David Hockney

David Hockney ist vor allem als Maler bekannt. Die Pool-Gemälde, das blaue Kalifornien, A Bigger Splash. Was wenige wissen: Er hat als Drucker angefangen, nicht als Maler. Bradford, 1954, Lithografie-Unterricht an der Kunstschule. Druckgrafik war nicht sein Nebenprojekt. Sie war sein erster Instinkt.

Bradford, 1954. Ein siebzehnjähriger Schüler der Bradford School of Art zieht Kreide über einen Kalkstein. Das Ergebnis heißt "Fish and Chip Shop." Nicht malend. Druckend.

David Hockney hat nie aufgehört, so zu denken. Was in diesem Moment beginnt, trägt er sein Leben lang mit sich: die Praxis, dass ein Bild nicht gemalt werden muss, um zu existieren.

A Rake's Progress, 16 Radierungen, entstand ab 1961 in New York. Sechs Jahre bevor A Bigger Splash ihn als Maler berühmt machte. In den Jahren dazwischen druckte er Selbstporträts auf Kupfer, lernte Sugar-Lift-Aquatinta im Atelier von Picassos Meisterdruckern, und produzierte mit Paper Pools eine der ungewöhnlichsten Serien der Nachkriegszeit: handgeschöpftes Papier, coloriert, nass zusammengelegt.

Wenn die meisten Leute "Hockney" hören, sehen sie Wasser. Das stimmt. Nur das Medium haben sie falsch.

Wie begann David Hockneys Druckgrafik?

Nach Bradford folgte das Royal College of Art in London, wo Hockney 1959 eintraf. Dort entstand der Kontakt zu Editions Alecto, einem der wichtigsten Druckverlage der britischen Nachkriegszeit. Die erste große Arbeit aber kommt von einer Reise: 1961 fährt Hockney das erste Mal nach New York. Er ist Brite, jung, homosexuell, noch nicht berühmt. Die Stadt ist beides: fremd und befreiend.

Die 16 Radierungen von A Rake's Progress entstehen zwischen 1961 und 1963. Jedes Blatt misst 15½ × 22½ Zoll. Die Edition: 50 Exemplare. Technik: Radierung kombiniert mit Aquatinta, einer Methode, die feine Tonwerte durch geätzte Flächen erzeugt statt durch Linien.

Was die Serie ungewöhnlich macht: Der Protagonist trägt Hockneys Erkennungszeichen, gebleichtes Haar, runde Brille. Hockney druckt sich selbst, in einer neuen Welt, auf Papier das er mit einer Stichel-Nadel geritzt hat.

Die Radierung liefert die Präzision für Gesicht und Haltung; die Aquatinta setzt Grauflächen, die keine Malerei imitieren.

Was macht A Rake's Progress zu Hockneys erster Selbsterfindung?

Hogarths Kupferstich-Serie A Rake's Progress aus dem Jahr 1735 erzählt den moralischen Verfall eines Erben in acht Blättern. Sie war im 18. Jahrhundert eines der bekanntesten druckgrafischen Werke Englands. Hockney nimmt den Titel, behält die Idee der episodischen Erzählung in Drucken, und macht daraus etwas vollständig anderes.

Wo Hogarth Moral belehrt, beschreibt Hockney Erfahrung. Sein Protagonist kommt nicht als Warnung, sondern als Reisender an. Die 16 Blätter folgen keiner Verfall-Logik; sie folgen einem Erkenntnisprozess. New York 1961 ist ein Ort, an dem man herausfinden kann, wer man ist, besonders wenn man in England noch nicht weiß, ob man sich zeigen darf.

Das technische Fundament: Editions Alecto verlegte die Serie in Zusammenarbeit mit dem Royal College of Art. Hockney hat 1961–63 sechzehn autobiografische Blätter gedruckt, sechs Jahre bevor A Bigger Splash ihn als Maler berühmt machte. Diese frühen Arbeiten sind kaum bekannt, aber sie sind der Anfang von allem. Während Teile seines Jahrgangs am Royal College sich an der amerikanischen Pop Art orientierten, druckte Hockney Autobiografie.

Warum ist das Cavafy-Portfolio ein politisches Statement?

Konstantinos Kavafis war ein griechisch-ägyptischer Dichter, der von 1863 bis 1933 in Alexandria lebte. Er schrieb offen über homosexuelle Liebe zu einer Zeit, in der das in England strafbar war. Hockney las ihn als Student.

1966 und 1967 entstehen 12 Radierungen zu Gedichten des Cavafy-Portfolios. Verleger ist erneut Editions Alecto. Drucker ist Maurice Payne, der später auch an The Blue Guitar arbeiten wird. Die Blätter verbinden Kavafis' griechische Welt mit Hockneys eigener: Männer in antiker und zeitgenössischer Umgebung, ohne Erklärung, ohne Entschuldigung.

Das Datum der Publikation: 1967. Im selben Jahr verabschiedete das britische Parlament den Sexual Offences Act, der Homosexualität zwischen Männern über 21 Jahren teilweise entkriminalisierte. Ob das Zusammenfallen bewusst geplant war oder Zufall, lässt sich nicht belegen. Erscheinen und Gesetz liegen im selben Jahr. Das reicht, um die Blätter als politisches Dokument zu lesen.

David Hockneys Radierung funktioniert hier nicht als Technik-Demonstration. Sie ist ein Kommentar zu einer Welt, die gerade dabei ist zu entscheiden, ob sie sich verändert.

Was lernte Hockney bei Crommelynck in Paris?

1973 fährt Hockney nach Paris, ins Atelier Crommelynck. Aldo und Piero Crommelynck waren die Meisterdrucker von Pablo Picasso von 1963 bis zu seinem Tod 1973. Die Werkstatt war eine der technisch avanciertesten Europas. Wer dort arbeitete, lernte nicht nur Technik. Er lernte wie Picasso dachte.

Aldo Crommelynck hatte die Sugar-Lift-Aquatinta über Jahre vor allem mit Picasso eingesetzt. Die Technik erlaubt es, Pinselspuren direkt auf die Kupferplatte zu übertragen, anstatt nur mit Nadeln zu arbeiten. Hockney übernahm sie in Paris. "Aldo Crommelynck taught me marvellous technical things about etching", sagte er später.

Was Hockney aus den Jahren ab 1973 mitnahm, ist The Blue Guitar (1976–77). 20 Radierungen und Aquatintas, je Blatt von zwei Kupferplatten gedruckt (34,5 × 42,5 cm je Platte), fünf Farben zur Auswahl: Rot, Gelb, Blau, Grün, Schwarz. Hockneys Werk ab den späten 70ern ist bis heute eine der populärsten Referenzen für bunte Kunst aus der Druckgrafik. Das Papier: Inveresk mould-made paper aus Somerset, England. Auflage: 200 nummerierte Exemplare plus 35 Artist's Proofs in römischen Ziffern. Veröffentlicht Oktober 1977 von Petersburg Press, London und New York.

Die Inspirationsquelle war ein Gedicht. Henry Geldzahler, Hockneys langjähriger Freund, machte ihn 1976 mit Wallace Stevens' Gedicht "The Man with the Blue Guitar" (1937) bekannt, das seinerseits von Picassos Gemälde The Old Guitarist (1903–04) ausging. Hockney las Stevens, sah Picasso, und druckte seinen eigenen Kommentar: 20 Blätter, in denen Figuration und Abstraktion dasselbe Bild bevölkern.

Die Lithografie hatte er für Wasser gewählt. Für Picasso wählte er die Radierung. Beide Entscheidungen sind inhaltliche Aussagen, keine technischen Zufälle. Mehr zur Sugar-Lift-Technik gibt es auf der Aquatinta-Seite.

Warhol wählte in denselben Jahren den Siebdruck: flächig, reproduzierbar, laut. Hockneys Radierung stand Warhols Siebdruck gegenüber. Gleiche Epoche, entgegengesetzte Entscheidung.

Wie entstanden die Paper Pools in sechs Wochen?

August 1978, Tyler Graphics, Bedford Village, New York. David Hockney macht einen Zwischenstopp auf einer Reise von London nach Los Angeles. Ken Tyler, einer der bedeutendsten amerikanischen Drucktechniker, überredet ihn die Werkstatt zu besichtigen. Was Hockney dort sieht, ist Wet Pulp: gefärbter Papierbrei, der hydraulisch gepresst wird, sodass das Bild nicht auf Papier gedruckt, sondern im Papier geformt wird.

Die Technik hatte Tyler nicht für Hockney entwickelt. Tyler hatte sie in den Jahren zuvor mit Ellsworth Kelly, Kenneth Noland und Frank Stella erprobt. Kelly hatte 1976 die Serie Colored Paper Images damit produziert. Hockney war kein Ziel. Er war ein Zufallsgast, der die richtige Werkstatt zur richtigen Zeit betrat.

In sechs Wochen entstehen 29 Einzelbilder. Die größten messen 183 × 434 Zentimeter. Das Sujet: Wasser. Blaues Wasser, das Licht bricht, das Oberflächen erzeugt, die anders aussehen als gemalt. Hockney hat die Wet-Pulp-Technik genau einmal in seinem Leben verwendet, für diese 29 Bilder. Dann nie wieder.

Le Plongeur, eine der Paper-Pools-Arbeiten, hängt heute in der Cartwright Hall in Bradford. Ein Kreis, der sich schließt: 1954 druckte er in Bradford seinen ersten Stein. 1978 formte er Papier in einem New Yorker Vorort. Das Werk über Wasser hängt dort wo er anfing.

Was sind Moving Focus und die Home Made Prints?

1984 bis 1986 entstehen bei Tyler Graphics, jetzt in Bedford Village, New York, 26 Lithografien. Die David Hockney Lithografien dieser Moving-Focus-Serie sind seine umfangreichste zusammenhängende Druckarbeit. Viele Blätter kombinieren Lithostein mit Radierung, Siebdruck oder Collage im selben Druck. Die Serie erforscht chinesische Bildperspektive: nicht den westlichen Fixpunkt, sondern mehrere Sichtpunkte im selben Bild, kombiniert und gleichzeitig gültig. Der Titel ist Programm. Wo schaust du hin, wenn es keinen erzwungenen Mittelpunkt gibt?

Dann, im Februar 1986, kommt der Bürokopierer. Hockney beginnt mit einem Xerox-Gerät Drucke herzustellen. Mehr als 40 Blätter entstehen so. Ohne Meisterdrucker und Werkstatt. Nur ein Bürogerät, das jedes Büro in England damals hatte.

Hockney nannte das Verfahren "the closest I've ever come in printing to what it's like to paint." Zwei Jahrzehnte später kommen die iPad-Arbeiten. Dieselbe Suche nach Autonomie, anderes Gerät.

Warum ist David Hockney kein reiner Maler?

David Hockneys Druckgrafik ist kein Anhang zur Malerei. Sie ist das Medium, in dem er sich selbst immer zuerst erfindet.

A Rake's Progress entsteht ab 1961 als Radierungs-Serie, sechs Jahre bevor A Bigger Splash (1967) Hockney als Maler berühmt macht. In diesen 16 Blättern erprobt er das Autobiografische, bevor die Malerei es aufgreift. Die Crommelynck-Technik lernt er ab 1973 in Paris und arbeitet sie in The Blue Guitar (1976–77) durch. Die Farbexperimente, die die Malerei der späten 1970er prägen, hatten Vorläufer auf Kupferplatten. Paper Pools (1978) macht Wasser zum Material-Problem: Was ist es, wenn es nicht auf Oberfläche aufgetragen wird, sondern selbst die Oberfläche ist? Und Home Made Prints (1986) beginnen den Weg zur technologischen Offenheit, die später die iPad-Arbeiten ermöglicht. Dieselbe Frage, nur mit einem anderen Gerät.

Das sind keine retrospektiven Konstruktionen. Das sind Jahreszahlen.

"I love new mediums," hat Hockney gesagt. "I think mediums can turn you on, they can excite you: they always let you do something in a different way."

Das Drucken war das Medium, in dem er dachte. Die Gemälde zeigten dann, was dabei herauskam.

Zeitgenössische Druckgrafik mit verwandter Haltung

Die Collection zeigt keine Hockney-Werke. Bildrechte sind bis mindestens 2077 gesperrt. Sie zeigt zeitgenössische Druckgrafik mit verwandter Haltung: britische und europäische Künstler, bei denen die Handarbeit selbst den Unterschied zwischen Original und Kunstdruck sichtbar macht, ohne dass er erklärt werden müsste.

Die wichtigsten David Hockney Werke stammen nicht aus der Malerei, sondern aus der Druckgrafik: A Rake's Progress, The Blue Guitar, Paper Pools. Was die Collection versammelt, arbeitet in dieser Erbschaft: figürlich, präzise, mit erzählerischer Substanz.

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FAQ: David Hockney Druckgrafik

Wie viele Drucke hat David Hockney gemacht?

Tate hält rund 114 Hockney-Werke in ihrer Sammlung, darunter ein vollständiges Set der A Rake's Progress-Serie. Das MoMA New York besitzt rund 178 Werke, darunter Schlüsselwerke aus allen wichtigen Druckserien. Die Gesamtzahl seiner Druckgrafiken über sieben Jahrzehnte liegt erheblich höher: vollständige Serien wie A Rake's Progress (16 Blätter), The Blue Guitar (20 Blätter), Paper Pools (29 Bilder) und Moving Focus (26 Lithografien), dazu zahlreiche Einzelblätter in über zehn Techniken.

Welche David Hockney Werke gehören zu seiner wichtigsten Druckgrafik?

A Rake's Progress (1961–63) ist die früheste große Serie und das autobiografischste. The Blue Guitar (1976–77) ist handwerklich das elaborierteste Werk, entstanden mit Picassos Meisterdrucker Crommelynck. Paper Pools (1978) ist das experimentell kühnste. Moving Focus (1984–86) ist die umfangreichste. Wer einen Einstieg sucht: Die A Rake's Progress-Blätter sind in Museen am häufigsten zugänglich.

Was ist ein David-Hockney-Original-Druck wert?

Der Wert hängt stark von Serie, Zustand und Auflage ab. Ein vollständiges Set der A Rake's Progress-Radierungen erzielte bei Christie's im April 2023 £435.482. Einzelne Blätter aus späteren Serien können für wenige Tausend Pfund gehandelt werden, Hauptwerke weit darüber. Der Markt für signierte Hockney-Drucke ist liquide, weil Auflage und Provenienz gut dokumentiert sind.

Warum gilt Hockney als Maler, wenn er so viel gedruckt hat?

A Bigger Splash (1967) wurde zum Bild eines Jahrzehnts, reproduziert auf Postern, in Läden, in Köpfen. Die Gemälde sind das öffentliche Gesicht. Die Drucke sind das Arbeitstagebuch. Kuratorisch interessiert beides, aber kulturell hat das Gemälde gewonnen, weil es ein einzelnes Bild ist das man sofort kennt.

Wo kann man Hockney-Drucke im Museum sehen?

Die Tate Modern und Tate Britain in London halten bedeutende Bestände, darunter vollständige Sets der A Rake's Progress-Serie. Das MoMA New York besitzt ebenfalls Werke. In Deutschland gibt es keine bekannte öffentliche Sammlung mit Schwerpunkt auf Hockneys druckgrafischem Werk.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Tate, London — David Hockney: A Rake's Progress 1961–3. tate.org.uk/art/artworks/hockney-a-rakes-progress-65348
  • MoMA, New York — David Hockney Collection. moma.org/collection/artists/2678
  • Encyclopædia Britannica — Constantine P. Cavafy. britannica.com/biography/Constantine-P-Cavafy
  • Phillips — David Hockney Paper Pools. phillips.com/article/8767103/david-hockney-paper-pools
  • Phillips — Picasso's Printmakers: Works from the Piero Crommelynck Collection. phillips.com/article/10449508/picassos-printmakers-works-from-the-piero-crommelynck-collection

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