Horst-Janssen-Museum Oldenburg

Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg ist ein städtisches Grafikmuseum, das 2000 eröffnete. Es zeigt das zeichnerische und druckgrafische Gesamtwerk des Hamburger Künstlers Horst Janssen und geht auf eine private Sammlung des Hamburger Ehepaars Vogel zurück, die der Unternehmer Claus Hüppe 1995 als Grundstock erwarb.

Ein efeubewachsener Grabstein steht auf dem Gertrudenkirchhof in Oldenburg, davor eine kleine Holzbank. Wer hier steht, hört den Verkehr der nahen Straßen. Auf dem Stein steht ein Satz von Georg Christoph Lichtenberg: "Mir tut es allemal weh, wenn ein Mann von Talent stirbt, denn die Welt hat dergleichen nötiger als der Himmel." Wenige Gehminuten entfernt steht das Horst-Janssen-Museum, benannt nach dem Mann, der hier begraben liegt.

Janssen hat einen großen Teil seines Berufslebens in Hamburg verbracht. Begraben liegt er trotzdem in Oldenburg, in der Stadt, in der er aufwuchs. Warum ein Museum über einen Künstler mit Hamburger Werkstatt ausgerechnet hier steht, wenige Schritte von seinem Grab, lässt sich nur verstehen, wenn man von vorne anfängt.

Wer war der Junge aus der Lerchenstraße 14?

Janssen zieht als Kind mit seiner Mutter zu den Großeltern in die Lerchenstraße 14 in Oldenburg. Der Großvater ist Schneidermeister, Johann Friedrich Janßen, genannt Fritz, und mit der Großmutter Anna Janßen nimmt er den Jungen auf. 1943 stirbt die Mutter. Der Junge wächst von da an bei den Großeltern auf, in einem Giebelhaus, in einer Straße, die heute mit Hörgängen, also Audio-Stationen, an ihn erinnert.

Wie aus diesem Kind ein Künstler wird, dessen Name später vor allem mit Hamburg verbunden ist, lässt sich in Oldenburg nicht mehr ablesen. Janssen verlässt die Stadt der Großeltern und führt sein Leben als Künstler andernorts.

Warum ehrte die Stadt einen Mann, der längst in Hamburg lebte?

Am 14. November 1992, seinem 63. Geburtstag, verleiht die Stadt Oldenburg Horst Janssen die Ehrenbürgerwürde. Zu diesem Zeitpunkt lebt und arbeitet Janssen längst in Hamburg. Mit der Ehrenbürgerwürde macht ihn die Stadt, in der er aufwuchs, offiziell zu ihrem Bürger, während sein Berufsleben andernorts stattfindet.

Diese Geste ist nicht die letzte, mit der Stadt und Künstler sich noch einmal aneinander binden. Drei Jahre später folgt eine zweite, die endgültiger ausfällt.

Was geschah im Spätsommer 1995?

Janssen stirbt am 31. August 1995 in Hamburg. Am 8. September 1995 zieht der Trauerzug durch die Fußgängerzone Oldenburgs zur Lambertikirche. Begraben wird er auf dem Gertrudenkirchhof, so hatte er es testamentarisch verfügt. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann bringt es später auf einen Satz: "Er wollte die Ewigkeit hier verbringen."

Ein Grab ist trotzdem noch kein Museum. Dass in Oldenburg eines entstand, geht auf eine andere Entwicklung zurück, die unabhängig vom Tod verlief: den Aufbau einer Sammlung.

Wie wurde aus einer Hamburger Privatsammlung ein Oldenburger Museumsgrundstock?

1995 kauft der Oldenburger Unternehmer Claus Hüppe die Janssen-Sammlung des Hamburger Ehepaars Carin und Carl Vogel für 1,5 Millionen D-Mark. Es sind 1.800 Blätter, die damit von Hamburg nach Oldenburg wechseln. Hüppe, geboren 1924 und gestorben 2009, hatte 1991 eine eigene Stiftung gegründet und wurde zum wesentlichen Initiator des Museumsprojekts.

Gebäude des Horst-Janssen-Museums in Oldenburg am Stadtmuseum
Das Museumsgebäude Am Stadtmuseum in Oldenburg. Foto: Jürgen Howaldt, CC BY-SA 2.0 DE.

Am 3. Juni 1997 gründet sich der Verein Freunde und Förderer des Horst-Janssen-Museums Oldenburg e.V. Sein Satzungszweck ist konkret: Bau und Betrieb des Hauses nach Kräften zu fördern, insbesondere durch Öffentlichkeitsarbeit, finanzielle Unterstützung und Ergänzungen der Sammlung. Heute hat der Verein mehrere hundert Mitglieder. Am 19. Mai 1999 setzt ein symbolischer Spatenstich im Garten des Stadtmuseums den Bau in Gang. Am 13. November 2000 folgt die feierliche Eröffnung, Bundeskanzler Gerhard Schröder ist anwesend. Die Eröffnungsausstellung trägt den Titel "Ich sehe mich in allem anderen - Metamorphosen im Werk Horst Janssens".

Das Museum beschreibt sich selbst als "ein mit bürgerschaftlichem Engagement errichtetes Grafikmuseum von nationalem und internationalem Zuschnitt". Wer heute durch die Säle geht, begegnet Horst Janssens Werk in seiner ganzen Breite, von den Selbstbildnissen über die Blumenstillleben bis zu den Zeichnungen. Was mit einer Sammlung und einem Verein begann, wird jetzt zu einem Gebäude, das zwei bislang fremde Häuser zusammenführt.

Was macht der geschwungene Bau zwischen Stadtmuseum und Gründerzeit-Villen?

Entworfen wurde das Gebäude von Peter Reinig, der als Leiter des Hochbauamts Oldenburg das Team führte, gemeinsam mit Meike Dreyer und Carl Deters. Bei Baubeginn auf rund 11 Millionen D-Mark geschätzt, kostete der Neubau am Ende 11,7 Millionen Mark. Er bietet rund 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Außenansicht des Horst-Janssen-Museums Oldenburg, der geschwungene Neubau zwischen Stadtmuseum und Gründerzeit-Villen
Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg, der geschwungene Neubau zwischen dem älteren Stadtmuseum und zwei Gründerzeit-Villen.

Der Baukörper selbst ist eine geschwungene Form, die das ältere Stadtmuseum aus den 1960er Jahren mit zwei Gründerzeit-Villen verbindet. Im Erdgeschoss ist die Fassade glasoffen, die Obergeschosse sind weiß verputzt, die oberste Ebene ist metallverkleidet. So treffen auf einem Grundstück drei Bauepochen aufeinander, das ältere Stadtmuseum, die Gründerzeit-Villen und der Neubau, ohne dass eine die andere verdrängt. Was hinter der Glasfassade zu sehen ist, folgt dabei einer festen Ordnung.

Was sieht man in der Dauerausstellung, und wie ist die Sammlung seit 2000 gewachsen?

Die Dauerausstellung gliedert sich in vier Themenbereiche: Biografie mit Audiostationen und Zeitzeugenberichten, Drucktechniken mit erklärenden Videos, Geschichte der Zeichnung und ein Bereich namens "Wie er schreibt" zu Janssen als Autor und Illustrator. Im Themenbereich Drucktechniken stehen Holzschnitt, Lithografie und Radierung nebeneinander, die klassischen Verfahren der Druckgrafik, mit Erklärvideos, die zeigen, wie sich die drei praktisch unterscheiden. Gezeigt werden vor allem Janssens Selbstbildnisse, seine Blumenstillleben, entlarvende Porträts und die erotisch aufgeladenen Fleischzeichnungen. Aus Lichtschutzgründen wechseln die gezeigten Blätter mehrmals im Jahr, das komplette Konvolut hängt also nie gleichzeitig. 2020 eröffnete eine grundlegend überarbeitete Fassung der Dauerausstellung unter dem Titel "Horst Janssen – Neu entdeckt!".

Horst-Janssen-Platz vor dem Museum in Oldenburg
Der Horst-Janssen-Platz vor dem Museum in Oldenburg. Foto: Ulli 2mecs, CC BY-SA 4.0.

Zum Haus gehört außerdem eine Bibliothek mit 25.000 Kunstbänden, darunter nahezu alle Veröffentlichungen Janssens selbst. Die wissenschaftliche Leitung übernahm mit der Eröffnung 2000 die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Moster-Hoos, die allein in der ersten Dekade des Hauses rund 37 Sonderausstellungen verantwortete.

Die Sammlung ist seit der Eröffnung mehrfach gewachsen. 2016 kam die Sammlung Stefan Blessin hinzu, 315 Aquarelle, Drucke und Zeichnungen für 1,5 Millionen Euro, die im April 2017 ans Haus übergingen.

Ein eigenes Kapitel ist der Horst-Janssen-Grafikpreis. Die Claus-Hüppe-Stiftung vergibt ihn seit 2003, meist im Abstand von drei Jahren, an zeitgenössische Grafiker, dotiert mit 20.000 Euro. Zu den Preisträgern gehören Daniel Roth, ausgezeichnet 2005, und zuletzt Fedele Maura Friede im Jahr 2024. Seit 2021 wird der Preis gemeinsam mit der Hamburger Kunsthalle vergeben, die einen der umfangreichsten Bestände an Janssens Druckgrafik hält. Die Vergabe liegt seither in Hamburg, obwohl die stiftende Claus-Hüppe-Stiftung aus Oldenburg kommt.

Der Betrieb läuft bis heute. 2024 zählte das Museum über 20.000 Besucher, der stärkste Monat war der September mit 3.086. Die erfolgreichste Ausstellung des Jahres war "Perpetuum Florens" von Miron Schmückle, die rund 9.400 Menschen sahen. Wer selbst hinwill, braucht vor allem eine Vorstellung davon, wann und wie.

Was kostet der Besuch, und wann ist geöffnet?

Das Museum liegt Am Stadtmuseum 4–8, 26121 Oldenburg, unter derselben Adresse wie das Stadtmuseum Oldenburg, mit dem es sich den Eingangsbereich teilt. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags bleibt es geschlossen. Der Eintritt kostet, Stand Recherche, 8 Euro regulär und 6 Euro ermäßigt, unter 18 Jahren ist der Eintritt frei, ebenso jeden ersten Sonntag im Monat.

Häufige Fragen zum Horst-Janssen-Museum

Ist das Horst-Janssen-Museum mit dem Stadtmuseum Oldenburg verbunden?

Ja. Beide Häuser teilen sich die Adresse Am Stadtmuseum 4–8 und einen gemeinsamen Eingangsbereich. Das Horst-Janssen-Museum ist ein städtisches Haus der Stadt Oldenburg, mit eigener Dauerausstellung, eigenem Sammlungsprofil und eigener wissenschaftlicher Leitung, aber räumlich eng mit dem älteren Stadtmuseum verzahnt.

Wo liegt Horst Janssens Grab?

Auf dem Gertrudenkirchhof in Oldenburg, wenige Gehminuten vom Museum entfernt. Janssen hatte die Bestattung dort testamentarisch verfügt, obwohl er den größten Teil seines Berufslebens in Hamburg verbracht hatte. Der Grabstein ist efeubewachsen und trägt ein Zitat von Georg Christoph Lichtenberg.

Wer war Claus Hüppe?

Ein Oldenburger Unternehmer und Stifter, geboren 1924, gestorben 2009. Hüppe kaufte 1995 die private Janssen-Sammlung des Hamburger Ehepaars Vogel für 1,5 Millionen D-Mark und legte damit den Grundstock des Museums. Er gilt als treibende Kraft hinter dem Museumsbau, die Sammlung liegt heute als Dauerleihgabe im Haus.

Was zeigt das Janssen-Kabinett der Hamburger Kunsthalle im Unterschied zum Museum in Oldenburg?

Die Hamburger Kunsthalle hält einen der umfangreichsten Bestände an Janssens Druckgrafik und vergibt seit 2021 den Horst-Janssen-Grafikpreis. Das Oldenburger Museum zeigt das zeichnerische und druckgrafische Gesamtwerk und ist der biografische Ort: Hier wuchs Janssen auf, hier wurde er 1992 Ehrenbürger, hier liegt sein Grab.

Was kostet der Eintritt ins Horst-Janssen-Museum?

Stand Recherche kostet der reguläre Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Besucherinnen und Besucher unter 18 Jahren zahlen nichts, ebenso wenig jeder erste Sonntag im Monat. Eintrittspreise können sich ändern, verbindlich ist die aktuelle Angabe des Museums.

Der Weg zurück zum Gertrudenkirchhof

Vom Eingang Am Stadtmuseum 4–8 bis zum Gertrudenkirchhof sind es keine zehn Minuten zu Fuß. Wer die Ausstellung verlässt und diesen kurzen Weg tatsächlich geht, kommt noch einmal an dem efeubewachsenen Stein mit dem Lichtenberg-Zitat vorbei, an dem dieser Text begonnen hat. Was 1995 ein testamentarisch verfügter Wunsch war, ist heute eine Strecke, die sich an einem Nachmittag zurücklegen lässt, vom Werk zum Grab oder umgekehrt.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Horst-Janssen-Museum Oldenburg, offizielle Museumsseite (Sammlung, Ausstellungen, Grafikpreis)
  • Baunetz, Meldungen zu Baubeginn und Eröffnung des Horst-Janssen-Museums (1999, 2000)
  • Freunde und Förderer des Horst-Janssen-Museums Oldenburg e. V., Vereinsdarstellung (gegründet 1997)
  • Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, Beitrag zu Horst Janssen als Ehrenbürger

Studio Sonsu führt keine Werke von Horst Janssen, seine Radierungen und Zeichnungen sind bis 2065 urheberrechtlich geschützt und nicht Teil des eigenen Sortiments. Horst Janssens Radierungen, Holzschnitte und Selbstbildnisse bilden das Werk, dem dieses Museum baulich und institutionell gewidmet ist.

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

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