Druckpressen

Eine Druckpresse ist kein neutrales Reproduktionsgerät. Radierung und Holzstich brauchen verschiedene Pressen: Eine große Radierpresse wie die Takach 4896 wiegt laut Hersteller rund 870 Kilogramm; seine Holzstiche druckt Richard Studer auf einer viktorianischen Albion-Presse mit Kniehebel.

Auf dem Messingschild von Richard Studers Albion-Druckpresse steht "H.W. CASLON & CO / HOPKINSON'S / No. 4257". Studer nennt sie "the most elegant piece of Victorian engineering". Er druckt auf ihr. Holzstichblöcke auf dem Pressbett, Hände am Hebel. Eine Maschine aus dem 19. Jahrhundert als Tageswerkzeug.

Wie kommt das? Und warum braucht ein Holzstich-Drucker überhaupt eine andere Maschine als ein Radierer? Wer zuerst die Werkzeuge der Druckgrafik verstehen will, bevor es um die Pressen geht, fängt dort an.

Warum braucht ein Holzschnitt eine andere Maschine als eine Radierung?

Beim Holzschnitt liegt die Farbe oben. Der Druckstock wird eingefärbt, Papier aufgelegt, gedrückt. Die druckenden Stellen sind die erhabenen Flächen; was geschnitzt wurde, druckt nicht. Das nennt man Hochdruck. Für diesen Kontaktdruck reicht verhältnismäßig wenig Druck. Dasselbe Prinzip gilt für den Linolschnitt.

Bei der Radierung funktioniert das Gegenteil. Die Farbe sitzt in den geätzten Vertiefungen der Platte. Um sie herauszuholen und ins Papier hineinzupressen, muss feuchtes Büttenpapier tief in die Vertiefungen der Platte gepresst werden. Dafür braucht man deutlich mehr Kraft als beim Kontaktdruck. Die Takach 4896, eine große Radierpresse, wiegt laut Hersteller 1.918 Pfund, rund 870 Kilogramm.

Die Presse folgt der Druckform. Eine Tiefdruckpresse muss genug Kraft aufbringen, um das Papier in die Vertiefungen der Platte zu pressen.

Noch deutlicher wird das beim Vergleich mit dem Siebdruck. Dort braucht man gar keine mechanische Presse. Die Farbe wird mit einer Rakel durch ein feinmaschiges Gewebe gestrichen, Sieb und Bedruckstoff liegen flach übereinander, mit etwas Abstand, dem Absprung. Der Druck kommt aus dem Arm, nicht aus einer Maschine.

Die Albion-Presse wurde für den Buchdruck gebaut und drückt einen flachen Tiegel von oben auf die Form. Später diente sie nach Wikipedia vor allem für Probeabzüge, Akzidenzen und Privatpressen; Künstler drucken auf ihr Hochdruck wie Holzstich.

Der Kniehebel der Albion-Presse besteht aus zwei durch ein Gelenk verbundenen Hebelteilen, ähnlich Ober- und Unterschenkel mit Kniegelenk; er drückt den Tiegel auf Papier und Druckstock. Die Walzenpresse dagegen erzeugt ihren Druck im Spalt zwischen oberer Walze und Bett: Über Spindeln oder Stellschrauben wird er eingestellt, dann wandert das Papier mit der Platte unter der Walze durch, und der Liniendruck presst es in die Vertiefungen. Für Radierung und Kaltnadelradierung ist diese Walzenmechanik die übliche Presse. Das Zusammenspiel von Hochdruck und Tiefdruck erklärt, warum beide Pressentypen trotz gleicher Grundaufgabe so verschieden gebaut sind.

Ovales Messingschild auf Richard Studers Albion-Presse: H.W. Caslon & Co, Hopkinson's, No. 4257, Albion Press, Chiswell St. London.
Das Messingschild auf Studers Albion-Presse: "H.W. Caslon & Co / Hopkinson's / No. 4257".

Welche Presse nutzte Senefelder in seiner ersten Druckerei?

Als Alois Senefelder mit Franz Gleissner eine kleine Druckerei einrichtete, druckte er auf einer gewöhnlichen Kupferdruckpresse mit zwei Zylindern, die ihm seine Mutter gegeben hatte. In seinem Lehrbuch nennt er sie sehr grob gearbeitet, Zimmermannsarbeit, die nur sechs Gulden gekostet hatte; man konnte damit aber sehr hübsche Abzüge vom Stein machen. Später erfand er die Hebel- oder Galgenpresse.

Radierung Sugar von Jemma Gunning: Schwarzweißblatt mit dem Schriftzug SUGAR an einer verfallenen Fabrikwand
Jemma Gunning, Radierung. Die Farbe sitzt in den geätzten Vertiefungen der Platte und wird unter dem Walzendruck ins feuchte Papier gepresst.

Der Weg von der Holzpresse zur Eisenpresse dauerte mehr als drei Jahrhunderte. Um 1440 entwickelte Johannes Gutenberg in Mainz nach der deutschen Wikipedia den Buchdruck und passte dafür die Spindelpresse an, wie sie als Kelter längst verbreitet war. Um 1800 baute Charles Stanhope eine erste eiserne Druckpresse, gefertigt vom Londoner Eisenschmied Robert Walker. Die Leistung stieg nach Jeremy Norman nur mäßig, von etwa 200 Bogen pro Stunde an einer Holzpresse auf rund 250 mit zwei Arbeitern; die deutsche Wikipedia nennt für die Stanhope-Presse um 1800 480 Seiten pro Stunde.

1814 folgte George Clymers Columbian-Presse, erstmals im April desselben Jahres inseriert. Das Pressengewicht: rund 1.500 Kilogramm. Auf dem Haupthebel saß ein gusseiserner Adler als Gegengewicht, der nach dem Druck den Tiegel automatisch zurückhob. Das Gewicht des Adlers: etwa 23 Kilogramm. Eine Columbian-Presse von 1824 besitzt das International Printing Museum in Kalifornien.

Jemma Gunning hebt einen frischen Radierungsdruck von der Presse, das Blatt zeigt eine verfallene Fabrikhalle. Foto: Alex Sedgmond.
Jemma Gunning beim Abziehen eines großen Drucks von der Presse. Foto: Alex Sedgmond.

Dann kam Richard Whittaker Cope. Um 1820, in London, entwickelte er die Albion-Presse mit einem einfachen Kniehebel-Mechanismus. Statt der aufwendigen Hebelsysteme der Columbian- und der Stanhope-Presse nutzt die Albion einen Kniehebel: Der Drucker zieht den Hebel, der Kniehebel streckt sich, der Tiegel senkt sich auf die Form, und eine Feder hebt ihn danach wieder an. Nach Copes Tod 1828 führten seine Testamentsvollstrecker J. & J. Barrett das Geschäft unter der Leitung seines Vorarbeiters John Hopkinson weiter, der später Partner wurde. Eine Schwesterpresse mit der Nummer 3714 trägt die Jahreszahl 1859 (Museums Victoria), Studers No. 4257 liegt rund 540 Nummern darüber.

Cope starb 1828. Sein Pressentyp überlebte ihn um fast zweihundert Jahre.

Senefelders Flachdruck arbeitet ohne Vertiefungen und ohne erhabene Flächen: Fett und Wasser stoßen sich auf dem Stein ab. Mourlot in Paris, eine der großen Lithografie-Werkstätten, wurde 1852 als Tapetendruckerei gegründet und druckte ab den 1920er Jahren Künstlerlithografien; Picasso schuf dort zwischen 1945 und 1969 über 400 Lithografien. Auch der Kupferstich ist ein Tiefdruckverfahren und wird wie die Radierung auf einer Walzenpresse gedruckt.

Was passiert mit einem Bild, wenn die Presse den Druck verändert?

Am 25. und 26. Juli 1656 nimmt der Sekretär der Amsterdamer Kammer für insolvente Nachlässe das Inventar von Rembrandts Haus auf. In zwei Zimmern verzeichnet es je eine Presse ("pars"), eine aus Eichenholz und eine aus Sakerdaan-Holz, das als Palisander gedeutet wird. Ob es Radierpressen waren und ob sie Rembrandt gehörten, ist nicht sicher.

Bronwen Sleigh legt eine eingefärbte Platte auf das Pressbett einer Intaglio-Druckpresse, im Hintergrund die Walze.
Eingefärbte Platte auf dem Pressbett: Bronwen Sleigh bereitet den Walzendurchgang vor.

Feuchtes Künstlerpapier gibt unter dem Walzendruck nach und nimmt die Farbe anders auf als trockenes. Der erste Probedruck vom frischen Arbeitsstand der Platte ist ein eigenes Bild. Der fünfte Zustand desselben Blatts ist ein anderes.

Bei größeren Werken können nach dem Druckgrafiker Trevor Price leicht zwei Monate Plattenarbeit oder mehr vergehen, bevor der erste Probedruck entsteht; weil es kaum Spielraum für Fehler gibt, kann dieser erste Probedruck ein angespannter Moment sein.

Wo stehen historische Pressen heute?

Eine Schwestermaschine zu Studers Albion besitzt Museums Victoria in Melbourne. Das Hopkinson-Modell No. 3714 von 1859 misst 900 x 500 x 1.600 Millimeter gesamt, das Pressbett 480 x 370 x 20 Millimeter, das Bett liegt 960 Millimeter über dem Boden. Das Museum beschreibt sie als Tischmodell mit Handhebel.

Richard Studer, Hear My Roar, Holzstich, gedruckt auf einer historischen Albion-Presse.
Richard Studer, Hear My Roar, Holzstich. Studer druckt seine Holzstiche auf einer Albion-Presse.

Eine kleinere Radierpresse, die Takach 2648, wiegt laut Hersteller 810 Pfund, rund 367 Kilogramm.

Studer druckt nach eigener Aussage in Chargen von fünfzehn oder zwanzig Abzügen, nie die ganze Auflage auf einmal.

Wer selbst an historischen Pressen arbeiten will, findet im Druckwerkstätten-Atlas zugängliche Werkstätten. Das Museum für Druckkunst Leipzig zeigt rund 100 funktionierende Maschinen und Pressen für historische Guss-, Satz- und Drucktechniken und macht damit 500 Jahre Druckgeschichte erlebbar. Was dort läuft, erklärt die vier Druckprinzipien besser als jeder Text.

Antonia Rebers Siebdruck zeigt das andere Ende des Spektrums. Der Siebdruck braucht kein Pressengewicht. Reber zieht die Rakel mit beiden Händen über das Sieb, der Druck kommt aus dem Körper, nicht aus Gusseisen.

Antonia Reber zieht die Rakel mit beiden Händen über das Sieb auf ihrem Siebdrucktisch, der Druck kommt aus dem Körper.
Antonia Reber am Siebdrucktisch. Der Siebdruck braucht keine mechanische Presse: Die Kraft kommt aus dem Arm, die Farbe durch das Gewebe.

In Leipzig laufen rund hundert Maschinen und Pressen.

Wer weiß heute noch, wie man sie einstellt? Was passiert, wenn die letzte Generation aufhört, die diese Maschinen von innen kennt?

Das Messingschild auf Studers Presse zeigt noch immer die Nummer 4257.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen einer Walzenpresse und einer Kniehebelpresse?

Eine Walzenpresse erzeugt Druck zwischen einer Walze und dem Bett, auf dem Platte und Papier unter der Walze durchlaufen. Der Druck wird über Spindeln oder Stellschrauben eingestellt. Eine Kniehebelpresse wie die Albion-Presse drückt einen flachen Tiegel von oben auf die Form: Sie ist für Hochdruck gebaut.

Wie viel wiegt eine Tiefdruckpresse?

Das hängt vom Modell ab. Die Takach 2648 wiegt laut Hersteller 810 Pfund, rund 367 Kilogramm, die Takach 4896 laut Hersteller 1.918 Pfund, rund 870 Kilogramm.

Kann man einen Holzschnitt auf einer Tiefdruckpresse drucken?

Eine Walzenpresse lässt sich auf wenig Druck einstellen und druckt dann auch Holzschnitt und Linolschnitt. Die Albion-Presse ist dagegen für Hochdruck gebaut, nicht für Radierungen.

Braucht Siebdruck eine Presse?

Eine mechanische Presse brauchst du nicht. Beim Siebdruck streicht eine Rakel Farbe durch ein gespanntes Gewebe, dessen nicht druckende Stellen abgedeckt sind. Deshalb heißt das Verfahren Durchdruck: Die druckenden Stellen der Form sind farbdurchlässig.

Was ist eine Albion-Presse?

Die Albion-Presse wurde um 1820 von Richard Whittaker Cope in London entwickelt. Anders als die komplexen Hebelsysteme der Stanhope- und der Columbian-Presse arbeitet sie mit einem einfachen Kniehebel. Gebaut wurde sie bis in die 1930er Jahre. Für den gewerblichen Buchdruck diente sie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, danach vor allem für Probeabzüge, Akzidenzen und Privatpressen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Alois Senefelder, The Invention of Lithography, englische Übersetzung von J. W. Muller (1911), Project Gutenberg
  • International Printing Museum, 1810 Stanhope
  • Museums Victoria, Melbourne: Hopkinson & Cope Albion Press No. 3714
  • Takach Press Co., Floor Model Etching Press 2648 und 4896
  • Jeremy Norman, History of Information: Stanhope Press
  • Rembrandt's Money, Inventar 1656
  • Museum für Druckkunst Leipzig (museen.de)
  • Wikipedia, Artikel "Albion press", "Columbian press", "Mourlot Studios", "Druckpresse" und "Siebdruck"

Zuletzt aktualisiert am 06.10.2026.

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