Kunst in Hannover

Beim ZINNOBER 2026 öffneten 60 Kunstorte in Hannover. Kestner Gesellschaft und Kunstverein waren zwei davon, das Sprengel Museum stand nicht im Programm. Die Kunstszene organisiert sich in geografischen Hubs. Linden hat die meisten Kunstorte, Hainholz seit 1983 die Kornbrennerei, die Südstadt mit der Eisfabrik ein Kunst- und Kulturzentrum auf rund 5.000 Quadratmetern. Wer die Galerien in Hannover kennt, kennt erst den Anfang.

Am ersten September-Wochenende öffnen in Hannover rund 60 Kunstorte gleichzeitig ihre Türen. In Linden hängt dabei auch Druckgrafik, 2026 etwa Tiefdrucke von Dieter Voegler bei metavier.

Das ist Hannover. Nicht das Hannover aus dem Stadtmarketing, mit Maschsee und Herrenhäuser Gärten. Das Hannover der Industriehöfe und Fabrikgebäude, die seit den späten 1970ern umgenutzt werden. Werkstätten, Ateliers, Projekträume, Galerien in Hinterhöfen. Die Szene ist größer, als die meisten Leute ahnen.

Diese Seite ist ein Versuch.

Wo entsteht Kunst in Hannover?

Die ehrliche Antwort: verteilt über mehrere Stadtteile, ohne ein offizielles Zentrum. Wer die Szene als Ganzes verstehen will, denkt besser in geografischen Hubs als in einzelnen Adressen.

Linden hat die meisten Kunstorte. In ihrer ZINNOBER-Liste nach Stadtteilen ordnete die Stadt 2025 elf Orte Linden-Mitte, Linden-Süd und Badenstedt zu und neun Linden-Nord mit der Calenberger Neustadt, zusammen 20 von 67 Orten im Programm, einer davon fiel aus. Allein auf dem Faust-Gelände in Linden-Nord standen 2025 vier Ateliers im Programm. Dazu kommen Galerien, Projekträume und Werkstätten zwischen Lindener Markt und Schwarzem Bär. In Hainholz gibt es mit der Kornbrennerei seit 1983 einen Atelierkomplex. In der Südstadt liegt die Eisfabrik, rund 5.000 Quadratmeter mit Ateliers und zwei Ausstellungshallen.

Die genauen Zahlen kommen aus dem ZINNOBER: 2024 standen 66 Kunstorte im Programm, 2025 öffneten laut Bilanz der Stadt 66, 2026 waren es 60. Das sind nur die Zinnober-Teilnehmer. Orte, die nicht teilnehmen, zählen nicht mit.

Wer Druckgrafik sucht, findet sie an mehreren dieser Orte: auf dem Faust-Gelände, in der Eisfabrik, und bei spezialisierten Galerien wie Studio Sonsu. Drei Arbeiten aus dem aktuellen Programm:

Bronwen Sleighs Radierungen zeigen Industriearchitektur in einem Zustand zwischen Bauplan und Zerfall. John Simpson geht die Gegenrichtung: organische Landschaften, im Siebdruck geschichtet aus Kohle, Erdpigment und Pastellstaub. Antonia Rebers Echo-Surfaces-Serie dokumentiert Straßenszenen durch Schaufensterscheiben. Wer Praxen oder Kanzleien einrichtet, findet in Druckgrafik eine Alternative, die das Wartezimmer so viel besser macht als das, was sonst dort hängt. Ein praktischer Nebeneffekt: Bei gewerblicher Nutzung ist Kunst unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich absetzbar.

Was passiert auf dem Faust-Gelände?

Das Kulturzentrum Faust ist das, was entsteht, wenn eine Fabrik nicht abgerissen wird. Die ehemalige Bettfedernfabrik Werner & Ehlers in Linden-Nord, Zur Bettfedernfabrik 1+3, wurde 1991 zum Kulturzentrum umgewidmet. FAUST steht für FAbrikUmnutzung und STadtteilkultur. Das Zentrum nennt über 6.300 Quadratmeter.

Auf dem Gelände arbeiten mehrere Atelierkollektive. Das Atelier Bettfedernfabrik besteht aus 14 Künstlerinnen und Künstlern: Malerei, Grafik, Lichtkunst, Performance, mit Ausstellungen unter anderem in England, Japan, Korea und Südamerika. 2025 standen außerdem Atelier Mira e.V., Atelier 3A und Atelier ex.a.Tö im ZINNOBER-Programm, auf der Liste der Vereine und Nutzer der Faust steht außerdem Kopflos Künstlerisches Gestalten e.V.

Die frühere Kunsthalle Faust, 360 Quadratmeter, hat ihre Rolle gewechselt: Seit 2025 wird der Raum als tanzRAUM Faust ganzjährig für den Tanz genutzt, betrieben von Landerer & Company und dem FAUST e.V.

2025 erhielt das Kulturzentrum Faust den Applaus-Award für eines der besten Live-Musik-Programme Deutschlands.

Was steckt in Linden-Mitte?

Ein Viertel, das man zu Fuß abläuft, von Lindener Markt bis Schwarzem Bär.

Die Galerie Falkenberg (Falkenstraße 21A) zeigt zeitgenössische Kunst. Die Galerie BOHAI e. V. am Schwarzen Bär 6 ist ein gemeinnütziger Kunstverein, gegründet 2013. Studio Sonsu (Teichstraße 2) zeigt zeitgenössische Druckgrafik. Metavier an der Minister-Stüve-Straße 14 rundet das Bild ab.

In Linden gibt es außerdem Keramikwerkstätten mit Kursen: Rendzina Kurswerke in Linden-Süd und Crafting Diversity an der Elisenstraße. Lingling Keramik am Lindener Marktplatz pausiert bis Januar 2027. Projekträume wie konnektor (im benachbarten Linden-Nord) und der Küchengartenpavillon am Lindener Berg öffnen zu ihren Ausstellungen.

Was ist die Kornbrennerei?

Hainholz ist nicht das erste, wo man sucht. Das Viertel wirkt auf den ersten Blick nach Gewerbe und Durchfahrt. Dann kommt, an der Bertramstraße 4, die Kornbrennerei.

Die Kornbrennerei August Schmidt wurde dort 1878 gegründet, eine Schnapsbrennerei. Seit 1983 ist das Gelände ein Atelierkomplex, gegründet von Prof. Siegfried Neuenhausen, einem Bildhauer, der an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig lehrte.

Was heute dort arbeitet: zwei miteinander verbundene Höfe mit Ateliers, Ausstellungsräumen und einer Galerie. Entlang der Bertramstraße zeigt die Bilderwand Arbeiten unter anderem von Tony Cragg und Günther Uecker, im Innenhof stehen Skulpturen. 2011 ging der Innovationspreis des Fonds Soziokultur an das Projekt „Skulpturen für Hainholz" der Hainhölzer Kulturgemeinschaft, geleitet von Siegfried Neuenhausen, mit Skulpturen im Stadtteil. Zum ZINNOBER öffnet die Kornbrennerei ihre Türen.

Nicht weit entfernt, an der Schulenburger Landstraße 150 bis 152, arbeiten weitere Ateliergemeinschaften. Die Stadt zählte dort 2025 acht ZINNOBER-Kunstorte, darunter Studio Akkord, POMP und die Ateliergemeinschaft Atoll.

Was passiert in der Eisfabrik?

Seilerstraße 15, Südstadt. Der Komplex wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Brauerei errichtet. Das Gelände ist rund 5.000 Quadratmeter groß. Heute arbeiten dort Künstlerateliers für Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie und Druckgrafik.

Die festen Künstlerinnen und Künstler beim Zinnober 2025: Inge Marion Petersen, Meike Zopf, Eugen Kunkel, Pepa Salas Vilar, Dietrich Ellßel, Barbara Sowa, plus fünf Gastkünstler. Die GAF, Galerie für Fotografie, ist seit März 2014 in der Blauen Halle der Eisfabrik. Dazu kommt die Weiße Halle, die seit 2024 vom kuratorischen Team KONG bespielt wird.

Was muss man über Sprengel, Kestner und Kunstverein wissen?

Alle drei sind sehenswert. Und alle drei sind der Anfang, nicht das Ganze.

Das Sprengel Museum öffnete 1979, basierend auf der Schenkung von Bernhard Sprengel und seiner Frau Margrit aus dem Jahr 1969. Die Grafik-Sammlung umfasst 19.100 Druckgrafiken und 10.800 Originalarbeiten auf Papier, dazu zwei Ausstellungsräume mit zusammen 450 Quadratmetern und einen Studienraum für Arbeiten auf Papier, der seit Februar 2026 wegen der Brandschutzsanierung bis auf Weiteres geschlossen ist. Das Kurt-Schwitters-Archiv ist dort seit 1994 angesiedelt, dazu zeigt das Museum die Rekonstruktion des Merzbaus. 2017 wurde es Museum des Jahres (AICA). Wer die Verbindung zwischen Hannover und dem Dadaismus verstehen will, kommt hier nicht vorbei.

Die Kestner Gesellschaft wurde am 31. August 1916 gegründet, unter anderem von Hermann Bahlsen. Benannt nach August Kestner (1777-1853). Im März 1923 zeigte sie die erste Ausstellung El Lissitzkys in Hannover, gemeinsam mit Max Burchartz. Als Jahresgabe für die Mitglieder entstand dabei die Proun-Mappe mit Lithografien, mehr dazu unter Konstruktivismus in Deutschland. Seit 1997 im ehemaligen Goseriedebad, über 1.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche. 1936 verlangten die Nationalsozialisten die Entlassung des jüdischen Direktors Justus Bier. Im selben Jahr wurde die Gesellschaft geschlossen, sie selbst spricht von einer Zwangsschließung. Bier emigrierte 1937 in die USA, 1948 wurde die Gesellschaft neu gegründet.

Der Kunstverein Hannover wurde am 3. März 1832 von einer Gruppe um Bernhard Hausmann und Johann Hermann Detmold gegründet und zählt sich zu den ältesten Institutionen zeitgenössischer Kunst im deutschsprachigen Raum. Seit 1856 sitzt er im Künstlerhaus. Herbstausstellungen gibt es seit 1907, heute in der Regel alle zwei Jahre.

Was ist Zinnober, und wann lohnt es sich?

Einmal im Jahr, am ersten September-Wochenende, öffnen Ateliers, Projekträume, Galerien und Kunstvereine in der ganzen Stadt gleichzeitig ihre Türen. Das ist ZINNOBER, bis 2016 als ZINNOBER-Kunstvolkslauf. Freier Eintritt. Organisiert vom Kulturbüro der Stadt Hannover.

2024 standen 66 Kunstorte im Programm, 2025 öffneten laut Bilanz 66, 2026 waren es 60 mit mehr als 300 Künstlerinnen und Künstlern. 2019 zählte der ZINNOBER 69 Kunstorte. Die Zahlen sind Untergrenzen: Nur ZINNOBER-Teilnehmer werden gezählt. Die 29. Auflage fand am 5. und 6. September 2026 statt, die 30. ist für den 4. und 5. September 2027 angekündigt.

Was das konkret bedeutet: An einem Samstag im September kannst du die Kornbrennerei sehen, das Faust-Gelände, die Eisfabrik, viele Ateliers in Linden und Hainholz. Alles an einem Wochenende, ohne Voranmeldung und kostenlos. Es lohnt sich, früh anzureisen. Das Faust-Gelände allein braucht Zeit.

Termine, Ortstypen und sieben konkrete Adressen für das Wochenende stehen auf der eigenen Seite zum ZINNOBER in Hannover.

Wer nicht bis zum nächsten September warten will: Die Galerie Falkenberg und einige andere Orte haben reguläre Öffnungszeiten. Aktuelle Ausstellungen am besten direkt auf den jeweiligen Websites prüfen.

Häufige Fragen

Welche Stadtteile in Hannover sind am stärksten für Kunst?

Linden hat die meisten Kunstorte, vor allem rund um das Faust-Gelände und den Lindener Markt. In Hainholz liegt die Kornbrennerei, seit 1983 ein Atelierkomplex. Die Eisfabrik befindet sich in der Südstadt. Kestner Gesellschaft und Kunstverein liegen in der Innenstadt, das Sprengel Museum am Maschsee.

Was ist das Kulturzentrum Faust in Hannover?

Eine ehemalige Bettfedernfabrik in Linden-Nord, seit 1991 als Kulturzentrum genutzt. Nach eigenen Angaben über 6.300 Quadratmeter mit mehreren Atelierkollektiven, Veranstaltungshallen und Gastronomie. Die frühere Kunsthalle Faust wird seit 2025 als tanzRAUM Faust ganzjährig für den Tanz genutzt.

Was ist Zinnober Hannover?

Ein jährliches Kunstwochenende am ersten September-Wochenende, bis 2016 mit dem Zusatz Kunstvolkslauf. Ateliers, Projekträume, Galerien und Kunstvereine öffnen gleichzeitig ihre Türen. Freier Eintritt. 2024 bis 2026 waren es 60 bis 66 Orte in ganz Hannover, 2026 mit mehr als 300 Künstlerinnen und Künstlern. Der 30. ZINNOBER ist für den 4. und 5. September 2027 angekündigt.

Gibt es in Hannover Galerien für Druckgrafik?

Ja. Studio Sonsu (Teichstraße 2) zeigt zeitgenössische Originaldruckgrafik. Die Grafische Sammlung des Sprengel Museums umfasst 19.100 Druckgrafiken.

Wann hat das Sprengel Museum geöffnet?

Das Sprengel Museum hat reguläre Öffnungszeiten (aktuell auf sprengel-museum.de prüfen). Der Studiensaal der Grafik-Sammlung ist seit Februar 2026 wegen der Brandschutzsanierung geschlossen. Ebenfalls bis auf Weiteres geschlossen ist das Kurt Schwitters Archiv.

Quellen und weiterführende Literatur

Zuletzt aktualisiert am 03.10.2026.

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover-Linden. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlerinnen und Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de