Druckpressen

Druckpressen sind keine neutralen Reproduktionsgeräte. Sie diktieren das Druckprinzip, und das Druckprinzip bestimmt den Charakter des Bildes. Wer versteht, warum eine Tiefdruckpresse 870 Kilogramm wiegen kann, während ein Hochdruck-Tischmodell mit 36 Kilogramm auskommt, versteht, warum eine Radierung anders aussieht als ein Holzschnitt.

Auf dem Messingschild von Richard Studers Albion-Druckpresse steht "H.W. CASLON & CO / HOPKINSON'S / No. 4257". Messing, auf Gusseisen gegossen. Diese Druckpresse lässt sich durch Quervergleich mit datierten Schwestermodellen auf ca. 1863 bis 1865 eingrenzen, wobei kein offizielles Seriennummern-Register existiert. Studer druckt auf ihr. Holzstichblöcke auf dem Pressbett, Hände am Hebel. Eine Maschine aus der Mitte des 19. Jahrhunderts als Tageswerkzeug.

Wie kommt das? Und warum braucht ein Holzstich-Drucker überhaupt eine andere Maschine als ein Radierer? Wer zuerst die Werkzeuge der Druckgrafik verstehen will, bevor es um die Pressen geht, fängt dort an.

Warum braucht ein Holzschnitt eine andere Maschine als eine Radierung?

Beim Holzschnitt liegt die Farbe oben. Der Druckstock wird eingefärbt, Papier aufgelegt, gedrückt. Die druckenden Stellen sind die erhabenen Flächen; was geschnitzt wurde, druckt nicht. Das nennt man Hochdruck. Für diesen Kontaktdruck reicht verhältnismäßig wenig Gewicht: Eine Abig Walzenpresse, die für Hochdruck eingesetzt wird, bringt 36 Kilogramm auf die Waage, entwickelt dabei aber eine Druckkraft von rund 1.000 Kilogramm. Dasselbe Prinzip gilt für den Linolschnitt.

Messingschild auf Richard Studers historischer Albion-Presse: H.W. Caslon & Co, Hopkinson's, No. 4257, Messing auf Gusseisen.
Das Messingschild auf Studers Albion-Presse: "H.W. Caslon & Co / Hopkinson's / No. 4257". Die Presse lässt sich auf ca. 1863 datieren.

Bei der Radierung funktioniert das Gegenteil. Die Farbe sitzt in den geätzten Vertiefungen der Platte. Um sie herauszuholen und ins Papier hineinzupressen, muss feuchtes Büttenpapier tief in die Vertiefungen der Platte gepresst werden. Dafür braucht man deutlich mehr Kraft als beim Kontaktdruck. Eine mittlere Atelierpresse wie die Breisch-Atelierpresse wiegt rund 250 Kilogramm, die Takach 4896, das größte Studiomodell, bringt 870 Kilogramm auf die Waage.

Das Gewicht folgt der Mechanik. Eine Tiefdruckpresse, ob Radierpresse oder Intaglio-Atelierpresse, muss genug Kraft aufbringen, um das Papier tatsächlich in die Gravur zu zwingen. Konstruktionslogik, nicht Zufall.

Noch deutlicher wird das beim Vergleich mit dem Siebdruck. Dort braucht man gar keine mechanische Presse. Die Farbe wird mit einer Rakel durch ein feinmaschiges Gewebe gestrichen, Sieb und Bedruckstoff liegen flach aufeinander. Der Druck kommt aus dem Arm, nicht aus einer Maschine. Vier Druckprinzipien, vier vollständig verschiedene Mechaniken.

Ein für die Praxis wichtiger Fakt: Die Handhebeldruckpresse, der direkteste Vertreter der Hochdruck-Klasse, leistet nach gängiger Einschätzung nur Hochdruck. Die Walzenpresse kann beides. Das liegt am Mechanismus.

Der Kniehebel der Albion-Presse folgt einer einfachen Mechanik: zwei durch Gelenke verbundene Hebelteile, ähnlich Ober- und Unterschenkel mit Kniegelenk. In der Streckung des Gelenks baut er kurzzeitig enormen Druck auf, genau in dem Moment, wenn Papier und Druckstock aufeinandertreffen. Die Walzenpresse dagegen erzeugt ihren Druck durch das Gewicht der Walze und die eingestellte Spannung: Das Papier wandert mit der Platte unter der Walze durch, und der konstante Liniendruck zieht die Farbe aus den Vertiefungen. Für Kaltnadelradierung und verwandte Tiefdrucktechniken ist genau diese Walzenmechanik entscheidend. Das Zusammenspiel von Hochdruck und Tiefdruck erklärt, warum beide Pressentypen trotz gleicher Grundaufgabe so verschieden gebaut sind.

Zwischen Walzenpressbett und Papier liegen drei Lagen Wollfilz: 1/16 Zoll Sizing Catcher, 1/8 Zoll Woven Pusher, 1/4 Zoll Cushion. Diese drei Lagen sind nicht Polsterung, sondern Mechanik: Der Cushion gibt nach, der Pusher überträgt Druck gleichmäßig, der Sizing Catcher fängt den feuchten Papierrand.

Bronwen Sleigh dreht das Speichenrad einer Intaglio-Druckpresse, körperlicher Einsatz beim Tiefdruck.
Bronwen Sleigh an der Ätzpresse. Tiefdruck braucht Körperkraft: Das Speichenrad treibt die Walze, die das Papier in die Gravur presst.

Wer hat die erste Presse für sechs Gulden gebaut?

In den Jahren 1797 oder 1798 baut Alois Senefelder in München eine Druckpresse aus Holz. Ein Zimmermann hatte sie gefertigt. Kostenpunkt: sechs Gulden. Senefelder beschreibt sie in seinem 1818 erschienenen Lehrbuch: sehr grob gearbeitet, Zimmermannarbeit, aber sie hatte nur sechs Gulden gekostet, und man konnte damit sehr hübsche Abzüge vom Stein machen. Die Stangenpresse, die heute im Deutschen Museum in München steht und seiner frühen Werkstatt zugeschrieben wird, misst mit Pedal 2.880 x 2.730 x 1.100 Millimeter, wiegt 168 Kilogramm, und schaffte mit zwei Arbeitern 1.200 Abzüge täglich.

Intaglio-Radierung B_o5 von Inga Eicaite, haardünne Linien auf Schwarz, nur durch den extremen Walzendruck einer Tiefdruckpresse realisierbar.
Inga Eicaite, B_o5, Intaglio. Linien dieser Feinheit entstehen nur unter dem Walzendruck einer Tiefdruckpresse.

Der Weg von der Holzpresse zur Gusseisenmaschine dauerte fast vier Jahrhunderte. Etwa um 1450 adaptierte Johannes Gutenberg in Mainz die Weinkelter, eine Spindelpresse mit senkrecht wirkender Schraubenkonstruktion, für den Buchdruck. Um 1800 baute Charles Stanhope die erste vollständig eiserne Handdruckpresse, gefertigt von Robert Walker in London. Ihr Vorteil war messbar: Die Stanhope-Presse steigerte den Output von etwa 200 auf rund 250 Seiten pro Stunde mit zwei Arbeitern.

1814 folgte George Clymers Columbian-Presse, erstmals im April desselben Jahres inseriert. Das Pressengewicht: rund 1.500 Kilogramm. Auf dem Haupthebel saß ein gusseiserner Adler als Gegengewicht, der nach dem Druck den Tiegel automatisch zurückhob. Das Gewicht des Adlers: etwa 23 Kilogramm. Eine Columbian-Presse von ca. 1824 steht heute im Gutenberg-Museum in Mainz.

Dann kam Richard Whittaker Cope. Um 1820, in London, entwickelte er die Albion-Presse mit einem einfachen Kniehebel-Mechanismus. Im Gegensatz zu den aufwendigen Hebelsystemen der Columbian- und der Stanhope-Presse braucht die Albion nur eine Bewegung: ziehen, Kniehebel streckt sich, Druck entsteht, Tiegel hebt sich. Nach Copes Tod um 1828 übernahm die Familie Hopkinson die Fertigung. Die Presse mit der Seriennummer 4257 lässt sich durch Vergleich mit dokumentierten Schwestermodellen auf ca. 1863 bis 1865 eingrenzen: Seriennummer 3714 ist für 1859 belegt (Museum Victoria Melbourne), Nummer 3897 für 1860 (John Rylands Library Manchester). No. 4257 liegt rund 360 Nummern über dem 1860er Wert.

Cope starb um 1828. Seine Presse überlebte ihn um fast zweihundert Jahre.

Senefelders Flachdruck brauchte eine eigene Pressenmechanik. Keine Vertiefungen, keine erhabenen Flächen, sondern eine chemische Reaktion auf der Steinoberfläche. Der Druck muss gleichmäßig sein, nicht punktuell stark. Die Stangenpresse der ersten Generation arbeitete mit einem Reiber, der über die Steinoberfläche glitt. In dieser Tradition standen später die großen Werkstätten: Lithografie-Drucker wie Mourlot in Paris, 1852 gegründet, wo zwischen 1945 und 1969 über 400 Lithografien von Picasso entstanden. Ganz anders der Kupferstich, der als früher Vertreter des Tiefdrucks auf dieselbe Walzenmechanik setzte wie die spätere Radierung.

Jemma Gunning hält einen frischen Radierungsdruck vor die Ätzpresse, das Sternrad der Presse links im Bild. Foto: Alex Sedgmond.
Jemma Gunning am Pressenrad. Der erste Abzug nach Wochen der Plattenarbeit ist der Moment, in dem die Presse ihr Urteil spricht. Foto: Alex Sedgmond.

Was passiert mit einem Bild, wenn die Presse den Druck verändert?

Am 25. und 26. Juli 1656 nimmt das Amsterdamer Insolvenzgericht das Inventar von Rembrandts Werkstatt auf. Unter den Gegenständen des Ateliers verzeichnet das Inventar zwei Pressen: eine aus Eichenholz, eine aus Palisander. Ob es sich um Druckpressen handelte und ob Rembrandt sie besaß oder nur nutzte, ist unter Historikern umstritten. Falls es Tiefdruckpressen waren, wären zwei Pressen für dieselbe Technik keine Platzverschwendung, sondern Werkzeuglogik: verschiedene Druckqualitäten, verschiedene Papiere, verschiedene Zustände eines Blattes brauchen unterschiedliche Einstellung der Presse.

Falls die Pressen der Druckgrafik dienten, war die Druckpresse für Rembrandt kein neutrales Reproduktionsgerät. Er druckte absichtlich mit unterschiedlichem Druck, auf verschiedenem Papier, in verschiedenen Zustands-Abzügen. Feuchtes Künstlerpapier gibt unter dem Walzendruck nach und nimmt die Farbe anders auf als trockenes. Der erste Probedruck vom frischen Arbeitsstand der Platte ist ein eigenes Bild. Der fünfte Zustand desselben Blatts ist ein anderes.

Der Druckgrafiker Trevor Price, der seit über dreißig Jahren Hochdruck- und Tiefdruckplatten bearbeitet, beschreibt den Spannungsmoment des ersten Abzugs: Bei größeren Werken können leicht zwei oder mehr Monate Plattenarbeit vergehen, bevor der erste Druck entsteht, und da es kaum Spielraum für Fehler gibt, kann dieser erste Probedruck ein angespannter Moment sein ("it can easily take two or more months of platemaking with the larger works before the first print is taken, and with little room for error this first proof can be an anxious moment").

Das gilt für den Holzstich genauso wie für die Radierung. Die Druckpresse diktiert, welches Druckprinzip möglich ist, und das Druckprinzip bestimmt den Charakter des Bildes. Haardünne Intaglio-Linien, wie sie Inga Eicaite in ihren Tiefdruckarbeiten zieht, entstehen durch den extremen Walzendruck einer Tiefdruckpresse. In dieser Feinheit ist diese Linie ein Ergebnis des Tiefdruckprinzips.

Rembrandts Pressen sind verloren. Die Drucke, die sie gemacht haben, hängen in Museen weltweit.

Bronwen Sleigh positioniert eine eingefärbte Kupferplatte auf dem Pressbett einer Intaglio-Druckpresse, Walzen und Filzdecken sichtbar.
Kupferplatte auf dem Pressbett: Bronwen Sleigh bereitet den Walzendurchgang vor. Zwischen Platte und Papier liegen drei Lagen Wollfilz.

Wer stellt sich heute eine 870-Kilo-Maschine ins Atelier?

Eine Schwestermaschine zu Studers Albion steht im Museum Victoria in Melbourne. Das dokumentierte Hopkinson-Modell No. 3714 von 1859 misst 900 x 500 x 1.600 Millimeter gesamt, das Pressbett 480 x 370 x 20 Millimeter, das Bett liegt 960 Millimeter über dem Boden. Eine Tischpresse, die man in einem Druckwerkraum verstauen kann, ohne dass sie den Raum übernimmt.

Die Takach 2648, das mittlere Modell in der aktuellen Produktionslinie, wiegt 367 Kilogramm, hat ein Pressbett von 48 Zoll Länge und Walzen mit einem Außendurchmesser von 10,75 Zoll.

Studers Albion-Presse steht in seiner Werkstatt. Die Presse läuft. Der Geruch der frischen Druckfarbe hängt im Raum, die Finger sind schwarz, bevor der erste Abzug trocken ist.

Wer selbst an historischen Pressen arbeiten will, findet im Druckwerkstätten-Atlas zugängliche Werkstätten. Das Museum für Druckkunst Leipzig bewahrt rund 100 funktionierende Maschinen und Pressen, von Gutenbergs Zeitgenossen bis zu industriellen Schnellpressen. Die meisten sind älter als die Gebäude, in denen sie stehen. Was dort läuft, erklärt die vier Druckprinzipien besser als jeder Text.

Antonia Rebers Siebdruck zeigt das andere Ende des Spektrums. Der Siebdruck braucht kein Pressengewicht. Reber zieht die Rakel mit beiden Händen über das Sieb, der Druck kommt aus dem Körper, nicht aus Gusseisen.

Antonia Reber zieht die Rakel mit beiden Händen über das Sieb ihrer Siebdruckpresse, der Druck kommt aus dem Körper.
Antonia Reber am Siebdrucktisch. Der Siebdruck braucht keine mechanische Presse: Die Kraft kommt aus dem Arm, die Farbe durch das Gewebe.

In Leipzig stehen hundert Maschinen, die noch laufen. Dass sie weiterlaufen, steht nicht in Frage. Gusseisen hält, der Kniehebel hat kaum Verschleißteile.

Wer weiß heute noch, wie man sie einstellt? Druckkraft, Walzenabstand, Filzspannung: Die Druckvariablen einer 870-Kilogramm-Tiefdruckpresse lernt man nicht aus einer Bedienungsanleitung. Das ist Werkstattwissen, mündlich weitergegeben, von einer Druckergeneration an die nächste. Was passiert, wenn die letzte Generation aufhört, die diese Maschinen von innen kennt?

Das Messingschild auf Studers Presse zeigt noch immer die Nummer 4257.

Richard Studer, Hear My Roar, Holzstich, gedruckt auf einer historischen Albion-Presse.
Richard Studer, Hear My Roar, Holzstich. Gedruckt auf der Albion-Presse No. 4257.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen einer Walzenpresse und einer Kniehebelpresse?

Eine Walzenpresse erzeugt Druck durch das Gewicht einer schweren Stahlwalze, die kontinuierlich über Platte und Papier läuft. Dieser Liniendruck eignet sich für Tiefdruck und Hochdruck. Eine Kniehebelpresse wie die Albion-Presse baut Druck durch einen Kniegelenk-Mechanismus auf, vergleichbar mit dem Streckreflex eines Knies: kurzer Kraftimpuls, dann Entlastung. Sie druckt nur Hochdruck, dafür sehr präzise.

Wie viel wiegt eine Tiefdruckpresse?

Das hängt vom Modell ab. Eine mittlere Atelierpresse wie die Breisch-Walzenpresse wiegt rund 250 Kilogramm. Professionelle Intaglio-Pressen wie die Takach 4896 bringen 870 Kilogramm auf die Waage. Das Gewicht ist keine Überingenieurung, sondern notwendig: Die Druckkraft muss das Papier in die Vertiefungen der Platte zwingen, ohne die Platte zu verbiegen.

Kann man einen Holzschnitt auf einer Tiefdruckpresse drucken?

Eine Walzenpresse kann sowohl Hoch- als auch Tiefdruck. Viele Ateliers drucken Holzschnitte auf ihrer Walzenpresse, weil sie sowieso vorhanden ist. Die Kniehebelpresse eignet sich dagegen nur für Hochdruck, also Holzschnitt und Linolschnitt, nicht für Radierung.

Braucht Siebdruck eine Presse?

Nein. Beim Siebdruck wird Farbe mit einer Rakel durch ein gespanntes Gewebe gestrichen. Der Druck kommt aus dem Arm, nicht aus einer Maschine. Das ist der konstruktive Grund, warum Siebdruck als eigenes Druckprinzip gilt und nicht unter Hoch- oder Tiefdruck fällt.

Was ist eine Albion-Presse?

Die Albion-Presse wurde um 1820 von Richard Whittaker Cope in London entwickelt. Ihr Kniehebel-Mechanismus unterscheidet sie von den komplexeren Hebelsystemen der Stanhope- und Columbian-Pressen. Sie war einfacher herzustellen, robuster im Betrieb, und gehört bis heute zu den verbreitetsten manuellen Hochdruckpressen in europäischen Werkstätten und Museen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Deutsches Museum München, Sammlungskatalog Senefelders Stangenpresse
  • International Printing Museum, Stanhope Press Collection
  • Museum Victoria Melbourne, Hopkinson & Cope Albion Press No. 3714 (Katalog-Eintrag ST 38530)
  • Takach Press Co., Floor Model Etching Press Specifications
  • Alois Senefelder, Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey (1818)

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

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