Unvollständig getrocknete Emulsionen zeigen beim Belichten oft Randunschärfen oder haften nach dem Auswaschen nicht zuverlässig am Gewebe.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Murakami Co., Unternehmensgeschichte (Fotoemulsions-Entwicklung 1985)
  • Screen Printing Now, Emulsionstypen-Vergleich (Diazo, Dual-Cure, SBQ)
  • Siebdruck-Versand, Beschichtung und Trocknung, Problemlösungen
  • Anatol Equipment Manufacturing, UV-LED-Belichtungseinheiten im Vergleich

Zuletzt aktualisiert am 28.05.2026.

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

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