William Hogarth

William Hogarth, geboren am 10. November 1697 in London, gestorben am 26. Oktober 1764, war Maler, Satiriker und einer der schärfsten Chronisten seiner Zeit. Seine moralischen Bilderzählungen zeigten das 18. Jahrhundert als das, was es war: laut, ungerecht, komisch und brutal zugleich. Heute gehören seine Werke zu den Beständen der Tate in London und des Metropolitan Museum of Art in New York.

Seine Bilder wurden zu seinen Lebzeiten als Drucke in Massen verbreitet. Die Hure, die aus der Provinz in die Stadt kommt und Schritt für Schritt in Armut und Krankheit versinkt. Der junge Erbe, der ein Vermögen erbt und es in Spielhöllen und Wirtshäusern durchbringt. Und Gin Lane, die Straße, auf der eine ganze Nachbarschaft im Branntwein versinkt. Diese Bilder wurden gekauft und raubkopiert.

Am 25. Juni 1735 erschienen acht Drucke an einem einzigen Tag. Alle tragen das gleiche Datum. Das ist kein Druckfehler und kein Zufall. Auf genau diesen Tag fällt das Inkrafttreten des Engraving Copyright Act, des Schutzgesetzes, das Hogarth selbst mit auf den Weg gebracht hatte. Warum datiert ein Künstler acht Blätter auf einen einzigen Tag, und was hat ein Gesetz damit zu tun?

Wer war Ellis Gamble, und warum begann Hogarth bei ihm?

Bevor Hogarth irgendwelche moralischen Serien malte, saß er in einer Werkstatt in Leicester Fields und lernte, Metall zu bearbeiten. Sein Lehrmeister war Ellis Gamble, ein Silberschmied-Graveur, der ihm beibrachte, Wappen in Gold- und Silberarbeiten zu stechen. Was wie Handwerk klingt, war ein präzises Ausbildungsprogramm: die Fähigkeit, feinste Linien in eine Metalloberfläche zu stechen, Tausende davon, methodisch und exakt.

William Hogarth, The Painter and His Pug, 1745, Öl auf Leinwand, Selbstporträt mit Mops, Tate
William Hogarth, The Painter and His Pug, 1745. Öl auf Leinwand, Tate, London. Public Domain.

Das war nicht die Staffelei. Das war das Werkzeug.

Der Markt für gedruckte Bilder, den Hogarth später bedienen sollte, hatte in London feste Vertriebsstrukturen: die Druckhändler, deren Handelswege Ronan Deazley in seinem Kommentar zum Gesetz von 1735 beschreibt. Wer diesen Markt wirklich bedienen wollte, brauchte beides zugleich: malerischen Ehrgeiz und handwerkliche Kontrolle über die Metallplatte. Gamble gab ihm das zweite.

Was Gamble ihm beibrachte, sollte Hogarth später gegen die Londoner Druckhändler wenden. Aber das war gut zwanzig Jahre später. Zuerst musste er verstehen, wie man ein Geschäft baut.

Was kostete eine Bilderfolge im Jahr 1732?

Im Jahr 1732 brachte Hogarth eine Serie von sechs Blättern heraus. Die Serie hieß A Harlot's Progress und zeigte das Leben einer jungen Frau, die aus der Provinz nach London kommt, in die Prostitution gerät und an einer Geschlechtskrankheit stirbt. Keine freundliche Geschichte. Plate 1 zeigt die Ankunft in London: Unschuld trifft auf die Mechanismen einer Stadt, die mit ihr macht, was sie will.

William Hogarth, A Harlot's Progress, Tafel 1, 1732, Radierung und Kupferstich, Ankunft einer jungen Frau in London
William Hogarth, A Harlot's Progress, Tafel 1, 1732. Radierung und Kupferstich, Metropolitan Museum of Art. Public Domain.

Hogarth verkaufte die Serie nicht an einen Verleger. Er verkaufte direkt. 1.240 Abonnement-Sets zu je einer Guinea, jedes bestehend aus sechs Drucken. Subskribenten zahlten im Voraus, Hogarth druckte danach. Das war ein Geschäftsmodell, das jeden Zwischenhändler umging.

Der Erfolg war sofort. Und er rief sofort die Nachahmer auf den Plan. Billige Kopien kursierten bald in London. John Nichols zählte 1782 nicht weniger als acht Raubkopien der Serie, Ronan Deazley zitiert ihn in seinem Kommentar zum Gesetz von 1735. Wer die Platten nicht besaß, konnte die Bilder trotzdem verkaufen, solange niemand sie daran hinderte. Das Gesetz kümmerte das nicht. Es gab kein Gesetz.

Was geschah am 25. Juni 1735?

Am 7. Februar 1735 legte eine Gruppe von Künstlern dem britischen Parlament eine Petition vor. Hogarth führte die Gruppe an, zusammen mit anderen Stechern und Malern, die alle das gleiche Problem hatten: ihre Bilder wurden raubkopiert, und sie hatten keine rechtliche Handhabe dagegen.

William Hogarth, A Rake's Progress, Tafel 1, 1735, Radierung und Kupferstich, der Erbe tritt sein Vermögen an
William Hogarth, A Rake's Progress, Tafel 1, 1735. Radierung und Kupferstich, Metropolitan Museum of Art. Public Domain.

Das Ergebnis war der Engraving Copyright Act. Er schützte grafische Werke, die auf eigenem Entwurf beruhten. Zum ersten Mal reichte ein britisches Urheberrecht über literarische Werke hinaus. Der Unterschied lag im Entwurf: Eigenentwurf bedeutet Schutz, reine Handwerksarbeit nicht.

Am Tag des Inkrafttretens, dem 25. Juni 1735, erschienen acht Drucke. A Rake's Progress, die Geschichte eines jungen Mannes, der ein Erbe antrat und es in allen erdenklichen Exzessen des Londoner Nachtlebens vernichtete, bis Plate 8 ihn ins Bethlem Royal Hospital für Geisteskranke führte, das als Bedlam bekannt war.

Hogarth hatte das Gesetz selbst mit angestoßen, und er ließ A Rake's Progress auf den Tag genau mit dem neuen Schutz erscheinen.

Alle acht Platten tragen eine Inschrift, die klingt wie eine Signatur und eigentlich ein Eigentumsanspruch ist. Auf Plate 1 lautet sie: "Invented Painted Engrav'd & Publishd by Wm Hogarth June ye 25 1735. According to Act of Parliament." Vier Verben, ein Name, ein Gesetz. Maler, Erfinder, Stecher, Verleger: alles in einer Hand, alles an einem Tag beansprucht.

Ein Gemälde-Unikat kann niemand raubkopieren. Eine Druckplatte schon. Genau deshalb richtete sich das Schutzgesetz von 1735 auf reproduzierbare Drucke. Mit Kupferstichen hatte Hogarth schon vor den Bilderfolgen seinen Lebensunterhalt verdient, so Britannica: Geschäftskarten, Eintrittskarten, Buchillustrationen.

William Hogarth, A Rake's Progress, Tafel 8, 1735, Radierung und Kupferstich, Tom Rakewell im Irrenhaus Bedlam
William Hogarth, A Rake's Progress, Tafel 8 (Bedlam), 1735. Radierung und Kupferstich, Metropolitan Museum of Art. Public Domain.

Warum malte Hogarth seine Leinwände seitenverkehrt?

Marriage A-la-Mode ist eine Serie von sechs Bildern, die eine arrangierte Ehe zwischen dem Sohn eines bankrotten Earls und der Tochter eines reichen Kaufmanns zeigt. Schritt für Schritt treiben beide in die Katastrophe. Die Leinwände für diese Serie malte Hogarth absichtlich spiegelverkehrt.

Der Grund ist rein pragmatisch: ein Stecher, der von einem normal gemalten Bild kopiert, erzeugt ein seitenverkehrtes Druckbild. Wenn das Gemälde schon gespiegelt ist, kommt der Druck in der ursprünglichen Kompositionsrichtung heraus. Hogarth malte also das Gemälde als Werkzeug, damit das Druckbild stimmt.

Die Platten zu Marriage A-la-Mode stach Hogarth nicht selbst, sondern ließ sie von Berufsstechern anfertigen. Das Metropolitan Museum of Art führt die Tafeln II und III unter dem Namen des Stechers Bernard Baron. Die Technik auf den Blättern war, wie bei A Rake's Progress, kombinierte Radierung und Kupferstich. Beides sind Tiefdruckverfahren, bei denen Tinte in Vertiefungen der Metallplatte gedrückt wird, nicht auf Erhöhungen. Der Unterschied liegt in der Entstehung der Vertiefung: bei der Radierung ätzt Säure die Linien, beim Kupferstich wird direkt geschnitten. Bei A Rake's Progress hatte Hogarth beide Methoden selbst auf derselben Platte genutzt.

Wenn das Gemälde nur ein spiegelverkehrtes Hilfsmittel war, was war dann das eigentliche Werk? Was überdauerte, das Gemälde oder die Drucke, zeigte 1755 ein Feuer an einer anderen Serie.

Was überlebte das Feuer von Fonthill House?

1755 brannte Fonthill House. Die Originalgemälde von A Harlot's Progress, die Leinwände, die Hogarth zuerst gemalt hatte, bevor er die Drucke anfertigte, verbrannten. Sie existieren heute nicht mehr.

Die Drucke überlebten, verteilt in über tausend verkauften Exemplaren.

Die gewohnte Rangfolge setzt das Gemälde oben: das Unikat, das Original, das Authentische. Der Druck darunter: das Reproduzierte, das Zugängliche, das Zweitrangige. Das Feuer von Fonthill House konkretisierte dieses Verhältnis auf eine Weise, die schwer wegzudiskutieren ist. Das angeblich zweitrangige Medium war das dauerhaftere: Der Druck überdauerte die Leinwand.

Wer die Druckgrafik im Verhältnis zur Malerei betrachtet, findet in dieser Episode ein Argument, das Hogarth selbst nicht hätte besser inszenieren können.

1751 hatte Hogarth bereits ein Blatt bewusst so gestaltet, dass es dorthin gelangen sollte, wo ein Gemälde nie hingekommen wäre.

Warum war Gin Lane absichtlich billig?

Am 1. Februar 1751 erschienen Gin Lane und Beer Street gemeinsam. Beide Blätter wurden in der Technik der kombinierten Radierung und des Kupferstichs ausgeführt. Das Exemplar von Gin Lane im Metropolitan Museum of Art ist ein Abzug des dritten von drei Druckzuständen. Kein Abonnement-Modell, kein Set, keine Guinea. Einzelblätter, günstig, für weite Verbreitung.

William Hogarth, Gin Lane, 1751, Radierung und Kupferstich, Londoner Straße im Verfall durch Gin
William Hogarth, Gin Lane, 1751. Radierung und Kupferstich, Metropolitan Museum of Art. Public Domain.

Gin Lane zeigt eine Londoner Straße, auf der der Alkohol alles Andere verdrängt hat. Gebäude verfallen, Menschen sterben im Freien, Kinder sind sich selbst überlassen, und im Vordergrund gleitet ein Kleinkind unbeachtet aus den Armen seiner Mutter und stürzt die Treppe hinunter, während sie eine Prise Schnupftabak nimmt. Beer Street daneben ist das Gegenbild: Wohlstand, Arbeit, Häuser in gutem Zustand.

Diese Bilder sollten nicht an den Wänden von Sammlern hängen. Sie sollten in Tavernen und Kaffeehäusern hängen. An Orten, wo die Leute lebten, die Hogarth meinte. Ein Gemälde kann an einer Wand hängen. Tausend gleichzeitig, in tausend verschiedenen Stuben, kann nur ein Druckblatt. Der Ruhm seines Namens beruhte physisch auf der Reichweite seiner Druckplatten. Diese Reichweite war nur möglich, weil sich von einer Druckplatte viele Abzüge ziehen ließen.

Was bleibt von William Hogarth?

1753 veröffentlichte Hogarth The Analysis of Beauty, seine Theorie der Schönheitslinie als S-Kurve. Die Hand, die über abstrakte Schönheitsgesetze theoretisierte, hatte Jahre zuvor das Urheberrecht für die Druckgrafik durchgesetzt. Theorie und Geschäftssinn gehörten bei ihm zusammen.

Wer die Verbindung von Druckgrafik, politischer Satire und öffentlicher Wirkung in einer langen Tradition verfolgen will, findet bei Honoré Daumier im 19. Jahrhundert einen der großen Nachfolger. Gut zwei Jahrhunderte früher hatte Albrecht Dürer schon einmal um sein Monogramm gekämpft. Als der Stecher Marcantonio Raimondi seine Blätter samt AD-Zeichen kopierte, beschwerte sich Dürer nach Vasaris Bericht bei der Signoria von Venedig. Die Antwort, wie Vasari sie wiedergibt: Raimondi darf das Zeichen nicht mehr verwenden, die Kompositionen bleiben frei. Archivbelege für dieses Verfahren fehlen. Belegt ist ein Beschluss des Nürnberger Rats von 1512 gegen den Verkauf von Kopien mit Dürers Zeichen. Ein Schutz ohne Gesetz, im Einzelfall. Hogarth holte sich das Gesetz dazu.

Am 25. Juni 1735 besaß Hogarth zum ersten Mal gesetzlich, was er gemacht hatte. Nicht weil er Maler war. Weil er Drucke gemacht hatte, die jemand kopieren konnte.

Ob das Druckmedium jemals den Status bekommen hat, den Hogarths Praxis ihm zuschrieb: dauerhafter und reichweitenstärker als das Gemälde war es längst. Der Druck trug Hogarths Namen durch zwei Jahrhunderte. Unterschätzt wird er bis heute.

Häufige Fragen zu William Hogarth

Wann lebte William Hogarth?

William Hogarth wurde am 10. November 1697 in London geboren und starb am 26. Oktober 1764, ebenfalls in London. Er lebte und arbeitete in London.

Was ist A Rake's Progress?

A Rake's Progress ist eine Serie von acht Blättern, die den Abstieg eines jungen Erben zeigt: vom Moment der Erbschaft über Spielhallen und Bordelle bis ins Bethlem Royal Hospital (Bedlam). Die Drucke erschienen am 25. Juni 1735, dem Tag, an dem der Engraving Copyright Act in Kraft trat. Die Originalgemälde der Serie hängen heute im Sir John Soane's Museum in London. Das Metropolitan Museum of Art in New York besitzt Druckabzüge aller acht Platten.

Was zeigt Gin Lane?

Gin Lane von 1751 zeigt eine Londoner Straße im Zustand des Verfalls durch übermäßigen Ginkonsum. Im Vordergrund gleitet ein Kind unbeachtet aus den Armen seiner Mutter und stürzt die Treppe hinunter. Das Blatt erschien zusammen mit Beer Street als Gegenstück. Hogarth selbst schrieb dazu, er habe die Blätter in der günstigsten Ausführung veröffentlicht, um sie möglichst weit zu verbreiten. Technik: Radierung und Kupferstich.

Was war der Engraving Copyright Act von 1735?

Der Engraving Copyright Act wurde 1735 zum Gesetz und schützte grafische Werke, die auf eigenem Entwurf beruhten. Zum ersten Mal reichte ein britisches Urheberrecht über literarische Werke hinaus. Die Petition dafür wurde am 7. Februar 1735 dem Parlament eingereicht, Hogarth führte die Gruppe an, so Ronan Deazleys Kommentar zum Gesetz. Das Gesetz unterschied damit, wenn auch nur implizit, zwischen Künstlern mit Originalentwurf und bloßen Handwerkskopisten. Weitere Druckverfahren, darunter Mezzotinto, fielen ebenfalls unter den Schutz des Gesetzes.

Womit verdiente Hogarth sein Geld?

Hogarth verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst als Kupferstecher mit Geschäftskarten, Eintrittskarten und Buchillustrationen, so Britannica. Für A Harlot's Progress (1732) verkaufte er 1.240 Abonnement-Sets zu je einer Guinea direkt an Subskribenten. Die Subskription lief nur über seinen eigenen Laden, so Ronan Deazley. Bei Marriage A-la-Mode dienten die Gemälde als Vorlage für die Druckplatten. Die Druckgrafik war bei Hogarth kein Nebenprodukt seiner Malerei.

Wo kann man Werke von Hogarth heute sehen?

Wichtige Bestände gibt es in der Tate in London, im Sir John Soane's Museum in London (Originalgemälde von A Rake's Progress), und im Metropolitan Museum of Art in New York. Das Selbstporträt The Painter and His Pug (1745) gehört zur Sammlung der Tate. Die Met-Sammlung umfasst Drucke der Serien A Harlot's Progress, A Rake's Progress und Marriage A-la-Mode sowie Gin Lane und Beer Street, zugänglich über Met Open Access.

Quellen und weiterführende Literatur

  • The Metropolitan Museum of Art, New York. Open-Access-Sammlung der Druckserien (A Harlot's Progress, A Rake's Progress, Gin Lane, Beer Street).
  • Sir John Soane's Museum, London. Originalgemälde der Serie A Rake's Progress.
  • Tate, London. The Painter and His Pug (1745), Akzession N00112.
  • Ronan Deazley, Commentary on the Engravers' Act (1735), in: Primary Sources on Copyright (1450 bis 1900), herausgegeben von Lionel Bently und Martin Kretschmer.
  • Engraving Copyright Act 1735 (8 Geo. 2 c. 13), Gesetzestext, The Statutes Project (statutes.org.uk).
  • Encyclopaedia Britannica, Artikel "William Hogarth".
  • Giorgio Vasari, Lives of the Most Excellent Painters, Sculptors, and Architects, Life of Marcantonio of Bologna (engl. Übersetzung Mrs. Jonathan Foster, Wikisource). Vasaris Bericht über Dürers Beschwerde in Venedig.
  • Peter J. Karol, Albrecht Dürer's Enforcement Actions: A Trademark Origin Story, Vanderbilt Journal of Entertainment & Technology Law 25 (2023). Venedig-Fall ohne Archivbeleg, Nürnberger Ratsbeschluss 1512.
  • Art Gallery of New South Wales, Sydney. A Harlot's Progress, Plate 1 (1732), Sammlungsseite mit Vertues Angabe zu 1.240 Subskriptionen.
  • Wikipedia, Artikel "A Harlot's Progress", "A Rake's Progress", "Marriage A-la-Mode (Hogarth)", "Beer Street and Gin Lane" und "Engraving Copyright Act 1734".

Zuletzt aktualisiert am 09.09.2026.

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