Glossar der Druckgrafik
Dieses Glossar enthält über 130 Fachbegriffe aus allen Druckverfahren: Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck, Durchdruck und Sonderverfahren. Die Begriffe sind nach drucktechnischer Logik geordnet, nicht alphabetisch. Wer einen Begriff nachschlagen will, ohne die Kategorie zu kennen, findet ihn im alphabetischen Index am Seitenende.
Jeder Eintrag enthält den deutschen Begriff, die englische Entsprechung und eine sachliche Definition. Wo eine ausführlichere Technikseite existiert, ist sie verlinkt.
Dieses Glossar richtet sich an Sammlerinnen und Sammler, Studierende, Kuratorinnen und Kuratoren und alle, die mit der Fachsprache der Druckgrafik arbeiten. Druckgrafik steht seit 2018 auf der deutschen Liste des immateriellen Kulturerbes. Wer einen breiteren Einstieg in die Druckgrafik als Technik und Kunstform sucht, findet ihn auf der Übersichtsseite Druckgrafik: Alle Techniken im Überblick.
Hochdruck | Tiefdruck | Flachdruck | Durchdruck | Mischformen | Allgemeine Begriffe
A-Z Index
A: Abzug · Additive Monotypie · Alpha-Zellulose · AP/EA · Aquatinta · Aquatintakorn · Ätzflüssigkeit · Ätzgrund · Ätzradierung · Auflage
B: Baren · BAT · BFK Rives · Bleistiftsignatur · Bokashi · Buchsbaum · Büttenpapier
C: Cancellation · Carborundum · Chiaroscuro-Holzschnitt · Chine-collé · Chop Mark · Chromolithografie · Clair-obscur · Collagraph · Cyanotypie
D: Druckpresse · Druckwerkstatt · Durchdrückzeichnung
E: Editionsnummer · Embossing
F: Farbholzschnitt · Farbradierung · Foul Biting · Foxing · Fukibokashi
G: Gampi · Gaufrierung · Geisterabdruck · Grabstichel · Grat
H: HC · Heliogravüre · Hikitsuke-kento · Hirnholz · Hochdruckpresse · Hohleisen · Holzschnitt · Holzstich · Hon-Baren
I: Itabokashi
K: Kagi-kento · Kaltnadel · Kaltnadelradierung · Kento · Keyblock · Kolophonium · Kozo · Künstlerpapier · Kupferplatte · Kupferstich
L: Langholz · Langholzschnitt · Lignin · Limitierte Auflage · Linolschnitt · Lithografie
M: Mastersheet · Mat Burn · Mezzotinto · Mitsumata · Mokuhanga · Monoprint · Monotypie · Museumsglas
N: Nachlassdruck · Natural Drift · Negativdruck · Nori
O: Offsetdruck
P: Passepartout · Photogravüre · Pigmentpapier · Plattenrand · Plattenton · Pochoir · Polycarbonatplatte · Polierstahl · Polymer-Photogravüre · PP
R: Radierung · Radiernadel · Rakel · Reduktionsschnitt · Réservage · Retroussage · Risograph · Rotogravüre
S: Säurebad · Säurefreies Passepartout · Schabkunst · Schaber · Schwarzlinienschnitt · Serigrafie · Siebdruck · Siderographie · Spray-Aquatinta · Stahlstich · Staubkasten · Steindruck · Stichel · Strichätzung · Stufenätzung · Subtraktive Monotypie · Sugar Lift
T: Tarlatanstoff · Tiefdruckfarbe · Tiefdruckpresse · Tonblock
U: U-Eisen · UV-Schutzverglasung
V: V-Eisen · Vernis mou · Verstahlung · Viscosity Printing
W: Walze · Washi · Weichgrundradierung · Weißlinienschnitt · Wiegeisen
Y: Yamazakura
Z: Zinkplatte · Zustandsdruck
Hochdruck (Relief Printing)
Beim Hochdruck drucken die erhabenen Stellen der Druckform. Farbe wird auf die Oberfläche aufgetragen; die eingeschnittenen oder vertieften Bereiche nehmen keine Farbe an und erscheinen im Abzug als Papierweiß.
Baren (Baren)
Flaches Reibwerkzeug, mit dem beim japanischen Holzschnitt (Mokuhanga) das Papier von Hand über die eingefärbte Druckplatte gerubbelt wird. Traditionell aus Washi-Papier gewickelt und mit Bambus ummantelt. Ersetzt die Druckpresse vollständig. Ergibt weichere Tonverläufe als maschineller Druck.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Bokashi (Bokashi)
Japanische Technik der Farbüberblendung beim Mokuhanga. Durch abgestuften Farb- und Wasserauftrag sowie Variation des Drucks entsteht ein weicher Verlauf von satt zu blass oder von einer Farbe zur nächsten. Unterschiedliche Varianten: Fukibokashi (weich, gleichmäßig) und Itabokashi (diagonal).
→ Ausführlich: Mokuhanga
Buchsbaum (Boxwood)
Holzart mit besonders feiner, gleichmäßiger Maserung, die für den Holzstich bevorzugt wird. Der Buchsbaum wächst langsam und entwickelt dadurch ein dichtes, hartes Hirnholz, das extrem feine Linien zulässt. Alternativen: Birnbaum, Apfelbaum.
→ Ausführlich: Holzstich
Chiaroscuro-Holzschnitt (Chiaroscuro Woodcut)
Mehrfarbiger Holzschnitt, der Hell-Dunkel-Kontraste durch den Einsatz mehrerer Platten erzeugt. Eine Platte (Keyblock) druckt die Konturen, weitere Platten (Tonblöcke) fügen Schattierungen und Farbtöne hinzu. Bekannte Vertreter sind Ugo da Carpi und Hans Baldung Grien.
→ Ausführlich: Chiaroscuro-Holzschnitt
Clair-obscur (Chiaroscuro)
Französischer Begriff für den Chiaroscuro-Holzschnitt. Im deutschsprachigen Raum selten verwendet, in französisch- und englischsprachiger Fachliteratur häufiger anzutreffen.
→ Ausführlich: Chiaroscuro-Holzschnitt
Farbholzschnitt (Color Woodcut)
Holzschnitt in mehreren Farben, bei dem für jede Farbe eine eigene Druckplatte angefertigt wird. Das Papier läuft mehrfach durch die Presse, jedes Mal mit einer anderen, passgenauen Platte. Präzise Passmarkierung ist entscheidend, da schon kleine Verschiebungen sichtbar werden.
→ Ausführlich: Holzschnitt
Fukibokashi (Gradation Blur)
Variante des Bokashi beim Mokuhanga. Erzeugt eine weiche, gleichmäßige Überblendung durch kontrollierten Wasserauftrag vor dem Farbauftrag. Das Papier wird leicht angefeuchtet, bevor die Farbe aufgetragen wird, was die Pigmentverteilung beeinflusst.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Hikitsuke-kento (Bar Kento)
Gerader Anschlag des japanischen Passmarkensystems Kento. Hält das Papier beim Einlegen in einer festen Linie, sodass jede Farbe auf derselben Position landet. Ergänzt den L-förmigen Kagi-kento.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Hirnholz (End Grain Wood)
Quer zur Faser geschnittene Holzscheibe, bei der die Schnittfläche auf die Querschnitte der Jahresringe zeigt. Viel härter als Langholz und erlaubt das Schneiden in alle Richtungen ohne Faserverlauf. Grundlage des Holzstichs, bei dem mit Sticheln extrem feine Linien möglich sind.
→ Ausführlich: Holzstich
Hohleisen (Gouge)
Schneidwerkzeug für den Holzschnitt und Linolschnitt mit gebogener oder halbrunder Schneide. Dient zum Ausheben größerer Flächen. Unterschied zum V-Eisen: Das Hohleisen hinterlässt breitere, rundere Schnitte.
Holzschnitt (Woodcut)
Ältestes bekanntes Druckverfahren der abendländischen Tradition. Die Druckform ist ein Holzblock (meist Langholz), aus dem alle nicht druckenden Bereiche herausgeschnitten werden. Die erhabenen Stege nehmen Farbe an und übertragen sie auf Papier. Klare Kontraste, expressive Linie, kräftige Flächen sind charakteristisch.
→ Ausführlich: Holzschnitt
Holzstich (Wood Engraving)
Hochdruckverfahren auf Hirnholz, das mit Sticheln (nicht Schneidemessern) bearbeitet wird. Wesentlich feinere Linienführung als beim Holzschnitt möglich. Im 19. Jahrhundert wichtigstes Reproduktionsverfahren für Schwarz-Weiß-Buchillustrationen, bevor die Fotografie es ablöste. Thomas Bewick gilt als Begründer der modernen Holzstichmethode.
→ Ausführlich: Holzstich
Hon-Baren (Hon-Baren)
Traditioneller japanischer Baren aus Bambusfasern, in Washi gewickelt. Aufwändig herzustellen, teuer und in der Handhabung anspruchsvoll. Erzielt besonders feine Tonabstufungen und wird von erfahrenen Mokuhanga-Druckerinnen und -Druckern bevorzugt. Einfachere Varianten aus modernen Materialien sind weit verbreitet.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Itabokashi (Diagonal Gradation)
Diagonale Farbüberblendung beim Mokuhanga, bei der Farbe und Wasser mit einem Brett (ita) aufgetragen werden, um einen schrägen Verlauf zu erzeugen. Charakteristisches Element traditioneller japanischer Druckgrafik.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Kagi-kento (L-Kento)
L-förmiger Anschlag des japanischen Passmarkensystems Kento. Fixiert zwei Seiten des Papiers beim Einlegen und sorgt so für präzise Ausrichtung bei der Farbregistrierung.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Kento (Kento)
Passmarkensystem für die Farbregistrierung beim japanischen Holzschnitt Mokuhanga. Besteht aus einem L-förmigen Anschlag (Kagi-kento) und einem geraden Anschlag (Hikitsuke-kento), die direkt in die Holzplatte geschnitzt werden. Stellt sicher, dass das Papier bei jedem Druckgang identisch positioniert wird.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Keyblock (Key Block)
Hauptplatte beim mehrfarbigen Holzschnitt (Chiaroscuro, Farbholzschnitt). Trägt die Konturen und Hauptlinien des Motivs. Alle weiteren Platten (Tonblöcke) werden auf den Keyblock abgestimmt und dazu passend registriert.
→ Ausführlich: Chiaroscuro-Holzschnitt
Langholz (Plank Grain)
Parallel zur Faser längs gesägtes Holz, das traditionell für den Holzschnitt verwendet wird. Der Faserverlauf ist im Langholz deutlich sichtbar und beeinflusst die Schnittrichtung: Schnitte gegen die Faser brechen leicht aus. Geringeres Auflösungsvermögen als Hirnholz.
→ Ausführlich: Holzschnitt
Langholzschnitt (Woodcut, Plank Grain)
Holzschnitt auf längs gesägtem Holz (Langholz). Der klassische Begriff zur Unterscheidung vom Holzstich auf Hirnholz. Typisch: breite, expressive Schnitte entlang oder gegen die Maserung, charakteristische Holzstruktur sichtbar im Druck.
→ Ausführlich: Holzschnitt
Linolschnitt (Linocut)
Hochdruckverfahren auf Linoleum statt Holz. Das weichere Material ermöglicht freiere, schnellere Schnitte in alle Richtungen ohne Rücksicht auf Faserverlauf. Klare Konturen, oft grafisch-reduzierte Flächen. Auch als Reduktionsschnitt ausführbar.
→ Ausführlich: Linolschnitt
Mokuhanga (Mokuhanga)
Traditioneller japanischer Holzschnitt auf Wasserbasis. Im Unterschied zum westlichen Hochdruck werden wasserverdünnte Pigmente (nicht ölige Druckfarbe) verwendet, das Papier per Hand mit dem Baren gerieben und die Farbregistrierung über das Kento-System gesteuert. Charakteristisch: weiche Farbübergänge, transparente Schichtung.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Negativdruck (Negative Print)
Druckbild, bei dem die Linien hell auf dunklem Grund erscheinen statt dunkel auf hellem. Im Hochdruck realisiert durch den Weißlinienschnitt: Die Linien werden aus der Platte herausgeschnitten und nehmen keine Farbe an.
→ Ausführlich: Weißlinienschnitt
Nori (Nori, Paste)
Pflanzlicher Kleister aus Reismehl oder Weizenstärke, der beim Mokuhanga eingesetzt wird. Wird dem Pigment beigemischt und erhöht die Haftung der Farbe auf dem Papier sowie die Transparenz der Farbschicht. Historisch verwendet; auch moderne Methylzellulose-Alternativen sind gebräuchlich.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Reduktionsschnitt (Reduction Print)
Mehrfarbiges Hochdruckverfahren auf einer einzigen Platte. Nach jedem Druckgang werden weitere Bereiche abgetragen, bevor die nächste Farbe gedruckt wird. Die Platte ist nach Abschluss irreversibel verändert: eine weitere Auflage ist prinzipbedingt nicht möglich, die Edition damit streng limitiert.
→ Ausführlich: Linolschnitt
Schwarzlinienschnitt (Black Line Woodcut)
Klassischer Holzschnitt, bei dem die stehengebliebenen Stege die Konturen und Linien bilden. Diese nehmen Farbe an und erscheinen im Druck schwarz auf hellem Papier. Standardform des abendländischen Holzschnitts.
→ Ausführlich: Weißlinienschnitt
Stichel (Graver)
Im Kontext Holzstich: Schneidwerkzeug mit V-förmigem oder rundem Querschnitt, das in das Hirnholz geführt wird. Unterschiedliche Profile (flach, spitz, rund, lozenge) erzeugen unterschiedliche Liniencharaktere. Auch im Kupferstich verwendet, dort aus Stahl.
→ Ausführlich: Holzstich
Tonblock (Tone Block)
Druckplatte für Schattierungen und Farbflächen beim mehrfarbigen Holzschnitt. Ergänzt den Keyblock, der die Konturen trägt. Ein Chiaroscuro-Holzschnitt kann mehrere Tonblöcke enthalten, die nacheinander gedruckt werden.
→ Ausführlich: Chiaroscuro-Holzschnitt
U-Eisen (U-Gouge)
Schneidwerkzeug mit U-förmigem Querschnitt für Holzschnitt und Linolschnitt. Dient zum Ausheben breiter Flächen. Die Breite des U-Profils bestimmt die Spurbreite.
V-Eisen (V-Gouge)
Schneidwerkzeug mit V-förmigem Querschnitt für Holzschnitt und Linolschnitt. Ergibt schmale, scharfe Linien. Breite des V-Profils bestimmt Feinheit der Spur.
Weißlinienschnitt (White Line Woodcut)
Holzschnitt, bei dem die Linien aus dem dunklen Grund herausgearbeitet werden und somit hell (weiss) erscheinen. Ergibt ein Negativ des klassischen Schwarzlinienschnitts. Charakteristisch für bestimmte expressionistische Arbeiten. Auch in der zeitgenössischen Druckgrafik verbreitet.
→ Ausführlich: Weißlinienschnitt
Yamazakura (Japanese Mountain Cherry)
Japanische Bergkirsche (Prunus jamasakura), das traditionell bevorzugte Holz für Mokuhanga-Druckplatten. Das Holz ist gleichmäßig, hart genug für präzise Schnitte und nimmt Wasserfarben gleichmäßig auf. Zunehmend durch andere Holzarten ersetzt, da Yamazakura selten und teuer geworden ist.
→ Ausführlich: Mokuhanga
Tiefdruck (Intaglio)
Beim Tiefdruck liegt die druckende Substanz in vertieften Linien und Flächen der Druckplatte. Die Oberfläche der Platte wird abgewischt; nur in den Vertiefungen bleibt Farbe und wird beim Drucken unter hohem Druck auf das feuchte Papier übertragen. Der sichtbare Plattenrand (Plattenrand) ist ein charakteristisches Merkmal.
Aquatinta (Aquatint)
Tiefdruckverfahren zur Erzeugung flächiger Tonwerte. Feinster Harzstaub (Kolophonium) wird gleichmäßig auf die Metallplatte aufgebracht und durch Erhitzen fixiert. Im Säurebad bildet sich um jedes Harzkorn eine winzige Vertiefung. Das Ergebnis ähnelt einer Tuschezeichnung oder einem Wasserfarbenauftrag.
→ Ausführlich: Aquatinta
Aquatintakorn (Aquatint Grain)
Feinstruktur aus dem geätzten Harzstaub bei der Aquatinta. Die Dichte, Größe und Ätztiefe des Korns bestimmen den Tonwert: feines dichtes Korn ergibt tiefes Schwarz, grobes spärliches Korn helles Grau. Unter der Lupe erkennbar.
→ Ausführlich: Aquatinta
Ätzgrund (Ground / Resist)
Säurefeste Schutzschicht, die vor dem Ätzen auf die Metallplatte aufgetragen wird. Die Druckerin oder der Drucker zeichnet durch den Ätzgrund auf das Metall; die freigelegten Stellen werden vom Säurebad angegriffen. Klassischer Ätzgrund ist eine Mischung aus Wachs, Harz und Asphalt.
→ Ausführlich: Radierung
Ätzradierung (Acid Etching)
Synonym für die klassische Strichätzung, bei der Linien durch einen Ätzgrund in die Metallplatte geritzt und anschliessend im Säurebad geätzt werden. Gebräuchlichster Begriff für die Grundtechnik der Radierung.
→ Ausführlich: Radierung
Farbradierung (Color Etching)
Tiefdruckverfahren, das mehrere Farben in einer Radierung vereint. Varianten: mehrere Platten (je eine pro Farbe), eine Platte mit mehreren Durchgängen (Viscosity Printing) oder selektiver Farbauftrag auf einer Platte (Poupée-Methode).
→ Ausführlich: Radierung
Foul Biting (Foul Biting)
Unbeabsichtigte Ätzung durch beschädigten oder aufgerissenen Ätzgrund. Ergibt unregelmässige Texturen außerhalb der geplanten Linien. Kann von erfahrenen Druckerinnen und Druckern bewusst provoziert werden, um spontane Texturen zu erzeugen.
→ Ausführlich: Vernis mou
Grabstichel (Burin)
Werkzeug aus gehärtetem Stahl mit verschiedenen Querschnitten (lozenge, round, flat) für Kupferstich und Stahlstich. Wird mit dem Handballen geführt und schiebt Metall in Spänen vor sich her, statt es wie die Radiernadel zu ritzen. Erfordert erhebliche Kraft und Übung.
→ Ausführlich: Stahlstich
Grat (Burr)
Aufgeworfener Metallgrat neben den Linien der Kaltnadelradierung. Entsteht, weil die Kaltnadel kein Metall entfernt, sondern zur Seite drängt. Der Grat hält beim Drucken zusätzlich Farbe und ergibt samtige, weiche Kanten. Da der Grat bei jedem Druckvorgang mechanisch abgerieben wird, verschleißt er schnell; eine Kaltnadelauflage ist deshalb von Natur aus sehr klein.
→ Ausführlich: Kaltnadelradierung
Heliogravüre (Heliogravure)
Historischer Begriff für die Photogravüre, der auf den Lichtanteil im fotochemischen Prozess verweist. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gebräuchlich; heute meist durch Photogravüre oder Polymer-Photogravüre ersetzt.
→ Ausführlich: Photogravüre
Kaltnadelradierung (Drypoint)
Tiefdruckverfahren ohne Säurebad. Eine Stahlnadel ritzt direkt in die Metallplatte (Kupfer, Zink oder Polymer) und hinterlässt dabei einen charakteristischen Grat. Keine Ätzchemie nötig; der Prozess ist direkt und spontan. Die Auflagengrösse ist begrenzt, da der Grat sich beim Drucken abnutzt.
→ Ausführlich: Kaltnadelradierung
Kolophonium (Rosin)
Harzpulver, das bei der Aquatinta auf die Metallplatte aufgebracht wird. Wird durch Erhitzen der Platte aufgeschmolzen und haftet als feines Korn. Das Säurebad ätzt das Metall um jeden Harzkristall herum ein. Auch im Staubkasten durch Schütteln gleichmäßig verteilt.
→ Ausführlich: Aquatinta
Kupferstich (Engraving)
Tiefdruckverfahren, bei dem Linien mit dem Grabstichel direkt in eine Kupferplatte geschnitten werden. Kein Säurebad, keine Nadel: der Grabstichel schiebt das Metall in Spänen heraus und hinterlässt scharfe, präzise V-förmige Rillen. Charakteristisch: schwellende Linie, die Druck und Volumen ausdrückt.
→ Ausführlich: Druckgrafik: Alle Techniken
Mezzotinto (Mezzotint)
Tiefdruckverfahren, das vom Schwarz zum Licht arbeitet. Zuerst wird die gesamte Platte mit dem Wiegeisen aufgeraut, bis sie beim Druck ein sattes Schwarz ergibt. Dann werden mit Schaber und Polierstahl Stellen wieder geglättet. Die geglätteten Stellen drucken hell oder gar nicht. Ermöglicht samtartige Übergänge ohne sichtbare Linien.
→ Ausführlich: Mezzotinto
Photogravüre (Photogravure)
Tiefdruckverfahren, bei dem ein fotografisches Bild auf eine lichtempfindliche Gelatineschicht belichtet und anschliessend in eine Metallplatte geätzt wird. Ergibt eine Druckplatte mit abgestuften Tiefen, die Halbtonwerte exakt wiedergeben. Historisch für hochwertige Reproduktionen eingesetzt; heute von Künstlerinnen und Künstlern als eigenständiges Medium verwendet.
→ Ausführlich: Photogravüre
Plattenrand (Plate Mark)
Eingedrückte Kante der Metallplatte, die beim Tiefdruckprozess durch den hohen Pressendruck in das Papier geprägt wird. Sichtbares Merkmal aller Tiefdrucke und ein Echtheitsmerkmal bei Originalgrafiken. Fehlt auf Reproduktionen.
→ Ausführlich: Originalgrafik erkennen
Plattenton (Plate Tone)
Dünner Farbfilm, der nach dem Wischen auf der Plattenoberfläche verbleibt und im Druck einen einheitlichen grauen oder farbigen Schimmer erzeugt. Kann bewusst eingesetzt werden (voller Plattenton) oder durch gründlicheres Wischen reduziert werden.
→ Ausführlich: Radierung
Polierstahl (Burnisher)
Poliertes Werkzeug aus Stahl mit gebogener oder ovaler Spitze. Wird beim Mezzotinto eingesetzt, um die aufgeraute Plattenoberfläche wieder zu glätten und dadurch Helligkeit zu erzeugen. Auch zum Korrigieren von Fehlern bei anderen Tiefdrucktechniken.
→ Ausführlich: Mezzotinto
Polymer-Photogravüre (Polymer Photogravure)
Moderne Variante der Photogravüre auf Polymerschichten statt Gelatine. Ermöglicht ähnliche Ergebnisse ohne die toxischen Chemikalien der traditionellen Methode. Seit den 1990er Jahren zunehmend verbreitet.
→ Ausführlich: Photogravüre
Radierung (Etching)
Sammelbezeichnung für Tiefdruckverfahren, bei denen eine Metallplatte (Kupfer, Zink, Stahl) durch Säure oder andere Ätzmittel bearbeitet wird. Im engeren Sinn: die klassische Strichätzung, bei der Linien durch einen Ätzgrund geritzt und anschliessend im Säurebad geätzt werden. Im weiteren Sinn: alle ätztechnischen Verfahren einschliesslich Aquatinta, Sugar Lift und Vernis mou.
→ Ausführlich: Radierung
Réservage (Lift Ground)
Französischer Fachbegriff für den Sugar Lift. Eine zuckerhaltige Lösung wird auf die Platte gezeichnet, mit Ätzgrund überdeckt und anschliessend ausgewaschen. Die gezeichnete Form liegt frei und kann geätzt werden. Das Ergebnis ähnelt einer Pinselzeichnung.
→ Ausführlich: Sugar Lift
Retroussage (Retroussage)
Technik beim Tiefdruck, bei der nach dem Einfärben ein weiches Tuch (oft Musselin) locker über die Platte gezogen wird, um Farbe aus den Linien herauszuziehen. Erzeugt weichere, diffusere Kanten der Linien. Gebräuchlich besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Rotogravüre (Rotogravure)
Industrielles Tiefdruckverfahren auf Zylinderpressen, das für großformatige Auflagen (Zeitschriften, Verpackungen) eingesetzt wird. Technisch verwandt mit der Photogravüre, aber für maschinellen Hochlaufbetrieb ausgelegt. Kein Verfahren der Original-Druckgrafik.
→ Ausführlich: Photogravüre
Säurebad (Acid Bath)
Ätzbehälter mit Eisenchlorid (FeCl3) oder Salpetersäure, in den die vorbereitete Metallplatte eingetaucht wird. Die Säure greift die freiliegenden Metallstellen an und ätzt Linien oder Flächen ein. Dauer und Konzentration des Säurebads bestimmen die Ätztiefe.
→ Ausführlich: Radierung
Schabkunst (Mezzotint)
Deutscher Fachbegriff für Mezzotinto. Der Name leitet sich vom Werkzeug ab: dem Schaber, der beim Mezzotinto-Prozess Licht aus dem aufgerauten Grund schält.
→ Ausführlich: Mezzotinto
Schaber (Scraper)
Dreischneidiges Werkzeug beim Mezzotinto. Trägt die aufgeraute Plattenoberfläche ab, um mittlere Töne (Grau) zu erzeugen. Weniger gründlicher Schaber-Einsatz ergibt dunklere Töne als der Polierstahl.
→ Ausführlich: Mezzotinto
Siderographie (Siderography)
Übertragungstechnik für Stahlplatten, bei der ein eingraviertes Stahloriginal auf einen gehärteten Stahlzylinder übertragen wird. Dieser Zylinder kann dann neue Platten in großer Zahl prägen. Entwickelt im frühen 19. Jahrhundert für die Banknotenproduktion.
→ Ausführlich: Stahlstich
Spray-Aquatinta (Spray Aquatint)
Moderne Variante der Aquatinta, bei der Asphaltlack mit einer Airbrush aufgesprüht statt Harzstaub aufgebracht wird. Ergibt ein feineres und gleichmäßigeres Korn als die traditionelle Methode.
→ Ausführlich: Aquatinta
Stahlstich (Steel Engraving)
Kupferstich-Variante auf Stahl statt Kupfer. Stahl ist härter als Kupfer und ermöglicht größere Auflagen sowie noch feinere Linienarbeit. Im 19. Jahrhundert Standard für Buchillustrationen und Banknotenproduktion.
→ Ausführlich: Stahlstich
Staubkasten (Rosin Box)
Behälter mit Kolophoniumstaub, der durch Schütteln oder einen Ventilator aufgewirbelt und gleichmäßig auf die Metallplatte abgesetzt wird. Ermöglicht einen gleichmäßigen Aquatintakorn-Auftrag. Alternative: elektrostatischer Auftrag oder Spray-Aquatinta.
→ Ausführlich: Aquatinta
Strichätzung (Line Etching)
Klassische Radiertechnik: Linien werden mit der Radiernadel durch den Ätzgrund in die Metallplatte geritzt und im Säurebad geätzt. Erzeugt gleichmäßige Linien mit klarer Kante; im Unterschied zur Kaltnadelradierung kein Grat.
→ Ausführlich: Radierung
Stufenätzung (Step Biting)
Technik zur Erzeugung von Tonabstufungen in der Radierung durch schrittweises Ätzen. Teile der Platte werden nach einem ersten Ätzdurchgang mit Ätzgrund abgedeckt, bevor die Platte weitergeätzt wird. Bereiche, die länger im Säurebad waren, werden tiefer geätzt und drucken dunkler.
→ Ausführlich: Radierung
Sugar Lift (Sugar Lift)
Aquatinta-Variante, bei der die druckenden Flächen mit einer Zuckerlösung (meist Tusche mit Zucker) auf die Platte aufgemalt werden. Die Lösung wird mit Ätzgrund überdeckt, dann ausgewaschen: Die gemalten Stellen liegen frei und können geätzt werden. Das Ergebnis wirkt wie eine spontane Pinselzeichnung.
→ Ausführlich: Sugar Lift
Tarlatanstoff (Tarlatan)
Grob gewebtes Musselin-Gewebe, das beim Tiefdruck zum Einfärben und Wischen der Platte verwendet wird. Die offene Struktur des Gewebes erlaubt es, Farbe gleichmäßig in die Linien zu drücken und die Plattenoberfläche anschliessend abzuwischen.
→ Ausführlich: Radierung
Vernis mou (Soft Ground Etching)
Radier-Variante mit einem weichen, klebrigen Ätzgrund, der Texturen und Zeichnungen aufnimmt. Ein Blatt Papier wird über den Ätzgrund gelegt; Linien, die auf das Papier gezeichnet werden, heben den Ätzgrund an und legen das Metall frei. Ergibt einen körnigen, zeichenartigen Eindruck. Auch Texturen (Stoffe, Blätter) können eingedrückt werden.
→ Ausführlich: Vernis mou
Verstahlung (Steel Facing)
Galvanische Beschichtung einer Kupfer- oder Zinkplatte mit einer dünnen Stahlschicht. Schützt empfindliche Oberflächen wie den Grat der Kaltnadelradierung vor dem Abrieb durch den Druckprozess und ermöglicht größere Auflagen.
→ Ausführlich: Kaltnadelradierung
Weichgrundradierung (Soft Ground Etching)
Deutsche Bezeichnung für Vernis mou. Beide Begriffe werden synonym verwendet.
→ Ausführlich: Vernis mou
Wiegeisen (Rocker)
Halbrundes Werkzeug mit gezähnter Schneide, das beim Mezzotinto über die gesamte Metalloberfläche gewiegt wird, um eine gleichmäßige Aufrauhung zu erzeugen. Die aufgeraute Platte druckt ein tiefes, samtiges Schwarz. Das gleichmäßige Aufrauen einer großen Platte dauert 8 bis 12 Stunden.
→ Ausführlich: Mezzotinto
Flachdruck (Planographic Printing)
Beim Flachdruck liegen druckende und nicht druckende Bereiche in derselben Ebene. Statt physischer Vertiefungen oder Erhöhungen nutzt der Flachdruck die chemische Abstoßung von Fett und Wasser.
Additive Monotypie (Additive Monotype)
Monotypie-Variante, bei der Farbe auf eine glatte Platte (Glas, Acryl, Metall) aufgetragen wird. Das umgekehrte Verfahren zur subtraktiven Monotypie. Die aufgetragene Farbe wird durch Auflegen von Papier und leichtem Druck übertragen.
→ Ausführlich: Monotypie
Chromolithografie (Chromolithography)
Mehrfarbige Lithografie, bei der für jede Farbe ein eigener Stein oder eine eigene Aluminiumplatte verwendet wird. Im 19. Jahrhundert wichtigstes Reproduktionsverfahren für farbige Bilder.
Durchdrückzeichnung (Transfer Drawing)
Monotypie-Variante, bei der eine Zeichnung auf Papier durch Druck auf eine eingefärbte Platte übertragen wird. Das Papier nimmt beim Andrücken Farbe von der Platte auf, wo der Stift oder ein anderer Gegenstand Druck ausgeübt hat.
→ Ausführlich: Monotypie
Geisterabdruck (Ghost Print)
Schwacher zweiter Abzug, der aus den Farbresten eines vorherigen Drucks entsteht. Wird oft bewusst als eigenes Werk verwendet. Charakteristisch: blasser, leicht verschwommener Charakter im Vergleich zum Hauptabzug.
→ Ausführlich: Monotypie
Lithografie (Lithography)
Flachdruckverfahren, das auf der gegenseitigen Abstoßung von Fett und Wasser beruht. Eine Zeichnung wird mit fetthaltiger Tusche oder Kreide auf Kalkstein oder Aluminium aufgebracht. Der Stein wird angefeuchtet: Wasser haftet auf den unbeschriebenen Stellen, wird aber von der Fettzeichnung abgestossen. Die Druckfarbe (ölig) haftet nur auf der Fettzeichnung. Ermöglicht malerische Qualitäten und weiche Übergänge.
Monoprint (Monoprint)
Einzelabzug mit einer wiederverwendbaren Druckplatte, die von Abzug zu Abzug variiert. Im Unterschied zur Monotypie ist die Platte nicht blank, sondern trägt eine grundlegende Struktur (graviert oder geätzt). Jeder Abzug ist durch variablen Farb- oder Texturauftrag einzigartig.
→ Ausführlich: Monotypie
Monotypie (Monotype)
Druckverfahren, das nur einen einzigen Abzug ergibt. Farbe wird direkt auf eine glatte Platte aufgetragen und durch einmaliges Abdrucken auf Papier übertragen. Da die Platte danach keine brauchbare Farbe mehr trägt, ist eine Auflage prinzipbedingt ausgeschlossen. Jede Monotypie ist ein Unikat.
→ Ausführlich: Monotypie
Offsetdruck (Offset Lithography)
Industrialisierte Weiterentwicklung der Lithografie. Das Druckbild wird nicht direkt vom Stein oder der Platte auf das Papier übertragen, sondern zunächst auf einen Gummizylinder (Offset) und von dort auf das Papier. Kein Verfahren der Original-Druckgrafik; industrielle Standarddrucktechnik.
Steindruck (Stone Lithography)
Traditionelle Lithografie auf Kalkstein. Der Stein (meist Solnhofener Kalkstein aus Bayern) nimmt Fettzeichnungen auf und gibt sie beim Druck weiter. Aufwändiger in der Vorbereitung als Aluminium-Lithografie, aber von vielen Künstlerinnen und Künstlern wegen der spezifischen Druckqualität bevorzugt.
Subtraktive Monotypie (Subtractive Monotype)
Monotypie-Variante, bei der eine gleichmäßig eingefärbte Platte durch Entfernen von Farbe (mit Wattestäbchen, Pinsel, Lappen) bearbeitet wird. Die entfernten Stellen drucken hell, die verbleibenden dunkel.
→ Ausführlich: Monotypie
Durchdruck (Stencil / Screen Printing)
Beim Durchdruck wird Farbe durch eine Schablone oder ein Gewebe auf das Trägermaterial gedrückt. Die Schablone blockiert Farbe an bestimmten Stellen.
Mastersheet (Mastersheet)
Perforierte Schablone für den Risograph-Druck. Der Risograph brennt das Druckbild thermisch in die Schablone (aus einem wachsartigen Kunststoff), durch die dann Farbe gepresst wird. Pro Farbe wird ein eigenes Mastersheet benötigt.
→ Ausführlich: Risograph
Natural Drift (Natural Drift)
Bewusste oder systemimmanente Unschärfe bei der Farbregistrierung im Risograph-Mehrfarbdruck. Da jede Farbe in einem separaten Druckgang durch die Maschine läuft und das Papier nicht exakt gleich positioniert wird, verschieben sich die Farben leicht gegeneinander. Viele Risograph-Künstlerinnen und -Künstler setzen diesen Effekt gezielt ein.
→ Ausführlich: Risograph
Pochoir (Pochoir)
Schablonendruckverfahren, bei dem Farbe manuell durch ausgeschnittene Schablonen aus Metallblech, Karton oder Zellulose aufgetragen wird. Für jede Farbe eine eigene Schablone; Präzision hängt von Schnittgenauigkeit und Registrierung ab. Bekannt aus der französischen Buchillustration und der Modebranche.
Rakel (Squeegee)
Werkzeug aus einem Holz- oder Aluminiumrahmen mit einer Gummilippe, das beim Siebdruck zum gleichmäßigen Durchstreichen von Farbe durch das Siebgewebe verwendet wird. Breite und Härte der Gummilippe beeinflussen Farbauftrag und Druckqualität.
→ Ausführlich: Serigrafie
Risograph (Risograph)
Digitale Schablonen-Druckmaschine der japanischen Firma Riso Kagaku. Druckt mit sojahaltiger Tinte durch perforierte Mastersheets. Durch die begrenzte Farbpalette, den maschinenspezifischen Druckcharakter und den Natural Drift im Mehrfarbdruck hat der Risograph eine unverwechselbare visuelle Ästhetik entwickelt.
→ Ausführlich: Risograph
Serigrafie (Serigraphy)
Begriff für den künstlerischen Siebdruck, geprägt 1941 von Carl Zigrosser als Unterscheidung zu industriellen Anwendungen.
→ Ausführlich: Serigrafie
Siebdruck (Screen Printing)
Durchdruckverfahren, bei dem Farbe mit einer Rakel durch ein feinmaschiges Gewebe (Seide, Polyester, Stahl) auf den Träger gedrückt wird. Bestimmte Bereiche des Gewebes werden mit Schablone oder Fotoemulsion abgedeckt. Charakteristisch: flächige, deckende Farben mit klaren Kanten.
→ Ausführlich: Serigrafie
Mischformen und Sonderverfahren
Diese Verfahren lassen sich keiner der vier Hauptkategorien eindeutig zuordnen oder kombinieren Prinzipien mehrerer Druckfamilien.
Carborundum (Carborundum Print)
Tiefdruckverfahren, bei dem Siliziumkarbidpulver (Carborundum) mit Leim auf eine Trägerplatte aufgebracht wird und eine raue Oberfläche erzeugt. Die raue Struktur hält Druckfarbe ähnlich wie bei der Aquatinta. Ergibt weiche, malerische Texturen.
Cyanotypie (Cyanotype)
Fotochemisches Kontaktdruckverfahren, bei dem lichtempfindliche Eisenverbindungen auf Papier oder Stoff aufgetragen werden. Objekte oder Negative werden direkt aufgelegt und durch UV-Licht belichtet. Das Ergebnis ist ein charakteristisches Cyanblau mit weißen Schattenrissen. Kein klassisches Druckverfahren im engeren Sinn (weder Hoch-, Tief-, Flach- noch Durchdruck), sondern ein fotochemischer Kontaktprozess.
Chine-collé (Chine-collé)
Technik, bei der ein dünnes Papier (oft Japanpapier) während des Druckprozesses gleichzeitig auf das Trägerpapier kaschiert wird. Das dünne Papier nimmt die Farbe der Druckplatte auf; gleichzeitig wird es durch den Pressendruck mit dem stärkeren Trägerpapier verklebt. Ermöglicht feine Farb- und Texturunterschiede innerhalb eines Blattes.
Collagraph (Collagraph)
Druckverfahren, bei dem die Druckplatte aus unterschiedlichen Materialien (Karton, Sand, Stoff, Acryl) zusammengeklebt wird. Die Collage-Platte kann im Hoch- und Tiefdruck eingesetzt werden: erhabene Stellen drucken wie beim Hochdruck, vertiefte Stellen wie beim Tiefdruck. Ermöglicht reiche Texturen.
Embossing (Embossing)
Blindprägung ohne Druckfarbe. Die Druckplatte oder eine spezielle Form wird unter hohem Druck in das feuchte Papier gepresst und hinterlässt eine plastische Verformung. Oft in Kombination mit anderen Druckverfahren, kann aber auch als eigenständiges Werk auftreten.
Gaufrierung (Embossing / Gauffrage)
Weitgehend synonym mit Embossing; der Begriff Gaufrierung (vom Französischen gauffrer) bezeichnet die plastische Verformung von Papier durch Plattendruck. In der deutschsprachigen Fachliteratur beide Begriffe gebräuchlich.
Viscosity Printing (Viscosity Printing)
Mehrfarb-Tiefdruckverfahren auf einer einzigen Platte, das mit Farben unterschiedlicher Viskosität (Zähigkeit) arbeitet. Dickflüssige Farben bleiben auf der Plattenoberfläche; dünnflüssige dringen in Vertiefungen. Entwickelt von Stanley William Hayter und seinem Atelier 17 in Paris in den 1950er Jahren.
Allgemeine Begriffe
Edition und Signatur
Abzug (Impression) {#abzug} Einzelnes gedrucktes Blatt aus einer Auflage. Jede Abdruckung der Platte auf Papier ergibt einen Abzug. Alle Abzüge einer signierten Auflage sind vom Künstler oder der Künstlerin geprüft und freigegeben.
AP / EA (Artist's Proof / Épreuve d'artiste) {#ap-ea} Abzüge, die dem Künstler oder der Künstlerin gehören und nicht Teil der nummerierten regulären Auflage sind. Technisch identisch mit der Auflage, aber mit AP oder EA statt Nummer gekennzeichnet. Übliche Anzahl: maximal 10 % der Gesamtauflage.
Auflage (Edition) {#auflage} Gesamtzahl der Abzüge, die von einer Druckplatte oder -form gedruckt werden. Bei signierten Originalgrafiken typischerweise 15 bis 30 Exemplare; historisch auch größere Auflagen. Die Editionsgrösse steht links unter dem Abzug (z.B. 3/25 bedeutet: 3. Abzug von 25).
BAT (Bon à Tirer) {#bat} Französisch: "gut zum Drucken". Das Referenzexemplar einer Auflage, das der Künstler oder die Künstlerin dem Drucker als verbindlichen Standard freigibt. Jedes weitere Blatt der Auflage muss diesem Standard entsprechen. Pro Auflage gibt es nur ein BAT.
Bleistiftsignatur (Pencil Signature) {#bleistiftsignatur} Handschriftlicher Namenszug des Künstlers oder der Künstlerin in Bleistift unter dem Abzug. Etablierte sich im späten 19. Jahrhundert als Standard. Bestätigt, dass der Künstler den Abzug geprüft und als Teil seines Werkes anerkannt hat. Rechts unter dem Druckbild; Editionsnummer links.
→ Ausführlich: Signiert vs. unsigniert
Cancellation (Cancellation) {#cancellation} Bewusste Unbrauchbarmachung einer Druckplatte nach Abschluss der Auflage. Die Platte wird durch Kratzen, Stanzen oder Kreuzschraffur so verändert, dass keine weiteren druckbaren Abzüge entstehen können. Manchmal wird ein letzter Abzug der gecancelten Platte (Cancellation Print) als Nachweis gezogen.
Chop Mark (Chop Mark) {#chop-mark} Geprägter oder gestempelter Stempel einer Druckwerkstatt oder eines Druckers im Rand des Abzugs. Dokumentiert, in wessen Werkstatt der Druck entstanden ist. Kein Qualitätsmerkmal, aber ein Provenienzhinweis.
Druckwerkstatt (Print Workshop / Atelier) {#druckwerkstatt} Werkstatt mit professionellen Druckpressen, in der Künstlerinnen und Künstler ihre Editionen produzieren. Der Drucker (Werkstattleiter oder Assistent) erhält oft einen Printer's Proof (PP) als Vergütung.
Editionsnummer (Edition Number) {#editionsnummer} Numerische Angabe links unter dem Abzug im Format X/Y (X = laufende Nummer des Abzugs, Y = Gesamtgröße der Auflage). Kein Qualitätsmerkmal: Abzug Nr. 1 ist nicht besser als Abzug Nr. 25, solange die Druckplatte nicht verschleißt.
→ Ausführlich: Signiert vs. unsigniert
HC (Hors Commerce) {#hc} Französisch: "außerhalb des Handels". Abzüge, die ursprünglich nicht für den Verkauf bestimmt waren. Wurden an Museen, Galerien oder Vertraute gegeben. Wenn ein HC-Exemplar auf dem Markt erscheint, hat es seinen ursprünglichen Verwendungszweck verlassen.
→ Ausführlich: Signiert vs. unsigniert
Limitierte Auflage (Limited Edition) {#limitierte-auflage} Auflage, bei der die Anzahl der Abzüge im Voraus festgelegt und nach Abschluss nicht erhöht wird. Gegenteil: offene Edition (open edition). Bei signierten Originalgrafiken ist die limitierte Auflage Standard.
Nachlassdruck (Posthumous Print) {#nachlassdruck} Abzug, der nach dem Tod des Künstlers oder der Künstlerin von der Originalplatte gedruckt wird. Trägt keinen handschriftlichen Namenszug; manchmal mit Nachlassstempel versehen. Historisch bedeutsam: Viele der größten Druckgrafiken existieren nur als Nachlassdrucke.
→ Ausführlich: Signiert vs. unsigniert
PP (Printer's Proof) {#pp} Druckerexemplar: Abzug, den der Drucker oder die Werkstatt als Vergütung oder Anerkennung erhält. Technisch identisch mit der regulären Auflage, aber mit PP statt Nummer gekennzeichnet.
→ Ausführlich: Signiert vs. unsigniert
Zustandsdruck (State Print) {#zustandsdruck} Abzug, der den Arbeitsstand einer Druckplatte zu einem bestimmten Zeitpunkt dokumentiert. Künstlerinnen und Künstler ziehen während der Plattenarbeit Probeabzüge (Proofs), um den Fortschritt zu prüfen. Zustandsdrucke mit vielen erkennbaren Zwischenzuständen können für Sammlerinnen und Sammler besonders interessant sein, weil sie den Arbeitsprozess sichtbar machen.
→ Ausführlich: Signiert vs. unsigniert
Papier und Material
Alpha-Zellulose (Alpha Cellulose) {#alpha-zellulose} Reinste Form der Zellulose, frei von Lignin und anderen Verunreinigungen. Papiere mit hohem Alpha-Zellulose-Anteil sind säurefrei, altern ohne Vergilbung und sind für die Archivierung und Druckgrafik geeignet.
BFK Rives (BFK Rives) {#bfk-rives} Hochwertige französische Druckpapierserie, ursprünglich von Blanchet Frères & Kléber in Rives hergestellt (daher BFK). Alpha-Zellulose, säurefrei, büttenpapierähnlich mit Wasserzeichen. Eines der meistverwendeten Papiere für Tiefdruck weltweit.
Büttenpapier (Laid Paper / Handmade Paper) {#buettenpapier} Traditionell handgeschöpftes Papier aus pflanzlichen Fasern. Das charakteristische Rippenmuster (Büttenmuster) entsteht durch das Schöpfsieb. Unterschied zum maschinengefertigten Papier: ungleichmäßige Dicke, weiche Ränder, hohe Haptik. Für Druckgrafik geeignet, wenn säurefrei und ligninfrei. Nicht zu verwechseln mit strukturiertem Industriepapier.
Foxing (Foxing) {#foxing} Bräunliche oder rötliche Flecken auf alten Papieren, verursacht durch Schimmelpilze oder Metallverunreinigungen in Kombination mit Feuchtigkeit. Typisch bei Druckgrafiken aus dem 18. und 19. Jahrhundert; lässt sich mit konservatorischen Mitteln behandeln.
→ Ausführlich: Druckgrafik pflegen
Gampi (Gampi) {#gampi} Japanische Pflanzenfaser (Wikstroemia canescens) für hochwertiges Washi-Papier. Gampi-Fasern sind sehr lang und geben dem Papier eine seidenglatte, halbtransparente Qualität. Weniger verbreitet als Kozo, aber für besondere Anwendungen geschätzt.
Hahnemühle (Hahnemühle) {#hahnemuehle} Deutsche Papiermanufaktur mit Sitz in Dassel, gegründet 1584. Stellt hochwertige Künstlerpapiere für Tiefdruck, Lithografie und Aquarell her. Mehrere Serien speziell für Druckgrafik, u.a. Copperplate und Etching.
Kozo (Kozo) {#kozo} Japanische Pflanzenfaser aus der Maulbeerpflanze (Broussonetia papyrifera), Hauptrohstoff für viele Washi-Papiere. Lange, robuste Fasern ergeben ein reissfestes, dünnes Papier.
Künstlerpapier (Artists' Paper) {#künstlerpapier} Oberbegriff für hochwertige Papiere, die für künstlerische Druckverfahren geeignet sind. Kriterien: säurefrei, ligninfrei, hoher Alpha-Zellulose-Anteil, ausreichende Stärke für feuchten Druck. Kein Büttenpapier im Sinn von handgeschöpft, sondern eine Qualitätsbezeichnung.
Lignin (Lignin) {#lignin} Organischer Klebstoff in Holzzellen, der Papier mit der Zeit vergilben und spröde werden lässt. Zeitungspapier ist stark ligninhaltig. Säurefreie Künstlerpapiere sind ligninarm oder ligninfrei.
Mat Burn (Mat Burn) {#mat-burn} Vergilbungs- oder Verfärbungsschaden an Druckgrafiken, verursacht durch säurehaltige Passepartouts. Das Säure enthaltende Passepartout gibt Säure an die Papierfasern der Grafik ab. Verhindert durch säurefreie Passepartouts.
→ Ausführlich: Druckgrafik rahmen
Mitsumata (Mitsumata) {#mitsumata} Japanische Pflanzenfaser aus Edgeworthia chrysantha für weiches, saugfähiges Washi-Papier. Weicher und weniger reissfest als Kozo; gibt dem Papier eine besondere Weichheit.
Pigmentpapier (Pigment Paper) {#pigmentpapier} Im Kontext der Photogravüre: lichtempfindliches Papier, das mit Gelatine und Pigment beschichtet ist. Wird belichtet, auf die Metallplatte übertragen und bildet die Grundlage für den Ätzprozess.
Washi (Washi) {#washi} Japanisches handgeschöpftes Papier aus pflanzlichen Fasern (Kozo, Gampi, Mitsumata). Charakteristisch: sehr dünne, dennoch reissfeste Struktur durch lange Fasern. Weit verbreitet als Druckpapier für Mokuhanga und als Chine-collé-Einlage in Tiefdruck-Arbeiten.
Werkzeuge und Ausstattung
Ätzflüssigkeit (Mordant / Etchant) {#aetzfluessigkeit} Chemische Lösung zum Ätzen von Metallplatten. Gebräuchlichste Mittel: Eisenchlorid (FeCl3) für Kupfer und Zink, Salpetersäure (HNO3) für Zink. Unterschiedliche Mittel und Konzentrationen ergeben unterschiedliche Ätzcharaktere.
Druckpresse (Printing Press) {#druckpresse} Mechanische Vorrichtung zum gleichmäßigen Aufbringen von Druck auf Platte und Papier. Hochdruckpresse: Balken- oder Zylinderpresse. Tiefdruckpresse: Walzenpresse mit sehr hohem Druck. Flachdruckpresse: lithografische Druckpresse.
Grabstichel (Burin) {#grabstichel-allgemein} Werkzeug aus gehärtetem Stahl für Kupferstich und Stahlstich. Verschiedene Profilformen (lozenge, round, flat, square) für unterschiedliche Liniencharaktere. Wird mit dem Handballen geführt und in das Metall gedrückt.
→ Ausführlich: Stahlstich
Hochdruckpresse (Relief Press) {#hochdruckpresse} Presse für Hochdruckverfahren (Holzschnitt, Linolschnitt, Holzstich). Übt gleichmäßigen senkrechten Druck auf die Druckform aus. Historisch: Schraubenpresse oder Balkendruckpresse. Modern: Zylinderpresse.
Kaltnadel (Drypoint Needle) {#kaltnadel} Stahlnadel, die beim Kaltnadelradierverfahren direkt in das Metall geritzt wird. Schärfe und Form der Nadelspitze beeinflussen die Linienbreite und den Grat-Charakter.
→ Ausführlich: Kaltnadelradierung
Kupferplatte (Copper Plate) {#kupferplatte} Traditionelles Druckträger-Material für Tiefdruck (Radierung, Kupferstich, Mezzotinto, Aquatinta). Weicher als Stahl, fein bearbeitbar, reagiert gut auf Eisenchlorid. Aufwändiger als Zinkplatten, aber ergibt mehr Abzüge.
Polycarbonatplatte (Polycarbonate Plate) {#polycarbonatplatte} Moderne Alternative zu Metallplatten für Kaltnadel und Radierung. Günstiger als Kupfer oder Zink, einfacher zu bearbeiten, aber weicher und für kleinere Auflagen geeignet.
Radiernadel (Etching Needle) {#radiernadel} Stahlnadel zum Zeichnen durch den Ätzgrund auf die Metallplatte. Breitere Nadeln erzeugen breitere Linien, feinere engere. Die Nadel soll den Ätzgrund aufkratzen, nicht das Metall selbst.
→ Ausführlich: Radierung
Tiefdruckfarbe (Intaglio Ink) {#tiefdruckfarbe} Ölige, zähe Druckfarbe für Tiefdruckverfahren. Wird in die Vertiefungen der Platte eingerieben und von der Plattenoberfläche abgewischt. Beim Drucken wird sie durch den Pressendruck und das feuchte Papier aus den Vertiefungen herausgezogen.
Tiefdruckpresse (Intaglio Press / Etching Press) {#tiefdruckpresse} Walzenpresse mit sehr hohem Druck für Tiefdruckverfahren. Zwei Walzen pressen das Papier mit großer Kraft über die Druckplatte. Der hohe Druck ist nötig, damit das feuchte Papier die Farbe aus den Vertiefungen der Platte aufnimmt.
Walze (Roller / Brayer) {#walze} Handwalze zum gleichmäßigen Auftragen von Farbe auf Hochdruckplatten (Holzschnitt, Linolschnitt). Auch für Tiefdruckplatten beim Einfärben verwendet.
Zinkplatte (Zinc Plate) {#zinkplatte} Alternative zur Kupferplatte für Tiefdruck. Zink ist günstiger und weicher als Kupfer; reagiert auf Salpetersäure. Für kleinere Auflagen und experimentelle Arbeiten verbreitet.
Konservierung und Rahmung
Japanpapier-Scharnier (Japanese Paper Hinge) {#japanpapier-scharnier} Schmaler Streifen aus Washi-Papier, mit dem eine Druckgrafik reversibel im Passepartout befestigt wird. Säurefrei, reversibel mit Wasser, ohne Kleberrückstände. Standard der musealen Konservierung.
→ Ausführlich: Druckgrafik rahmen
Museumsglas (Museum Glass) {#museumsglas} Verglasung mit Anti-Reflexionsbeschichtung und UV-Schutz, die Reflexionen nahezu eliminiert und ultraviolettes Licht filtert. Teurer als Standardglas oder Acrylglas, aber optimaler Schutz und optimale Sichtbarkeit.
→ Ausführlich: Druckgrafik rahmen
Passepartout (Mat / Passe-partout) {#passepartout} Kartoneinlage zwischen Rahmen und Druckgrafik. Hält das Werk auf Abstand vom Glas (verhindert Kondensation und Anhaften) und bildet einen optischen Rahmen. Standard für die Präsentation von Druckgrafiken.
→ Ausführlich: Druckgrafik rahmen
Säurefreies Passepartout (Acid-Free Mat) {#saurefreies-passepartout} Passepartout aus ligninarmen oder ligninfrei verarbeiteten Materialien. Verhindert Mat Burn und Säureschäden an der Druckgrafik. Pflicht für langfristige Aufbewahrung und Rahmung.
→ Ausführlich: Druckgrafik rahmen
UV-Schutzverglasung (UV-Protective Glazing) {#uv-schutzverglasung} Glas oder Acrylglas mit UV-Filter, der das schädigende ultraviolette Licht abblockt und damit Ausbleichen der Druckfarben verhindert. Für Druckgrafiken in belichteten Räumen empfohlen.
→ Ausführlich: Druckgrafik rahmen
Alle hier beschriebenen Druckverfahren findest du als originale Druckgrafik bei Studio Sonsu.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Hochdruck und Tiefdruck?
Beim Hochdruck drucken die erhabenen Stellen der Druckform; Farbe wird auf die Oberfläche aufgerollt, und nur diese Stellen übertragen sie auf Papier. Beim Tiefdruck liegt die Farbe in Vertiefungen; die Oberfläche der Platte wird abgewischt, und unter hohem Druck wird die Farbe aus den Rillen und Flächen auf das Papier übertragen. Holzschnitt und Linolschnitt sind typische Hochdruckverfahren. Radierung, Kupferstich und Mezzotinto sind typische Tiefdruckverfahren. Erkennen lässt sich der Tiefdruck am Plattenrand, einer eingedrückten Kante im Papier.
Was bedeuten die Abkürzungen AP, BAT und HC?
AP (oder EA für épreuve d'artiste) sind Exemplare, die dem Künstler oder der Künstlerin gehören und nicht Teil der nummerierten Auflage sind. Ihr Anteil beträgt üblicherweise maximal 10 % der Gesamtauflage. BAT steht für bon à tirer (gut zum Drucken): das Referenzexemplar, das der Drucker als verbindlichen Standard erhält. Pro Auflage gibt es nur ein BAT. HC steht für hors commerce (außerhalb des Handels): Exemplare, die ursprünglich nicht zum Verkauf bestimmt waren. Alle drei Bezeichnungen stehen links unter dem Abzug anstelle einer Editionsnummer.
Wie erkenne ich eine echte Originalgrafik?
Drei Merkmale sind wichtig: erstens die Bleistiftsignatur unter dem Druckbild; zweitens die Editionsnummer links daneben im Format X/Y; drittens bei Tiefdrucken der Plattenrand, die eingedrückte Kante der Metallplatte. Eine Originalgrafik ist nicht dasselbe wie eine Reproduktion; sie wird durch die Druckplatte selbst erzeugt, nicht durch einen Scan oder eine Digitalaufnahme. Ausführlichere Kriterien finden sich auf der Seite zu Originalgrafik erkennen. Der Unterschied zwischen Original und Kunstdruck ist dabei zentral.
Welche Drucktechnik eignet sich für Einsteiger?
Linolschnitt ist die zugänglichste Technik: kein Säurebad, keine Presse zwingend erforderlich, das Material ist günstig und weit verfügbar. Ergebnisse sind nach kurzer Einarbeitung möglich. Mokuhanga (japanischer Holzschnitt) ist ebenfalls pressenfrei, erfordert aber mehr Übung bei Farbüberblendung und Papierfeuchte. Siebdruck ist zugänglich für einfache Motive, technisch aber aufwändiger in der Vorbereitung (Sieb, Emulsion, Belichtung). Tiefdruck (Radierung, Kaltnadelradierung) erfordert Zugang zu einer Presse.
Was ist der Unterschied zwischen Radierung und Kupferstich?
Beide sind Tiefdruckverfahren auf Metallplatten, unterscheiden sich aber im Werkzeug und Prozess grundlegend. Beim Kupferstich schneidet der Grabstichel direkt und ohne Säure in das Metall. Die Linie entsteht durch das Herausschieben von Metall, was eine charakteristische Schwellung (dünn-breit-dünn) der Linie ergibt. Bei der Radierung wird die Metallplatte zunächst mit Ätzgrund bedeckt. Die Radiernadel ritzt durch den Ätzgrund, ohne das Metall selbst zu berühren. Die freiliegenden Stellen werden danach im Säurebad geätzt. Die Linie ist gleichmäßiger als beim Kupferstich, der Prozess freier und spontaner.
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.
Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de
Quellen und weiterführende Literatur
- Ackland Art Museum, Printmaking Glossary
- Print Center New York, Glossary of Print Terms
- Christina Weyl, Printing Illustrated (2024)
- Tate, Art Terms: Printmaking
- MoMA, What Is a Print?