Sprengel Museum Hannover: Ausstellungen und Druckgrafik-Sammlung
Auf der Sammlungsseite des Sprengel Museum Hannover steht ein kurzer Hinweis, der Besuchende aufschrecken kann: „Aufgrund der Brandschutzsanierung des Museums bleibt das Kurt Schwitters Archiv und die Grafikvorlage im Studiensaal ab 1.2.2026 bis auf Weiteres geschlossen." Wir haben das auch erst nachgelesen und uns gefragt: Ist damit die Druckgrafik-Sammlung komplett zu? Die Antwort ist nein. Die 19.100 Druckgrafiken und 10.800 Originalarbeiten auf Papier bleiben, nur der direkte Einzelblatt-Zugang über den Studiensaal läuft gerade nicht. Für jede geplante Sprengel Museum Ausstellung heißt das: Die Sammlung ist da, allein der Weg zum einzelnen Blatt ist gerade ein anderer.
Was bedeutet die Schließung des Studiensaals für einen Besuch?
Der Studiensaal war früher der Ort, an dem du auf Terminbasis einzelne Blätter aus der grafischen Sammlung vorlegen lassen konntest. Das war ein direkterer Kontakt zum Bestand als im regulären Ausstellungsbetrieb. Dieser Zugang ist seit dem 1. Februar 2026 wegen der laufenden Brandschutzsanierung nicht mehr offen.
Was das für einen normalen Besuch im Sprengel Museum Hannover bedeutet: Die zwei Ausstellungsräume, in denen die Grafische Sammlung präsentiert wird, laufen im regulären Museumsbetrieb weiter. Du siehst also nach wie vor Druckgrafik im Sprengel. Nur das Hervorlegen einzelner Depot-Blätter auf individuelle Anfrage geht gerade nicht.
Wie groß ist die Druckgrafik-Sammlung des Sprengel Museum Hannover?
19.100 Druckgrafiken. Für eine Stadt der Größe Hannovers ist das ein ungewöhnlich umfangreicher Bestand. Dazu kommen 10.800 Originalarbeiten auf Papier, etwa Zeichnungen und Collagen.
Was steckt konkret drin? Ein Schwerpunkt liegt auf expressionistischer Druckgrafik. Kirchners Holzschnitt Fünf Kokotten (Berlin 1914) steht für diesen Kern. Der Holzschnitt, das prägende Druckmedium des Expressionismus und der Künstlergruppe Die Brücke, ist hier entsprechend präsent.
Neben Schwitters betreut das Haus weitere Künstlernachlässe mit vornehmlich Arbeiten auf Papier, darunter den des Künstlerpaars Ella Bergmann-Michel und Robert Michel. Solche Nachlässe zeigen, dass die Sammlung über die bekannten Namen hinausreicht.
Warum ist Kurt Schwitters der Kern der Sammlung?
Schon die Anschrift des Museums verweist auf ihn: Es liegt am Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover. Auch im Bestand ist Schwitters zentral: 1.124 Werke von ihm befinden sich im Haus. Davon sind 112 Werke Museumseigentum, 1.012 weitere kommen als Dauerleihgaben der Kurt und Ernst Schwitters Stiftung hinzu.
Das Kurt Schwitters Archiv wurde 1994 gegründet. Es betreut neben den 1.124 Werken auch Schwitters' Korrespondenz ab 1937, Notiz- und Adresshefte, Fotografien sowie rund 600 Autografen seiner literarischen Texte. Den biografischen Kontext zu Schwitters als Person bündelt die Kurt Schwitters-Seite.
Ob ein Bestand dieser Größe tatsächlich gezeigt wird oder im Depot bleibt, entscheidet sich an der Ausstellungspraxis des Hauses.
Wann ist die Grafische Sammlung in einer Ausstellung zu sehen?
Regelmäßig. Das lässt sich mit Daten belegen. Die Ausstellung „Laboratorium der Moderne: Kunst von 1924 bis 1945 aus der Grafischen Sammlung" lief vom 17. Mai bis 30. Juli 2023 und zeigte rund 180 Werke aus dem eigenen Bestand, kuratiert von Karin Orchard. Picasso, Nolde, Klee, Kollwitz, Kirchner, Schwitters, Dix standen auf der Werkliste, also ein Querschnitt durch genau jene Etappen des 20. Jahrhunderts, die den Kern der Grafik-Sammlung ausmachen.
Max Beckmanns Bildnis Walter Carl (1916), eine Kaltnadelradierung, gehört zu den Blättern dieses Bestands.
Einige Jahre früher, von November 2018 bis Februar 2019, lief „Gestaute Kräfte. Kunst um 1920 aus der Grafischen Sammlung". Beide Schauen zeigen dasselbe Muster: Das Haus greift regelmäßig auf seine eigene Grafik-Sammlung zurück und macht daraus thematische Ausstellungen, keine reinen Bestandsschauen.
Wie tief dieser Bestand für einzelne Künstler dokumentiert ist, zeigt ein anderes Beispiel: Das Sprengel veröffentlichte 1999 den zweisprachigen Bestandskatalog zur Max Beckmann-Druckgrafik, verfasst von Norbert Nobis und Jörg Werner, 232 Seiten, als zweiten Band der Reihe „Graphische Sammlung / Sprengel Museum Hannover".
Woher kommt das Haus eigentlich? Bernhard Sprengel, Hannoveraner Schokoladenfabrikant, schenkte der Stadt 1969 zu seinem 70. Geburtstag seine Kunstsammlung und stellte zusätzlich 2,5 Millionen DM für den Museumsbau bereit. Das Gebäude öffnete im Juni 1979 als Museum. Am 17. April 1984, Bernhard Sprengels 85. Geburtstag, wurde es offiziell nach ihm benannt. 2017 zeichnete die Deutsche Sektion der AICA, des internationalen Kunstkritiker-Verbands, das Haus als Museum des Jahres aus.
Öffnungszeiten und Eintritt: Wie plane ich den Besuch?
Das Museum öffnet dienstags um 10 Uhr und schließt erst um 20 Uhr, das ist der verlängerte Abend für alle, die tagsüber nicht flexibel sind. Mittwoch bis Sonntag sind die Türen von 10 bis 18 Uhr offen, montags bleibt das Haus geschlossen. Das Museum liegt am Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover.
Der Eintritt kostet 14 Euro für Erwachsene, 6 Euro ermäßigt, unter 18 Jahren kostenlos. Freitags ist der Eintritt kostenlos. Wer die Wahl hat, fährt freitags.
Die Druckgrafik-Sammlung ist nicht geschlossen. Der Studiensaal ist es, bis die Brandschutzsanierung vorbei ist. Wer die Sammlung in voller Breite kennenlernen möchte, findet über die regulären Ausstellungsräume sehr viel mehr als einen Hinweiszettel an der Tür.
FAQ
Ist das Sprengel Museum derzeit geöffnet?
Ja, der reguläre Museumsbetrieb läuft. Geschlossen ist seit dem 1. Februar 2026 nur der Studiensaal mit Einzelblatt-Vorlage und das Kurt Schwitters Archiv (Brandschutzsanierung). Die Ausstellungsräume und damit auch die Grafik-Schauen sind normal zugänglich.
Was sind die Sprengel Museum Öffnungszeiten?
Das Sprengel Museum ist dienstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet, mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Montags bleibt das Haus geschlossen.
Wie viel kostet der Sprengel Museum Eintritt?
Der reguläre Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 6 Euro. Unter 18 Jahren ist der Eintritt kostenlos. Freitags ist der Eintritt für alle Besuchenden kostenlos.
Wie viele Druckgrafiken hat das Sprengel Museum?
Die Grafische Sammlung umfasst 19.100 Druckgrafiken und 10.800 Originalarbeiten auf Papier. Schwerpunkte sind die expressionistische Druckgrafik und der Bestand rund um Kurt Schwitters.
Was ist der Unterschied zwischen Studiensaal und Ausstellungsräumen?
Der Studiensaal war ein Spezialzugang: Besuchende konnten dort auf Terminbasis einzelne Blätter aus dem Depot vorlegen lassen. Dieser Zugang ist seit Februar 2026 wegen der Brandschutzsanierung geschlossen. Die zwei regulären Ausstellungsräume, in denen die Grafische Sammlung als kuratierte Schau präsentiert wird, sind weiterhin offen.
Gibt es im Sprengel Museum Ausstellungen zur Druckgrafik?
Regelmäßig. Zwei dokumentierte Beispiele: „Laboratorium der Moderne" (17. Mai bis 30. Juli 2023, rund 180 Werke aus der eigenen Grafischen Sammlung) und „Gestaute Kräfte" (7. November 2018 bis 10. Februar 2019). Das Haus greift aktiv auf seinen eigenen Druckgrafik-Bestand zurück.
Quellen und weiterführende Literatur
- Sprengel Museum Hannover, Grafische Sammlung und Kurt Schwitters Archiv. Sammlungsbestand, Schließungshinweis, Öffnungszeiten und Eintritt (abgerufen Mai 2026).
- Deutsche Digitale Bibliothek, Bestandskatalog „Max Beckmann: Druckgraphik" von Norbert Nobis und Jörg Werner (1999).
- AICA Deutschland (Internationale Vereinigung der Kunstkritiker), Museum des Jahres 2017.
- Stiftungsarchive, Eintrag zum Kurt Schwitters Archiv Hannover.
Das Sprengel ist nicht das einzige Haus in Hannover mit Druckgrafik-Bezug. Welche anderen Räume und Institutionen die Stadt für Grafik bereithält, zeigen die Übersichten zu Galerien Hannover und Kunst in Hannover.
Zuletzt aktualisiert am 04.06.2026.
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