Berühmte Druckgrafiker: Wer die Druckgrafik wirklich gemacht hat

Die bedeutendsten Druckgrafiker der Geschichte haben Druckgrafik nicht als Beiwerk betrieben. Sie haben das Medium bewusst gewählt, weil es etwas kann, was Malerei nicht kann: multiplizieren und verbreiten. Und weil sich die Arbeit an der Platte bei der Radierung in Zuständen ablesen lässt: Rembrandt veränderte seine Platten gelegentlich zwischen den Drucken, und jede Fassung des Drucks heißt Zustand.

Jemma Gunning, eine der Künstlerinnen im Programm von Studio Sonsu, einer Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover, zeichnet mit der Radiernadel durch den Ätzgrund auf einer Platte. Das ist kein Vorbereitungsschritt für ein späteres Bild. Das Zeichnen im Ätzgrund, das sorgfältige Wischen der Druckfarbe, der Moment, wo Papier und Platte unter dem Druck der Presse auseinandergezogen werden: Das ist das Bild. Nicht die Vorstufe zu einem Bild.

Diese Haltung teilt Gunning mit Künstlerinnen und Künstlern aus fünf Jahrhunderten. Wer die Namen lieber nach Epoche sortiert sieht, findet die Jahre 1900 bis 1945 im Überblick zur modernen Kunst. Käthe Kollwitz nannte später Max Klingers Aufsatz „Malerei und Zeichnung“ von 1891 als entscheidenden Anstoß, sich der Grafik zuzuwenden. Jahrzehnte später wechselte sie nochmals die Technik, zum Holzschnitt. Rod Nelson begann Holzschnitte zu schneiden, weil ihn die Blätter von Shiko Munakata elektrisierten. Paula Rego setzte ihre Abtreibungs-Pastelle 1999 in acht Radierungen in einer Auflage von 17 um, die vielfach ausgestellt und in portugiesischen Publikationen abgebildet wurden. Warum gerade Frauen ihren Zugang zur Druckgrafik oft über Schulen und Werkstätten statt über die Akademien fanden, verfolgt der Überblick zu den Künstlerinnen der Druckgrafik.

Diese Seite ist kein alphabetisches Künstlerverzeichnis. Sie fragt: Was wollten diese Menschen mit Druckgrafik, das sie mit nichts anderem hätten ausdrücken können?

Wer nutzte Druckgrafik, um Masse zu erreichen?

Druckgrafik brachte Bilder unter die Leute, vom Buch bis zum Plakat. Dürer gab 1498 die Apokalypse-Holzschnitte aus eigener Initiative heraus. Kollwitz machte Armut und Krieg zum Thema ihrer Zyklen. Toulouse-Lautrecs Plakate hingen an Pariser Hauswänden.

Albrecht Dürer veröffentlichte 1498 die Apokalypse: 15 Holzschnitte, Text auf der Rückseite, zunächst in Deutsch, kurz danach in Latein. Dürer war Verleger und Verkäufer dieser Serie; die deutsche Wikipedia nennt sie das erste Druckwerk, für das ein Künstler allein die Verantwortung trug. Sein Taufpate, der Buchdrucker Anton Koberger, war wahrscheinlich am Druck beteiligt, und das Layout mit Bild und Text auf gegenüberliegenden Seiten hatte Koberger schon in der Schedelschen Weltchronik verwendet. Dürers druckgrafisches Werk umfasst Holzschnitte, Kupferstiche und Radierungen. Wie sein Verlagsmodell im Vergleich zu Martin Schongauers Werkstatt-Tradition funktionierte, erklärt der Vergleich Dürer und Schongauer.

Dürer schrieb selbst über sein Handwerk: Seine Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt (Nürnberg 1525) ist ein Lehrbuch der Geometrie in deutscher Sprache; ein Exemplar bewahrt das Metropolitan Museum of Art. Wer Geometrie lehrt, denkt in Linie, Proportion, Konstruktion. Genau das macht seine Druckgrafik aus.

Toulouse-Lautrec trat 1891 zum ersten Mal an einen Lithografiestein: für das Plakat Moulin Rouge, La Goulue, das wohl in rund 3.000 Exemplaren gedruckt wurde. Toulouse-Lautrec starb 1901. Sein druckgrafisches Werk umfasst 363 Drucke und Plakate. Die Farblithografie als Medium: Plakatwände erreichten Menschen, die nie eine Galerie betraten.

Käthe Kollwitz schuf nach der englischen Wikipedia insgesamt 275 Druckgrafiken in Radierung, Holzschnitt und Lithografie. Ihr Sohn Peter fiel 1914. Die Folge "Krieg" führte sie 1922/23 im Holzschnitt aus. Einen Überblick über ihr Werk bieten heute die Käthe-Kollwitz-Museen in Köln und Berlin.

Otto Dix (1891–1969) und George Grosz (1893–1959) führten diese Linie in die Weimarer Republik. Zu Dix' wichtigsten druckgrafischen Arbeiten zählt der Radierzyklus Der Krieg (1924) mit 50 Blättern in fünf Mappen, herausgegeben vom Kunsthändler Karl Nierendorf. Grosz wurde in der Weimarer Zeit mehrfach vor Gericht gestellt für seine Zeichnungen und Lithografien, in denen Berliner Politiker, Generäle und Kapitalisten zu Karikaturen der Macht wurden.

Was Holzschnitt und Lithografie als Verfahren technisch leisten, beschreiben die Seiten Holzschnitt und Lithografie im Detail.

Wer machte aus dem Prozess selbst die Kunst?

Rembrandt, Munch und Hockney machten den Druckprozess selbst zum Gestaltungsmittel: Plattenton, Puzzle-Technik und Papierbrei bestimmen das Bild.

Rembrandt van Rijn schuf nach dem Rijksmuseum mindestens 314 Radierungen. Von seinen Kupferplatten existierten nach der englischen Wikipedia 1986 noch 79. Ab den 1650er Jahren ließ er beim Drucken einen dünnen Farbfilm auf Teilen der Platte stehen, den Plattenton, statt sie vollständig sauber zu wischen, und druckte auf unterschiedlichen Papieren, darunter Japanpapier und Pergament. Deshalb sehen Abzüge derselben Platte verschieden aus. Der Hundred Guilder Print entstand in mehreren Arbeitsphasen; um 1775 ließ Captain William Baillie die überarbeitete Platte drucken, zerschnitt sie danach in vier Teile und ließ von den Teilen eigene Abzüge drucken.

Edvard Munch begann seine druckgrafische Arbeit 1894 in Berlin, zunächst mit Radierungen und Kaltnadelarbeiten, ab 1895 mit Lithografie, ab 1896 mit Holzschnitten. Das Werkverzeichnis von Gerd Woll erfasst 748 Drucke. Vom Schrei gibt es zwei Pastelle und zwei Gemälde sowie mehrere Lithografien ab 1895. Beim Farbholzschnitt Moonlight (1896) sägte Munch nach dem V&A einen von drei Blöcken in Teile, färbte diese getrennt ein und setzte sie zum Druck wieder zusammen.

Emil Nolde trat 1906 der Künstlergruppe Brücke bei und brachte die Radierung als Technik in die Gruppe ein; 1907 beendete er die aktive Mitgliedschaft.

David Hockney arbeitete anders. In den 1970er Jahren erarbeitete er gemeinsam mit dem Drucker Aldo Crommelynck, der bis zu Picassos Tod 1973 für ihn gedruckt hatte, eine Reihe von Radierungen, darunter "The Blue Guitar" (1976/77): 20 Blätter voller Anspielungen auf Picasso. Später arbeitete er an den "Paper Pools" (1978): Malen mit flüssigem Papierbrei, eine Technik, die ihm Kenneth Tyler bei Tyler Graphics in New York vorschlug. Das Bild wurde Teil der Papierfaser selbst, keine Druckgrafik im engeren Sinn, aber ein Experiment das nur jemand macht, der in Druckverfahren denkt. Für Hockney ist der Druckprozess kein Nebenprodukt seiner Malerei, sondern ein Labor, in dem andere Fragestellungen möglich sind.

Francisco de Goya schuf sein druckgrafisches Hauptwerk unter anderen Umständen als Hockney im Atelier. Die Desastres de la Guerra, 82 Blätter Radierung und Aquatinta über den Krieg gegen Napoleon, entstanden zwischen 1810 und 1820 und wurden erst 1863 veröffentlicht, 35 Jahre nach seinem Tod. Goya machte seine Absicht zu den Platten nicht bekannt; nach der englischen Wikipedia war es wahrscheinlich erst 1863 politisch ungefährlich, die Folge zu verbreiten. Bei Rembrandt lief es umgekehrt: Ein Brief von 1654 behauptet, sein Hundred Guilder Print sei in Holland mehrfach für 100 Gulden und mehr verkauft worden. Wie sich die beiden Haltungen am selben Medium gegenüberstehen, entfaltet der Vergleich von Rembrandt und Goya.

Die Tiefdruckverfahren Radierung und Kupferstich sind technisch eng verwandt: Was Plattenränder und Plattentöne ausmachen, erklärt die jeweilige Technikseite.

Was unterscheidet einen Druckgrafiker von einem Maler der auch druckt?

Die Frage klingt akademisch, hat aber eine scharfe Antwort: Wer Druckgrafik als eigenständiges Primärmedium betreibt, denkt von Anfang an in Abzügen, Auflagen, Platten. Wer gelegentlich druckt, überträgt Bildideen aus anderen Medien.

1862 gründete der Verleger Alfred Cadart in Paris die Société des Aquafortistes; mit dem Drucker Auguste Delâtre prägte er die französische Radierbewegung. Ziel: Radierung als eigenständige Kunstform fördern, nicht als Reproduktionstechnik. Zur Bewegung gehörten Maler, die eigenständige Radierungen schufen statt Reproduktionsstiche.

Der Unterschied ist nicht theoretisch. Er zeigt sich in der Arbeit.

Das Werkverzeichnis von Henri Matisse beschreibt rund 800 Drucke in sechs Verfahren, von Radierung und Aquatinta über Lithografie und Monotypie bis zu Linolschnitt und Holzschnitt. Wer sechs Verfahren beherrscht und je nach Projekt wechselt, ist kein Maler der gelegentlich druckt. Bridget Riley verkörpert die Spannung dieser Frage: Ihre Drucke sind in einem eigenen Werkverzeichnis erfasst, Complete Prints 1962–2012. Von Édouard Vuillard erschien 1899 bei Ambroise Vollard das Farblithografie-Album Paysages et intérieurs.

Pablo Picasso schuf ein umfangreiches druckgrafisches Werk, vieles davon in Zusammenarbeit mit spezialisierten Druckern: Fernand Mourlot für Lithografien, die Brüder Crommelynck für rund 750 Drucke. Über 800 Exponate, vor allem Lithografien, beherbergt das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, dessen Sammlung auf den Grafiker Gert Huizinga zurückgeht. Auch Marc Chagall baute ein großes druckgrafisches Werk auf. Joan Miró (1893–1983) baute parallel ein zweites Lebenswerk auf: Er arbeitete bei Mourlot und im Atelier Lacourière, mit Mourlot entstanden über tausend lithografische Editionen.

Andy Warhol übernahm 1962 den Siebdruck als Technik für seine Gemälde, weil sich damit ein Fließband-Effekt erzielen ließ. Roy Lichtenstein (1923–1997) schuf neben Gemälden und Skulpturen über 300 Drucke, überwiegend im Siebdruck. Wie sich Warhols und Lichtensteins Arbeitsweisen im Siebdruck unterschieden, zeigt Warhol und Lichtenstein im Siebdruck.

Helen Frankenthaler begann 1961 bei ULAE mit der Druckgrafik und arbeitete später auch bei Tyler. Ihre Malerei lebte davon, dass Farbe in rohe Leinwand einzieht. Das Werkverzeichnis von Pegram Harrison erfasst 235 Editionen aus 33 Jahren.

Louise Bourgeois stellte die Druckgrafik in den Dienst autobiografischer Erkundung. Das Werkverzeichnis des MoMA erfasst 1.487 Kompositionen auf 5.411 Blättern.

Auch Joseph Beuys arbeitete mit Multiples, 1983 etwa mit einer Farboffset-Serie.

Hundertwasser setzte auf Varianz: Viele seiner Auflagen bestehen aus unterschiedlichen Farbvarianten, und bei "10.002 Nights" (erschienen 1984) gelang es ihm, so viele verschiedene Blätter herzustellen, wie die Auflage hoch war.

Von Gerhard Richter gibt es seit 1965 neben der Malerei Editionen, die das Werkverzeichnis von Hubertus Butin und Stefan Gronert erfasst. Damien Hirst gründete 2005 mit Other Criteria einen eigenen Verlag.

Was Siebdruck als Durchdruckverfahren technisch von Tiefdruck und Flachdruck unterscheidet, beschreibt die Siebdruck.

Wer arbeitet heute mit Druckgrafik als Primärmedium?

Zeitgenössische Kunst meint in der Druckgrafik: Künstler wie Jemma Gunning, Bronwen Sleigh, Rod Nelson und Antonia Reber, die Druckgrafik als Hauptmedium betreiben. Druckgrafik als Primärmedium, nicht als Reproduktionsweg.

Rod Nelson führt seinen Weg zum Holzschnitt auf Arbeiten zurück, die ihn elektrisiert haben. Seine eigenen Worte:

"My original impulse to work as a woodblock printmaker stems almost entirely from work that electrified me, by its daring, its scale, its beauty and its humour and humanity."

Gemeint sind die Blätter des japanischen Holzschnitt-Meisters Shiko Munakata, überwiegend in hartem Schwarzweiß. Nelson arbeitet mit Holzschnitt und Reduktionsdruck, meist mit höchstens drei Blöcken, und druckt von Hand auf einer viktorianischen Albion-Presse. Die meisten seiner Blätter erscheinen in Editionen von 50. Sein Portfolio bei Studio Sonsu.

Bronwen Sleigh RSA fotografiert an den Orten, die sie druckt, und zeichnet danach direkt auf die Platte, ohne vorher zu skizzieren. Ihre Radierungen auf Kupfer zeigen Architektur in feinen Linien; viele Blätter koloriert sie anschließend von Hand mit Gouache. Sleighs Arbeit im Detail.

Gunning hat einen MA in Multidisciplinary Printmaking und unterrichtet Lithografie an der UWE Bristol. Sie schichtet Hartgrund-Ätzung und Sugar-Lift-Aquatinta übereinander: Der Hartgrund liefert die Linien, die Aquatinta die Flächen, und beim Zuckeraussprengverfahren bleibt der Pinselgestus im Druck sichtbar. Gunnings Haltung zum Medium:

"Sharing my love of printmaking with others, whether through teaching, community projects, or collaborations, is at the heart of what I do."

Gunning gibt ihre Arbeit auch weiter: 2016 hat sie das Bristol Print Collective mitgegründet. Wer diese Tradition selbst erleben will, findet im Druckwerkstätten-Atlas 181 Druckwerkstätten in Deutschland, davon 53 offene Werkstätten. Gunnings Werke bei Studio Sonsu.

Inga Eičaitė arbeitet im japanischen Holzschnitt (Mokuhanga) und in der Radierung. Einzelne geätzte Platten druckt sie auch als Hochdruck. Sie druckt auf Washi aus Japan und Hanji aus Korea, jeder Abzug wird von Hand gezogen. Eičaitės Werke bei Studio Sonsu.

Antonia Reber arbeitet im Siebdruck ausschließlich in Schwarz-Weiß. Ihre Serie Echo Surfaces geht von Spiegelungen auf urbanen Oberflächen aus und übersetzt Fotografien in Raster.

Michelle Hinshelwood arbeitet in Bristol im Tiefdruck, mit fünf Spielarten der Technik: Kupferätzung, Kaltnadel, Photopolymer, Collagraph und Chine Collé. Ihre Auflagen reichen von 8 bis 35 Exemplaren.

Anna Francis arbeitet in Bristol mit Kaltnadel auf Kupfer. Sie gewann den Art Academy Prize als herausragende aufstrebende Druckgrafikerin.

Georgia Green kombiniert Siebdruck, Risografie und Steinlithografie. Tiere aus der Kindheitsliteratur platziert sie in reale Innenräume. Sie war in der Royal Academy Summer Exhibition in London vertreten.

John Simpson lebt in Bath und arbeitet vor allem mit Monotypie, daneben mit Holzschnitt, Radierung und Mixed Media.

Rachel Duckhouse lebt seit 1998 in Glasgow und ätzt geometrische Bögen in Kupfer. Sie ist aktives Mitglied im Glasgow Print Studio und arbeitet als Radiertechnikerin bei Edinburgh Printmakers.

Richard Studer ist Opernregisseur und Holzstecher in Presteigne, Wales. Seine Holzstiche druckt er auf einer Albion-Presse von 1864. Die Auflage steht bei jedem Blatt.

Was einen Originaldruck von einem Kunstdruck unterscheidet, erklärt Original vs. Kunstdruck.

Welche Techniken haben welche Druckgrafiker geprägt?

Die Geschichte der Druckgrafik ist auch eine Geschichte von Zuordnungen: welche Künstler welches Verfahren gewählt haben und was dabei entstanden ist.

Die Geschichte der Druckgrafik lässt sich in drei Hauptgruppen sortieren: Hochdruck (Holzschnitt, Linolschnitt), Tiefdruck (Radierung, Kupferstich, Aquatinta, Kaltnadel) und Flachdruck (Lithografie). Warhols Siebdruck ist keiner dieser drei Gruppen, sondern ein Durchdruckverfahren. Diese Einteilung erklärt Herkunft und Mechanik, sagt aber wenig darüber, wie Künstler die Verfahren kombiniert oder überschritten haben. Kollwitz, Munch und Picasso haben alle drei Hauptgruppen zu verschiedenen Zeiten genutzt.

Heute gibt es keine scharfen Grenzen mehr. Richenda Court verbindet Linolschnitt und Radierung in einem einzigen Blatt. Bronwen Sleigh RSA setzt weiße Gouache-Linien auf ihre Radierungen. Dass die Werkstatt selbst zum Experimentierfeld werden kann, hatte Stanley William Hayters Atelier 17 über Jahrzehnte vorgeführt.

Nach 1945 entstanden Holzschnitte, die nicht mehr mit dem Expressionismus abrechenbar waren. HAP Grieshaber trieb die Monumentalisierung des Holzschnitts voran; zu seinen größten Arbeiten zählt der Sturmbock von 1965 für den Neubau des Reutlinger Rathauses. Ernst Ludwig Kirchner hatte vorgeführt, was das Medium tragen kann. Mehr über ihn auf der Seite Ernst Ludwig Kirchner. Kurt Schwitters ist ein Grenzfall: kein Druckgrafiker im engeren Sinn, aber jemand der typografische Druckverfahren als Material behandelte. MERZ-Grafiken, Typografie, Collagen, in denen Druckverfahren und Material nicht trennbar sind. Der Begriff Merz entstand bei einer Collage aus einer Anzeige der "Kommerz und Privatbank". Mehr dazu auf Kurt Schwitters und Hap Grieshaber. Mehr zu Günter Uecker und zur Blindprägung steht auf den eigenen Seiten. Georg Baselitz (1938–2026) baute parallel zu seiner Malerei ein umfangreiches druckgrafisches Werk auf.

Die einzelnen Techniken in der Tiefe: Radierung, Holzschnitt, Siebdruck, Lithografie, Kupferstich.

Die historischen Porträts: Albrecht Dürer, Jacques Callot, Rembrandt, Francisco Goya, Toulouse-Lautrec, Edvard Munch, Käthe Kollwitz, Henri Matisse, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Kurt Schwitters, Hap Grieshaber, Pablo Picasso, M.C. Escher, Horst Janssen, Andy Warhol, David Hockney, Lucian Freud, William Kentridge, Hokusai, Banksy, Giorgio Morandi, Pierre Bonnard, Elizabeth Catlett.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen einem Druckgrafiker und einem Maler der auch druckt?

Ein Druckgrafiker denkt von Anfang an in den Eigenschaften des Mediums: Wie hält die Platte Farbe? Wie verändert sich ein Motiv durch Ätztiefe oder Farbdruck? Ein Maler der gelegentlich druckt, überträgt Ideen aus anderen Medien und nutzt Druckgrafik als Reproduktionsweg. Rembrandt zeigt, wie dicht beides beieinanderliegen kann: Er war auch Maler, schuf aber zwischen 1627 und 1665 mindestens 314 Radierungen, deren Platten er gelegentlich zwischen den Drucken veränderte. Wo Messen und Editionsmärkte in Deutschland stattfinden, verzeichnet der Grafikmärkte-Atlas.

Wer sind die bedeutendsten Druckgrafiker der Kunstgeschichte?

Albrecht Dürer für den Holzschnitt und Kupferstich des 15./16. Jahrhunderts, Rembrandt für die Radierung des 17. Jahrhunderts, Giovanni Battista Piranesi für die dramatische Kerker-Radierung des 18. Jahrhunderts, Francisco Goya für politische Aquatinta, Käthe Kollwitz für sozialkritische Druckgrafik, Toulouse-Lautrec für Farblithografie, Edvard Munch für expressionistische Holzschnitte und Lithografien, Andy Warhol für den Siebdruck des späten 20. Jahrhunderts. Eine vollständige Liste gibt es nicht, weil "bedeutend" von der Technik abhängt: Wer in der Radierung zählt, taucht in der Siebdruck-Geschichte möglicherweise gar nicht auf. Jedes Verfahren hat seine eigene Genealogie.

Was ist eine Druckgrafikerin heute? Welche zeitgenössischen Künstlerinnen arbeiten in dem Medium?

Zeitgenössische Druckgrafikerinnen wie Jemma Gunning (Radierung) oder Bronwen Sleigh RSA (Radierung) setzen eine Tradition fort, zu der auch Käthe Kollwitz gehört. Gunning hat einen MA in Multidisciplinary Printmaking und arbeitet mit Hartgrund-Ätzung und Sugar-Lift-Aquatinta. Sleigh ist Mitglied der Royal Scottish Academy. Beide betreiben Druckgrafik als Hauptmedium, nicht als Ausflug aus einer anderen Praxis.

Wie viele Drucke entstehen von einem Werk?

Das hängt von der Technik und der Entscheidung des Künstlers ab. Wie hoch die Auflage ist, entscheidet die Künstlerin und steht bei jedem Blatt. Toulouse-Lautrecs Moulin-Rouge-Plakat wurde wohl in rund 3.000 Exemplaren gedruckt. Bei Studio Sonsu gehört zu jedem Blatt ein Echtheitszertifikat. Eine Editionsnummer trägt jedes Blatt einer begrenzten Auflage, Unikate und offene Editionen sind davon ausgenommen.

Was ist mit "berühmten Druckgrafikern" gemeint? Gibt es eine offizielle Liste?

Keine offizielle Liste. Berühmte Druckgrafiker sind die, die das Medium in einer bestimmten Technik oder Epoche geprägt haben: Dürer für Holzschnitt und Kupferstich, Rembrandt für Radierung, Kollwitz für sozialkritische Druckgrafik, Warhol für Siebdruck. Zeitgenössisch arbeiten viele Druckgrafikerinnen und Druckgrafiker mit Druckgrafik als Hauptmedium.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Rijksmuseum Amsterdam, Rembrandt's etchings (Sammlung und Forschung). rijksmuseum.nl
  • The Metropolitan Museum of Art: Albrecht Dürer, Underweysung der messung, Nürnberg 1525. metmuseum.org/art/collection/search/349058
  • Gerd Woll, Edvard Munch: The Complete Graphic Works (2001).
  • Alexandra von dem Knesebeck, Käthe Kollwitz: Werkverzeichnis der Graphik (2002).
  • Pegram Harrison (mit Suzanne Boorsch), Frankenthaler: A Catalogue Raisonné, Prints 1961–1994. Harry N. Abrams, 1996.
  • Victoria and Albert Museum, Edvard Munch, Holzschnitt (O1108276): Puzzle-Technik. collections.vam.ac.uk/item/O1108276
  • Käthe Kollwitz Museum Köln, Biografie: Klingers Aufsatz Malerei und Zeichnung. kollwitz.de/biography
  • The Metropolitan Museum of Art, The Etching Revival in Nineteenth-Century France. metmuseum.org
  • The Museum of Modern Art, Louise Bourgeois: The Complete Prints and Books (Online-Werkverzeichnis).
  • Jörg Schellmann, Joseph Beuys: Die Multiples (Werkverzeichnis).
  • The Metropolitan Museum of Art: Édouard Vuillard, Cover for Landscapes and Interiors (Vollard Portfolio), 1899. metmuseum.org/art/collection/search/340027
  • Wikipedia: Artikel "Apocalypse (Dürer)" (en), "Apokalypse (Dürer)" (de), "Moulin Rouge: La Goulue" (en), "Henri de Toulouse-Lautrec" (en), "Otto Dix" (de), "George Grosz" (de), "Rembrandt" (en), "Hundred Guilder Print" (en), "Käthe Kollwitz" (en), "Untitled: The Abortion Series" (en), "Edvard Munch" (en), "Emil Nolde" (de), "David Hockney" (en), "Aldo Crommelynck" (en), "The Disasters of War" (en), "Etching revival" (en), "Henri Matisse" (de), "Bridget Riley" (en), "Édouard Vuillard" (en), "Joan Miró" (en), "Kunstmuseum Pablo Picasso Münster" (de), "Andy Warhol" (en), "Roy Lichtenstein" (en), "Helen Frankenthaler" (en), "Louise Bourgeois" (en), "Joseph Beuys" (de), "Friedensreich Hundertwasser" (de), "Gerhard Richter" (de), "Damien Hirst" (en), "HAP Grieshaber" (de), "Kurt Schwitters" (de).

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Zuletzt aktualisiert am 05.10.2026.

Studio Sonsu ist eine Galerie für Originaldruckgrafik mit Standort in Hannover-Linden. Das Programm umfasst Radierungen, Holzschnitte, Siebdrucke, Lithografien und Linolschnitte von Künstlerinnen und Künstlern vor allem aus Großbritannien und Europa. Alle Werke: studiosonsu.de/collections/all. Fragen: hello@studiosonsu.de