Algrafie (Alugrafie)

Algrafie ist ein Flachdruckverfahren, das mit Aluminiumplatten statt mit Lithografiesteinen arbeitet. Die Grundlage entspricht dem Steindruck: Fetthaltiger Zeichengrund nimmt Druckfarbe an, die Oxidschicht des Aluminiums nimmt Wasser an. Das Verfahren wird auch Algraphie oder Aluminiumdruck genannt, abgeleitet davon auch Alugrafie.

Eine Aluminiumplatte statt eines schweren Kalksteins. Der Künstler zeichnet mit Lithokreide direkt auf die gekörnte Oberfläche. Der Unterschied liegt im Material.

Aluminiumplatten verhalten sich anders als Kalkstein. Sie drucken anders, mit einer eigenen visuellen Charakteristik. Das macht die Algrafie zu einem Verfahren mit eigenem Charakter. 1892/1893 in Mainz patentiert, entwickelte sie sich nach Wikipedia zum Offsetdruck weiter. Als künstlerischer Druck hatte sich die Algrafie, verwandt mit der Lithografie, nach dem Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte von 1934 nie recht eingebürgert. Einen detaillierten Vergleich von Stein und Aluminium bietet die Seite Steinlithografie vs. Aluminium. Ihr hervorragendster Meister war nach demselben Lexikon Hans Thoma.

Wie funktioniert das Algrafie-Verfahren?

Algrafie und Steindruck-Lithografie nutzen dieselbe chemische Grundlage und ähnliche Zeichenmittel wie Lithokreide und Tusche. Die Zeichnung lässt sich als Kreide-, Feder- oder Tuschearbeit auftragen, direkt oder durch Umdruck.

Der Unterschied beginnt bei der Oberfläche. Auch die Algrafie wird nach dem Zeichnen gummiert und, wie es im Druckerjargon heißt, geätzt. Nach dem Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte greift die Säure das Aluminium dabei nicht eigentlich an, es bildet sich nur eine Oxidschicht, die Wasser annimmt. Beim Einwalzen nimmt dann nur die Zeichnung die Farbe an, die Oxidschicht stößt sie ab.

Die Aluminiumplatte ist nach Wikipedia gekörnt.

Das Druckergebnis hat einen eigenen Charakter. Nach dem Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte wirken Linien und Flächen der Algrafie wegen der dichteren Struktur des Aluminiums geschlossener und gedeckter in der Farbe als bei Drucken vom porösen Kalkstein. Dafür hat sie einen spröderen, kälteren Charakter.

Wann wurde die Algrafie erfunden, und warum ist das interessant?

Nach Wikipedia entwickelte Karl Scholz, Leiter des Mainzer Verlags Jos. Scholz, die Algrafie um 1890; das Patent erhielt die Firma 1892/1893. Das Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte nennt 1892 und beschreibt, wie die Aluminiumplatte den schweren, zerbrechlichen und teuren Stein ersetzt. Die Gartenlaube schrieb die Idee 1899 einem deutschen Drucker Schulz zu, der schon 1889 darauf gekommen sei.

Alois Senefelder, der Erfinder der Lithografie, erhielt nach Wikipedia am 22. Januar 1818 vom bayerischen König ein sechsjähriges "Privilegium" für seine erweiterte Erfindung, Metallplatten statt Steinplatten für den Druck zu verwenden. Auf den Gedanken, Aluminium zu verwenden, kam der Drucker Schulz nach der Gartenlaube 1889, gut siebzig Jahre nach diesem Privileg.

Ein Artikel der Gartenlaube von 1899 nennt für Kalkstein im höchsten Fall 12.000 bis 15.000 Abzüge, für eine Aluminiumplatte 195.000 und mehr, und einen Plattenpreis von etwa einem Drittel des Steinpreises.

Die Gartenlaube nannte als einen der Vorzüge, dass sich die biegsamen Aluminiumplatten auf die Zylinder von Rotationsmaschinen legen ließen. Der Offsetdruck, den Wikipedia Ira W. Rubel und Cašpar Hermann zuschreibt, die beide um 1904 entsprechende Maschinen konstruierten, druckt indirekt über einen Gummituchzylinder. Der grundlegende Unterschied zwischen künstlerischer Lithografie und industriellem Offset geht über das Material hinaus: Lithografie vs. Offsetdruck erklärt den Bruch zwischen direktem und indirektem Druckweg. Als künstlerischer Druck hatte sich die Algrafie nach dem Reallexikon von 1934 "nie recht einbürgern können".

Der Name kommt von Aluminium und dem griechischen Wort graphein für "schreiben." Duden empfiehlt die Schreibweise Algrafie, Algraphie gilt als Variante.

Welcher Künstler gilt als Meister der Algrafie?

Im Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte heißt es, Hans Thoma sei "ihr hervorragendster Meister" gewesen. Ein Beispiel ist seine Algrafie "Ganymed" von 1895.

Das Reallexikon merkt zugleich an, dass ihm die Technik bei manchen Blättern im Sinne der druckgrafischen Materialgerechtigkeit auch schon zum Verhängnis wurde.

Woran unterscheidest du eine Algrafie vom Offsetdruck?

Ein Hinweis liegt unter der Lupe. Offsetdrucke geben Halbtöne nach Wikipedia durch Aufrasterung wieder, also durch Rasterpunkte. Findest du ein Raster, spricht das für einen Offsetdruck. Fehlt es, ist das allein noch kein Beweis für ein Original.

Wer den Unterschied zwischen Original und Kunstdruck generell verstehen will oder alle Drucktechniken im Vergleich sucht, findet auf diesen Seiten die Grundlagen.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Algrafie und Lithografie?

Algrafie und Lithografie sind beide Flachdruckverfahren und arbeiten nach demselben chemischen Prinzip: Fetthaltige Zeichenstoffe ziehen Druckfarbe an, die wasserziehende Druckfläche hält sie ab. Der Unterschied liegt im Material: Lithografie verwendet Kalkstein, Algrafie Aluminiumplatten. Aluminiumplatten sind leichter als Stein und nach der Gartenlaube von 1899 deutlich billiger; der Artikel nannte auch weit höhere Abzugszahlen. Das Druckergebnis unterscheidet sich im Charakter. Einen detaillierten Vergleich bietet Steinlithografie vs. Aluminium.

Wer hat die Algrafie erfunden?

Nach Wikipedia entwickelte Karl Scholz, Leiter des Mainzer Verlags Jos. Scholz, die Algrafie um 1890; das Patent erhielt die Firma 1892/1893. Das Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte nennt 1892, die Gartenlaube schrieb die Idee 1899 einem Drucker Schulz zu.

Wie schreibt man Algrafie richtig?

Der Duden empfiehlt Algrafie als Hauptform, Algraphie als Variante. Alugrafie und Alugraphie sind davon abgeleitete Schreibungen; Duden führt Algrafie als Kurzwort aus Aluminium und -grafie.

Welche Rolle spielt die Algrafie?

Als künstlerischer Druck hatte sie sich nach dem Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte von 1934 nie recht eingebürgert. In ihrer Weiterentwicklung zum Offsetdruck zählt das Verfahren nach Wikipedia heute zu den wichtigsten lithografischen Verfahren.

Was macht ein Algrafie-Werk als Original aus?

Ein Hinweis ist ein Raster unter der Lupe: Offsetdrucke geben Halbtöne durch Rasterpunkte wieder. Fehlt es, beweist das allein noch kein Original.

Worauf sollte ich beim Kauf einer Algrafie achten?

Achte auf Provenienz und Dokumentation. Bei älteren Blättern aus der Zeit Thomas helfen Galerienachweise oder Sammlungsstempel, die Herkunft nachzuverfolgen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Reallexikon der deutschen Kunstgeschichte (RDK Labor), Artikel Algraphie
  • Die Gartenlaube, Heft 25 (1899), Verwendung von Aluminiumplatten in der Lithographie (Wikisource)
  • Wikipedia, Artikel "Algraphie", "Alois Senefelder" und "Offsetdruck"
  • Duden und DWDS, Algrafie

Zuletzt aktualisiert am 06.10.2026.

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