Berühmte Druckgrafiker: Wer die Druckgrafik wirklich gemacht hat
Die bedeutendsten Druckgrafiker der Geschichte haben Druckgrafik nicht als Beiwerk betrieben. Sie haben das Medium bewusst gewählt, weil es etwas kann, was Malerei nicht kann: multiplizieren und verbreiten. Und weil jeder Schnitt in den Holzblock, jede Rille in die Kupferplatte endgültig ist. Ein Werkzeug, das Entscheidungen nicht korrigiert, sondern konserviert.
Jemma Gunning sticht mit einer Kaltnadel in eine Kupferplatte. Das ist kein Vorbereitungsschritt für ein späteres Bild. Das Kratzen, das sorgfältige Wischen der Druckfarbe, der Moment, wo Papier und Platte unter dem Druck der Presse auseinandergezogen werden: Das ist das Bild. Nicht die Vorstufe zu einem Bild.
Diese Haltung teilt Gunning mit Künstlerinnen und Künstlern aus fünf Jahrhunderten. Käthe Kollwitz entschied sich um 1890 für die Druckgrafik und gegen die Malerei. Jahrzehnte später wechselte sie nochmals die Technik, weil Radierung nicht trug, was Holzschnitt tragen konnte. Rod Nelson begann Holzschnitte zu schneiden, weil ihn ein früher Besuch im British Museum elektrisierte. Paula Rego wandte sich der Ätzung als politischem Werkzeug zu, weil sich ein Druck vervielfältigen und verbreiten lässt, ein Pastell nicht.
Diese Seite ist kein alphabetisches Künstlerverzeichnis. Sie fragt: Was wollten diese Menschen mit Druckgrafik, das sie mit nichts anderem hätten ausdrücken können?
Wer nutzte Druckgrafik, um Masse zu erreichen?
Druckgrafik war das erste Massenmedium der Bildenden Kunst. Dürer verstand das 1498, als er die Apokalypse-Holzschnitte selbst verlegte. Kollwitz nutzte es, um Armut und Krieg aus den Galerien in die Öffentlichkeit zu bringen. Toulouse-Lautrec klebte seine Lithografien auf Pariser Hauswände.
Albrecht Dürer veröffentlichte 1498 die Apokalypse: 15 Holzschnitte, Text auf der Rückseite, zunächst in Deutsch, kurz danach in Latein. Dürer war Verleger und Verkäufer dieser Serie und wurde damit der erste Künstler, der ein Buch selbst verlegte. Das Bild war Hauptsache, der Text Beiwerk: eine Umkehrung der damaligen Buchillustrationspraxis. Dürers druckgrafisches Gesamtwerk umfasst ca. 246 Holzschnitte und 108 Kupferstiche und Radierungen. Wie sein Verlagsmodell im Vergleich zu Martin Schongauers Werkstatt-Tradition funktionierte, erklärt der Vergleich Dürer und Schongauer.
Dürer selbst hat sein Verhältnis zur Bildkunst in seinem theoretischen Hauptwerk, der Underweysung der Messung (Nürnberg 1525), so beschrieben:
"Da die Geometrie der rechte Grund aller Malerei ist, habe ich beschlossen, ihren Grund und Anfang allen kunstbegierigen Jünglingen zu lehren."
— Albrecht Dürer, Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt, Nürnberg 1525 (Met Museum, Sammlung)
Diese Aussage erklärt, warum Dürer Druckgrafik nicht als handwerkliche Hilfsdisziplin verstand, sondern als analytisches Verfahren. Wer Holzstöcke und Kupferplatten denkt, denkt in Linie, Proportion, Konstruktion. Genau das macht seine Druckgrafik aus.
Toulouse-Lautrec trat 1891 zum ersten Mal an einen Lithografiestein: für das Plakat Moulin Rouge, La Goulue, das in ca. 3.000 Exemplaren gedruckt und über Paris verteilt wurde. In den verbleibenden zehn Lebensjahren schuf er mehrere hundert Drucke und 31 Plakate. Die Farblithografie als Medium: nicht weil er keine andere Wahl hatte, sondern weil Straßenplakatwände das einzige Galeriesystem waren, das wirklich alle erreichte.
Käthe Kollwitz wählte dasselbe Argument, nur mit anderen Motiven. Ihr druckgrafisches Gesamtwerk umfasst 275 Werke. Radierungen, Lithografien, Holzschnitte: alle drei Techniken, je nachdem, was das Motiv verlangte. Als sie nach dem Tod ihres Sohnes Peter im Ersten Weltkrieg den Holzschnitt-Zyklus "Krieg" begann, hatte sie Radierung und Lithografie bereits versucht. Sie entschied sich für Holzschnitt, weil nur der Holzschnitt die Schärfe dieser Motive tragen konnte. Nicht aus Gewohnheit. Aus Absicht.
Otto Dix (1891–1969) und George Grosz (1893–1959) führten diese Linie in die Weimarer Republik. Dix' bedeutendstes Werk ist kein Gemälde, sondern der Radierzyklus Der Krieg (1924) mit 50 Blättern, den das British Museum als sein zentrales graphisches Werk bezeichnet. Grosz wurde dreimal vor Gericht gestellt für seine Zeichnungen und Lithografien, in denen Berliner Politiker, Generäle und Kapitalisten zu Karikaturen der Macht wurden.
Was Holzschnitt und Lithografie als Verfahren technisch leisten, beschreiben die Seiten Holzschnitt und Lithografie im Detail.
Wer machte aus dem Prozess selbst die Kunst?
Rembrandt, Munch und Hockney stehen für eine andere Haltung: Der Druckprozess ist nicht Mittel zum Zweck, sondern Material. Jeder Schritt hinterlässt Spuren, die in der Radierung oder im Holzschnitt sichtbar bleiben.
Rembrandt van Rijn hinterließ ca. 300 Radierungen. Von den Kupferplatten sind 82 überliefert. Was ihn von anderen Radierern seiner Zeit unterschied: Er behandelte die Platte wie eine Leinwand. Selektives Wischen der Druckfarbe, variierender Tintenauftrag, absichtlicher Plattenton. Verschiedene Abzüge derselben Platte sehen unterschiedlich aus, weil Rembrandt jede Drucksitzung als eigenständigen Akt verstand. Der Hundred Guilder Print entstand in mehreren Arbeitsphasen; um 1775 zersägte Captain William Baillie die Platte in vier Stücke, um die Fragmente separat an Sammler zu verkaufen. Ein Vorgang, der zeigt, wie begehrt Rembrandts Kupferplatten schon zu Lebzeiten des Handels waren.
Edvard Munch begann seine druckgrafische Arbeit Ende 1894 in Berlin, zunächst mit Radierungen und Kaltnadelarbeiten, ab 1895 mit Lithografie, ab 1896 mit Holzschnitten. Sein Gesamtwerk umfasst ca. 748 verschiedene Motive. Die bekannteste davon ist die Schrei-Lithografie von 1895. Die vier Gemäldeversionen des Motivs blieben in Sammlungen; die Lithografie brachte den Schrei in die Öffentlichkeit. Munch entwickelte für seine Holzschnitte die Jigsaw-Technik: Er sägte den Holzblock in einzelne Teile, färbte diese separat ein und druckte sie zusammen. So entstanden mehrfarbige Drucke ohne mehrere Steine oder Platten. Jeder Schnitt war endgültig, das Holz ließ sich nicht wieder zusammenfügen. Ernst Ludwig Kirchner, der produktivste Holzschneider der Brücke mit 971 Holzschnitten, übernahm dieses Verfahren. Emil Nolde, der 1906 durch Schmidt-Rottluff zur Brücke kam, entwickelte parallel dazu 197 Holzschnitte, in denen er die Maserung des Holzes bewusst als Gestaltungselement einsetzte.
David Hockney hat anders experimentiert. In den 1970er Jahren erarbeitete er gemeinsam mit dem Druckerspezialisten Aldo Crommelynck, der zuvor über zwei Jahrzehnte für Picasso gearbeitet hatte, eine Reihe von Radierungen, darunter "The Blue Guitar" (1976/77): 20 Blätter, jeweils aus zwei Kupferplatten und fünf Farben. Später arbeitete er an den "Paper Pools" (1978): farbiger Papierbrei wurde auf nassem handgeschöpftem Papier aufgetragen und unter hydraulischen Pressen verpresst, ein Verfahren das Kenneth Tyler bei Tyler Graphics entwickelt hatte. Das Bild wurde Teil der Papierfaser selbst, keine Druckgrafik im engeren Sinn, aber ein Experiment das nur jemand macht, der in Druckverfahren denkt. Für Hockney ist der Druckprozess kein Nebenprodukt seiner Malerei, sondern ein Labor, in dem andere Fragestellungen möglich sind.
Francisco de Goya schuf sein druckgrafisches Hauptwerk in einer anderen Art von Zwang. Die Desastres de la Guerra, 80 Blätter Radierung und Aquatinta über den Krieg gegen Napoleon, entstanden zwischen 1810 und 1815 und wurden erst 35 Jahre nach seinem Tod gedruckt. Goya hatte sie nie für die Öffentlichkeit gemacht. Das macht die Blätter zu etwas Seltsamem: Druckgrafik als privates Dokument, das die Vervielfältigbarkeit des Mediums ignoriert und trotzdem von ihr lebt. Die posthume Edition von 1863 gab den Desastres genau die Reichweite, die Goya ihnen zu Lebzeiten verweigert hatte. Rembrandt stand zum Drucken im genauen Gegenteil dieses Zwangs: Er baute aus seinen Platten einen Markt. Wie sich die beiden Haltungen am selben Medium gegenüberstehen, entfaltet der Vergleich von Rembrandt und Goya.
Die Tiefdruckverfahren Radierung und Kupferstich sind technisch eng verwandt: Was Plattenränder und Plattentöne ausmachen, erklärt die jeweilige Technikseite.
Was unterscheidet einen Druckgrafiker von einem Maler der auch druckt?
Die Frage klingt akademisch, hat aber eine scharfe Antwort: Wer Druckgrafik als eigenständiges Primärmedium betreibt, denkt von Anfang an in Abzügen, Auflagen, Platten. Wer gelegentlich druckt, überträgt Bildideen aus anderen Medien.
1862 gründeten der Verleger Alfred Cadart und der Drucker Auguste Delâtre in Paris die Société des Aquafortistes. Ziel: Radierung als eigenständige Kunstform fördern, nicht als Reproduktionstechnik. Édouard Manet war Gründungsmitglied. Aus diesem Kontext stammt der Begriff "Painter-Printmaker": ein Maler-Druckgrafiker, der eigenständige künstlerische Drucke schafft, kein Reproduktionsstecher.
Der Unterschied ist nicht theoretisch. Er zeigt sich in der Arbeit.
Henri Matisse katalogisierte 830 Drucke in sechs verschiedenen Techniken, von Drypoint-Radierungen über Lithografien bis zu Pochoir-Schablonendrucken. Wer sechs Verfahren beherrscht und je nach Projekt wechselt, ist kein Maler der gelegentlich druckt. Bridget Riley verkörpert die Spannung dieser Frage: Sie nennt ihre über 100 Drucke selbst ein Anhängsel ihrer Malerei, doch das Werkverzeichnis behandelt sie als eigenständiges Werk.
Pablo Picasso schuf über 2.000 druckgrafische Werke. Viele davon entstanden in intensiver Zusammenarbeit mit spezialisierten Druckern: Fernand Mourlot für Lithografien, Aldo Crommelynck für Radierungen. Marc Chagall arbeitete über drei Jahrzehnte an derselben Werkstatt und schuf dort über 1.000 Druckgrafiken. Picasso nutzte Druckgrafik nicht als Abbild seiner Gemälde, sondern als eigenständiges Experimentierfeld für Linienqualitäten und Plattenzustände. Joan Miró (1893–1983) baute parallel ein zweites Lebenswerk auf, das hinter dem Maler oft übersehen wird: über fünf Jahrzehnte arbeitete er in sechs Werkstätten und fünf verschiedenen Drucktechniken.
Andy Warhol beschrieb den Siebdruck 1962 in einem Gespräch als "quick and chancy". Das Raster, die Wiederholung, das leichte Versetzen von Farblage zu Farblage: alles Eigenschaften des Siebdruckprozesses, die Warhol nicht kontrollierte, sondern suchte. Die Bilder wären mit Pinsel und Farbe nicht dieselben gewesen. Wer das Verfahren sucht statt es zu benutzen, ist Druckgrafiker. Roy Lichtenstein (1923–1997) führte das parallel zu seinen Comic-Gemälden vor: über 300 Drucke in Siebdruck, Lithografie und Holzschnitt, verteilt auf fünf Jahrzehnte. Eine vollständige zweite Karriere, die in der deutschen Kunstöffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Was Warhols Produktionsmodell (kommerzielle Fremdvergabe) von Lichtensteins Atelierverbünden (Gemini G.E.L., Tyler Graphics) konkret unterschied: Warhol und Lichtenstein im Siebdruck.
Helen Frankenthaler arbeitete ebenfalls bei ULAE und bei Tyler und brachte dabei ein ungelöstes Problem mit: Wie lässt sich ein Verfahren, das auf Absorption basiert, auf einen Stein übertragen, der Farbe abstößt? 235 Editionen in 33 Jahren dokumentieren ihre Antwort.
Louise Bourgeois stellte Radierung und Kaltnadel in den Dienst autobiografischer Erkundung: 1.487 Kompositionen in zwei Phasen, die zusammen fast sieben Jahrzehnte umspannen.
Joseph Beuys radikalisierte dieses Prinzip in Deutschland: Mit 556 nummerierten Multiples zwischen 1965 und 1986 machte er die Zirkulation von Ideen selbst zum Kunstprogramm. Beuys' Verleger (Staeck, Steidl, Feelisch) produzierten Postkarten, Holzkisten und Radierungssuiten in Auflagen von 75 bis 12.000 Exemplaren.
Hundertwasser wählte den entgegengesetzten Weg: nicht die Gleichheit als Konzept, sondern die Varianz als Überzeugung. Jedes Blatt einer Auflage sollte anders sein, und bei "10.002 Nights" (1982/83) trieb er das Prinzip auf 10.002 Exemplare.
Gerhard Richter ging noch einen Schritt weiter: Er wählte Offset und Siebdruck bewusst als industrielle Verfahren und hat in seiner bisherigen Editions-Praxis weder Radierung noch Holzschnitt verwendet, weil ihm handwerkliche Drucktechniken zu künstlerisch klangen. Damien Hirst baute mit seinem eigenen Verlagshaus Other Criteria eine Infrastruktur, die Editions-Preise und Unikat-Preise bewusst in getrennten Registern hält.
Was Siebdruck als Durchdruckverfahren technisch von Tiefdruck und Flachdruck unterscheidet, beschreibt die Siebdruck.
Wer arbeitet heute mit Druckgrafik als Primärmedium?
Zeitgenössische Kunst meint in der Druckgrafik: Künstler wie Jemma Gunning, Bronwen Sleigh, Rod Nelson und Antonia Reber, die in der Tradition von Dürer und Kollwitz stehen. Druckgrafik als Primärmedium, nicht als Reproduktionsweg.
Rod Nelson begann Holzschnitte zu schneiden nach einem Besuch im British Museum. Seine eigenen Worte:
"My original impulse to work as a woodblock printmaker stems almost entirely from work that electrified me on an early visit to the British Museum."
Das ist eine ungewöhnlich direkte Herkunftsgeschichte: ein Museumsbesuch, ein Medium, seitdem. Nelson arbeitet in mehrschichtigen Farbholzschnitten, bei denen jede Farblage einen eigenen Block erfordert und jeder Druck ein einmaliger Handabzug ist. Sein Portfolio bei Studio Sonsu.
Bronwen Sleigh RSA zeichnet für ihre Radierungen zuerst aus der Beobachtung, überträgt dann auf die Platte. Das Ergebnis sieht manchmal aus wie ein Aquarell, aber die dünnen Linien, die sich überlagern und Tiefenwirkung erzeugen, kommen aus dem Verfahren: Radierung auf Kupfer, Säureätzung, Tiefdruckpresse. Sleighs Arbeit im Detail.
Gunning hat einen MA in Multidisciplinary Printmaking von der UWE Bristol. Sie arbeitet mit Kaltnadel, einem Verfahren, das keine Ätzung braucht: Die Nadel kratzt direkt in die Platte, der aufgeworfene Grat hält Druckfarbe und gibt den Linien einen samtig-breiten Charakter. Gunnings Haltung zum Medium:
"Sharing my love of printmaking with others, whether through teaching, community projects, or collaborations, is at the heart of what I do."
Das ist die demokratische Funktion von Druckgrafik, auf die der britische Druckgrafiker Tim Mara (1948–2003) hingewiesen hat: dass Drucke ihrer Natur nach für viele gemacht sind, nicht für wenige. Wer diese Tradition selbst erleben will, findet im Druckwerkstätten-Atlas über 70 offene Werkstätten in Deutschland. Gunnings Werke bei Studio Sonsu.
Inga Eicaite arbeitet mit Holzschnitt und Radierung. Ihre Technik ist von japanischer Drucktradition geprägt: Sie arbeitet mit mehreren Holzblöcken und druckt mit einem Baren von Hand, was jeder Farbfläche eine eigene Dichte gibt. Kontrast und Fläche sind für sie keine Stilfrage, sondern das eigentliche Material. Sie gehört zu einer Generation, die historische Techniken nicht als Stil-Zitat benutzt, sondern als eigene Denkweise. Eicaites Werke bei Studio Sonsu.
Antonia Reber arbeitet mit Siebdruck. In ihrer Arbeit zeigt sich eine Konzentration auf Stadtszenen, wiederholte Strukturen und Oberflächen: das Siebdruckraster als Werkzeug, das Zeit und Material gleichzeitig festhält. Die flächige Farbqualität des Siebdrucks ist dabei kein Zufall, sondern Aussage.
Michelle Hinshelwood arbeitet mit fünf Intaglio-Varianten: Kupferätzung, Kaltnadel, Photopolymer, Collagraph und Chine Collé. Ihre Editionen auf Somerset-Papier sind auf 8 bis 35 Exemplare limitiert.
Anna Francis arbeitet in Bristol mit Kaltnadel auf Kupfer. Ihre Motive sind verwesende Pflanzen, deren Formen sich beim Vergehen in etwas anderes verwandeln. Preisträgerin des Art Academy Prize für herausragende aufstrebende Druckgrafikerinnen.
Georgia Green kombiniert Siebdruck, Risografie und Steinlithografie. Tiere aus der Kindheitsliteratur platziert sie in reale Innenräume. Jackson's Art Prize 2024, Ausstellungen in der Royal Academy of Arts London, Werke in der Sammlung der Bibliothèque nationale de France.
John Simpson arbeitet in Bath und zeigt biologische Strukturen: Moos auf altem Stein, Baumrinde, Muster die entstehen, wenn Feuchtigkeit durch Erdschichten wandert.
Rachel Duckhouse ätzt geometrische Bögen in Kupfer. Die Glasgow-basierte Druckgrafikerin ist Mitglied der Royal Scottish Academy und mit Arbeiten im British Museum vertreten.
Richard Studer ist Opernregisseur und Holzstecher in Presteigne, Wales. Seine Originaldrucke entstehen auf einer historischen Albion-Presse in Auflagen von 75 Exemplaren.
Was einen Originaldruck von einem Kunstdruck unterscheidet, erklärt Original vs. Kunstdruck.
Welche Techniken haben welche Druckgrafiker geprägt?
Die Geschichte der Druckgrafik ist auch eine Geschichte von Zuordnungen: welche Künstler welches Verfahren gewählt haben und was dabei entstanden ist.
Die Geschichte der Druckgrafik lässt sich in drei Hauptgruppen sortieren: Hochdruck (Holzschnitt, Linolschnitt), Tiefdruck (Radierung, Kupferstich, Aquatinta, Kaltnadel) und Flachdruck (Lithografie). Warhols Siebdruck ist keiner dieser drei Gruppen, sondern ein Durchdruckverfahren. Diese Einteilung erklärt Herkunft und Mechanik, sagt aber wenig darüber, wie Künstler die Verfahren kombiniert oder überschritten haben. Kollwitz, Munch und Picasso haben alle drei Hauptgruppen zu verschiedenen Zeiten genutzt, je nachdem was ein Motiv verlangte.
Heute gibt es keine scharfen Grenzen mehr. Rod Nelson schneidet Holzstöcke für Holzschnitte in Formen, die historisch keine Präzedenz haben. Richenda Court, deren Werke in der V&A-Sammlung vertreten sind, verbindet Ätzung mit handkolorierten Schichten. Bronwen Sleigh RSA zieht Radierungen, die man auf den ersten Blick für Zeichnungen halten könnte.
Nach 1945 entstanden Holzschnitte, die nicht mehr mit dem Expressionismus abrechenbar waren. HAP Grieshaber schuf monumentale Holzschnitte, manchmal über zwei Meter hoch, für die er ab ca. 1952 zunehmend auf Wandformat wechselte. Er gehört zu den wenigen deutschen Holzschneidern der Nachkriegszeit mit internationalem Ausstellungsrang. Ernst Ludwig Kirchner hatte vorgeführt, was das Medium tragen kann. Mehr über ihn auf der Seite Ernst Ludwig Kirchner. Kurt Schwitters ist ein Grenzfall: kein Druckgrafiker im engeren Sinn, aber jemand der typografische Druckverfahren als Material behandelte. MERZ-Grafiken, Typografie, Collagen, in denen Druckverfahren und Material nicht trennbar sind. Der Name MERZ stammt aus einem Textfragment der "Commerz und Privatbank", das er 1919 in ein Bild montierte. Mehr dazu auf Kurt Schwitters und Hap Grieshaber. Günter Uecker erweiterte die Druckgrafik in eine andere Richtung: Nägel als Druckstock, Papier als Relief, Blindprägung ohne Pigment. Georg Baselitz (1938–2026) baute parallel zu seiner Malerei ein druckgrafisches Werk von über 1.000 Arbeiten auf, dokumentiert in einem vierbändigen Werkverzeichnis. Sein früher Holzschnitt Großer Kopf von 1966 erzielte 2006 bei Christie's London £85.000.
Die einzelnen Techniken in der Tiefe: Radierung, Holzschnitt, Siebdruck, Lithografie, Kupferstich.
Die historischen Porträts: Albrecht Dürer, Rembrandt, Francisco Goya, Toulouse-Lautrec, Edvard Munch, Käthe Kollwitz, Henri Matisse, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Kurt Schwitters, Hap Grieshaber, Pablo Picasso, M.C. Escher, Horst Janssen, Andy Warhol, David Hockney, Lucian Freud, William Kentridge, Hokusai, Banksy, Giorgio Morandi.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen einem Druckgrafiker und einem Maler der auch druckt?
Ein Druckgrafiker denkt von Anfang an in den Eigenschaften des Mediums: Wie hält die Platte Farbe? Wie verändert sich ein Motiv durch Ätztiefe oder Farbdruck? Ein Maler der gelegentlich druckt, überträgt Ideen aus anderen Medien und nutzt Druckgrafik als Reproduktionsweg. Rembrandt hat nicht gemalt und nebenher gedruckt. Er hat mit Platten gedacht. Dieser Unterschied ist auch im Markt sichtbar: Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die Druckgrafik als Primärmedium betreiben, werden anders bewertet als gelegentliche Druckexperimente bekannter Maler, weil der Markt inzwischen Prozesstiefe erkennt. Wo dieser Markt physisch stattfindet — auf Messen und Editionsmärkten —, verzeichnet der Grafikmärkte-Atlas für Deutschland.
Wer sind die bedeutendsten Druckgrafiker der Kunstgeschichte?
Albrecht Dürer für den Holzschnitt und Kupferstich des 15./16. Jahrhunderts, Rembrandt für die Radierung des 17. Jahrhunderts, Giovanni Battista Piranesi für die dramatische Kerker-Radierung des 18. Jahrhunderts, Francisco Goya für politische Aquatinta, Käthe Kollwitz für sozialkritische Druckgrafik, Toulouse-Lautrec für Farblithografie, Edvard Munch für expressionistische Holzschnitte und Lithografien, Andy Warhol für den Siebdruck des späten 20. Jahrhunderts. Eine vollständige Liste gibt es nicht, weil "bedeutend" von der Technik abhängt: Wer in der Radierung zählt, taucht in der Siebdruck-Geschichte möglicherweise gar nicht auf. Jedes Verfahren hat seine eigene Genealogie.
Was ist eine Druckgrafikerin heute? Welche zeitgenössischen Künstlerinnen arbeiten in dem Medium?
Zeitgenössische Druckgrafikerinnen wie Jemma Gunning (Kaltnadel, Radierung) oder Bronwen Sleigh RSA (Radierung) setzen das Medium fort, das Käthe Kollwitz für die Druckgrafikerin als eigenständige Kunstfigur etabliert hat. Gunning hat einen MA in Multidisciplinary Printmaking und arbeitet mit Kaltnadel. Sleigh ist Mitglied der Royal Scottish Academy. Beide betreiben Druckgrafik als Hauptmedium, nicht als Ausflug aus einer anderen Praxis.
Wie viele Drucke entstehen von einem Werk?
Das hängt von der Technik und der Entscheidung des Künstlers ab. Typische Auflagen bei zeitgenössischen Galeriedrucken liegen bei 15 bis 30 Exemplaren. Historisch wurden Kollwitz-Blätter in Kleinauflagen verbreitet, Toulouse-Lautrecs Moulin-Rouge-Plakat dagegen in ca. 3.000 Exemplaren. Die Auflage ist Teil der Werkdefinition: jeder Abzug ist nummeriert, handsigniert, mit Echtheitszertifikat.
Was ist mit "berühmten Druckgrafikern" gemeint? Gibt es eine offizielle Liste?
Keine offizielle Liste. Berühmte Druckgrafiker sind die, die das Medium in einer bestimmten Technik oder Epoche geprägt haben: Dürer für Holzschnitt und Kupferstich, Rembrandt für Radierung, Kollwitz für sozialkritische Druckgrafik, Warhol für Siebdruck. Zeitgenössisch sind viele bedeutende Druckgrafiker weniger bekannt als Maler vergleichbarer Qualität, weil der Kunstmarkt Malerei historisch stärker gewichtet hat. Das ändert sich.
Quellen und weiterführende Literatur
- Rijksmuseum Amsterdam, Rembrandts Radierungen (Sammlung und Forschung)
- Käthe Kollwitz Archiv (kollwitz.de), Werkverzeichnis Druckgrafik
- Metropolitan Museum of Art, The Etching Revival (Essay)
- Gerd Woll, Edvard Munch: The Complete Graphic Works (2001)
- Alexandra von dem Knesebeck, Käthe Kollwitz: Werkverzeichnis der Graphik (2002)
Alle Galerie-Künstler mit Links zu ihren Einzelseiten stehen auf der Künstler-Übersicht.
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für Originaldruckgrafik mit Standort in Hannover-Linden. Das Programm umfasst Radierungen, Holzschnitte, Siebdrucke, Lithografien und Linolschnitte von Künstlerinnen und Künstlern aus Europa. Alle Werke: studiosonsu.de/collections/all. Fragen: hello@studiosonsu.de