Galerien in Hannover

Am 2. Februar 1955, seinem Geburtstag, öffnete Bruno Koch die Galerie Koch in der Königstraße 50. Bevor er das konnte, hatte er seine Kunstsammlung auf mehrere Pakete verteilt und zu einer Verwandten nach Westberlin geschickt. Am 2. Februar 2025 feierte dieselbe Galerie ihr 70-jähriges Jubiläum. Zehn Minuten Fußweg entfernt eröffnete im April 2026 in Linden-Mitte eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik. Beide tragen sich heute als aktive Adressen in das Verzeichnis der Galerien in Hannover ein.

Siebzig Jahre liegen zwischen diesen beiden Adressen, und beide tauchen auf derselben alphabetischen Liste auf. Was diese Liste nicht liefert: ob eine Galerie primär verkauft oder ausschließlich ausstellt, was ein Besuch kostet, ob man wochentags reinkommt oder nur nach Vereinbarung. Dieser Text ist ein Sortierversuch, kein vollständiges Register. Vier Galerietypen, die wichtigsten Häuser, und was Besucher dort wirklich vorfinden.

Hannover hat mehr als ein Dutzend aktiver Galerien und Ausstellungshäuser, die sich in vier Typen gliedern: klassisch kommerzielle Galerien (primär Verkauf), Produzentengalerien (Künstler zeigen selbst, Non-Profit), spezialisierte Nischengalerien (ein Medium oder ein Thema) und institutionelle Ausstellungshäuser (Kunstvereine, Museen). Die Unterschiede entscheiden, was ein Besuch kostet, wann man reinkommt und was man dort findet.

Wo wird in Hannover gekauft und verkauft?

In einer kommerziellen Galerie ist der Primärzweck eindeutig: Künstler und Galerie arbeiten auf Verkauf hin. Das Programm ist kuratiert, die Werke ausgepreist, die Beratung Teil des Besuchs. Ein erkennbares Unterscheidungsmerkmal ist die Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG): Galerien, die dort gelistet sind, haben sich einem professionellen Standard verpflichtet. In Hannover gehören dazu die Galerie Koch, die Galerie Robert Drees und das Kunsthaus Hannover.

Die Galerie Koch besteht seit 1955. Gründer Bruno Koch, Kaufmann aus Greifswald, legte damit eine Grundlage, auf der heute die dritte Generation arbeitet: Seit Ende 2015 führen Ole-Christian Koch und seine Schwester Petra Koch das Haus. Der Schwerpunkt liegt auf Klassischer Moderne und Nachkriegskunst, daneben zeitgenössischen Positionen.

Die Galerie Robert Drees am Weidendamm 15 sitzt in einem historischen Fabrikgebäude in der Nordstadt. Das Haus ist seit 1999 aktiv, vier bis fünf Ausstellungen pro Jahr auf 300 m². Seit 2012 ergänzt der Projektraum "Outlook" das Programm mit Einzelausstellungen junger Nachwuchskünstler.

Wer Pop Art oder Street Art sucht, wird bei der Galerie Mensing an der Georgstraße 44 fündig. Josef Mensing gründete die Galerie 1961; der Hannover-Standort ist einer von zwölf in Europa. Das Kunsthaus Hannover an der Striehlstraße 8 wurde 1997 von Mirja Dieckhaus und Frank Hoff gegründet: 400 m² in einem ehemaligen Fabrikgebäude, bisher über 100 Ausstellungen gezeigt. Das Kunsthaus arbeitet programmunabhängig: Es zeigt Positionen aus der ganzen Bandbreite zeitgenössischer Malerei, Skulptur und Fotografie, kein thematischer Fokus.

Doch nicht jede Galerie in Hannover lebt vom Verkauf. Manche gehören den Künstlern selbst.

Wem gehört die Galerie Bohai?

Den Künstlern, die dort ausstellen. Das ist das Prinzip einer Produzentengalerie: Die Ausstellenden und die Betreibenden sind dieselbe Gruppe. Kein Händler, kein Galerist als Mittler, kein Gewinnziel. Die Galerie Bohai e.V. am Schwarzer Bär 6 in Linden-Mitte funktioniert genau so. Sie wurde im November 2013 gegründet, der Schwerpunkt liegt auf Fotografie und der Erkundung der Grenzen des Mediums. Eintritt frei. Geöffnet ist samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr (Stand Mai 2026, aktuelle Zeiten auf der Galerie-Website prüfen).

Was das für einen Besuch bedeutet: Man trifft häufiger auf die Künstlerin oder den Künstler selbst als in einer kommerziellen Galerie. Kein Verkaufsgespräch, kein Katalogpreis an der Wand. Stattdessen ein Raum, der funktioniert wie eine verlängerte Werkstatt mit Publikum.

Was findet man bei den spezialisierten Galerien?

Wer hierherkommt, hat in der Regel gesucht. Spezialgalerien setzen darauf, dass genau das Publikum den Weg findet, das für das jeweilige Medium oder Thema empfänglich ist. Breite Ausstellungsräume mit Sammelsurium sind nicht das Modell.

Die L7 Galerie für Zeichenkunst am Lichtenbergplatz 7 in Linden-Mitte eröffnete im September 2020. Inhaber Christian Lüpke zeigt Zeichnung, Druckgrafik und Aquarell. Die Galerie öffnet nur bei Anwesenheit des Inhabers und nach Vereinbarung (Stand Mai 2026, aktuelle Infos unter l7-grafik.art). Der Kleinformat-Charakter ist Teil des Konzepts.

LUMAS in der Kröpcke-Passage (Luisenstraße 10-11) verfolgt eine andere Art von Nische: handsignierte Fotokunst in Auflagen zwischen 75 und 150 Stück, seit August 2013 in Hannover. 75 nummerierte, handsignierte Exemplare sind dabei etwas anderes als ein Kunstdruck ohne Limitierung.

Für Fans originaler Druckgrafik lohnt sich die Galerie per-seh am Kantplatz 3 in Hannover-Kleefeld. Die Galerie wurde 2007 in Barsinghausen gegründet, zog 2011 in eine Jugendstilvilla mit pistaziengrünen Glaselementen in den Veranden um. Neben Malerei und Skulptur zeigt per-seh auch Holzschnitte und Radierungen.

Am anderen Ende der thematischen Skala liegt metavier an der Minister-Stüve-Straße 14 in Linden-Mitte, seit 2018. Gründer sind der Bestatter Sven Friedrich Cordes und der Kurator Johann Brandes. Die Galerie versteht sich als Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit: monatliches Death Café, Vernissagen mit Leichenschmaus. Hannover hat auch das.

Studio Sonsu ist die jüngste der hier porträtierten Galerien, eröffnet im April 2026 an der Teichstraße 2 am Pariser Platz. Das Programm konzentriert sich auf zeitgenössische Druckgrafik in limitierten Auflagen: Radierungen, Holzschnitte, Linolschnitte, Lithografien und Siebdrucke britischer und europäischer Künstler.

Was zeigen die großen Ausstellungshäuser?

Die Frage, ob ein Kunstverein oder ein Museum überhaupt eine "Galerie" ist, beantwortet die Praxis: Alle drei stehen im offiziellen Hannoveraner Galerienverzeichnis, zeigen wechselnde Ausstellungen und sind öffentlich zugänglich. Der Unterschied liegt in Trägerschaft, Ankaufsbudget und Dauerausstellung.

Der Kunstverein Hannover ist das älteste dieser Häuser. Am 3. März 1832 gründeten Bernhard Hausmann und Johann Hermann Detmold den Verein. Er sitzt im Künstlerhaus (erbaut 1856, Architekt Conrad Wilhelm Hase). Wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, keine Dauersammlung.

Die Kestner Gesellschaft (Goseriede 11) entstand am 31. August 1916, unter anderem gegründet von Hermann Bahlsen (Keksfabrikant), dem Verleger August Madsack und Fritz Beindorff, dem Inhaber der Pelikan-Werke. 1936 endete die Gesellschaft im NS-Staat: Der Vorstand weigerte sich, den Direktor Justus Bier zu entlassen und mit den Nationalsozialisten zu kollaborieren, und die Gesellschaft wurde im selben Jahr geschlossen. Nach dem Krieg neu gegründet, zog die Gesellschaft 1997 in das umgebaute Goseriedebad (erbaut 1905): 1.500 m² Ausstellungsfläche auf zwei Ebenen. Regulärer Museumseintritt.

Das Sprengel Museum (Kurt-Schwitters-Platz 1) eröffnete 1979 und beherbergt eine Sammlung von 19.100 Druckgrafiken und 10.800 Originalarbeiten auf Papier. 2017 wurde es von der AICA als Museum des Jahres ausgezeichnet. Einer der Sammlungsschwerpunkte ist das Werk von Kurt Schwitters. Welche Epochen die Druckgrafik-Sammlung des Sprengel prägen und warum der Studiensaal derzeit geschlossen ist, behandelt eine eigene Seite.

Die Kunsthalle Faust (Zur Bettfedernfabrik 3) bespielt 360 m² mit wechselnden Ausstellungen. Träger ist der Kunstverein Kunsthalle Hannover e.V. (gegründet 2013). Freier Eintritt.

Wann diese Türen offen sind, ist nicht selbstverständlich. Viele öffnen nicht jeden Tag.

Wann kommt man rein?

Öffnungszeiten sind bei Galerien variabler als bei Museen. Wer eine Galerie aufsuchen will, sollte vorher prüfen. Bei den kleinen Häusern wie L7 oder Bohai arbeitet oft dieselbe Person, die kuratiert, auch an der Tür. Kein Museumspersonal, kein Schichtbetrieb, keine festen Öffnungszeiten per Verwaltungsbeschluss. Wenn der Inhaber auf einer Kunstmesse ist, bleibt die Galerie zu. Alle unten genannten Zeiten stehen auf Stand Mai 2026, aktuelle Informationen auf den jeweiligen Websites.

Die kleinen spezialisierten Häuser haben die unregelmäßigsten Öffnungen. Die L7 Galerie öffnet nur bei Anwesenheit des Inhabers oder nach Vereinbarung. Ein kurzer Anruf oder eine E-Mail lohnt sich. Wer spontan vorbeiläuft, trifft möglicherweise geschlossene Türen.

Die Galerie Bohai öffnet am Wochenende regulär: samstags und sonntags 13 bis 18 Uhr. Freier Eintritt. Das ist für eine Galerie dieser Größe ungewöhnlich verlässlich.

Für Gelegenheiten, an denen viele Orte gleichzeitig öffnen, lohnt sich das ZINNOBER-Wochenende. 2025 fand die 28. Auflage am 6. und 7. September statt: rund 70 Kunstorte, über 300 Künstlerinnen und Künstler, ganztägig von 12 bis 19 Uhr, freier Eintritt überall. Galerien, die regulär nicht öffnen (wie die L7 oder Ateliers auf dem Faust-Gelände), nehmen am Zinnober teil. Wer die Galerien in Hannover an einem Wochenende systematisch ablaufen will, kommt beim Zinnober besser weg als an einem beliebigen Samstag.

Linden-Limmer allein führt mehr als ein Dutzend Galerien und Kunststätten, darunter als Neuzugang die TURBA Gallery (Stephanusstraße 23). Was dieser Cluster zeigt: Viele Türen, kurze Wege, ein halber Nachmittag reicht für mehrere Stationen. Vieles zeigt sich erst vor Ort: die Papierqualität beim Druckgrafik-Original, der Plattenrand, der in Fotos verschwindet, das tatsächliche Format im Vergleich zur Raumwand. Was der Besuch dem Online-Kauf voraushat, vertieft Galerie oder online kaufen.

Bleibt die Frage, die am Anfang stand: zwischen siebzig Jahren Königstraße und der jüngsten Adresse zehn Minuten entfernt in Linden, welche Galerie passt zum nächsten Samstag?

Die Galerie Koch in der Königstraße 50 steht seit 1955 am selben Ort, von der dritten Generation geführt. Studio Sonsu öffnete im April 2026 zehn Minuten entfernt in Linden-Mitte. Beide auf demselben Verzeichnis, beide aktiv. Die Spanne zwischen ihnen ist kein Mangel der Szene, sondern zeigt die tatsächliche Bandbreite: klassische Moderne, Produzentengalerie, Druckgrafik-Nische, Todeskunst, Kunstverein aus dem 19. Jahrhundert. Wer die vier Typen kennt, kann die Liste vorab sortieren, statt sich von Adressen allein leiten zu lassen. Die Kunstszene in Hannover reicht dabei weit über die Galerien hinaus: Ateliers, Projekträume und Kulturhöfe bilden den Hintergrund.

FAQ

Was ist eine Kunstgalerie in Hannover?

Eine Kunstgalerie in Hannover ist je nach Typ entweder ein kommerzieller Ausstellungs- und Verkaufsraum (wie die Galerie Koch oder die Galerie Drees), eine Non-Profit-Produzentengalerie (wie die Galerie Bohai), eine spezialisierte Nischengalerie (wie L7, metavier, LUMAS oder Studio Sonsu) oder ein institutionelles Ausstellungshaus (wie die Kestner Gesellschaft oder die Kunsthalle Faust). Kommerzielle Galerien sind in der Regel kostenlos zugänglich; Eintritt verlangen die Museen und Kunstvereine.

Wie viele Galerien gibt es in Hannover?

Das offizielle Hannoveraner Galerienverzeichnis listet über ein Dutzend Galerien und Kunstvereine. Allein im Stadtteil Linden-Limmer führt punkt-linden.de mehr als ein Dutzend Galerien und Kunststätten. Beim ZINNOBER-Wochenende öffnen neben Galerien auch Ateliers, Projekträume und Werkstätten, die außerhalb dieses Wochenendes nicht zugänglich sind.

Welche Kunstgalerien in Hannover sind kostenlos?

Kommerzielle Galerien sind kostenlos zugänglich, ebenso die Galerie Bohai (Schwarzer Bär 6), die Kunsthalle Faust (Zur Bettfedernfabrik 3), Studio Sonsu (Teichstraße 2) und das ZINNOBER-Wochenende als Ganzes. Die Kestner Gesellschaft und das Sprengel Museum nehmen regulären Museumseintritt.

Wann ist ZINNOBER in Hannover?

ZINNOBER findet jährlich am ersten Septemberwochenende statt. Die 28. Auflage 2025 lief am 6. und 7. September. Rund 70 Kunstorte öffnen dann ganztägig von 12 bis 19 Uhr, freier Eintritt. Aktuelle Informationen und das Programm stehen unter hannover.de/ZINNOBER.

Wo finde ich aktuelle Kunstgalerien Hannover auf einen Blick?

Diese Seite sortiert die aktiven Häuser nach Galerietyp, was die alphabetischen Adresslisten des Stadtportals nicht tun. Wer alle gemeldeten Galerien mit Adresse braucht, findet sie auf hannover.de/Galerien. Für den Stadtteil Linden-Limmer gibt es eine eigene Liste auf punkt-linden.de. Das ZINNOBER-Wochenende im September bietet darüber hinaus den besten physischen Überblick: rund 70 Orte an zwei Tagen, darunter Ateliers und Projekträume die sonst nicht öffnen. Einen redaktionellen Überblick über die Kunstszene mit Ateliers, Hubs und Kulturzentren gibt es unter Kunst in Hannover.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Landeshauptstadt Hannover, Verzeichnis Galerien und Kunstvereine. hannover.de/Kultur-Freizeit/Museen-Ausstellungen/Kunstvereine-und-Galerien/Galerien
  • Sprengel Museum Hannover, Sammlung Grafik. sprengel-museum.de/sammlung/grafik
  • Galerie Koch Hannover, Über die Galerie. galeriekoch.de
  • Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), Mitgliederverzeichnis. bvdg.de/galerien
  • punkt.Linden, Galerien in Linden-Limmer. punkt-linden.de

Zuletzt aktualisiert am 02.06.2026.