Glossar der Druckgrafik: Fachbegriffe von A bis Z
Druckgrafik hat eine eigene Sprache. Dieser Überblick über alle Fachbegriffe der Druckgrafik ordnet das Vokabular nach der Verfahrenslogik, nicht nach dem Alphabet. Wer einen Begriff sucht, ohne die Kategorie zu kennen, findet ihn im A–Z-Index am Seitenende.
Jemma Gunnings Hände ziehen das Papier von der Kupferplatte. Das erste Mal. Was die Säure in das Metall geätzt hat, ist jetzt sichtbar. In diesem Moment tauchen drei Wörter auf, die jeder braucht, der ein fertiges Druckgrafikblatt lesen will: Ätzgrund. Plattenrand. Zustandsdruck. Wer diese drei nicht kennt, steht vor dem Blatt wie vor einer Schrift in fremdem Alphabet.
Das ist die Funktion dieses Glossars. Nicht eine Liste in alphabetischer Folge, sondern eine Reise durch vier Werkstätten. Die Antwort auf die drei Wörter hängt davon ab, wo auf der Platte die Farbe sitzt. Vier Positionen, vier Familien. Die erste: oben.
Bevor das beginnt, eine Grunddefinition, wie sie die Tate in London als oberste Autorität für Druckgrafik-Terminologie formuliert:
"A print is an impression made by any method involving transfer from one surface to another." — Tate, Art Terms: Print
Aus diesem einen Satz fallen alle weiteren Begriffe heraus. Was bei der Übertragung passiert, wie die Farbe vom Träger ins Papier kommt, welche Spur das hinterlässt: das entscheidet, ob das Blatt Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck oder Durchdruck heißt. Eine umfassende Termsammlung für englische Fachbegriffe findet sich im IFPDA Glossary of Printmaking Terms and Techniques, herausgegeben von der International Fine Print Dealers Association.
Hochdruck | Tiefdruck | Flachdruck | Durchdruck | Mischformen | Allgemeine Begriffe | A–Z-Index
Was druckt beim Hochdruck?
Die Farbe liegt oben. Was weggeschnitten wurde, bleibt weiß. Der Druckstock wird mit der Walze eingefärbt, dann Papier draufgelegt und Druck ausgeübt. So einfach ist das Prinzip. Die Werkzeuge und Materialien entscheiden, welche Linie herauskommt.
Das charakteristische Erkennungsmerkmal aller Hochdrucke am fertigen Blatt ist der Ink Rim, auf Deutsch Quetschrand: ein feiner Farbrand, der an den Außenkanten des bedruckten Bereichs sichtbar wird, weil die Farbe unter dem Druck leicht nach außen gequetscht wird. Kein anderes Druckverfahren produziert dieses Merkmal.
Holzschnitt (Woodcut)
Der älteste bekannte Druckträger aus dieser Familie. Das Prinzip: ein Holzblock, aus dem alles herausgeschnitten wird, was nicht drucken soll. Die stehengebliebenen Stege nehmen die Farbe auf. Charakteristisch sind die kräftigen Kontraste, die expressive Linie und die Flächen, in denen man manchmal die Maserung des Holzes sieht. Die Tate definiert Holzschnitt knapp als "method of relief printing from a block of wood cut along the grain."
Das älteste datierte gedruckte Buch der Welt ist ein Holzschnittdruck: das Diamantsutra vom 11. Mai 868, hergestellt von Wang Jie zu Ehren seiner Eltern. Heute in der British Library. Holzschnitt war in China Jahrhunderte vor seiner europäischen Verbreitung etabliert.
Der klassische westliche Holzschnitt ist der Schwarzlinienschnitt: Stege drucken schwarz auf hellem Papier. Der Weißlinienschnitt dreht das um. Mehr dazu auf der Seite über Weißlinienschnitt. Geschichte und Praxis des Verfahrens ausführlich auf der Seite über Holzschnitt.
Langholz / Langholzschnitt (Plank Grain / Plank Grain Woodcut)
Längs zur Faser gesägtes Holz, klassisches Material für den Holzschnitt. Der Faserverlauf ist sichtbar und beeinflusst den Schnitt: gegen die Faser bricht das Holz leicht aus. Das ist kein Fehler, sondern Teil des Charakters. Geringeres Auflösungsvermögen als Hirnholz.
Holzstich (Wood Engraving)
Was passiert, wenn man Holzschnitt und Sticheltechnik kreuzt? Holzstich. Statt Langholz wird hier Hirnholz verwendet, ein quer zur Faser geschnittener Block, typischerweise aus Buchsbaum. Das Hirnholz ist so hart und gleichmäßig, dass Stichel extrem feine Linien schneiden können, die beim Langholzschnitt gar nicht möglich wären.
Thomas Bewick entwickelte die moderne Holzstichmethode auf Buchsbaum-Hirnholz. Entscheidender Vorteil gegenüber dem Holzschnitt: die Blocks tragen "many thousands of prints." 1775 erhielt Bewick dafür einen Preis der Society of Arts. Im 19. Jahrhundert war Holzstich das wichtigste Reproduktionsverfahren für Buchillustrationen, bis die Fotografie kam. Auf der Seite über Holzstich ist die Technik ausführlich dokumentiert.
Hirnholz (End Grain Wood): Quer zur Faser geschnittene Holzscheibe. Viel härter als Langholz, erlaubt das Schneiden in alle Richtungen. Grundlage des Holzstichs.
Buchsbaum (Boxwood): Holzart mit feiner, gleichmäßiger Maserung. Wächst langsam, wird dadurch sehr dicht und hart. Bevorzugtes Material für Holzstich. Alternativen: Birnbaum, Apfelbaum.
Linolschnitt (Linocut)
Linoleum statt Holz. Das Material ist weicher, hat keinen Faserverlauf und lässt sich in alle Richtungen schneiden. Dadurch freiere, schnellere Linie. Klare Konturen, oft grafisch-reduzierte Flächen.
Besonderheit: der Reduktionsschnitt. Dabei wird eine einzige Linolplatte schrittweise abgetragen. Nach jedem Druckgang wird Material weggeschnitten und eine neue Farbe gedruckt. Da die Platte nach Abschluss irreversibel verändert ist, kann die Edition nicht wiederholt werden. Auflage streng limitiert. Wie das Verfahren in der Praxis funktioniert, zeigt die Seite über Linolschnitt.
Mokuhanga (Mokuhanga)
Der japanische Holzschnitt auf Wasserbasis. Kein Druckmaschinenöl, keine Presse. Stattdessen: Wasserpigmente, feuchtes Washi-Papier, und ein Baren, mit dem das Papier von Hand über den eingefärbten Block gerieben wird. Das ergibt die charakteristischen weichen Farbübergänge (Bokashi), die sich vom westlichen Hochdruck deutlich unterscheiden.
Baren: Flaches Reibwerkzeug, traditionell aus Washi-Papier gewickelt und mit Bambus ummantelt. Ersetzt die Druckpresse vollständig.
Kento: Das Passmarkensystem des Mokuhanga, direkt in den Holzblock geschnitzt. Besteht aus einem L-förmigen Anschlag (Kagi-kento) und einem geraden Anschlag (Hikitsuke-kento). Sichert, dass das Papier bei jedem Druckgang identisch positioniert wird, auch wenn sechs oder acht Farben übereinandergedruckt werden.
Washi: Japanisches handgeschöpftes Papier aus Pflanzenfasern (Kozo, Gampi, Mitsumata). Sehr dünn, trotzdem reißfest. Nimmt Wasserfarben gleichmäßig auf.
Bokashi / Fukibokashi / Itabokashi: Farbüberblendungstechniken. Bokashi = Verlauf von satt zu blass. Fukibokashi = weich und gleichmäßig durch Wasserauftrag vor der Farbe. Itabokashi = diagonaler Verlauf durch Brettauftrag.
Nori: Pflanzlicher Kleister aus Reismehl oder Weizenstärke, dem Pigment beim Mokuhanga beigemischt. Erhöht Haftung und Transparenz der Farbschicht.
Yamazakura: Japanische Bergkirsche, traditionell bevorzugtes Holz für Mokuhanga-Blöcke. Gleichmäßig, hart genug für präzise Schnitte. Zunehmend selten und teuer.
Geschichte und Material ausführlich auf der Seite über Mokuhanga.
Farbholzschnitt / Chiaroscuro-Holzschnitt (Color Woodcut / Chiaroscuro Woodcut)
Mehrfarbiger Holzschnitt auf mehreren Platten. Die Hauptplatte (Keyblock) trägt die Konturen; zusätzliche Tonblöcke liefern Schattierungen und Farbe. Entscheidend ist die Passgenauigkeit: Schon eine kleine Verschiebung fällt sofort auf.
Der Chiaroscuro-Holzschnitt ist die hell-dunkel-Variante. Ugo da Carpi erhielt 1516 ein Privileg des venezianischen Senats für seinen "modo nuovo di stampare chiaro et oscuro", eine neue Methode des Hell-Dunkel-Drucks. Die Seite über Chiaroscuro-Holzschnitt verfolgt die Technik bis ins 16. Jahrhundert zurück.
Keyblock (Key Block): Hauptplatte mit Konturen und Hauptlinien. Alle anderen Platten werden dazu passend registriert.
Tonblock (Tone Block): Druckplatte für Schattierungen und Farbflächen, ergänzt den Keyblock.
Clair-obscur: Französischer Begriff für den Chiaroscuro-Holzschnitt.
Werkzeuge: Hochdruck
V-Eisen (V-Gouge): Schneidwerkzeug mit V-förmigem Querschnitt. Ergibt schmale, scharfe Linien. Breite des Profils bestimmt die Feinheit der Spur.
Hohleisen / U-Eisen (Gouge / U-Gouge): Werkzeuge mit gebogener oder U-förmiger Schneide zum Ausheben größerer Flächen.
Walze / Brayer (Roller / Brayer): Handwalze zum gleichmäßigen Auftragen von Farbe auf die Hochdruckplatte.
Hochdruckpresse (Relief Press): Übt gleichmäßigen senkrechten Druck auf die Druckform aus.
Hochdruck nimmt weg, was nicht drucken soll. Tiefdruck macht genau das Gegenteil: er gräbt Linien tief in das Material. Die Farbe sitzt nicht mehr oben, sie sitzt unten. Was das am fertigen Blatt hinterlässt, ist für alle Zeit sichtbar.
Woran erkennt man einen Tiefdruck am fertigen Blatt?
Eine eingeprägte Kante im Papier. Nicht eine Linie, sondern eine Vertiefung im Papierfasergefüge selbst, tastbar mit dem Fingernagel. Das ist der Plattenrand (Plate Mark): die Spur, die die Metallplatte beim Drucken unter hohem Tonnendruck in das feuchte Papier gepresst hat. Er fehlt bei keinem Tiefdruck. Auf Reproduktionen fehlt er immer.
Beim Tiefdruck liegt die druckende Substanz in Vertiefungen der Platte, nicht auf ihr. Die Plattenoberfläche wird nach dem Einfarben sauber abgewischt; nur in den Rillen und Näpfchen bleibt Farbe. Dann wird feuchtes Papier unter Tonnendruck über die Platte gezogen. Das Papier dringt in die Vertiefungen ein und reißt die Farbe heraus.
"I just love the quality of line you get with etching. Something really beautiful and magical about it." — Rachel Duckhouse
Was das technisch heißt, beginnt beim Ätzgrund.
Radierung / Ätzradierung (Etching / Acid Etching)
Die klassische Strichätzung: eine Metallplatte (Kupfer, Zink, Stahl) wird mit Ätzgrund bedeckt, einer säurefesten Schutzschicht aus Wachs, Harz und Asphalt. Die Radiernadel ritzt durch diesen Grund auf das Metall, ohne das Metall selbst zu berühren. Im Säurebad ätzt die Freilegung ein: die Nadel hat nur den Schutz entfernt, die Säure gräbt die eigentliche Linie. Die Tate beschreibt Radierung als "printmaking technique that uses chemical action to produce incised lines in a metal printing plate which then hold the applied ink and form the image."
Ätzgrund (Ground / Resist): Säurefeste Schutzschicht auf der Metallplatte. Klassische Zusammensetzung: Wachs, Harz, Asphalt.
Säurebad (Acid Bath): Behälter mit Eisenchlorid (FeCl₃) oder Salpetersäure. Tiefe und Dauer des Ätzbads bestimmen die Tiefe der Linie und damit die Stärke des Farbabdrucks.
Strichätzung (Line Etching): Standardtechnik der Radierung. Klare Linie ohne Grat, gleichmäßiger Charakter.
Stufenätzung (Step Biting): Schrittweises Ätzen für Tonabstufungen. Teile der Platte werden nach einem ersten Ätzdurchgang abgedeckt, bevor die Platte weitergeätzt wird.
Ätzflüssigkeit (Mordant / Etchant): Eisenchlorid für Kupfer und Zink, Salpetersäure für Zink. Unterschiedliche Konzentration, unterschiedlicher Charakter.
Alles zur Radierung ausführlich auf der Seite über Radierung.
Kaltnadelradierung (Drypoint)
Kein Säurebad. Eine Stahlnadel ritzt direkt in die Metallplatte und drängt das Metall zur Seite, statt es zu entfernen. Neben der Linie entsteht ein aufgeworfener Grat. Dieser Grat hält beim Drucken zusätzlich Farbe und ergibt die charakteristischen samtigen, leicht ausgefransten Kanten, die Kaltnadel von Radierung optisch sofort unterscheiden.
Das Problem: Der Grat ist weich und verschleißt bei jedem Druckvorgang. Auf einer Zinkplatte sind etwa 15 brauchbare Abzüge möglich, auf Kupfer etwas mehr. Verstahlung (Electroplating mit Stahl) bringt eine Kupferplatte auf ein höheres Auflagenniveau.
Grat (Burr): Aufgeworfener Metallgrat neben der Kaltnadellinie. Hält Farbe, verschleißt schnell, macht die kleine Auflage.
Kaltnadel (Drypoint Needle): Die Stahlnadel selbst. Schärfe und Form der Spitze beeinflussen Linienbreite und Grat-Charakter.
Polycarbonatplatte (Polycarbonate Plate): Moderne Alternative zu Metallplatten für Kaltnadel. Günstiger, weicher, für kleinere Experimente.
Die Seite über Kaltnadelradierung behandelt auch das Verhältnis zu anderen Tiefdrucktechniken.
Kupferstich (Engraving)
Hier wird kein Ätzgrund aufgetragen und kein Säurebad verwendet. Der Grabstichel schneidet direkt in die Kupferplatte und schiebt Metall in Spänen heraus. Die Linie ist scharf und präzise, mit der typischen Schwellung, die entsteht, weil der Stichel beim Eintritt und Austritt den Druck variiert: dünn, breit, dünn.
Kupferstich ermöglicht Auflagen von mehreren Hundert guten Abzügen, weil die Linie tief und hart geschnitten ist. Kupfer ist zwar weicher als Stahl, aber der Grabstichel hinterlässt eine geschlossene, glatte Linie ohne weichen Grat, die deutlich langsamer verschleißt.
Grabstichel (Burin / Graver): Werkzeug aus gehärtetem Stahl. Verschiedene Profile (Lozenge, Rund, Flach) für unterschiedliche Liniencharaktere. Wird mit dem Handballen geführt.
Alle Techniken der Druckgrafik im Überblick: Druckgrafik.
Aquatinta (Aquatint)
Wo Radierung Linien ätzt, ätzt Aquatinta Flächen. Feinster Kolophoniumstaub (Harz) wird gleichmäßig auf die Metallplatte aufgebracht und durch Erhitzen fixiert. Im Säurebad bildet sich um jedes Harzkorn eine winzige Vertiefung. Das Ergebnis sieht aus wie ein Tuscheauftrag oder ein Aquarell. Die Tate definiert Aquatinta als "printmaking technique that produces tonal effects by using acid to eat into the printing plate creating sunken areas which hold the ink."
"Aquatinta" kommt vom Italienischen acqua tinta = "gefärbtes Wasser" (aqua = Wasser, tinta = gefärbt, von lat. tingere). Den englischen Namen "aquatint" prägte der Aquarellmaler Paul Sandby. Der Name beschreibt das visuelle Ergebnis, nicht den technischen Prozess.
Kolophonium (Rosin): Harzpulver, das im Staubkasten aufgewirbelt und auf die Platte abgesetzt wird. Aufschmelzen fixiert es als feines Korn.
Staubkasten (Rosin Box): Behälter, in dem Kolophoniumstaub durch Schütteln aufgewirbelt wird. Alternative: Spray-Aquatinta mit Asphaltlack.
Aquatintakorn (Aquatint Grain): Feinstruktur aus dem geätzten Harzstaub. Dichte und Größe bestimmen den Tonwert. Unter der Lupe erkennbar.
Sugar Lift / Réservage (Lift Ground): Aquatinta-Variante mit Zuckerlösung. Zuckertusche wird auf die Platte gemalt, mit Ätzgrund überdeckt, dann ausgewaschen. Die gemalten Stellen liegen frei und werden geätzt. Das Ergebnis wirkt wie eine Pinselzeichnung.
Wie diese Tonwert-Technik in der Praxis eingesetzt wird, zeigt die Seite über Aquatinta.
Mezzotinto / Schabkunst (Mezzotint)
Von Dunkel nach Hell. Zuerst wird die gesamte Platte mit dem Wiegeisen gleichmäßig aufgeraut, bis sie beim Druck ein sattes Tiefschwarz ergibt. Dann wird mit Schaber und Polierstahl Licht aus diesem Schwarz herausgeschält. Die geglätteten Stellen drucken hell oder gar nicht.
Das Wiegeisen ist ein halbrundes Werkzeug mit gezähnter Schneide: ca. 5 Zoll (12,7 cm) breit, 45 bis 120 Zähne pro Zoll. Charbonel-Standardrasterweiten: 50, 65, 85, 100 Linien pro Zoll. Eine große Platte gleichmäßig aufzurauen braucht viele Stunden.
"Mezzotinto" kommt von ital. mezzo tinto = "halbgetönt" (mezzo = halb, tinto = Farbton). Erstbeleg im Englischen: 1738. Schabkunst ist der deutsche Begriff, abgeleitet vom Hauptwerkzeug.
Wiegeisen (Rocker): Halbrundes gezähntes Werkzeug, das über die Platte gewiegt wird.
Schaber (Scraper): Dreischneidiges Werkzeug, trägt die aufgeraute Oberfläche ab.
Polierstahl (Burnisher): Glättet die Oberfläche für helle Stellen und Korrekturen.
Ausführlich auf der Seite über Mezzotinto.
Vernis mou / Weichgrundradierung (Soft Ground Etching)
Ein weicher, klebriger Ätzgrund, dem etwa ein Drittel Talg beigemischt ist, was ihn in einem halb weichen, klebrigen Zustand hält. Ein Blatt Papier wird auf diesen Grund gelegt; Linien, die auf das Papier gezeichnet werden, heben den Ätzgrund an und legen das Metall frei. Das Ergebnis sieht aus wie eine Bleistift- oder Kreidezeichnung. Auch Texturübertragungen sind möglich: Stoffe, Blätter oder andere Strukturen können eingedrückt werden.
Foul Biting: Unbeabsichtigte Ätzung durch beschädigten Ätzgrund. Ergibt unregelmäßige Texturen, kann bewusst provoziert werden.
Wie die Technik mit klassischer Radierung kombiniert wird, zeigt die Seite über Vernis mou.
Weitere Tiefdruckverfahren
Farbradierung (Color Etching): Radierung in mehreren Farben. Varianten: mehrere Platten, mehrere Durchgänge (Viscosity Printing) oder selektiver Farbauftrag (Poupée-Methode).
Retroussage: Nach dem Einfärben wird ein weiches Tuch locker über die Platte gezogen. Farbe wird aus den Linien herausgezogen, ergibt weichere Kanten. 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Plattenton (Plate Tone): Dünner Farbfilm, der nach dem Wischen auf der Plattenoberfläche bleibt. Im Druck ein einheitlicher Schimmer. Kann bewusst eingesetzt oder durch gründlicheres Wischen reduziert werden.
Tarlatanstoff (Tarlatan): Grob gewebtes Musselin zum Einfarben und Wischen der Tiefdruckplatte.
Tiefdruckfarbe (Intaglio Ink): Ölige, zähe Druckfarbe. Wird in Vertiefungen eingerieben, von der Oberfläche abgewischt, beim Drucken aus den Vertiefungen herausgezogen.
Tiefdruckpresse (Intaglio Press / Etching Press): Walzenpresse mit sehr hohem Druck. Notwendig, damit das feuchte Papier die Farbe aus den Vertiefungen aufnehmen kann.
Kupferplatte (Copper Plate): Traditionelles Material für Tiefdruck. Weicher als Stahl, gut bearbeitbar.
Zinkplatte (Zinc Plate): Alternative zu Kupfer. Günstiger, weicher, für kleinere Auflagen.
Verstahlung (Steel Facing): Galvanische Beschichtung einer Kupfer- oder Zinkplatte mit Stahl. Schützt den Grat der Kaltnadelradierung, ermöglicht größere Auflagen.
Radiernadel (Etching Needle): Nadel zum Zeichnen durch den Ätzgrund. Die Nadel ritzt den Schutz, nicht das Metall selbst.
Photogravüre / Heliogravüre (Photogravure / Heliogravure): Tiefdruck auf fotografischer Basis. Bild wird auf lichtempfindliche Gelatineschicht belichtet, dann in Metallplatte geätzt. Hohe Halbtonwiedergabe. Heute von Künstlern als eigenständiges Medium.
Polymer-Photogravüre (Polymer Photogravure): Moderne Variante ohne toxische Chemikalien.
Stahlstich (Steel Engraving): Kupferstich auf Stahl statt Kupfer. Härter, größere Auflagen, feinere Linien. 19. Jahrhundert: Standard für Buchillustrationen und Banknoten.
Siderographie (Siderography): Übertragungstechnik für Stahlplatten. Stahlorig wird auf Zylinder übertragen, der neue Platten prägen kann. Entwickelt für Banknotenproduktion.
Rotogravüre (Rotogravure): Industrielles Tiefdruckverfahren auf Zylinderpressen. Für Zeitschriften und Verpackungen. Kein Verfahren der originalen Druckgrafik.
Plattenmaterial-Hierarchie: Zink = ca. 15 Kaltnadel-Abzüge. Kupfer = bis 40 Ätzradierungs-Abzüge, Kupferstich 500+. Stahl = quasi-unbegrenzte Auflage. Verstahlung bringt Zink oder Kupfer auf Stahl-Niveau.
Tiefdruck braucht Säure oder Kraft, eine Metallplatte, Tonnendruck. Die nächste Familie braucht nichts davon.
Was macht die Lithografie zum Sonderfall unter den Druckverfahren?
Druckende und nicht druckende Bereiche liegen auf gleicher Höhe. Keine physische Struktur entscheidet, was druckt. Stattdessen eine chemische Abstoßungsreaktion.
Eine Zeichnung wird mit fetthaltiger Tusche oder Kreide auf Kalkstein aufgetragen. Der Stein wird angefeuchtet. Wasser haftet auf unbeschriebenen Stellen, zieht sich aber von der Fettzeichnung zurück. Die ölige Druckfarbe haftet nur auf der Fettzeichnung. Die chemische Logik: Fett und Wasser bilden keine Verbindung, und dieses Prinzip reicht aus, um zu entscheiden, was Farbe aufnimmt und was nicht. In der Sprache der Tate ist Lithografie "a printing process that uses a flat stone or metal plate on which the image areas are worked using a greasy substance so that the ink will adhere to them by, while the non-image areas are made ink-repellent."
Alois Senefelder entdeckte 1796 das Prinzip der Lithografie in München, nach eigener Aussage zufällig beim Schreiben auf Stein. Das verwendete Material war von Anfang an der Solnhofener Plattenkalk aus Bayern: Dichte 2,58 kg/dm³, Härte Mohs 3–3,5. Bis heute gilt er als das weltweit beste Material für Steindruck.
Das entscheidende Erkennungsmerkmal: Eine Lithografie hat keinen Plattenrand. Keine Metallplatte wird ins Papier gepresst, keine Kante eingeprägt. Das Fehlen des Plattenrands unterscheidet jede Flachdruck-Arbeit von Tiefdrucken auf den ersten Blick.
Für Sammlerinnen und Sammler, die tiefer in die Erkennungsmerkmale einsteigen wollen: Originalgrafik erkennen. Die vollständige Technik-Geschichte auf der Seite über Lithografie.
Steindruck (Stone Lithography)
Traditionelle Lithografie auf Kalkstein. Der Stein, meist Solnhofener Kalkstein, nimmt die Fettzeichnung auf. Aufwändiger als Aluminium-Lithografie, aber viele Künstlerinnen und Künstler bevorzugen ihn wegen der spezifischen Druckqualität.
Chromolithografie (Chromolithography)
Mehrfarbige Lithografie, bei der jede Farbe einen eigenen Stein oder eine eigene Aluminiumplatte bekommt. Im 19. Jahrhundert war Chromolithografie das wichtigste Reproduktionsverfahren für farbige Bilder, bevor der Offsetdruck es ablöste. Historische Beispiele auf der Seite über Chromolithografie.
Monotypie (Monotype)
Der Grenzfall. Farbe wird direkt auf eine glatte Platte gemalt und einmal auf Papier übertragen. Danach ist keine Auflage mehr möglich. Jede Monotypie ist ein Unikat. Technisch wird Monotypie oft dem Flachdruck zugeordnet; strukturell ist sie ein Sonderfall.
Additive Monotypie (Additive Monotype): Farbe wird auf die Platte aufgetragen und abgedruckt.
Subtraktive Monotypie (Subtractive Monotype): Gleichmäßig eingefärbte Platte, aus der Farbe herausgenommen wird.
Monoprint: Einzelabzug mit wiederverwendbarer Grundstruktur (graviert oder geätzt), die von Abzug zu Abzug variiert wird. Nicht dasselbe wie Monotypie. Die genaue Abgrenzung erklärt die Vergleichsseite Monotypie vs. Monoprint.
Geisterabdruck (Ghost Print): Schwacher zweiter Abzug aus Farbresten eines vorherigen Drucks. Bewusst als eigenständiges Werk verwendbar.
Durchdrückzeichnung (Transfer Drawing): Monotypie-Variante, bei der Druck auf Papier Farbe von der Platte überträgt.
Offsetdruck (Offset Lithography): Industrialisierte Weiterentwicklung der Lithografie. Druckbild läuft über Gummizylinder (Offset) auf Papier. Kein Verfahren der originalen Druckgrafik.
Lithografie arbeitet mit einem geschlossenen Träger: Stein oder Aluminiumplatte. Die nächste Familie macht den Träger physisch durchlässig. Kein Block, keine Platte, kein Stein. Ein Gewebe, durch das Farbe hindurchgedrückt wird.
Warum wird Siebdruck anders besteuert als die drei anderen Druckfamilien?
Beim Durchdruck passiert Farbe das Trägermaterial. Ein Siebgewebe, gespannt auf einen Rahmen, fungiert als durchlässiger Träger. Bestimmte Bereiche werden mit einer Schablone oder Fotoemulsion abgedeckt. Wo die Emulsion offen ist, gelangt Farbe durch. Wo sie abgedeckt ist, nicht.
Das charakteristische Erkennungsmerkmal am fertigen Blatt: Unter der Lupe zeigen Siebdrucke eine feine Rasterstruktur, das sogenannte Mesh Pattern aus dem Siebgewebe. Die Farbkanten sind schärfer als bei Lithografie, weicher als bei Holzschnitt. Dieses Muster ist das vierte in der Traversale der vier Druckfamilien, nach Ink Rim (Hochdruck), Plattenrand (Tiefdruck) und fehlender Prägung (Flachdruck).
Das hat steuerliche Konsequenzen: Radierung, Linolschnitt, Lithografie und Holzschnitt werden unter §12 Abs. 2 Nr. 1 UStG mit 7% Mehrwertsteuer besteuert, weil sie als "Originalstiche, -schnitte und -steindrucke" gelten (Anlage 2 Nr. 53b). Siebdruck und Risograph werden nach herrschender Rechtsauffassung nicht unter diese Formulierung subsumiert und mit 19% besteuert. Ohne Vorsteuerabzug sind das zwölf Prozentpunkte Preisunterschied.
Siebdruck (Screen Printing)
Farbe wird mit einer Rakel durch das Siebgewebe auf den Träger gedrückt. Pro Farbe ein Durchgang, ein Sieb. Mehrfarbige Siebdrucke entstehen durch Übereinanderdrucken, jeder Durchgang eine Farbe. Typisch sind flächige, deckende Farben mit klaren Kanten.
Die Fotoemulsion wird durch UV-Licht gehärtet; die Lichtquelle muss im Bereich 350 bis 420 Nanometer liegen. Unbelichtete Bereiche bleiben wasserlöslich und werden ausgewaschen.
Rakel (Squeegee): Rahmen mit Gummilippe, zieht die Farbe gleichmäßig durch das Sieb.
Siebgewebe: Feinmaschiges Gewebe aus Seide, Polyester oder Stahl. Feinheit des Gewebes bestimmt Detailauflösung.
Fotoemulsion: Lichtempfindliche Schicht, die das Negativ des Motivs ins Gewebe übersetzt.
Ausführlich auf der Seite über Serigrafie.
Serigrafie (Serigraphy)
Siebdruck hat zwei Namen. Der Begriff Serigrafie wurde 1941 von Carl Zigrosser, Kurator am Philadelphia Museum of Art, geprägt, um künstlerischen vom kommerziellen Siebdruck abzugrenzen. Etymologie: lat. seri (Seide) + griech. graphos (schreiben/zeichnen). Auf Seide schreiben.
Risograph (Risograph)
Digitale Schablonendruckmaschine der japanischen Firma Riso Kagaku. Druckt mit sojahaltiger Tinte durch ein thermisch perforiertes Mastersheet. Pro Farbe ein Durchgang, ein Mastersheet. Jede Farbe läuft separat durch die Maschine, das Papier nicht exakt gleich positioniert. Diese Verschiebung heißt Natural Drift. Viele Künstlerinnen und Künstler setzen ihn bewusst ein: Das Misregister gehört zum Bild.
Mastersheet: Perforierte Schablone, in die der Risograph das Druckbild thermisch brennt. Pro Farbe ein Sheet.
Natural Drift: Leichte Farbverschiebung zwischen den Druckdurchgängen. Systemimmanente Unschärfe, kein Fehler.
Zeitgenössische Beispiele auf der Seite über Risograph.
Pochoir (Pochoir)
Schablonendruckverfahren ohne Sieb. Farbe wird manuell durch ausgeschnittene Schablonen aus Metallblech, Karton oder Zellulose aufgetragen. Für jede Farbe eine eigene Schablone. Bekannt aus der französischen Buchillustration und der Modebranche.
Vier Familien, vier physikalische Prinzipien. Aber die Praxis mischt. Was passiert, wenn Collagraph als Hochdruck- und als Tiefdruck-Prinzip gleichzeitig arbeitet?
Was passiert, wenn Verfahrensfamilien sich kreuzen?
Die vier Familien sind Prinzipien, keine Gesetze. In der Werkstatt entstehen Mischwesen.
Collagraph (Collagraph)
Die Druckplatte ist eine Collage: Karton, Sand, Stoff, Acryl, Kleber. Was erhaben ist, druckt wie beim Hochdruck. Was vertieft ist, hält Farbe wie beim Tiefdruck. Beide Prinzipien arbeiten gleichzeitig, in einem Abzug. Ergebnis: reiche Texturen, die kein anderes Verfahren so erzeugen kann.
Chine-collé (Chine-collé)
Kein eigenständiges Druckverfahren, sondern eine Kombination: Ein dünnes Papier (oft Japanpapier) wird während des Druckprozesses gleichzeitig auf das Trägerpapier kaschiert. Das dünne Papier nimmt die Druckfarbe auf; der Tonnendruck der Presse verklebt es gleichzeitig mit dem Trägerpapier. So entstehen feine Farb- und Texturunterschiede innerhalb eines Blattes. Der ausführliche Vergleich Chine-collé vs. Collage erklärt den kategorialen Unterschied zum manuellen Aufkleben.
Viscosity Printing (Viscosity Printing)
Mehrfarb-Tiefdruck auf einer einzigen Platte. Die Methode nutzt Farbviskosität: Dickflüssige Farben bleiben auf der Plattenoberfläche, dünnflüssige dringen in Vertiefungen. Das Verfahren wird Stanley William Hayter und seinem Pariser Atelier 17 zugeschrieben, in den 1950er-Jahren.
Carborundum (Carborundum Print)
Siliziumkarbidpulver wird mit Leim auf eine Trägerplatte aufgetragen. Die raue Oberfläche hält Druckfarbe ähnlich wie Aquatinta. Weiche, malerische Texturen, ohne Säurebad. Die Seite über Carborundum zeigt aktuelle Beispiele.
Embossing / Gaufrierung (Embossing / Gauffrage)
Blindprägung ohne Farbe. Hoher Druck formt das feuchte Papier plastisch. Kann allein stehen oder mit anderen Verfahren kombiniert werden.
Cyanotypie (Cyanotype): Fotochemisches Kontaktverfahren mit Eisenverbindungen. UV-Licht belichtet direkt aufgelegte Objekte oder Negative. Charakteristisches Cyanblau. Kein klassisches Druckverfahren (kein Hoch-, Tief-, Flach- oder Durchdruck), sondern ein fotochemischer Kontaktprozess. Geschichte und Praxis der Cyanotypie stehen auf der eigenen Seite.
Welche Begriffe gelten für alle Druckfamilien gleich?
Edition, Signatur und Papier: drei Begriffe, die in jeder Verfahrensfamilie auftauchen und überall dasselbe bedeuten. Diese Begriffe bezeichnen Zustände und Objekte, die bei Radierung, Holzschnitt, Lithografie und Siebdruck identisch funktionieren.
Edition und Signatur
Originaldruck (Original Print): Ein Druck, dessen Druckform (Platte, Block, Stein, Sieb) der Künstler selbst geschaffen hat. Die Auflagenhöhe, die Signatur oder der Preis ändern an dieser Eigenschaft nichts. Was den Originaldruck kategorial vom Kunstdruck trennt, entwickelt der Beitrag Original vs. Kunstdruck.
Auflage / Edition (Edition): Gesamtzahl der Abzüge von einer Druckplatte. Die Editionsgröße steht links unter dem Abzug, im Format X/Y: "3/25" heißt, dritter Abzug von 25 insgesamt.
Editionsnummer (Edition Number): Die Zahl selbst. Kein Qualitätsmerkmal: Abzug 1 ist nicht besser als Abzug 25, solange die Platte nicht verschleißt.
Abzug (Impression): Einzelnes gedrucktes Blatt. Jede Abdruckung ergibt einen Abzug.
BAT (Bon à Tirer): Französisch: "gut zum Drucken." Das Referenzexemplar einer Auflage. Der Künstler oder die Künstlerin gibt dieses Exemplar dem Drucker als verbindlichen Standard frei. Jedes weitere Blatt muss diesem Standard entsprechen. Pro Auflage gibt es genau ein BAT.
AP / EA (Artist's Proof / Épreuve d'artiste): Exemplare, die dem Künstler oder der Künstlerin gehören. Nicht Teil der nummerierten Auflage. Technisch identisch mit der Auflage, aber mit AP oder EA statt Nummer. Üblich: maximal 10 % der Gesamtauflage.
HC (Hors Commerce): "Außerhalb des Handels." Exemplare, die ursprünglich nicht zum Verkauf bestimmt waren. Wenn ein HC-Exemplar auf dem Markt erscheint, hat es seinen ursprünglichen Verwendungszweck verlassen.
PP (Printer's Proof): Druckerexemplar. Der Drucker oder die Werkstatt erhält es als Anerkennung. Technisch identisch mit der regulären Auflage.
Bleistiftsignatur (Pencil Signature): Handschriftlicher Namenszug in Bleistift, rechts unter dem Druckbild. Etablierte sich im späten 19. Jahrhundert als Standard. Bestätigt, dass der Künstler den Abzug geprüft hat.
Zustandsdruck (State Print): Abzug, der einen Arbeitsstand der Druckplatte zu einem bestimmten Zeitpunkt dokumentiert. Künstlerinnen und Künstler ziehen während der Plattenarbeit Probeabzüge, um den Fortschritt zu prüfen. Zustandsdrucke mit vielen erkennbaren Zwischenzuständen sind für Sammlerinnen und Sammler besonders interessant, weil sie den Arbeitsprozess sichtbar machen.
Limitierte Auflage (Limited Edition): Auflage mit vorher festgelegter Exemplarzahl, die nach Abschluss nicht erhöht wird.
Nachlassdruck (Posthumous Print): Abzug nach dem Tod des Künstlers, von der Originalplatte. Keine handschriftliche Signatur. Manchmal mit Nachlassstempel.
Cancellation: Bewusste Unbrauchbarmachung der Druckplatte nach der Auflage. Kratzen, Stanzen, Kreuzschraffur. Manchmal wird ein letzter Abzug der gecancelten Platte gezogen als Nachweis (Cancellation Print).
Chop Mark: Geprägter oder gestempelter Stempel einer Druckwerkstatt im Rand des Abzugs. Provenienzhinweis.
Druckwerkstatt (Print Workshop / Atelier): Professionelle Werkstatt mit Pressen, in der Editionen entstehen.
Ausführlich erklärt auf der Seite Signiert vs. unsigniert.
Papier und Material
BFK Rives (BFK Rives): Hochwertige französische Druckpapierserie, ursprünglich von Blanchet Frères & Kléber in Rives hergestellt. Alpha-Zellulose, säurefrei. Eines der meistverwendeten Papiere für Tiefdruck weltweit.
Washi (Washi): Japanisches handgeschöpftes Papier aus Pflanzenfasern. Sehr dünn, trotzdem reißfest durch lange Fasern. Druckpapier für Mokuhanga, Chine-collé-Einlage bei Tiefdruck.
Handgeschöpftes Papier (Mould-Made Paper): Traditionell auch Büttenpapier genannt (nach der Bütte, dem Bottich der Papiermacher). Das Rippenmuster entsteht durch das Schöpfsieb. Nicht zu verwechseln mit strukturiertem Industriepapier.
Künstlerpapier (Artists' Paper): Oberbegriff für hochwertige Druckpapiere. Kriterien: säurefrei, ligninfrei, hoher Alpha-Zellulose-Anteil, ausreichende Stärke für feuchten Druck.
Alpha-Zellulose (Alpha Cellulose): Reinste Form der Zellulose, frei von Lignin. Papiere mit hohem Anteil altern ohne Vergilbung.
Lignin (Lignin): Organischer Klebstoff in Holzzellen, der Papier vergilben lässt. Zeitungspapier: stark ligninhaltig. Säurefreie Künstlerpapiere: ligninarm oder ligninfrei.
Kozo: Japanische Maulbeerpflanzenfaser, Hauptrohstoff für Washi. Lange, robuste Fasern, reißfestes Papier.
Gampi: Japanische Pflanzenfaser (Wikstroemia canescens). Seidenglatte, halbtransparente Papierqualität. Seltener als Kozo.
Mitsumata: Japanische Pflanzenfaser aus Edgeworthia chrysantha. Weiches, saugfähiges Washi.
Pigmentpapier (Pigment Paper): Im Kontext Photogravüre: lichtempfindliches Papier mit Gelatine und Pigment als Grundlage für den Ätzprozess.
Foxing (Foxing): Bräunliche oder rötliche Flecken auf alten Papieren, durch Schimmel oder Metallverunreinigungen. Typisch 18./19. Jahrhundert, konservatorisch behandelbar. Alles zur Pflege auf der Seite Druckgrafik pflegen.
Konservierung und Rahmung
Passepartout (Mat / Passe-partout): Kartoneinlage zwischen Rahmen und Grafik. Hält das Werk auf Abstand vom Glas, bildet optischen Rahmen.
Säurefreies Passepartout (Acid-Free Mat): Passepartout aus ligninarmem Material. Verhindert Mat Burn.
Mat Burn (Mat Burn): Vergilbungs- und Verfärbungsschaden durch säurehaltige Passepartouts. Verhindert durch säurefreie Materialien.
Museumsglas (Museum Glass): Anti-Reflexion und UV-Schutz. Teuer, aber optimaler Schutz und optimale Sichtbarkeit.
UV-Schutzverglasung (UV-Protective Glazing): Glas oder Acrylglas mit UV-Filter. Schützt vor Ausbleichen.
Japanpapier-Scharnier (Japanese Paper Hinge): Schmaler Washi-Streifen zur reversiblen Befestigung im Passepartout. Standard der musealen Konservierung.
Alles zur Rahmung auf der Seite Druckgrafik rahmen.
Alle Begriffe von A bis Z
Begriffe, die in den Kern-Sektionen ausführlich behandelt werden, erhalten hier nur einen Verweis. Begriffe, die dort nicht vorkommen, haben eine eigenständige Kurzdefinition.
A
Abzug (Impression): Einzelnes gedrucktes Blatt einer Auflage. → Allgemeine Begriffe
Additive Monotypie (Additive Monotype): Monotypie-Variante: Farbe wird auf die Platte aufgetragen und abgedruckt (Gegenteil: Subtraktive Monotypie). → Flachdruck / Monotypie
Alpha-Zellulose (Alpha Cellulose): Reinste Zellulose-Form, ligninfrei, Grundlage für alterungsbeständige Künstlerpapiere. → Allgemeine Begriffe / Papier
AP / EA (Artist's Proof / Épreuve d'artiste): Künstlerexemplare außerhalb der nummerierten Auflage. → Allgemeine Begriffe
Aquatinta (Aquatint): → Tiefdruck
Aquatintakorn (Aquatint Grain): Feinstruktur der geätzten Kolophoniumkörner; bestimmt den Tonwert. → Tiefdruck / Aquatinta
Ätzflüssigkeit (Mordant / Etchant): Chemische Lösung für Metallplatten: Eisenchlorid oder Salpetersäure. → Tiefdruck / Radierung
Ätzgrund (Ground / Resist): Säurefeste Schutzschicht auf der Platte. → Tiefdruck / Radierung
Ätzradierung (Acid Etching): Synonym für klassische Strichätzung. → Tiefdruck / Radierung
Auflage (Edition): Gesamtzahl der Abzüge einer Edition. → Allgemeine Begriffe
B
Baren (Baren): Flaches Reibwerkzeug für Mokuhanga, ersetzt die Presse. → Hochdruck / Mokuhanga
BAT (Bon à Tirer): Referenzexemplar, einmal pro Auflage, gibt Standard für alle weiteren Blätter vor. → Allgemeine Begriffe
BFK Rives (BFK Rives): Hochwertige französische Druckpapierserie, Standardpapier für Tiefdruck weltweit. → Allgemeine Begriffe / Papier
Bleistiftsignatur (Pencil Signature): Handschriftlicher Namenszug rechts unter dem Druck, seit spätem 19. Jahrhundert Standard. → Allgemeine Begriffe
Bokashi (Bokashi): Farbüberblendung beim Mokuhanga, von satt nach blass. → Hochdruck / Mokuhanga
Buchsbaum (Boxwood): Dichtes, hartes Holz für Holzstich-Blöcke. → Hochdruck / Holzstich
Handgeschöpftes Papier (Mould-Made Paper): Traditionell "Büttenpapier" genannt. → Allgemeine Begriffe / Papier
C
Cancellation (Cancellation): Unbrauchbarmachung der Druckplatte nach der Auflage. → Allgemeine Begriffe
Carborundum (Carborundum Print): Siliziumkarbid auf Trägerplatte, aquatintaähnliche Textur. → Mischformen
Chiaroscuro-Holzschnitt (Chiaroscuro Woodcut): Mehrfarbiger Holzschnitt mit Keyblock und Tonblöcken für Hell-Dunkel-Kontraste. → Hochdruck / Farbholzschnitt
Chine-collé (Chine-collé): Dünnes Papier wird während des Druckprozesses auf Trägerpapier kaschiert. → Mischformen
Chop Mark (Chop Mark): Stempel einer Druckwerkstatt im Rand des Abzugs. → Allgemeine Begriffe
Chromolithografie (Chromolithography): Mehrfarbige Lithografie mit einem Stein pro Farbe, 19. Jh. Reproduktionsverfahren. → Flachdruck
Clair-obscur (Chiaroscuro): Französischer Begriff für den Chiaroscuro-Holzschnitt. → Hochdruck / Farbholzschnitt
Collagraph (Collagraph): Collage-Platte, druckt gleichzeitig als Hoch- und Tiefdruck. → Mischformen
Cyanotypie (Cyanotype): Fotochemisches Kontaktverfahren, Cyanblau, kein klassisches Druckverfahren. → Mischformen
D
Druckpresse (Printing Press): Mechanische Vorrichtung für gleichmäßigen Druck; Varianten für jede Druckfamilie.
Druckwerkstatt (Print Workshop / Atelier): Professionelle Werkstatt mit Pressen. → Allgemeine Begriffe
Durchdrückzeichnung (Transfer Drawing): Monotypie-Variante durch Druck auf Papier über eingefärbte Platte. → Flachdruck / Monotypie
E
Editionsnummer (Edition Number): X/Y-Notation links unter dem Druck. Kein Qualitätsmerkmal. → Allgemeine Begriffe
Embossing (Embossing): Blindprägung ohne Farbe. → Mischformen
F
Farbholzschnitt (Color Woodcut): Holzschnitt mit mehreren Platten für Farben. → Hochdruck
Farbradierung (Color Etching): Tiefdruck in mehreren Farben. → Tiefdruck / Radierung
Foul Biting (Foul Biting): Unbeabsichtigte Ätzung durch beschädigten Ätzgrund. → Tiefdruck / Vernis mou
Foxing (Foxing): Bräunliche Flecken auf alten Papieren durch Schimmel oder Metallverunreinigungen. → Allgemeine Begriffe / Papier
Fukibokashi (Gradation Blur): Weiche gleichmäßige Überblendung beim Mokuhanga. → Hochdruck / Mokuhanga
G
Gampi (Gampi): Japanische Pflanzenfaser für seidenglatte Washi-Papiere. → Allgemeine Begriffe / Papier
Gaufrierung (Embossing / Gauffrage): Plastische Verformung von Papier durch Plattendruck, synonym mit Embossing. → Mischformen
Geisterabdruck (Ghost Print): Zweiter Abzug aus Farbresten, blasser Charakter, bewusst einsetzbar. → Flachdruck / Monotypie
Grabstichel (Burin / Graver): Stahlwerkzeug für Kupferstich und Holzstich. → Tiefdruck / Kupferstich
Grat (Burr): Aufgeworfener Metallgrat neben Kaltnadellinien, hält Farbe, verschleißt schnell. → Tiefdruck / Kaltnadelradierung
H
HC (Hors Commerce): Abzüge ursprünglich nicht für den Verkauf bestimmt. → Allgemeine Begriffe
Heliogravüre (Heliogravure): Historischer Begriff für Photogravüre. → Tiefdruck / Photogravüre
Hikitsuke-kento (Bar Kento): Gerader Anschlag des Kento-Passmarkensystems. → Hochdruck / Mokuhanga
Hirnholz (End Grain Wood): Quer zur Faser geschnittenes Holz, Grundlage des Holzstichs. → Hochdruck / Holzstich
Hochdruckpresse (Relief Press): Presse für Hochdruckverfahren. → Hochdruck / Werkzeuge
Hohleisen (Gouge): Schneidwerkzeug mit gebogener Schneide für Holzschnitt und Linolschnitt. → Hochdruck / Werkzeuge
Holzschnitt (Woodcut): → Hochdruck
Holzstich (Wood Engraving): → Hochdruck
Hon-Baren (Hon-Baren): Traditioneller Bambusbaren, aufwändig herzustellen, für feine Tonabstufungen. → Hochdruck / Mokuhanga
I
Itabokashi (Diagonal Gradation): Diagonale Farbüberblendung beim Mokuhanga mit Brettauftrag. → Hochdruck / Mokuhanga
J
Japanpapier-Scharnier (Japanese Paper Hinge): Reversible Befestigung im Passepartout aus Washi. → Allgemeine Begriffe / Konservierung
K
Kagi-kento (L-Kento): L-förmiger Anschlag des Kento-Passmarkensystems. → Hochdruck / Mokuhanga
Kaltnadel (Drypoint Needle): Stahlnadel für die Kaltnadelradierung. → Tiefdruck / Kaltnadelradierung
Kaltnadelradierung (Drypoint): → Tiefdruck
Kento (Kento): Passmarkensystem des Mokuhanga aus Kagi-kento und Hikitsuke-kento. → Hochdruck / Mokuhanga
Keyblock (Key Block): Hauptplatte mit Konturen beim mehrfarbigen Holzschnitt. → Hochdruck / Farbholzschnitt
Kolophonium (Rosin): Harzpulver für die Aquatinta-Körnung. → Tiefdruck / Aquatinta
Kozo (Kozo): Maulbeerpflanzenfaser, Hauptrohstoff für Washi. → Allgemeine Begriffe / Papier
Künstlerpapier (Artists' Paper): Oberbegriff für säurefreie, ligninfreie Druckpapiere. → Allgemeine Begriffe / Papier
Kupferplatte (Copper Plate): Traditioneller Druckträger für Tiefdruck. → Tiefdruck
Kupferstich (Engraving): → Tiefdruck
L
Langholz (Plank Grain): Parallel zur Faser gesägtes Holz, klassisches Holzschnittmaterial. → Hochdruck / Holzschnitt
Langholzschnitt (Woodcut, Plank Grain): Holzschnitt auf Langholz, Unterscheidung zum Holzstich. → Hochdruck
Lignin (Lignin): Organischer Klebstoff in Holzzellen, lässt Papier vergilben. → Allgemeine Begriffe / Papier
Limitierte Auflage (Limited Edition): Auflage mit vorher festgelegter, nicht erhöhbarer Exemplarzahl. → Allgemeine Begriffe
Linolschnitt (Linocut): → Hochdruck
Lithografie (Lithography): → Flachdruck
M
Mastersheet (Mastersheet): Perforierte Schablone für den Risograph, thermisch gebrannt. → Durchdruck / Risograph
Mat Burn (Mat Burn): Säureschaden durch säurehaltiges Passepartout. → Allgemeine Begriffe / Konservierung
Mezzotinto (Mezzotint): → Tiefdruck
Mitsumata (Mitsumata): Japanische Pflanzenfaser für weiches, saugfähiges Washi. → Allgemeine Begriffe / Papier
Mokuhanga (Mokuhanga): → Hochdruck
Monoprint (Monoprint): Einzelabzug mit wiederverwendbarer Grundstruktur, die variiert wird. → Flachdruck / Monotypie
Monotypie (Monotype): → Flachdruck
Museumsglas (Museum Glass): Anti-Reflexion und UV-Schutz für Rahmung. → Allgemeine Begriffe / Konservierung
N
Nachlassdruck (Posthumous Print): Abzug nach dem Tod des Künstlers von der Originalplatte. → Allgemeine Begriffe
Natural Drift (Natural Drift): Systemimmanente Farbverschiebung im Risograph-Mehrfarbdruck. → Durchdruck / Risograph
Negativdruck (Negative Print): Helle Linien auf dunklem Grund, realisiert durch Weißlinienschnitt. → Hochdruck / Holzschnitt
Nori (Nori, Paste): Pflanzlicher Kleister für Mokuhanga-Farbe. → Hochdruck / Mokuhanga
O
Offsetdruck (Offset Lithography): Industrialisierte Lithografie über Gummizylinder. Kein Verfahren der Originalgrafik. → Flachdruck
P
Passepartout (Mat / Passe-partout): Kartoneinlage zwischen Rahmen und Grafik. → Allgemeine Begriffe / Konservierung
Photogravüre (Photogravure): Fotochemischer Tiefdruck mit abgestuften Plattentiefen für Halbtonwiedergabe. → Tiefdruck
Pigmentpapier (Pigment Paper): Lichtempfindliches Papier mit Gelatine und Pigment für Photogravüre. → Allgemeine Begriffe / Papier
Plattenrand (Plate Mark): Eingedrückte Plattenkante, Erkennungsmerkmal aller Tiefdrucke. → Tiefdruck
Plattenton (Plate Tone): Farbfilm auf Plattenoberfläche nach dem Wischen, ergibt einheitlichen Schimmer. → Tiefdruck / Radierung
Pochoir (Pochoir): Manuelles Schablonendruckverfahren ohne Sieb. → Durchdruck
Polycarbonatplatte (Polycarbonate Plate): Moderne, günstige Alternative zu Metallplatten für Kaltnadel. → Tiefdruck
Polierstahl (Burnisher): Glättwerkzeug für Mezzotinto und Korrekturen. → Tiefdruck / Mezzotinto
Polymer-Photogravüre (Polymer Photogravure): Moderne Photogravüre ohne toxische Chemikalien. → Tiefdruck
PP (Printer's Proof): Druckerexemplar als Anerkennung. → Allgemeine Begriffe
R
Radierung (Etching): → Tiefdruck
Radiernadel (Etching Needle): Nadel zum Zeichnen durch den Ätzgrund. → Tiefdruck / Radierung
Rakel (Squeegee): Werkzeug mit Gummilippe für den Siebdruck. → Durchdruck / Siebdruck
Reduktionsschnitt (Reduction Print): Mehrfarbig auf einer Platte: nach jedem Druckgang wird Material abgetragen, Auflage zwangsläufig einmalig. → Hochdruck / Linolschnitt
Réservage (Lift Ground): Französischer Begriff für Sugar Lift. → Tiefdruck / Aquatinta
Retroussage (Retroussage): Tuch über die Platte zieht Farbe aus Linien, weichere Kanten. → Tiefdruck
Risograph (Risograph): → Durchdruck
Rotogravüre (Rotogravure): Industrielles Tiefdruckverfahren auf Zylinderpressen. Kein Verfahren der Originalgrafik. → Tiefdruck
S
Säurebad (Acid Bath): Ätzbehälter für Metallplatten. → Tiefdruck / Radierung
Säurefreies Passepartout (Acid-Free Mat): Verhindert Mat Burn durch ligninfreie Materialien. → Allgemeine Begriffe / Konservierung
Schabkunst (Mezzotint): Deutscher Begriff für Mezzotinto, abgeleitet vom Schaber. → Tiefdruck / Mezzotinto
Schaber (Scraper): Dreischneidiges Werkzeug für Mezzotinto, erzeugt Grautöne. → Tiefdruck / Mezzotinto
Schwarzlinienschnitt (Black Line Woodcut): Klassischer Holzschnitt mit schwarzen Stegen auf hellem Grund. → Hochdruck / Holzschnitt
Serigrafie (Serigraphy): Künstlerischer Siebdruck, Begriff geprägt 1941 von Carl Zigrosser. → Durchdruck
Siebdruck (Screen Printing): → Durchdruck
Siderographie (Siderography): Übertragungstechnik für Stahlplatten, entwickelt für Banknotenproduktion. → Tiefdruck
Spray-Aquatinta (Spray Aquatint): Moderne Aquatinta-Variante mit aufgesprühtem Asphaltlack. → Tiefdruck / Aquatinta
Stahlstich (Steel Engraving): Kupferstich auf Stahl, größere Auflagen, feinere Linien. → Tiefdruck
Staubkasten (Rosin Box): Behälter für gleichmäßigen Kolophoniumauftrag. → Tiefdruck / Aquatinta
Steindruck (Stone Lithography): Lithografie auf Solnhofener Kalkstein. → Flachdruck / Lithografie
Stichel (Graver): Schneidwerkzeug für Holzstich und Kupferstich. → Hochdruck / Holzstich
Strichätzung (Line Etching): Klassische Radiertechnik: Linie durch Ätzgrund + Säurebad. → Tiefdruck / Radierung
Stufenätzung (Step Biting): Schrittweises Ätzen für Tonabstufungen. → Tiefdruck / Radierung
Subtraktive Monotypie (Subtractive Monotype): Eingefärbte Platte, aus der Farbe entfernt wird. → Flachdruck / Monotypie
Sugar Lift (Sugar Lift): Aquatinta-Variante mit gemalter Zuckerlösung, wirkt wie Pinselzeichnung. → Tiefdruck / Aquatinta
T
Tarlatanstoff (Tarlatan): Grob gewebtes Musselin zum Einfarben und Wischen der Tiefdruckplatte. → Tiefdruck
Tiefdruckfarbe (Intaglio Ink): Ölige, zähe Farbe für Tiefdruck; dringt in Vertiefungen ein. → Tiefdruck
Tiefdruckpresse (Intaglio Press / Etching Press): Walzenpresse mit sehr hohem Druck. → Tiefdruck
Tonblock (Tone Block): Druckplatte für Farben und Schattierungen im mehrfarbigen Holzschnitt. → Hochdruck / Farbholzschnitt
U
U-Eisen (U-Gouge): Schneidwerkzeug mit U-förmigem Querschnitt für breite Flächen. → Hochdruck / Werkzeuge
UV-Schutzverglasung (UV-Protective Glazing): Glas oder Acrylglas mit UV-Filter gegen Ausbleichen. → Allgemeine Begriffe / Konservierung
V
V-Eisen (V-Gouge): Schneidwerkzeug mit V-förmigem Querschnitt für schmale, scharfe Linien. → Hochdruck / Werkzeuge
Vernis mou (Soft Ground Etching): → Tiefdruck
Verstahlung (Steel Facing): Galvanische Stahlbeschichtung von Kupfer- oder Zinkplatten, schützt Grat, ermöglicht größere Auflagen. → Tiefdruck / Kaltnadelradierung
Viscosity Printing (Viscosity Printing): Mehrfarb-Tiefdruck auf einer Platte durch Viskositätsunterschiede. → Mischformen
W
Walze / Brayer (Roller / Brayer): Handwalze für Farbauftrag auf Hochdruckplatten. → Hochdruck / Werkzeuge
Washi (Washi): Japanisches Pflanzenfaserpapier, dünn und reißfest. → Allgemeine Begriffe / Papier
Weichgrundradierung (Soft Ground Etching): Deutsche Bezeichnung für Vernis mou, synonym. → Tiefdruck / Vernis mou
Weißlinienschnitt (White Line Woodcut): Linien werden aus dunklem Grund herausgearbeitet, erscheinen hell. → Hochdruck / Holzschnitt
Wiegeisen (Rocker): Gezähntes Werkzeug für Mezzotinto-Aufrauhung. → Tiefdruck / Mezzotinto
Y
Yamazakura (Japanese Mountain Cherry): Japanische Bergkirsche, traditionelles Holz für Mokuhanga-Blöcke. → Hochdruck / Mokuhanga
Z
Zinkplatte (Zinc Plate): Günstige Alternative zu Kupfer für Tiefdruck, kleinere Auflagen. → Tiefdruck
Zustandsdruck (State Print): Abzug eines Arbeitsstands der Druckplatte. → Allgemeine Begriffe
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Hochdruck und Tiefdruck?
Bei Hochdruck trägt die erhöhte Oberfläche die Farbe. Eingeschnittene Bereiche bleiben weiß. Bei Tiefdruck sitzt die Farbe in Vertiefungen, die Plattenoberfläche wird sauber abgewischt. Erkennbar am fertigen Blatt: Hochdruck hat den Ink Rim (Quetschrand) an den Außenkanten des bedruckten Bereichs. Tiefdruck hat den Plattenrand, eine tastbare eingedrückte Kante im Papier. Holzschnitt und Linolschnitt sind Hochdrucktechniken. Radierung, Kupferstich und Mezzotinto sind Tiefdrucktechniken.
Was bedeuten die Abkürzungen AP, BAT und HC?
AP (oder EA: épreuve d'artiste) sind Künstlerexemplare außerhalb der nummerierten Auflage, typisch maximal 10 % der Gesamtauflage. BAT (bon à tirer, "gut zum Drucken") ist das Referenzexemplar: der Künstler gibt dieses Blatt als verbindlichen Standard frei, dem alle weiteren Abzüge entsprechen müssen. Pro Auflage gibt es genau ein BAT. HC (hors commerce, "außerhalb des Handels") bezeichnet Exemplare, die ursprünglich nicht zum Verkauf bestimmt waren. Alle drei stehen links unter dem Druck anstelle einer Editionsnummer. Ausführlicher erklärt auf der Seite zur Auflagenkennzeichnung.
Warum wird Siebdruck anders besteuert?
Radierung, Linolschnitt, Lithografie und Holzschnitt fallen als "Originalstiche, -schnitte und -steindrucke" unter §12 Abs. 2 Nr. 1 UStG (Anlage 2 Nr. 53b) und werden mit 7% Mehrwertsteuer besteuert. Siebdruck und Risograph fallen nicht unter diese Kategorie: sie werden mit 19% besteuert. Der Unterschied liegt in der Einordnung durch das Steuergesetz, nicht in der künstlerischen Qualität. Für Käufe ohne Vorsteuerabzugsberechtigung ergibt das eine spürbare Preisdifferenz.
Wie erkenne ich eine echte Originalgrafik am Blatt?
Drei Stellen sind entscheidend: erstens die Bleistiftsignatur rechts unter dem Druckbild, zweitens die Editionsnummer links (Format X/Y). Bei Tiefdrucken kommt als drittes der Plattenrand hinzu, die eingedrückte Kante der Metallplatte, die mit dem Finger ertastet werden kann. Reproduktionen haben keinen Plattenrand. Für tiefergehende Kriterien: Originalgrafik erkennen.
Welche Drucktechnik hat die kleinste Auflage?
Kaltnadelradierung. Der aufgeworfene Grat neben jeder Linie verschleißt beim Drucken mechanisch ab. Auf einer Zinkplatte entstehen etwa 15 brauchbare Abzüge, auf Kupfer etwas mehr. Verstahlung verlängert das, aber grundsätzlich sind Kaltnadelauflagen die kleinsten unter den gängigen Tiefdrucktechniken. Zum Vergleich: Kupferstich ermöglicht mehrere Hundert gute Abzüge.
Quellen und weiterführende Literatur
- British Museum — Collection: Prints and Drawings — Umfangreiche Sammlung mit Werkdaten zu Holzschnitt, Kupferstich, Radierung und Lithografie; belegt historische Fakten zu Techniken und Auflagen
- Griffelkunst Hamburg — Druckgrafik Glossar — Fachbegriffe der Originalgrafik aus dem Kontext einer der ältesten deutschen Druckgrafik-Gesellschaften
- Alois Senefelder: Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey (1818) — Senefelders Originalwerk zur Erfindung der Lithografie, Primärquelle für alle Flachdruck-Einträge
- Museum of Modern Art (MoMA) — Glossary of Art Terms: Printmaking — Englischsprachige Definitionen aller Druckverfahren mit Werkbeispielen aus der MoMA-Sammlung
- Art Institute of Chicago — How to Read a Print — Erklärt Plattenrand, Signatur, Editionsnummer und weitere Erkennungsmerkmale anhand von Originalwerken
- Tate — Art Terms Glossary (Print, Etching, Lithography, Woodcut, Aquatint) — Englischsprachige Standarddefinitionen der wichtigsten Druckverfahren, kuratiert vom Tate Museum, London
- IFPDA — Glossary of Printmaking Terms and Techniques (PDF) — Glossar der International Fine Print Dealers Association, Referenzwerk für englische Fachterminologie und Editionspraxis
Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.
Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de
Jemma Gunnings Hände halten das Papier. Drei Wörter sind jetzt keine fremden Schriftzeichen mehr: Ätzgrund ist die säurefeste Schutzschicht, durch die die Nadel zeichnet. Plattenrand ist die Spur, die die Metallplatte beim Drucken ins Papier gedrückt hat. Zustandsdruck ist der Abzug, der einen Moment während der Plattenarbeit festhält, bevor das Blatt fertig ist. Wer diese drei kennt, kann das fertige Blatt lesen.