David Hockney
David Hockney ist vor allem als Maler bekannt. Die Pool-Gemälde, das blaue Kalifornien, A Bigger Splash. Was wenige wissen: Schon 1954 entstehen in Bradford seine ersten Lithografien, und die Druckgrafik begleitet ihn danach sein ganzes Künstlerleben. Das MoMA zählt mehr als fünfhundert Drucke.
Bradford, 1954. Hockney macht seine ersten Lithografien, darunter "Fish & Chip Shop", die er dem Imbiss Sea Catch in Eccleshill schenkt. (Wikipedia verzeichnet die Lithografie als eine seiner frühesten.)
Von den Lithografien 1954 bis zu den Fotokopierdrucken 1986 hat Hockney immer wieder neue Druckverfahren ausprobiert. Diese Offenheit für das Verfahren teilt er mit den Grafikern, die Studio Sonsu, eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover, vertritt.
A Rake's Progress, 16 Radierungen mit Aquatinta, entstand ab 1961 nach seiner ersten New-York-Reise und erschien 1963, vier Jahre vor dem Gemälde A Bigger Splash (1967). Später lernte Hockney bei Aldo Crommelynck in Paris die Sugar-Lift-Aquatinta. 1978 formte er bei Ken Tyler mit Paper Pools Schwimmbadbilder aus gefärbtem Papierbrei; Hockney selbst nannte sie einzigartige Objekte, keine Drucke.
Wie begann David Hockneys Druckgrafik?
Nach Bradford folgte das Royal College of Art in London, wo Hockney 1959 eintraf (Wikipedia). Die erste große Arbeit aber kommt von einer Reise: 1961 fährt Hockney, noch Student am Royal College of Art, das erste Mal nach New York. Das MoMA kauft ihm bei diesem Besuch gleich Drucke ab.
Die 16 Radierungen von A Rake's Progress entstehen ab Herbst 1961 zurück in London, aus den Erinnerungen an New York; die Foundation gibt 1961 bis 1963 an, das MoMA datiert 1961 bis 1962 und nennt 1963 als Erscheinungsjahr. Jede Platte misst rund 30 × 40 Zentimeter. Die Edition: 50 Exemplare. Technik: Radierung kombiniert mit Aquatinta, einer Methode, die feine Tonwerte durch geätzte Flächen erzeugt statt durch Linien.
Was die Serie ungewöhnlich macht: Der Protagonist ist Hockney selbst, ein junger Künstler in einer neuen Welt, gezeichnet mit der Radiernadel in den Ätzgrund der Platte.
Die Radierung trägt die Linie, die Aquatinta die Tonflächen.
Was macht A Rake's Progress zu Hockneys erster Selbsterfindung?
Hogarths Kupferstich-Serie A Rake's Progress aus dem Jahr 1735 erzählt den moralischen Verfall eines Erben in acht Blättern. Hockney nimmt den Titel, behält die Idee der episodischen Erzählung in Drucken, und macht daraus etwas vollständig anderes.
Wo Hogarth moralisiert, erzählt Hockney von sich: Sein "Rake" ist laut MoMA ein junger Künstler und schwuler Mann, der in New York seinen Weg sucht. Hockney deutet Hogarths Bilderzyklus neu und ergänzt ihn nach Angabe der Foundation um seine Erinnerungen an New York.
Das technische Fundament: Der Londoner Verlag Editions Alecto verlegte die Serie in Zusammenarbeit mit dem Royal College of Art, gedruckt hat sie C.H. Welch in London. Hockney hat 1961 bis 1963 sechzehn autobiografische Blätter radiert, vier Jahre vor seinem Gemälde A Bigger Splash (1967). Für das MoMA ist A Rake's Progress seine erste große Radierungsgruppe. Am Royal College of Art zählte Hockney zur britischen Pop Art; mit A Rake's Progress erzählte er daneben seine eigene Geschichte.
Was erzählen Hockneys Cavafy-Radierungen?
Konstantinos Kavafis war ein griechischer Dichter, 1863 in Alexandria geboren und 1933 dort gestorben. Seine Gedichte schildern homosexuelles Begehren unverblümt, zu einer Zeit, in der homosexuelle Handlungen in England noch strafbar waren. Hockney las ihn als Student.
1966 entsteht das Portfolio Illustrations for Fourteen Poems from C. P. Cavafy; die Foundation führt 13 Blätter. Die Vorzeichnungen macht Hockney zu Jahresbeginn in Beirut, gedruckt wird in London bei Maurice Payne, der später auch an The Blue Guitar arbeitet. Die Blätter sind nach der Foundation überwiegend zarte Linienzeichnungen intimer Szenen zwischen Männern.
Im Juli 1966 zeigt Kasmin in London zwölf der Radierungen. Im Juli 1967, ein Jahr später, erhielt der Sexual Offences Act die königliche Zustimmung. Er erlaubte einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern ab 21 Jahren im Privaten und galt nur in England und Wales. Hockney sagte später über die Blätter, er habe gewusst, dass es illegal war, habe darüber aber kaum nachgedacht. Er habe nicht für andere gesprochen, sondern seine eigene Lebensweise verteidigt.
Was lernte Hockney bei Crommelynck in Paris?
1973 fährt Hockney nach Paris, ins Atelier Crommelynck. Aldo Crommelynck druckte seit Mitte der 1950er Jahre für Pablo Picasso; ab 1963 richteten er und sein Bruder Piero dafür ein Atelier bei Mougins ein, nach Picassos Tod 1973 kehrten beide nach Paris zurück. Der Guardian nannte Aldo Crommelynck nach Wikipedia in seinem Nachruf "the most celebrated printmaker of the second half of the 20th century". Hockney sagte später, es sei aufregend gewesen, jemanden zu treffen, der so unmittelbar mit Picasso gearbeitet hatte.
Aldo Crommelynck hatte die Sugar-Lift-Aquatinta über Jahre vor allem mit Picasso eingesetzt. Die Technik erlaubt es, Pinselspuren direkt auf die geätzte Platte zu übertragen, anstatt nur mit Nadeln zu arbeiten. Hockney übernahm sie in Paris. "Aldo Crommelynck taught me marvelous technical things about etching", sagte er später.
Was Hockney aus den Jahren ab 1973 mitnahm, ist The Blue Guitar (1976–77). 20 Radierungen und Aquatintas, je Blatt von zwei Kupferplatten gedruckt (34,5 × 42,5 cm je Platte), fünf Farben zur Auswahl: Rot, Gelb, Blau, Grün, Schwarz. Das Papier: Inveresk mould-made paper aus Somerset, England. Auflage: 200 nummerierte Exemplare plus 35 Artist's Proofs in römischen Ziffern. Veröffentlicht Oktober 1977 von Petersburg Press, London und New York.
Die Inspirationsquelle war ein Gedicht. Henry Geldzahler, Hockneys langjähriger Freund, machte ihn 1976 mit Wallace Stevens' Gedicht "The Man with the Blue Guitar" (1937) bekannt, das seinerseits von Picassos Gemälde The Old Guitarist (1903–04) ausging. Hockney las Stevens, sah Picasso und antwortete mit 20 Blättern, in denen verschiedene Darstellungsstile nebeneinander stehen.
Die Radierung in Farbe hatte Hockney in Paris bei Aldo Crommelynck gelernt, dem Drucker Picassos; The Blue Guitar entstand dann in London in Zusammenarbeit mit Maurice Payne bei Petersburg Press. Mehr zur Sugar-Lift-Technik gibt es auf der Seite Aquatinta, mehr zu bunter Druckgrafik unter bunte Kunst.
Wie entstanden die Paper Pools in sechs Wochen?
August 1978, Tyler Graphics, Bedford Village, New York. David Hockney verbringt sechs Wochen bei seinem Freund, dem Drucker Ken Tyler. Tyler lädt ihn ein, eine neue Technik mit flüssigem Papierbrei auszuprobieren: gefärbter Papierbrei wird gepresst, sodass das Bild nicht auf Papier gedruckt, sondern im Papier geformt wird.
Die Technik hatte Tyler nicht für Hockney entwickelt. 1975 hatte er mit Frank Stella die handkolorierte Serie Paper Reliefs gemacht, darauf aufbauend eine Palette gefärbter Papiermasse entwickelt, und Ellsworth Kelly hatte 1976 die Serie Colored Paper Images damit produziert.
In sechs Wochen entstehen 29 Einzelbilder. Das Sujet: Schwimmbäder und Wasser, dazu eine Sonnenblume. Der Kritiker William Feaver schrieb im Observer von "scintillating watery effects". Hockney nannte das Verfahren das Gegenteil einer Radiernadel.
Ein Kreis, der sich schließt: 1954 entstehen in Bradford seine ersten Lithografien, 1978 formt er Papier im Bundesstaat New York. Nach Wikipedia besitzt die Cartwright Hall Art Gallery in Bradford vier große Druckserien Hockneys, darunter A Rake's Progress, The Blue Guitar und die Cavafy-Illustrationen. Die Hockney Gallery dort ist derzeit ohne Hockney-Werke und soll nach dem Umbau neu eröffnen.
Was sind Moving Focus und die Home Made Prints?
1984 bis 1986 entsteht bei Tyler Graphics in Bedford Village, New York, die Lithografie-Serie Moving Focus. Tyler führt Hockney dafür eine neue Methode vor: transparente Mylar-Folien, übereinandergelegt, um die Farbregister zu planen. Manche Blätter kombinieren Lithografie mit Radierung, Siebdruck oder Collage im selben Druck. Die Serie erforscht, angeregt von Hockneys Beschäftigung mit dem Kubismus und ausgelöst vom Hof eines mexikanischen Hotels, mehrere Sichtpunkte im selben Bild, kombiniert und gleichzeitig gültig. Der Titel ist Programm. Wo schaust du hin, wenn es keinen erzwungenen Mittelpunkt gibt?
Dann, 1986, kommt der Bürokopierer. Hockney beginnt mit dem Fotokopierer Drucke herzustellen, die Foundation listet allein aus diesem Jahr über dreißig Blätter. Ohne Meisterdrucker und Werkstatt. Nur ein Bürogerät.
Hockney nannte das Verfahren "the closest I've ever come in printing to what it's like to paint." Ab 2010 zeichnet Hockney auch auf dem iPad.
Warum ist David Hockney kein reiner Maler?
David Hockneys Druckgrafik ist kein Anhang zur Malerei. Sie umfasst nach MoMA-Zählung mehr als fünfhundert Drucke.
A Rake's Progress entsteht 1961 bis 1963 als Radierungsserie, vier Jahre vor dem Gemälde A Bigger Splash (1967). Die Crommelynck-Technik lernt er 1973 in Paris und setzt sie in The Blue Guitar (1976 bis 1977) ein. Paper Pools (1978) macht Wasser zum Material: gefärbter Papierbrei, der selbst die Oberfläche bildet. Mit den Home Made Prints (1986) druckt er am Fotokopierer.
In den Interviews, die Marco Livingstone 1980 mit ihm führte und in seiner Monografie David Hockney (1981) veröffentlichte, sagte Hockney über Malen und Zeichnen:
"What I always longed to do was to be able to paint like I can draw, most artists would tell you that, they would all like to paint like they can draw." David Hockney, im Gespräch mit Marco Livingstone (1980), zitiert in David Hockney (Wikiquote)
Zum Druck sagt das MoMA: Die Linearität der Radierung passe zu seiner natürlichen Neigung zum Zeichnen.
Zeitgenössische Druckgrafik mit verwandter Haltung
David Hockney starb am 11. Juni 2026 in London, die Rechte an seinem Werk liegen beim Nachlass (Estate of David Hockney).
Die Collection zeigt keine Hockney-Werke, sondern zeitgenössische Druckgrafik mit verwandter Haltung: britische und europäische Künstler, bei denen die Handarbeit selbst den Unterschied zwischen Original und Kunstdruck sichtbar macht, ohne dass er erklärt werden müsste.
Zu den wichtigsten Druckserien Hockneys zählen A Rake's Progress, The Blue Guitar und die Cavafy-Illustrationen; dazu kommen die Papierbrei-Arbeiten Paper Pools. Was die Collection versammelt, arbeitet in dieser Erbschaft: figürlich, präzise, mit erzählerischer Substanz.
Fragen zu einzelnen Werken, Rahmung oder Beratung: hello@studiosonsu.de
Das gesamte Sortiment an Originaldruckgrafik: /collections/all
FAQ: David Hockney Druckgrafik
Wie viele Drucke hat David Hockney gemacht?
Hockney hat insgesamt mehr als fünfhundert Drucke geschaffen, so zählt das MoMA New York. Die Tate listet rund 114 Hockney-Werke, darunter Blätter aus A Rake's Progress. Zu den Serien gehören A Rake's Progress (16 Blätter), The Blue Guitar (20 Blätter) und dazu zahlreiche Einzelblätter. Die 29 Paper Pools beschrieb Hockney als einzigartige Objekte, nicht als Drucke.
Welche David Hockney Werke gehören zu seiner wichtigsten Druckgrafik?
A Rake's Progress (1961 bis 1963) ist laut MoMA Hockneys erste große Radierungsgruppe. The Blue Guitar (1976 bis 1977) entstand in Zusammenarbeit mit dem Drucker Maurice Payne bei Petersburg Press; die farbige Radierung hatte Hockney zuvor bei Aldo Crommelynck gelernt, dem Drucker Picassos. Paper Pools (1978) sind aus gefärbtem Papierbrei geformt. Moving Focus (1984 bis 1986) mischt Lithografie teils mit Radierung, Siebdruck und Collage. Blätter aus A Rake's Progress besitzen die Tate und das MoMA.
Was ist ein David-Hockney-Original-Druck wert?
Der Wert hängt stark von Serie, Zustand und Auflage ab. Bei The Blue Guitar nennt das Kolophon 200 nummerierte Exemplare und 35 Artist's Proofs.
Warum gilt Hockney als Maler, wenn er so viel gedruckt hat?
A Bigger Splash (1967) gehört zu Hockneys bekanntesten Gemälden und kam 1981 in die Sammlung der Tate. Daneben hat Hockney mehr als fünfhundert Drucke geschaffen, so zählt das MoMA.
Wo kann man Hockney-Drucke im Museum sehen?
Die Tate in London führt rund 114 Hockney-Werke, darunter Blätter aus A Rake's Progress, die sie nach Vereinbarung zeigt. Das MoMA New York besitzt das illustrierte Buch A Rake's Progress mit allen sechzehn Radierungen sowie die entwerteten Platten und Entwertungsabzüge von The Blue Guitar, die Cartwright Hall in Bradford nach Wikipedia vier große Druckserien. In Deutschland zeigte die Staatliche Graphische Sammlung München 1977 eine Ausstellung seiner Zeichnungen und Druckgrafik.
Quellen und weiterführende Literatur
- Tate, London – David Hockney: A Rake's Progress 1961–3. tate.org.uk/art/artworks/hockney-a-rakes-progress-65348
- MoMA, New York – David Hockney, A Rake's Progress, 1961–62, published 1963. moma.org/collection/works/18175
- The David Hockney Foundation – Chronology 1961, 1966, 1967, 1973, 1977, 1978, 1984, 1986, 2026. thedavidhockneyfoundation.org/chronology
- Encyclopædia Britannica – David Hockney; Constantine P. Cavafy. britannica.com/biography/David-Hockney
- National Gallery of Australia, Kenneth Tyler Collection – Bending the rules: Ellsworth Kelly's Colored Paper Images
- Wikipedia – Artikel David Hockney, The Blue Guitar, Aldo Crommelynck, Kenneth E. Tyler, Constantine P. Cavafy, Sexual Offences Act 1967, A Rake's Progress (Hogarth); Wikiquote David Hockney
Zuletzt aktualisiert am 05.10.2026.
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