Werkzeuge der Druckgrafik

Druckgrafik-Werkzeuge folgen vier physikalischen Prinzipien: Beim Hochdruck wird weggeschnitten, was nicht drucken soll. Beim Tiefdruck wird gegraben oder geätzt, was drucken soll. Beim Flachdruck wird direkt auf den Träger gezeichnet. Beim Durchdruck wird Farbe durch eine Maske gepresst. Radiernadel, Grabstichel, Wiegeisen und Rakel sind deshalb keine Variationen desselben Werkzeugtyps, sondern Vertreter grundlegend verschiedener Prinzipien.

Trevor Price in St Ives, vor einem Tisch mit Holzblöcken und Polycarbonat-Platten. In seinen Händen: Meißel, Klingen, Elektrowerkzeuge. Sein Satz fasst alles zusammen: seine Platten werden "mit Meißeln, Klingen und Elektrowerkzeugen geschnitzt, geritzt und graviert" ("carved, scratched, and engraved using chisels, blades, and power tools"). Die Aufzählung klingt beiläufig. Sie ist es nicht.

Hinter "carved", "scratched" und "engraved" stecken drei verschiedene physikalische Logiken. Hinter "chisels", "blades" und "power tools" stecken Werkzeugfamilien, die seit Jahrhunderten parallel existieren, sich gegenseitig beeinflussen und manchmal in denselben Händen landen. Wer die Werkzeuge versteht, versteht die Druckprinzipien. Die Frage ist: Warum bedeutet "schnitzen" etwas fundamental anderes als "ritzen"? Was unterscheidet einen Meißel von einer Klinge, wenn beides in Holz oder Metall arbeitet?

Was passiert, wenn eine Nadel auf Kupfer trifft?

Die Antwort hängt davon ab, ob auf dem Kupfer etwas liegt oder nicht.

Bei der Radierung ritzt die Nadel nicht in Metall. Sie ritzt in den Ätzgrund, eine dünne Schutzschicht auf der Kupferplatte, und legt darunter das blanke Kupfer frei. Alles weitere erledigt die Säure. Der Unterschied ist fundamental: Die Nadel entscheidet nicht über die Linientiefe, die Säure entscheidet. Der Ätzgrund ist dabei mehr als eine Schutzschicht, aber dazu später.

Die Kaltnadel braucht keinen Ätzgrund. Eine Stahlnadel ritzt direkt in die Metallplatte und drängt das Metall zur Seite, statt es zu entfernen. Neben der Linie entsteht ein aufgeworfener Metallgrat: die sogenannte Barbe. Diese Barbe nimmt beim Drucken besonders viel Farbe auf und erzeugt das charakteristische samtige Weich-Schwarz der Kaltnadel. Das Gegenstück dazu ist der Grabstichel: ein Werkzeug aus gehärtetem Stahl mit linsenförmigem oder rautenförmigem Querschnitt, der direkt in Metall schneidet und einen sauberen V-Kanal erzeugt, ohne Grat, ohne Säure. Im Kupferstich ist er das einzige Werkzeug zwischen Künstler und Platte.

Drei Werkzeuge, drei Linienprinzipien. Warum sehen sie trotzdem so unterschiedlich aus?

Die Antwort liegt im Profil. Der E.C. Lyons Square Burin erzeugt eine V-Linie so tief wie breit, sein Kantenprofil beginnt bei 1,55 Millimetern. Der Lozenge Burin desselben Herstellers ist für Linien ausgelegt, die tiefer als breit werden, ein anderer Liniencharakter aus demselben Material. Beide aus Hochkohlenstoffstahl, 4,5 Zoll, ab Werk scharf. Derselbe Hersteller, dieselbe Materialklasse, zwei verschiedene Liniencharaktere.

Martin Schongauer, der Kupferstecher aus dem späten 15. Jahrhundert, erkannte früher als die meisten, was das Profil kann. Er entwickelte eine Grabiertechnik, die tiefere Kanäle in die Platte grub und damit mehr Abzüge vor dem Plattenverschleiß ermöglichte. Und er war nach verfügbaren Quellen der erste Kupferstecher, der Parallellinien krümmte, vermutlich indem er die Platte gegen einen feststehenden Grabstichel drehte, statt den Stichel zu bewegen. Nicht das Werkzeug bewegte sich, der Träger bewegte sich. Ein Trick, der bis heute in Kupferstich-Werkstätten nachwirkt.

Das historische Schlüsseldatum für die Linienwerkzeuge liegt in Callots Florentiner Jahren (1612 bis 1621), als er eine schräg angeschliffene Nadel mit ovalem Querschnitt entwickelte: die Echoppe. Die Echoppe erzeugt schwellende Linien, die in Stärke variieren wie Linien eines Grabstichels, dabei aber die Flexibilität des Ätzprozesses behalten. Callot hatte die Grenze zwischen zwei Werkzeuglogiken verschoben. Seine zweite Innovation gehört in eine andere Sektion.

Callot hatte seine Echoppe. Für das, was Ludwig von Siegen 25 Jahre später erfand, hätte sie nichts geholfen.

Jemma Gunning ritzt mit der Radiernadel in eine Kupferplatte, Nahaufnahme der Ätzgrundschicht. Foto: Alex Sedgmond
Jemma Gunning bei der Arbeit mit der Radiernadel. Die Nadel ritzt nicht ins Metall, sondern in den Ätzgrund. Foto: Alex Sedgmond

Wie kommt das Schwarz auf eine Platte, die vorher blank war?

Beim Mezzotinto wird eine blanke Metallplatte zuerst vollständig aufgeraut, bis sie tiefschwarz druckt. Danach wird mit Schaber und Polierstahl Licht herausgearbeitet. Das Wiegeisen ist das Werkzeug, das diesen Ausgangszustand erzeugt.

Ludwig von Siegen entwickelte die Mezzotinto-Technik um 1642 in Amsterdam. Das Werkzeug, das sie ermöglichte, ist das Wiegeisen: eine halbmondförmige, gezähnte Stahlschneide auf einem langen Griff, die in parallelen Bahnen über die Platte gewippt wird und dabei ein gleichmäßiges Korn aufbringt.

Wer ein E.C. Lyons Wiegeisen bestellt, trifft eine Entscheidung über Toncharakter, bevor die erste Linie gezogen ist. Die Geräte sind 7 Zoll lang inklusive gebeiztem Birkenholzgriff, aus Hochkohlenstoffstahl, und kommen in vier Zahndichten: grob (45 Linien pro Zoll), mittel (65 und 85) und fein (100 Linien pro Zoll). Die Zahndichte entscheidet über das Korn: 45 LPI ergibt sichtbar gröberes Korn als 100 LPI, was gröbere Tonwertabstufungen bedeutet. Keine der vier Varianten ist besser, sie erzeugen schlicht verschiedene Toncharaktere.

Eine große Platte vollständig aufzurauen dauert 8 bis 12 Stunden. Das Wiegeisen wandert in konzentrischen Bahnen über die Fläche, schleift und zieht, ein gleichmäßiger Rhythmus mit dem Ziel, jede Stelle der Platte gleich oft zu treffen. Wer das erste Mal ein Wiegeisen in die Hand nimmt und die Platte nachher gegen das Licht hält, sieht, wie ungleichmäßig die erste Runde wirklich war. Tiefes Schwarz bedeutet gleichmäßiges Korn. Graue Stellen bedeuten: noch mal drüber.

Aus diesem aufgerauten Tiefwert heraus arbeiten zwei Gegenwerkzeuge. Der Schaber trägt aufgeraute Metallspitzen ab; er hat ein dreischneidiges Profil und entfernt Material in kontrollierbaren Graden: mehr abschaben ergibt hellere Töne. Der Polierstahl glättet die Oberfläche bis zur Spiegelglätte. Eine Stelle, die vollständig poliert ist, nimmt keine Farbe mehr an. Das ist das reinste Weiß, das Mezzotinto erreichen kann. Wiegeisen und Gegenwerkzeuge bilden zusammen einen Kreislauf: das eine baut Tonwerte auf, die anderen bauen sie ab.

Eine Variante in dieser Werkzeugfamilie ist die Roulette. Als Roulette der Druckgrafik dient sie zum kontrollierten Aufrauen: ein gezahntes Rädchen, das über die Platte rollt und ein gleichmäßiges Punktraster erzeugt. Das macht die Roulette zu einem Präzisionsinstrument zwischen Wiegeisen (das flächig aufrauht) und Schaber (der gezielt abträgt). Ihr Zwilling ist der Mattoir, ein Kopf mit nagelähnlichen Spitzen: das stumpfste der drei, es schlägt Vertiefungen in einem kleinen Flächenbereich auf einmal und produziert damit gröberes Korn als die Roulette. Gilles Demarteau nutzte Roulette und Mattoir in Paris, um die Crayon-Manier zu perfektionieren; sein erster Druck datiert auf 1759. Seine Drucke imitierten Kreide- und Rötelzeichnungen so überzeugend, dass Demarteaus Laden "La Cloche" auf der Rue de la Pelleterie ein europäisches Publikum anzog.

Alle bisherigen Werkzeuge arbeiten direkt am Metall. Zwischen Zeichnung und Säurebad liegt allerdings noch eine Schicht, die über das Ergebnis mitentscheidet.

Was liegt zwischen Zeichnung und Säurebad?

Zwischen der Idee und der geätzten Linie liegt der Ätzgrund. Diese Beschichtung auf der Kupferplatte entscheidet darüber, wie die Nadel schreibt und wie die Säure beißt, bevor ein einziger Strich permanent ist.

Der klassische Hartgrund (Vernis dur) besteht aus Wachs, Asphalt und Harz. Er wird warm aufgetragen und erhärtet beim Abkühlen zu einer stabilen Schutzschicht. Die Nadel schneidet durch ihn hindurch und legt das darunter liegende Kupfer frei. Was freiliegt, wird von der Säure angegriffen. Was bedeckt bleibt, nicht.

Sein Gegenstück ist der Weichgrund (Vernis mou). Er bleibt klebrig. Auf einen Weichgrund lässt sich Stoff, Papier, Blätter, Texturen jeder Art abdrücken; das Material nimmt die Grundschicht mit und hinterlässt den Abdruck im Ätzgrund. Fingerabdrücke bleiben, ein abgerolltes Tuch lässt überraschende Muster zurück, ein Blatt Papier drückt seine Maserung ins Kupfer. Das ist nicht Fehler, das ist Vernis mou.

Der Tampon ist das Auftragsinstrument: er trägt den Ätzgrund gleichmäßig auf die Platte auf, ohne Luftblasen, ohne Dickenschwankungen. Die Gleichmäßigkeit ist entscheidend: ein ungleichmäßiger Grund bedeutet ungleichmäßigen Ätzbiss.

Das Aufreiben nach dem Druck ist Sache des Tarlatans: ein gestärktes Baumwollgewebe, das die überschüssige Druckfarbe von der Platte wischt, dabei aber die Farbe in den geätzten Linien belässt. Das billigste und unromantischste Werkzeug im ganzen Prozess. Kein Hersteller wirbt damit. Ohne es gibt es keinen sauberen Druck.

Hier schließt sich Callots zweite Innovation. Um 1617, während seiner Florentiner Jahre, ersetzte Jacques Callot den damals üblichen Wachsgrund durch einen Lautenbauerlack auf Basis von Mastix und Leinöl. Dieser Lack erlaubte tieferes Ätzen und reduzierte den "Außerbiss", bei dem die Säure seitlich unter den Ätzgrund kriecht und die Linien unscharf macht. Abraham Bosse verbreitete Callots Innovationen ab 1645 in seiner Abhandlung durch ganz Europa. Dasselbe Grundprinzip gilt für die Aquatinta: dort wird Kolophoniumstaub aufgeschmolzen statt Lack aufgetragen, aber die Funktion als Säureschutz ist dieselbe.

Alle bisherigen Werkzeuge arbeiten an Metall. Im Hochdruck dreht sich das Material um: Holz, Linoleum. Und Werkzeuge, die nicht ritzen, sondern schneiden.

Warum schneidet ein Holzschneider weg, was er nicht zeigen will?

Beim Hochdruck drucken die erhabenen Flächen, nicht die vertieften. Was weg sein soll, muss raus. Holzschnitt-Werkzeuge denken in der Umkehrung.

Das V-Eisen schneidet eine V-förmige Rille in Holz oder Linoleum (Linolschnitt): schmale, scharfe Linien, die im Druck weiß erscheinen. Das U-Eisen (auch Hohleisen) räumt breitere Flächen aus, erzeugt weichkantigere Vertiefungen, größere Freistellen. Zum Drucken wird die erhabene Fläche mit einer Handwalze (Brayer) eingefärbt, bevor der Block auf das Papier gedrückt oder die Druckpresse angesetzt wird.

Wer diese Werkzeuge auf einem Holzblock in Längsrichtung benutzt, spürt die Maserung. Sie lenkt die Klinge, gibt Widerstand in bestimmte Richtungen, reagiert auf das Korn des Holzes. Thomas Bewick machte aus diesem Widerstand eine Wissenschaft, indem er ihn beseitigte: Er drehte den Block um 90 Grad, schnitt nicht entlang der Fasern, sondern in das Hirnholz, die Stirnfläche des Stammes. Hirnholz ist in alle Richtungen gleich hart, hat keine Maserungsrichtung, die die Klinge ablenkt. Der umgedrehte Holzklotz klingt nach einer nebensächlichen Anpassung. Er erlaubte einen Holzstich, der feinere Linien produzierte als jeder Schnitt ins Langholz. Bewick (1753 bis 1828) legte damit den Grundstein für den Holzstich (Holzschnitt auf Hirnholz).

Richard Studer arbeitet in dieser Tradition: Holzstich auf Buchsbaum-Hirnholz, Albion-Presse. Sein Stichel liegt auf einem Lederkissen, das sich mitdreht, wenn die Platte gedreht wird. Schongauers Idee, die Platte zu drehen statt das Werkzeug, lebt im Holzstich weiter. Pfeil Swiss Made Schnitzmesser für den Holzstich werden auf Rc 58 bis 60 gehärtet, aus legiertem Werkzeugstahl. Wer einmal mit einer schlecht gehärteten Klinge in Buchsbaum gearbeitet hat, versteht warum dieser Wert existiert: Buchsbaum ist eines der härtesten europäischen Hölzer, weich gehärteter Stahl stumpft in der ersten Stunde ab.

Rod Nelsons "Falls" und Richard Studers "An Engraver's Alphabet" beweisen es: jeder helle Strich war einmal ein Schnitt.

Holz und Linoleum haben Widerstand. Der Lithografie-Stein hat keinen. Das nächste Werkzeug ist kein Messer, sondern ein Fettstift.

Holzstich-Werkzeuge von Richard Studer: Stichel mit Holzgriffen auf Lederkissen, gravierter Buchsbaum-Block, Farbflasche
Richard Studer, Holzstich-Werkzeuge: Stichel auf Lederkissen, daneben ein gravierter Buchsbaum-Block.
Inga Eicaite: Geschnitzte Holzblöcke und japanisches Baren neben Druckpaste, Holzschnitt-Werkzeuge
Inga Eicaite, Holzschnitt-Werkzeuge: geschnitzte Blöcke und ein japanisches Baren zum Reibedruck.

Was ist ein Werkzeug, wenn nichts geschnitten und nichts geätzt wird?

Bei der Lithografie ist das Zeichenwerkzeug gleichzeitig das Druckwerkzeug. Beim Siebdruck ist die Rakel die simpelste Konstruktion im ganzen Prozess. Die Einstellung ist es nicht.

Lithografie arbeitet auf dem Prinzip, dass Fett und Wasser sich abstoßen. Die Lithografie-Kreide und die Lithografie-Tusche sind fetthaltige Zeichenwerkzeuge, die auf dem nassen Kalkstein aufgetragen werden. Kein Schneideweg, kein Ätzweg. Die Kreide schreibt auf dem Stein wie auf Papier, nur dass der Stein die fettigen Spuren dauerhaft bindet und später beim Druck Farbe genau dort annimmt, wo gezeichnet wurde. Es gibt keinen Schneidwiderstand. Der Fettstift gleitet über den nassen Stein.

Im Siebdruck wird das Zeichenwerkzeug durch eine Schablone ersetzt. Das eigentliche Druckwerkzeug ist die Rakel: eine Klinge aus festem Gummi oder Polyurethan, die Farbe durch das Siebgewebe auf den darunter liegenden Träger presst. Für unebene Oberflächen werden weichere Varianten eingesetzt, die sich der Oberfläche anpassen, für feinere Gewebe härtere, die präziser durchpressen. Die Rakel ist das physisch simpelste Werkzeug im Druckgrafik-Inventar: eine Klinge mit einem Griff. Aber sie arbeitet nicht mit Substanzabtrag oder Substanzauftrag, sie presst Materie durch eine Maske. Ein komplett anderes physikalisches Prinzip.

Das Kontrastpaar: Lithografie-Kreide malt auf einen Träger, der dann Farbe annimmt und abgibt. Rakel presst Farbe durch eine Öffnung. Hier liegt die Grenze zwischen Werkzeug und Material, die bei der Lithografie verschwimmt: die Kreide ist Material und Werkzeug in einem.

Jedes Werkzeug hinterlässt physische Spuren auf dem Druckträger, die kein digitaler Reproduktionsprozess vollständig replizieren kann. Wer wissen will was das für ein Werk bedeutet, das er an die Wand hängt, findet auf Original vs. Kunstdruck die Unterschiede im Detail.

Zurück nach St Ives

Trevor Price steht wieder vor seinen Holzblöcken und Polycarbonat-Platten in St Ives. Dieselbe Aufzählung von vorhin: "Meißel, Klingen, Elektrowerkzeuge". Jetzt ist sie lesbar.

Meißel: Hochdruck-Logik. Holzblock, wegschneiden was nicht drucken soll. Klingen: je nach Kontext Tiefdruck oder Hochdruck, direkt ins Material oder in den Ätzgrund. Elektrowerkzeuge: Dremel, Fräser, Körner, Schleifscheiben. Werkzeuge, die Price auf Polycarbonat einsetzt, ein Material das weder Holz noch Metall ist, das aber auf einem Tiefdruck-Prinzip bedruckt werden kann.

Vier Stationen gelten als Kategorien. Price behandelt sie als Entscheidungen. Wenn er einen Dremel über eine Polycarbonat-Platte führt, ritzt das Werkzeug wie eine Kaltnadel, aber das Material reagiert wie Holz: kein Metallgrat, kein Säurebad, stattdessen ein eigener Widerstand. Das Ergebnis druckt im Tiefdruck-Verfahren, obwohl kein klassisches Tiefdruck-Werkzeug beteiligt war.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Radiernadel und Kaltnadel?

Die Radiernadel ritzt in einen Ätzgrund auf der Kupferplatte, nicht ins Metall selbst. Die Säure übernimmt danach das Ätzen. Die Kaltnadel ritzt direkt ins Kupfer, ohne Ätzgrund, ohne Säure. Dadurch entsteht an den Linienrändern ein aufgeworfener Metallgrat (Barbe), der beim Drucken besonders viel Farbe aufnimmt. Barbe-Linien wirken samtiger und weicher als geätzte Linien, nutzen aber schneller ab.

Was macht ein Wiegeisen, und warum braucht Mezzotinto 8 bis 12 Stunden?

Das Wiegeisen rauht eine blanke Kupferplatte vollständig auf, bis sie gleichmäßig tiefschwarz druckt. Das Ziel ist ein homogenes Korn über die gesamte Fläche. Bei einer großen Platte bedeutet das 8 bis 12 Stunden konzentriertes Wippen in parallelen Bahnen, immer kreuzweise, bis keine grauen Stellen mehr übrig sind. Danach wird mit Schaber und Polierstahl Licht herausgearbeitet. Mezzotinto ist eines der wenigen Druckverfahren, das von Schwarz nach Weiß arbeitet statt umgekehrt.

Was ist der Grabstichel, und wie unterscheidet er sich von einer Radiernadel?

Der Grabstichel schneidet direkt in die Metallplatte, ohne Ätzgrund, ohne Säure. Er hat einen V-förmigen oder linsenförmigen Querschnitt und erzeugt saubere, scharfkantige Linien. Eine Radiernadel arbeitet mit Ätzunterstützung: Sie ritzt nur in den Schutzlack, die Linientiefe bestimmt die Säure. Grabstichel-Linien sind präziser kontrollierbar, erfordern aber mehr physische Kraft und Übung.

Was macht die Rakel beim Siebdruck?

Die Rakel ist eine Klinge aus Gummi oder Polyurethan, die Farbe durch das Siebgewebe auf den darunter liegenden Träger presst. Weichere Varianten passen sich unebenen Oberflächen an, härtere pressen präziser durch feinere Gewebe. Im Gegensatz zu allen Tiefdruck- und Hochdruck-Werkzeugen trägt die Rakel kein Material ab und bringt keinen Abdruck von sich selbst in die Platte. Sie ist reines Druckwerkzeug.

Warum hat Thomas Bewick den Holzklotz um 90 Grad gedreht?

Langholz hat eine Maserungsrichtung, die die Klinge beim Schneiden lenkt. Hirnholz, die Stirnfläche des Stammes, hat in alle Richtungen dieselbe Härte, weil die Fasern quer angeschnitten sind. Bewick (1753 bis 1828) nutzte diese Eigenschaft, um mit Stichel-Werkzeugen feinstmögliche Linien in alle Richtungen zu schneiden, ohne dass das Material widerstand. Holzstiche erreichen damit eine Detailauflösung, die dem Kupferstich nahekam und für die Massenproduktion von Buchillustrationen ausreichte.

Was ist Roulette Druckgrafik?

Die Roulette ist ein spezialisiertes Werkzeug der Druckgrafik: ein gezahntes Rädchen, das beim Rollen über eine Druckplatte ein gleichmäßiges Punktraster erzeugt. In der Mezzotinto-Tradition wird sie gezielt eingesetzt, um bestimmte Bereiche einer Platte aufzurauen, ohne die volle Fläche mit dem Wiegeisen zu bearbeiten. Die Crayon-Manier, die in den 1750er Jahren in Paris entstand, verwendete Roulette und Mattoir, um Zeichenspuren in der Druckplatte zu simulieren.

Welche Werkzeuge brauche ich für einen ersten Linolschnitt?

V-Eisen für feine Linien, U-Eisen für breitere Freistellen, ein Schnitzmesser für freie Formen. Linoleum ist weicher als Holz und verzeiht das eine oder andere Abrutschen. Pfeil Swiss Made oder ähnliche Qualitätswerkzeuge halten schärfer als günstige Sets, Das macht einen spürbaren Unterschied. Zum Drucken reicht ein Löffel oder ein japanisches Baren, du brauchst keine Presse.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Encyclopaedia Britannica, Artikel Printmaking und Mezzotint
  • Encyclopaedia Britannica, Biografie Thomas Bewick
  • E.C. Lyons, Produktkatalog Wiegeisen und Grabstichel
  • Crown Point Press (magical-secrets.com), Druckgrafik-Prozessdokumentation
  • Pfeil Swiss Made, Werkzeugspezifikationen (via Woodcraft)

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

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