Kupferdruckpapier
Kupferdruckpapier ist absichtlich wenig geleimt, liegt bei 250 bis 300 g/m² und muss vor dem Druck befeuchtet werden. Nur so können sich seine Zellulosefasern in die geätzten Vertiefungen der Kupferplatte schmiegen und die Druckfarbe herausholen. Ohne diese Eigenschaften funktioniert Tiefdruck nicht.
Kupferdruckpapier ist kein besonders schweres Kopierpapier. Es ist ein Material, das gezielt für eine physikalische Aufgabe konstruiert wurde, die normales Papier nicht lösen kann. Ein frischer Radierungsdruck liegt auf dem Druckbett. Man fährt mit dem Finger über die Oberfläche. Die Linien sitzen erhaben, leicht aus dem Papier herausgehoben. Das ist nicht Tinte, die flach auf dem Papier klebt. Das Papier hat sich unter Druck in die geätzten Rillen hineingepresst und die Prägung behalten. Das kann es nur, weil es gewässert, gering geleimt und schwer genug ist, um unter der Presse nicht zu reißen.
Warum muss dieses Papier nass sein?
André Béguin, der belgische Tiefdruckforscher, beschreibt die Anforderung in seinem technischen Handbuch so: Das Papier müsse "so geschmeidig sein wie ein Stück Stoff" ("as flexible as a piece of cloth which means that it must be well dampened"). Das ist keine poetische Formulierung, sondern eine physikalische Anforderung.
Was beim Befeuchten passiert: Die Zellulosefasern nehmen Wasser auf und quellen auf. Das Papier wird elastisch, nachgiebig, formbar. In diesem Zustand schiebt die Presse das Blatt in die geätzten Vertiefungen der Kupferplatte. Die Fasern folgen der Form, nehmen die Druckfarbe auf, und wenn das Papier wieder trocknet, behält es die Prägung. Das Relief, das man nach dem Druck fühlt, ist dieses Faserngedächtnis.
Trockenes Papier kann das nicht. Die Fasern geben nicht nach, die Farbe bleibt unvollständig aufgenommen, das Ergebnis wird ungleichmäßig und fleckig. Wer das Tiefdruckpapier am Morgen des Drucktags einweicht, macht einen Fehler: Die Befeuchtung gehört auf den Abend davor. Zu kurz befeuchtet ist ähnlich problematisch wie gar nicht befeuchtet.
Radierungen aus dem Studio-Sonsu-Sortiment, alle auf Kupferdruckpapier gedruckt.
Was macht Papier zum Kupferdruckpapier?
Aquarellpapier sieht ähnlich aus: schwer, weiß, strukturiert. Es lässt sich auch befeuchten. Trotzdem ist es für Tiefdruck unbrauchbar. Der Unterschied liegt in der Leimung.
Leimung ist das Mittel, mit dem Papier wasserabweisend gemacht wird. Aquarellpapier ist stark geleimt, damit die Wasserfarbe nicht sofort einsickert. Genau das macht es für Tiefdruck untauglich: Das Papier nimmt zwar Feuchtigkeit auf, aber langsam und ungleichmäßig. Die Fasern quellen nicht vollständig auf. Das Papier bleibt steifer als nötig, schmiegt sich nicht in die Plattenvertiefungen, transportiert die Druckfarbe nicht vollständig.
Zum Gewicht: Für Editions-Tiefdruck liegt der Standard zwischen 250 und 300 g/m². Das richtige Druckpapier für Radierung wiegt aus gutem Grund mehr als normales Aquarellpapier: Leichteres Papier reißt unter dem Pressdruck oder gibt nach dem Trocknen zu stark nach. Schwereres Papier quillt weniger gleichmäßig auf.
Beim Fasermaterial gibt es zwei Haupttypen: Baumwolle und Alpha-Zellulose. Baumwollfasern sind lang, brauchen beim Einweichen mehr Zeit, halten aber die Prägung nach dem Trocknen besser. Alpha-Zellulose aus Holz quillt schneller auf und braucht weniger Vorbereitungszeit. Beide Typen funktionieren für Radierung, Aquatinta, Kaltnadel und Kupferstich, aber sie reagieren auf die Presse anders. Was genau "säurefrei, mould-made, Alpha-Zellulose" für die Langlebigkeit bedeutet, erklärt das Glossar der Druckgrafik.
Hahnemühle, Somerset, Fabriano: welches für was?
Wer nach Kupferdruckpapier sucht und Hahnemühle-Produkte vergleicht, muss genau hinsehen: Unter dem Namen "German Etching" existieren zwei verschiedene Papiere. Die 310-gsm-Variante ist ein Digitalpapier mit Inkjet-Beschichtung, gelistet unter Hahnemühles Digital-Papers-Linie. Für traditionellen Tiefdruck ist sie ungeeignet. Daneben gibt es eine traditionelle 300-gsm-Variante (75 % Baumwolle, 25 % Alpha-Zellulose, ohne Inkjet-Beschichtung), die sich für Radierung eignet. Wer sichergehen will, greift zum Hahnemühle Copperplate, das eindeutig für Tiefdruck gemacht ist.
Hahnemühle Copperplate (300 gsm): 100 % Alpha-Zellulose, keine Oberflächenleimung, minimale Innenleimung. Das bedeutet in der Praxis: Das Papier braucht kein stundenlanges Einweichen. Ein leichtes Anfeuchten mit feuchten Löschblättern oder kurzem Besprühen reicht aus. Für Druckateliers mit Zeitdruck ist das ein echter Vorteil.
Das meistverwendete Baumwollpapier im britisch-amerikanischen Raum hat seinen Namen einem Straßenschild zu verdanken. Michael Ginsburg von Legion Paper fuhr Mitte der 1970er zur St Cuthberts Mill in den englischen Midlands und sah beim Abbiegen das Schild, das die Grafschaft ausweist. Er nannte das neue Baumwollpapier danach. So heißt Somerset Printmaking (250 und 300 gsm) nach einer Grafschaft, nicht nach einem Papiermacher. Das Papier ist 100 % Baumwolle, mould-made, neutral pH, Calciumcarbonat-gepuffert, vier Büttenränder. Die St Cuthberts Mill selbst stellt seit 1736 Papier her. Die langen Baumwollfasern brauchen beim Einweichen mehr Zeit als Alpha-Zellulose. Wer sie nicht lange genug vorbereitet, druckt unter dem Optimum.
Fabriano Rosaspina (285 gsm): 60 % Baumwolle, säurefrei, ISO 9706 Long Life-Standard, mould-made mit naturkörniger Oberfläche. Die gemischte Faser aus Baumwolle und Alpha-Zellulose bedeutet: kürzere Einweichzeit als reines Baumwollpapier, bessere Standfestigkeit als reines Zellulosepapier.
Wer in älteren Sortimentslisten sucht, stößt noch auf einen vierten Namen: Zerkall. Die Zerkall-Papiermühle in der Eifel produzierte jahrzehntelang ein geschätztes Papier für Tiefdrucker. Im Juli 2021 traten Kall und Rur nach Starkregen über die Ufer. Die Mühle erlitt schwere Schäden. Im Dezember 2021 stellte Zerkall die Büttenpapier-Produktion ein. Das Papier ist in einigen Lagerbeständen noch verfügbar, aber nicht mehr nachbestellbar. Wer heute Zerkall kauft, kauft Restposten. Den vollständigen Vergleich aller Papierarten nach Druckprinzip bietet Papier für Druckgrafik.
Welches Papier haben die Meister gewählt, und woher kam es?
Rembrandt van Rijn druckte nicht auf dem, was heute als Standard gilt. Ab etwa 1647 druckte er einen großen Teil seiner Kupferplatten regelmäßig auf japanischem Papier. Wie er es beschaffte: über die VOC, die Niederländische Ostindien-Kompanie. Eine Handelsrechnung vom 1. Oktober 1643 verzeichnet zwei Fässer japanisches Papier als Frachtgut; ein Memo vom November 1644 listete 3.000 Blatt auf, bestimmt für die Niederlande und Indien. Das japanische Papier war in Amsterdam verfügbar, weil die VOC es als Handelsware importierte.
Eine Faseranalyse der National Gallery of Victoria aus dem Jahr 1997 ergab: Rembrandts japanische Blätter wiegen zwischen 106 und 200 gsm, weit weniger als das heutige Kupferdruckpapier bei 250 bis 300 gsm. Das wirft eine Frage auf, die bis heute offen ist: Wenn Rembrandt mit 106 bis 200 gsm Gampi druckte und wir heute 250 bis 300 gsm als Standard setzen: Hat sich die Technik verändert, oder das Papier? Gampi-Fasern sind extrem zugfest und erlauben geringes Gewicht ohne Rissrisiko. Modernes Baumwollpapier gleicht diesen Zugfestigkeitsvorteil mit Masse aus. Der Mechanismus ist derselbe, die Materiallösung eine andere.
Papierwahl als bewusste künstlerische Entscheidung zeigt sich noch deutlicher bei Picasso. Die 100 Radierungen der Suite Vollard entstanden zwischen 1930 und 1937. Roger Lacourière druckte sie 1939 in Paris auf Montval-Papier, in dessen Faserstruktur die Wasserzeichen "Vollard" und "Picasso" eingewebt waren. 250 Exemplare auf einem Papier, das für diese Edition gemacht wurde. Das Papier war Teil der Werkspezifikation.
Hinter dem modernsten der heute erhältlichen Kupferdruckpapiere steckt ebenfalls eine lange Linie. Am 27. Februar 1584 erhielt der Papiermacher Merten Spieß vom Herzog von Braunschweig und Lüneburg die Urkunde für seine Mühle im Solling, nahe Dassel in Niedersachsen. Aus dieser Mühle wurde Hahnemühle. Noch heute steht die Produktion in Dassel. Anfang der 1920er installierte Hahnemühle die erste Mould-Made-Papiermaschine, die das Kupferdruckpapier ermöglichte, das heute weltweit in Ateliers liegt.
BFK Rives ist das vierte Papier, das in dieser Reihe auftaucht. Die Initialen stehen für Blanchet Frères & Kléber, gegründet 1787 in Rives (Isère). Die letzte Mühle in Rives schloss 2011. Seither wird BFK Rives in der Arches-Mühle in den Vogesen produziert.
Dass die Prägung Jahrhunderte überstehen kann, wenn Papier und Lagerung stimmen, zeigt Druckgrafik pflegen an konkreten Beispielen. Das Prägungsrelief, das man auf dem frischen Abzug fühlt, ist auch das Merkmal, mit dem man Originaldruck von Reproduktion unterscheidet. Das erklärt Originalgrafik erkennen im Detail.
Das Relief auf dem Druckbett, mit dem dieser Text beginnt, ist das Ende einer sehr langen Kette. Damit das Blatt diese Prägung aufnehmen kann, braucht es eine Faser, die quillt, nachgibt und die Form hält. Der Anspruch an das Material war schon bei Merten Spieß in Dassel derselbe wie heute bei Somerset in den Midlands. Und dass Rembrandt 1643 zwei Fässer Gampi-Papier über einen VOC-Handelsweg beschaffte, zeigt: Das Problem der Materialwahl ist so alt wie die Druckgrafik selbst. Löst man es richtig, hält das Ergebnis Jahrhunderte.
FAQ
Was ist Kupferdruckpapier genau?
Kupferdruckpapier ist ein speziell für Tiefdruck hergestelltes Papier. Es ist gering geleimt, damit seine Zellulosefasern beim Befeuchten vollständig aufquellen können. Dieses Aufquellen macht das Papier elastisch genug, um sich unter Pressdruck in die geätzten Vertiefungen einer Kupferplatte zu schmiegen und die Druckfarbe herauszuholen. Der Grammatur-Standard für Editionen liegt bei 250 bis 300 g/m².
Kann man normales Papier oder Aquarellpapier für Radierungen verwenden?
Normales Büropapier ist zu leicht (80 g/m²) und reißt unter dem Pressdruck. Aquarellpapier hat eine ähnliche Grammatur wie Kupferdruckpapier, ist aber zu stark geleimt: Die Feuchtaufnahme ist zu langsam und ungleichmäßig, die Fasern quellen nicht vollständig auf, der Druck wird unscharf und fleckig. Für gelegentliche Probedrucke kann Aquarellpapier funktionieren, für seriösen Editions-Druck nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Hahnemühle Copperplate und German Etching?
Das sind zwei verschiedene Produktlinien für zwei verschiedene Drucktechniken. Hahnemühle Copperplate (300 gsm, 100 % Alpha-Zellulose) ist Kupferdruckpapier für traditionellen Tiefdruck. German Etching (310 gsm) ist ein Digitalpapier mit Inkjet-Beschichtung, das unter Hahnemühles Digital-Papers-Linie verkauft wird. German Etching hat den missverständlichen Namen, ist aber für Tintenstrahldrucker gemacht, nicht für Tiefdruckpressen.
Baumwolle oder Alpha-Zellulose: Was nehmen Profis?
Beide haben Fans in professionellen Druckateliers. Baumwollpapiere (Somerset, Fabriano Rosaspina) brauchen längeres Einweichen. Alpha-Zellulose (Hahnemühle Copperplate) quillt schneller auf und braucht weniger Vorbereitungszeit. Wer regelmäßig druckt und Effizienz schätzt, greift oft zu Copperplate. Wer bei kleinen Auflagen maximale Reliefqualität will, wählt oft ein Baumwollpapier. Die Entscheidung liegt in der Werkstatt, nicht im Werbematerial.
Was passiert, wenn Kupferdruckpapier zu kurz oder zu lange eingeweicht wurde?
Zu kurz: Die Fasern sind noch nicht vollständig aufgequollen. Das Papier schmiegt sich nicht tief genug in die Plattenvertiefungen, die Druckfarbe wird ungleichmäßig aufgenommen, das Ergebnis wirkt fleckig und unscharf. Zu lang: Das Papier wird übersättigt und zu weich, reißt unter dem Pressdruck leichter und verliert die Formstabilität beim Trocknen. Der richtige Zeitpunkt liegt je nach Papiertyp zwischen einer und mehreren Stunden. Baumwollpapiere brauchen in der Regel länger als Alpha-Zellulose.
Quellen und weiterführende Literatur
- Béguin, André: La Technique de la Gravure. Technisches Handbuch zu Tiefdruckverfahren und Papieranforderungen.
- Hahnemühle, Firmenblog: 440 Jahre Papierherstellung (Gründungsgeschichte, Mould-Made-Entwicklung).
- St Cuthberts Mill, Wells: Technische Dokumentation Somerset Printmaking Paper.
- National Gallery of Victoria, Melbourne: Rembrandt Etchings on Oriental Papers (Faseranalyse 1997).
- Fabriano: Produktdokumentation Rosaspina (ISO 9706, Faserzusammensetzung).
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für Original-Druckgrafik in Hannover-Linden. Alle Werke im Sortiment sind Tiefdrucke auf Kupferdruckpapier, gedruckt von den Künstlerinnen und Künstlern selbst, in Auflagen von 15 bis 30 Exemplaren. Fragen zum Papier, zur Technik oder zu einzelnen Werken: hello@studiosonsu.de