Kulturzentrum Faust Hannover
1861 gründete der Kaufmann Theodor Wilhelm Werner im damals noch selbstständigen Dorf List eine Firma für den Handel mit Bettfedern, die spätere Bettfedernfabrik Werner & Ehlers. Knapp dreißig Jahre später nahm eine neue Fabrik in Linden mit einer 120-PS-Dampfmaschine die Produktion auf. Hundert Jahre lang wurden hier Federn sortiert, gereinigt, verpackt. Im August 1990 ging Werner & Ehlers in Konkurs. Nur noch dreißig Beschäftigte erlebten das Ende einer 129-jährigen Tradition.
Das Gebäude bleibt stehen.
Ein Jahr später entsteht auf dem Gelände an der Straße Zur Bettfedernfabrik in Hannover-Linden-Nord das Kulturzentrum Faust: über 6.300 Quadratmeter, die seither Ateliers, eine Kunsthalle, Bühnen, ein Bürgerradio und mehr unter einem Dach vereinen.
Was war hier, bevor das Kulturzentrum kam?
Die Fabrikhallen standen leer. In Linden organisierte sich eine Bürgerinitiative. Seit Dezember 1991 verwirklicht der daraus hervorgegangene Verein FAUST e.V. auf dem Gelände sein Konzept eines soziokulturellen Stadtteilzentrums.
FAUST steht für Fabrikumnutzung und Stadtteilkultur, zwei Wörter, die das Haus bis heute prägen. Der erste Teil ist schon erzählt: ein Industriekomplex bekam eine zweite Nutzung, ohne abgerissen zu werden. Was Stadtteilkultur konkret heißt, wird weiter unten sichtbar.
Was hineinkam, war kein Masterplan, sondern eine Adresse, an der Platz war.
Kunsthalle Faust oder Kulturzentrum Faust: Wo ist der Unterschied?
Die Verwechslung ist naheliegend. Wer nach der "Kunsthalle Faust" sucht, landet oft beim gleichen Gelände wie wer nach dem "Kulturzentrum Faust" sucht. Gemeint ist aber Verschiedenes.
Das Kulturzentrum Faust ist das gesamte Industriegelände: über 6.300 Quadratmeter an der Straße Zur Bettfedernfabrik in Linden-Nord. Dazu gehören Bühnen für Konzerte und Theater, Atelierräume, Gastronomie, das Bürgerfunkstudio von Radio Flora und die sogenannte Welt-Etage. Es ist ein Stadtteilzentrum mit einer Bandbreite von Nutzungen, die sich auf einem Gelände sonst selten finden.
Die Kunsthalle Faust dagegen ist ein spezifischer Ausstellungsraum auf eben diesem Gelände: 360 Quadratmeter Ausstellungsfläche, betrieben vom Kunstverein Kunsthalle Hannover e.V., der 2013 gegründet wurde. Bis zu fünf Ausstellungen pro Jahr zeigen zeitgenössische Kunst in wechselnden Formaten. Die Adresse ist ebenfalls Zur Bettfedernfabrik 3. Man betritt das gleiche Gelände, geht aber in ein anderes Gebäude.
Wer ein Konzert will, braucht das Kulturzentrum; wer eine Ausstellung sucht, die Kunsthalle. Beides liegt auf demselben Gelände.
Die meiste Arbeit auf dem Gelände passiert allerdings hinter Türen, die kein Ausstellungsplakat haben.
Wer arbeitet auf dem Faust-Gelände?
Das Atelier Bettfedernfabrik ist das größte der Atelierkollektive auf dem Gelände. Es besteht heute aus 14 Künstlerinnen und Künstlern.
Diese 14 Personen stellen international aus, in Europa, Ostasien, den USA und Südamerika. Das ist eine Reichweite, die man einem Atelierkollektiv in einer alten Lindener Federfabrik nicht ansieht. Das Spektrum reicht von Malerei und Grafik über Objekt-, Audio-, Video- und Lichtkunst bis zu Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum und Performances. Wer bei Grafik an Druckgrafik denkt, liegt für einen Teil der Arbeiten richtig: Verfahren, bei denen ein Druckträger das Motiv aufs Papier überträgt und ein Abzug ein Original ist, keine Reproduktion, der Unterschied zwischen Original und Kunstdruck, der beim Sammeln zählt.
Neben dem Atelier Bettfedernfabrik sind auf dem Gelände weitere Kollektive aktiv: das Atelier Mira e.V. mit rund elf Mitgliedern, das Kopflos-Atelier, Atelier 3A und Atelier ex.a.Toe. Insgesamt arbeiten auf dem Faust-Gelände vier bis sechs Atelierkollektive mit über 30 Künstlerinnen und Künstlern.
Wer sich fragt, wann man als Besucher etwas von dieser Arbeit sieht: Der direkteste Weg führt über die Kunsthalle mit ihren regulären Öffnungszeiten. Das Atelier selbst öffnet bei Ausstellungseröffnungen oder bei organisierten Ateliertagen. An Abenden, an denen kein Atelierfenster erleuchtet ist, füllt sich das Gelände trotzdem, dann an den Bühnen.
Warum gewinnt das Faust zweimal denselben Bundespreis?
Der APPLAUS-Award wird seit 2013 von der Initiative Musik vergeben und zeichnet Live-Musik-Spielstätten für herausragende Musikprogramme aus.
2023 vergab Kulturstaatsministerin Claudia Roth bundesweit 95 Preise in sechs Kategorien. Das Kulturzentrum Faust war unter den 27 ausgezeichneten Spielstätten. 2025 folgte eine erneute Auszeichnung mit einem Preisgeld von 40.000 Euro.
Zweimal in drei Jahren. Die Jurybegründung ist trocken: kulturelle Exzellenz, soziokulturelle Bedeutung, Kontinuität im Programm.
Das Programm des Faust umfasst fast 1.000 Veranstaltungen im Jahr, davon mindestens 200 Live-Konzerte. Das Gelände bietet dafür mehrere Spielorte: die 60er-Jahre-Halle, die Warenannahme, die Zinsser-Halle, das Mephisto und das Freigelände mit dem Biergarten Gretchen. Jeder Raum hat einen anderen Charakter, jeder eine andere Kapazität.
Das Programm reicht über Konzerte hinaus: Party, Livemusik, Ausstellung, Bühne, Markt, Gesellschaft, Literatur, Fest. Das sind die acht Kategorien, unter denen das Faust sein Jahresprogramm führt. 2026 wird das Kulturzentrum Faust 35 Jahre alt. Der Preis steht für die Bühnen. Der eigentliche Auftrag des Hauses zeigt sich abseits davon.
Was heißt Stadtteilkultur am Faust?
Oben blieb offen, was der zweite Teil des Namens meint. Stadtteilkultur zeigt sich nicht auf dem Programmplakat, sondern eine Etage höher im Gebäude.
Die sogenannte Welt-Etage beherbergt Büros von Migrantenorganisationen. Zu den Mietern gehören Kargah aus der iranischen Community, das Nhan-Quyen-Zentrum, Günes e.V., das Kurden-Komitee, Mix e.V. und Radio Flora e.V. Sie arbeiten im selben Haus wie die Ateliers und die Konzerthalle, auf Feldern, die wenig miteinander zu tun haben.
Radio Flora ist ein Bürgerradio mit Studio im Faust-Gebäude. Es ging am 21. Juni 1997 auf Sendung, damals auf 106,50 MHz UKW. Als die Sendelizenz am 31. März 2009 auslief, wechselte Radio Flora ins Internet und sendet seitdem als Internetradio weiter. Vereinssitz, Studio und Redaktionsräume befinden sich nach wie vor in den Räumen des Kulturzentrums.
Musik-Konzerthalle, Ateliers, iranische Community-Organisation, Bürgerradio: Das ist die Belegschaft des Gebäudes, und alle teilen sich dasselbe umgebaute Backsteinhaus.
Wie besucht man das Faust, ohne ein Konzert-Ticket zu haben?
Die Adresse: Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Linden-Nord.
Wer ohne Veranstaltungsticket auf das Gelände möchte, hat mehrere Optionen. Die Kunsthalle Faust hat reguläre Öffnungszeiten und zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Die Gastronomie ist ebenfalls ohne Ticket zugänglich: Das Café Warenannahme und der Biergarten Gretchen öffnen unabhängig vom Veranstaltungskalender. Das Freigelände mit seinem Innenhof ist an vielen Tagen einfach da.
Für aktuelle Ausstellungs- und Veranstaltungstermine ist die offizielle Seite kulturzentrum-faust.de die zuverlässigste Quelle. Wer dort in den Kalender schaut, bekommt einen realistischen Eindruck von der Dichte des Programms.
Zuletzt aktualisiert am 02.06.2026.
Studio Sonsu ist eine Galerie für Original-Druckgrafik in Hannover-Linden-Mitte, Teichstraße 2. Beide liegen im Stadtteil Linden, das Faust in Linden-Nord, Sonsu weiter südlich in Linden-Mitte. Das Faust ist nicht der einzige Kunstort der Stadt; einen Überblick über die Kunstszene in Hannover gibt es separat. Und wer Druckgrafik nicht nur in einer Halle sehen, sondern selbst kaufen will, findet Hinweise zum Kunst online kaufen und dazu, woran sich eine echte Originalgrafik erkennen lässt.
Wo einst Federn sortiert wurden, liegen heute Atelierräume, ein Ausstellungsraum, Konzertbühnen und Bürgerorganisationen auf demselben Boden. Fertig ist das Gelände damit nicht.
Häufige Fragen zum Kulturzentrum Faust Hannover
Was ist das Kulturzentrum Faust in Hannover?
Das Kulturzentrum Faust ist ein gemeinnützig betriebenes Kultur- und Stadtteilzentrum in Hannover-Linden-Nord auf dem Gelände einer ehemaligen Bettfedernfabrik. Das Gelände umfasst über 6.300 Quadratmeter mit Atelierkollektiven, der Kunsthalle Faust, mehreren Konzert- und Veranstaltungsräumen sowie Büros von Stadtteilorganisationen. Es wird seit 1991 vom gemeinnützigen FAUST e.V. betrieben.
Was bedeutet das Akronym FAUST?
FAUST steht für Fabrikumnutzung und Stadtteilkultur. Das Akronym beschreibt sowohl die Geschichte des Gebäudes (eine umgewidmete Fabrik) als auch den sozialen Auftrag des Zentrums (Kultur für und mit dem Stadtteil Linden).
Was ist der Unterschied zwischen Kunsthalle Faust und Kulturzentrum Faust?
Das Kulturzentrum Faust ist das gesamte Gelände mit allen Nutzungen. Die Kunsthalle Faust ist ein spezifischer Ausstellungsraum auf diesem Gelände: 360 Quadratmeter, betrieben vom Kunstverein Kunsthalle Hannover e.V. (gegründet 2013), mit bis zu fünf Ausstellungen pro Jahr. Beides befindet sich an der Adresse Zur Bettfedernfabrik in Hannover-Linden-Nord.
Was ist der APPLAUS-Award, den das Faust gewonnen hat?
Der APPLAUS-Award ist ein Bundeskulturpreis für Live-Musik-Spielstätten, vergeben seit 2013 von der Initiative Musik. Das Kulturzentrum Faust erhielt die Auszeichnung 2023 als eine von 27 bundesweit ausgezeichneten Spielstätten und erneut 2025 mit einem Preisgeld von 40.000 Euro.
Kann man das Faust-Gelände ohne Konzert-Ticket besuchen?
Ja. Die Kunsthalle Faust hat reguläre Öffnungszeiten und zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Gastronomie und Freigelände sind unabhängig vom Veranstaltungskalender zugänglich. Aktuelle Termine und Öffnungszeiten unter kulturzentrum-faust.de.
Welche Ateliers sind auf dem Faust-Gelände aktiv?
Das größte ist das Atelier Bettfedernfabrik mit 14 Künstlerinnen und Künstlern, die international ausstellen, in Europa, Ostasien, den USA und Südamerika. Weitere Kollektive sind Atelier Mira e.V. (rund elf Mitglieder), Kopflos-Atelier, Atelier 3A und Atelier ex.a.Toe. Insgesamt arbeiten auf dem Gelände über 30 Künstlerinnen und Künstler in vier bis sechs Kollektiven.
Wer gründete die Bettfedernfabrik Werner & Ehlers?
1861 gründete der Kaufmann Theodor Wilhelm Werner in List eine Firma für den Handel mit Bettfedern, die spätere Bettfedernfabrik Werner & Ehlers. 1890 nahm eine neue Fabrik in Linden den Betrieb auf. Das Unternehmen lief über 129 Jahre, bis es im August 1990 in Konkurs ging.
Quellen und weiterführende Literatur
- Kulturzentrum Faust, offizielle Website mit Programm, Geschichte der Bettfedernfabrik und Vereinsübersicht.
- Landeshauptstadt Hannover, Kulturportal mit den Einträgen zu Kunsthalle Faust und Faust-Gelände.
- Punkt Linden, Stadtteilmagazin für Linden-Limmer, mit der Geschichte des Faustgeländes und der Welt-Etage.
- Kunstverein Kunsthalle Hannover e.V., Informationen zur Kunsthalle Faust.
Studio Sonsu ist eine Galerie für Original-Druckgrafik in Hannover-Linden. Alle Werke auf studiosonsu.de/collections/all. Fragen: hello@studiosonsu.de