Käthe Kollwitz Museum: Köln, Berlin und Moritzburg im Überblick
Kein Haus, kein Atelier von Käthe Kollwitz hat den Krieg überstanden. Was heute ihren Namen trägt, verdankt sie drei fremden Entscheidungen, getroffen zu drei verschiedenen Zeiten: Köln, Berlin und Moritzburg sind drei eigenständige Häuser mit derselben Unterschrift.
Juli 1944, Moritzburg bei Dresden. Käthe Kollwitz bezieht zwei Zimmer im Rüdenhof, einem ehemaligen Gutshaus am Rand des Schlossparks. Prinz Ernst Heinrich von Sachsen lässt eigens einen Balkon anbauen, der ihr den Blick über den Teich gestattet. Ihr eigenes Haus in Berlin liegt zu diesem Zeitpunkt bereits in Trümmern. Neun Monate später stirbt sie in diesem Zimmer.
Was geschieht mit dem Werk einer Künstlerin, die selbst kein Haus mehr besitzt, das es bewahren könnte? Die Antwort liegt heute in drei Städten, und sie ist komplizierter, als ein einzelnes Museum es je hätte sein können.
Warum besitzt Käthe Kollwitz kein einziges erhaltenes Künstlerhaus?
Käthe Kollwitz wohnte und arbeitete jahrzehntelang in der Weißenburger Straße 25 in Prenzlauer Berg. 1943 flieht sie vor dem Bombenkrieg aus Berlin und findet zunächst in Nordhausen in Thüringen Unterkunft. Im November 1943 zerstören Bomben das Haus in der Weißenburger Straße, mit ihm das Atelier und Teile ihres Werks. 1944 kommt sie nach Moritzburg.
Von alledem ist nichts übrig, das sich heute besichtigen ließe. Wer entscheidet dann, was von ihrem Werk am Ende bewahrt wird? Genau diese Lücke erklärt, warum eine Künstlerin ohne eigenes Zuhause am Ende in einem fremden Gutshaus in Sachsen landet. Die erste institutionelle Antwort auf diese Frage kam nicht aus Berlin und nicht aus Sachsen, sondern aus einer Bank in Köln.
Wie rettete eine Kreissparkasse 1983 eine Sammlung vor der Zerstreuung?
1983 kauft die Kreissparkasse Köln ein Konvolut von 60 Zeichnungen aus kollwitzschem Familienbesitz, um zu verhindern, dass es bei einer Auktion in alle Winde verstreut wird. Ein Jahr später kommt eine weitere Werkgruppe hinzu. Am 22. April 1985, dem 40. Todestag der Künstlerin, eröffnet die Bank in ihren ehemaligen Vorstandsräumen das Käthe Kollwitz Museum Köln, mit der ersten öffentlichen Präsentation der Sammlung. Gründungsdirektorin wird Dr. Jutta Bohnke-Kollwitz, eine Enkelin der Künstlerin.
Warum engagiert sich ausgerechnet eine Bank für eine Künstlerin, deren zentrales Thema Armut und Ausbeutung war? Der Vorstandsvorsitzende Dr. Hans-Joachim Möhle begründet es in einem Statement zur Museumsgründung 1985: „Eines der beherrschenden Themen bei Käthe Kollwitz ist Arbeit und Not. Hier haben auch die Sparkassen, kommunale und freie, ihre historischen Wurzeln.“ Sparkassen entstanden Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts als Institute der Armenpflege und -fürsorge, genau dort, wohin Kollwitz mit Radierungen und Holzschnitten schaute, deren Themen Hunger, Krieg und Kinderarmut waren. Die Radierung Schlachtfeld von 1907, Blatt 6 ihres Bauernkrieg-Zyklus, zeigt eine Frau, die im Dunkeln ein Schlachtfeld nach den Toten absucht. Knapp vier Jahre blieb die Sammlung in den Räumen des ehemaligen Vorstandsgeschosses.
Seit wann heißt der Kölner Standort Kollwitz Forum?
Seit dem 26. Januar 1989 residiert das Museum im vierten Obergeschoss der von Hans Schilling entworfenen Neumarkt-Passage, mit 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Nach knapp dreijähriger Sanierung öffnet das Haus am 11. Oktober 2025 wieder, am selben Standort: Die Adresse, das Gebäude, vormals Neumarkt-Passage, trägt seither den Namen Kollwitz Forum, das Museum heißt weiterhin Käthe Kollwitz Museum Köln. Die Wiedereröffnung fällt mit dem 80. Todestag der Künstlerin und dem 40-jährigen Bestehen des Hauses zusammen.
Die Sammlung ist inzwischen deutlich gewachsen: rund 300 Zeichnungen, über 500 druckgrafische Blätter sowie sämtliche Plakate und das gesamte museal greifbare plastische Werk. Radierungen, Lithografien und Holzschnitte stehen dort dicht beieinander, aus allen Schaffensphasen. Nach Museumsangabe ist Köln damit das Haus mit der weltweit umfassendsten Kollwitz-Sammlung. Vom 8. Juli bis 15. November 2026 zeigt das Kölner Museum die Ausstellung "KOLLWITZ Ausgewählt". Ist das Kölner Modell, eine Bank finanziert, das Haus wächst und wird saniert, auch das Modell der beiden anderen Häuser? In Berlin verlief die Geschichte von Anfang an anders. Dort stand am Anfang keine Bank, sondern ein einzelner Mann mit einem privaten Interesse.
Wer war Hans Pels-Leusden, und warum stiftete ein Kunsthändler sein eigenes Museum?
Hans Pels-Leusden, geboren 1908 in Lüdenscheid, gestorben 1993 in Berlin, ist Maler, Kunsthändler und Sammler. Mit Kollwitz' Werk beschäftigt er sich seit 1950, seine erste eigene Kollwitz-Ausstellung zeigt er 1965. 1986 gründet er in der Fasanenstraße in Charlottenburg das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin und stiftet dafür 95 Druckgrafiken, 40 Zeichnungen und 10 Originalplakate. Getragen wird das Haus seither von einem privaten Verein, seit etwa 2020 ergänzt durch eine Förderung des Berliner Senats von 360.000 Euro im Jahr, so die Berliner Zeitung 2020.
Pels-Leusdens Sammlung war nie auf Vollständigkeit angelegt. Ihn faszinierten bestimmte Themen, vor allem Selbstporträts und Zustandsdrucke, jene Zwischenstufen, an denen sich der Weg von der ersten Idee zum fertigen Blatt nachvollziehen lässt. Kollwitz hat sich immer wieder selbst porträtiert, unter anderem 1922/23 im Selbstbildnis als Holzschnitt. Die Familie Kollwitz stellte zusätzlich bildhauerische Arbeiten zur Verfügung, ab 1987 kamen Schenkungen des neu gegründeten Freundeskreises hinzu. In Berlin sieht man vor allem, wie ein Werk entsteht. In Köln sieht man, wie viel davon existiert. Fast vier Jahrzehnte blieb die Sammlung an ihrem Gründungsort in der Fasanenstraße, dann wurde das Haus zu klein.
Was hat ein barockes Hoftheater mit Käthe Kollwitz zu tun?
36 Jahre lang befand sich das Berliner Museum in rund 600 Quadratmetern in der Fasanenstraße, mitten im Umfeld von Literaturhaus, Galerien und Auktionshäusern, bis der Platz nicht mehr reichte. Am 24. September 2022 eröffnet das Museum an einem gänzlich anderen Ort: im Theaterbau von Schloss Charlottenburg. Laut Berliner Zeitung sollten für die Räume künftig rund 96.000 Euro Miete an die Schlösserstiftung zu zahlen sein, bei einer Vertragslaufzeit von zwanzig Jahren.
Das Gebäude selbst hat eine eigene, wechselvolle Geschichte, die mit Kollwitz zunächst nichts zu tun hat. Carl Gotthard Langhans, der spätere Architekt des Brandenburger Tors, errichtet den Theaterbau 1788 für Friedrich Wilhelm II. als Hoftheater. 1902 wird das Innere für ein Möbellager entkernt, nach dem Zweiten Weltkrieg bleibt nur die Fassade erhalten, und bis 2009 beherbergt das Haus das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Heute umfasst die Sammlung über 200 Werke, darunter die Lithografie "Brot!" von 1924 und der Holzschnitt-Zyklus "Krieg" von 1922/23, dazu eine 2,1 Meter hohe Kollwitz-Plastik von Gustav Seitz. Lithografie und Holzschnitt stehen damit als Sammlungskategorien nebeneinander, so wie Kollwitz selbst zwischen den Verfahren wechselte, wenn ein Thema es verlangte.
Wie unabhängig sind die beiden großen Häuser tatsächlich vom dritten, kleineren Haus? Das dritte Haus, das ihren Namen trägt, zog nicht in eine Bank oder ein Stadtschloss, sondern liegt dort, wo Käthe Kollwitz tatsächlich gestorben ist.
Wie kam die 77-jährige Künstlerin ohne Zuhause nach Moritzburg?
Die Bitte um Aufnahme kommt von Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, einem Bewunderer ihrer Kunst. Gewährt wird sie von Gräfin Ida zu Münster: In deren Rüdenhof am Schlossteich bezieht die seit der Zerstörung ihres Berliner Wohnhauses obdachlose Künstlerin im Juli 1944 zwei Zimmer, dazu einen eigens für sie angebauten Balkon.
Der Rüdenhof selbst hat eine lange Geschichte, bevor er zu Kollwitz' letzter Adresse wird. Ursprünglich gehörte er zur Menagerie des kurfürstlichen Jagdschlosses, angelegt unter August dem Starken ab 1731 für eine geplante Afrika-Expedition. 1896 erwerben die Grafen von Münster das Anwesen und bauen es zu einem Gutshaus um.
Wo starb Käthe Kollwitz, und wo liegt sie begraben?
Käthe Kollwitz stirbt am 22. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, im Rüdenhof in Moritzburg. Sie war laut Museumsangabe am 20. Juli 1944 im Rüdenhof angekommen, also neun Monate zuvor.
Begraben liegt sie trotzdem nicht in Moritzburg. Noch 1945 wird ihre Asche, ihrem eigenen Wunsch entsprechend, in das Familiengrab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin überführt, wo bereits ihr Ehemann Karl (gestorben 1940) und ihr Bruder Konrad Schmidt (gestorben 1932) lagen. Das Grabmal trägt das Bronzerelief „Ruht im Frieden seiner Hände", das Kollwitz 1936 nach dem Tod ihres Schwagers Georg Stern für das Familiengrab schuf.
Fünfzig Jahre nach ihrem Tod entstand dort, am Ort, an dem sie starb, und nicht am Ort, an dem sie liegt, ein drittes Museum.
Warum entstand 1995 ein drittes, bewusst kleines Museum?
1994 wird das Anwesen in die neu gegründete Stiftung Käthe Kollwitz Haus überführt. Am 22. April 1995, dem 50. Todestag der Künstlerin, öffnet der Rüdenhof als Museum. Die Sammlung bleibt dabei bewusst klein: rund 30 Original-Druckgrafiken, dazu Fotografien und Ausschnitte aus Tagebüchern und Briefen, ein Einblick in mehr als 50 Jahre Schaffen statt ein vollständiges Werkverzeichnis. Getragen wird das Haus von der Stiftung Käthe Kollwitz Haus Moritzburg, einem Freundeskreis und Spenden.
2016 wurde aus der schmalen Sammlung eine echte Existenzfrage.
Warum stand das kleinste der drei Museen 2020 vor der Schließung?
2016 reformiert Sachsen die Kulturraumförderung und hebt den Pflicht-Eigenanteil der Gemeinde Moritzburg auf 25 Prozent an. Der Gemeinderat stellt daraufhin die finanzielle Tragfähigkeit der Einrichtung infrage. 2020 reicht die Dresdner Künstlerin Konstanze Feindt-Eißner eine Petition zur Rettung der Gedenkstätte ein, unterschrieben von 6.415 Menschen. Laut dem Radeburger Anzeiger und dem Text der Rettungspetition, die sich auf einen Bericht der Dresdner Neuesten Nachrichten beruft, soll ein Gemeinderatsmitglied in der Förderdebatte argumentiert haben, Kollwitz habe keine regionale Relevanz für Moritzburg, weil sie aus Berlin stamme.
2024 wird der Rüdenhof saniert, Kosten rund 140.500 Euro, davon übernimmt der Freistaat Sachsen 100.000 Euro aus PMO-Mitteln. Die Maßnahmen umfassen ein museal taugliches Archiv, mehr Ausstellungsfläche, eine Brandschutztür samt Rauchmeldern, neue Klimatechnik und einen barrierefreien Zugang. Steht das Haus damit finanziell allein da, während Köln und Berlin abgesichert wirken? Ganz allein stand das Moritzburger Haus am Ende trotzdem nicht da, Hilfe kam, wenig erwartet, auch aus Köln.
Sind die drei Museen wirklich vollständig unabhängig voneinander?
Die Kreissparkasse Köln unterstützt neben ihrem eigenen Museum zusätzlich die Stiftung Käthe Kollwitz Haus Moritzburg finanziell. Daneben tragen das sächsische Kulturministerium, Kulturraummittel, die Sitzgemeinde, der Freundeskreis und Eintrittsgelder zur Finanzierung des Moritzburger Hauses bei.
Das ändert nichts an der Grundtatsache: Sammlungsbestand und Tagesgeschäft bleiben bei allen drei Häusern getrennt. Verbunden sind sie über Finanzierung und Gremien: Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Köln sitzt im Beirat der Moritzburger Stiftung. Köln beansprucht für sich, das erste seiner Art gewesen zu sein, gegründet 1985, ein Jahr vor Berlin. Wer sich das selbst ansehen will, muss dafür in drei verschiedene Städte reisen, zu drei unterschiedlichen Öffnungszeiten.
Was kosten die Besuche, und wann sind die drei Häuser 2026 geöffnet?
Stand September 2026: Köln hat erst vor knapp einem Jahr nach der langen Sanierung wieder geöffnet, entsprechend können sich Zeiten, Preise und das Ausstellungsprogramm noch verschieben. Wer konkret plant, ruft am besten kurz vorher bei dem jeweiligen Haus an oder schaut auf der Museumsseite nach, bevor die Fahrt losgeht.
Köln (Kollwitz Museum im Kollwitz Forum): Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, am ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr mit freiem Eintritt. Regulär 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, ab 17:30 Uhr gilt für alle der halbe Eintrittspreis. Aktuell läuft dort bis 15. November 2026 die Ausstellung "KOLLWITZ Ausgewählt".
Berlin (Theaterbau Schloss Charlottenburg): Täglich 11 bis 18 Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen. Regulär 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, unter 18 Jahren freier Eintritt. Bis 1. November 2026 zeigt das Haus die Sonderausstellung zu Ida Gerhardi, vom 15. November 2026 bis 10. Januar 2027 folgt "Klaus Hack".
Moritzburg (Rüdenhof): April bis Oktober Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, November bis März Mittwoch bis Sonntag 11 bis 16 Uhr. Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, ein Kombiticket mit Schloss Moritzburg kostet 17 Euro (Angaben der Website des Hauses, Stand Januar 2026; die Website war im September 2026 nicht erreichbar).
Dass hinter jedem der drei Häuser die Entscheidung eines Dritten steht, einer Bank, eines Sammlers, einer Stiftung, wiederholt sich auch anderswo: Das Horst-Janssen-Museum Oldenburg geht auf eine Kette bürgerschaftlicher Entscheidungen zurück, das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster auf einen Sammler aus Westfalen, der seine Bestände bewusst in der Heimat hielt, und in Worpswede tragen gleich vier Häuser das Erbe einer ganzen Kolonie, nicht nur eines einzelnen Namens. Und die Künstler selbst verbindet mehr als dieses Schicksal: Kollwitz zählt ebenso zu den berühmten Druckgrafikern wie Picasso und Janssen.
Häufige Fragen zu den Käthe-Kollwitz-Museen
Was unterscheidet das Käthe Kollwitz Museum Köln vom Käthe-Kollwitz-Museum Berlin?
Köln wird von der Kreissparkasse Köln getragen und zeigt mit rund 300 Zeichnungen, über 500 Druckgrafiken und dem gesamten museal greifbaren plastischen Werk die nach eigener Angabe weltweit umfassendste Kollwitz-Sammlung. Berlin geht auf den privaten Kunsthändler Hans Pels-Leusden zurück, wird von einem Verein getragen und zeigt mit rund 200 Werken eine kuratierte Auswahl, die sich stärker auf Selbstporträts und den Entstehungsprozess einzelner Blätter konzentriert. Beide Häuser sind rechtlich und in der Sammlungsverwaltung unabhängig voneinander.
Welches der drei Museen sollte man zuerst besuchen?
Wer das Gesamtwerk sehen will, findet in Köln die größte Sammlung. Wer den Entstehungsprozess einzelner Werke nachvollziehen will, ist in Berlin am richtigen Ort, seit 2022 dazu in einem Gebäude mit eigener, 1788 beginnender Geschichte. Wer die Atmosphäre der letzten Lebensmonate Kollwitz' erleben will, findet das nur in Moritzburg, im Rüdenhof mit dem Balkon über dem Teich.
Wo genau ist Käthe Kollwitz gestorben, und wo liegt ihr Grab?
Sie starb am 22. April 1945 im Rüdenhof in Moritzburg bei Dresden. Begraben liegt sie nicht dort, sondern auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin.
Was kostet der Eintritt, und wann haben die Häuser geöffnet?
Stand September 2026: Köln 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), Berlin 8 Euro (ermäßigt 5 Euro), Moritzburg 7 Euro (ermäßigt 5 Euro, Stand Januar 2026). Alle drei Häuser haben unterschiedliche Wochentage und Uhrzeiten, die vollständige Übersicht steht oben im Abschnitt zu den Öffnungszeiten.
Ist das Kölner Museum wirklich das erste Kollwitz-Museum der Welt?
Nach eigener Angabe ja: Köln eröffnete am 22. April 1985 als erstes Museum, das allein Käthe Kollwitz gewidmet ist, ein Jahr vor Berlin (1986) und zehn Jahre vor Moritzburg (1995). Der Anspruch ist die Selbstauskunft des Hauses.
Der Balkon, der geblieben ist
Von den drei Häusern ist Moritzburg das kleinste und das am wenigsten institutionelle. Keine Bank steht dahinter, kein Stadtschloss, nur ein Zimmer im Rüdenhof mit Blick über den Teich, das sich bis heute besichtigen lässt. Der Balkon, den Prinz Ernst Heinrich von Sachsen 1944 für eine obdachlos gewordene Künstlerin anbauen ließ, ist derselbe Balkon, der 1995 zum Kern eines öffentlichen, aber bewusst kleinen Gedenkorts wurde. Der Ort dieses privaten Akts der Fürsorge beherbergt heute ein Museum mit rund 30 Original-Druckgrafiken, weit entfernt von den über 500 Blättern, die im deutlich größeren Kölner Haus hängen.
Drei Häuser, drei völlig unterschiedliche Träger, ein Name. Bewahrt eine Bank mit Vollständigkeitsanspruch das Werk am Ende besser als ein Sammler mit eigenem Geschmack oder eine Familie mit persönlicher Bindung? Eine endgültige Antwort gibt es darauf nicht, nur drei sehr unterschiedliche Wege, mit demselben Erbe umzugehen. Wer alle drei Häuser besucht, bekommt am Ende ohnehin drei verschiedene Käthe Kollwitz zu sehen, nicht eine.
Quellen und weiterführende Literatur
- Kollwitz Museum Köln (kollwitz.de): Geschichte, Sammlung, Öffnungszeiten und Eintritt, Ausstellungen (Stand September 2026)
- Käthe-Kollwitz-Museum Berlin (kaethe-kollwitz.berlin): History, Käthe Kollwitz in Berlin, Opening hours and tickets, Special exhibition, Preview (Stand September 2026)
- Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Objektdokumentation Theaterbau Schloss Charlottenburg (Langhans, 1788)
- Käthe Kollwitz Haus Moritzburg (kollwitz-moritzburg.de): Geschichte, Moritzburg, Stiftung, Öffnungszeiten (Stand Januar 2026, Internet Archive)
- Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Biografie Käthe Kollwitz
- Sächsisches Staatsministerium für Kultur und Tourismus, Medienservice Sachsen: Freistaat fördert Sanierung des Käthe Kollwitz Hauses in Moritzburg (10.06.2024)
- Art Institute of Chicago, Sammlungsdatenbank: Käthe Kollwitz, Battlefield (1907); Museum of Modern Art: Käthe Kollwitz, Frontal Self-Portrait (1922–23)
- Wikipedia, Artikel Käthe Kollwitz Museum Köln, Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg, Hans Pels-Leusden, Käthe Kollwitz, Zentralfriedhof Friedrichsfelde
Zuletzt aktualisiert am 11.09.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover-Linden. Käthe Kollwitz gehört nicht zum eigenen Sortiment, ihr Werk ist seit 2016 gemeinfrei, aber museal gebunden, nicht im Handel. Was Studio Sonsu zeigt, sind Radierungen, Linolschnitte, Lithografien, Holzschnitte und Siebdrucke lebender Künstlerinnen und Künstler, direkt von ihnen bezogen.
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