Impressionismus

Der Impressionismus ist eine Kunstbewegung, die in den 1860er-Jahren in Frankreich entstand. Statt Details auszuarbeiten, fingen die Impressionisten den flüchtigen Eindruck eines Moments ein: wechselndes Licht, Spiegelungen auf Wasser, Schatten, die sich verschieben.

Der Name geht auf Claude Monets Impression, soleil levant (1872) zurück. Das Musée d'Orsay in Paris beherbergt heute die weltweit größte Sammlung impressionistischer und postimpressionistischer Werke. In der Druckgrafik experimentierten Maler wie Degas, Manet und Pissarro mit Radierung, Aquatinta und Monotypie. Monets Seerosen, Boudins Strandbilder und Whistlers Themse-Nocturnes machen den Impressionismus bis heute zu einer zentralen Quelle maritimer Kunst. Seine Bildsprache verdankt zentrale Impulse dem japanischen Farbholzschnitt, dessen Schnittlogik Degas und Cassatt in eigene Serien übersetzten.

Paris, 1862. Der Verleger Alfred Cadart gründet die Société des Aquafortistes, eine Vereinigung von Künstlern, die Radierung nicht als Reproduktionstechnik begreifen, sondern als eigenständige Kunst. Édouard Manet ist Gründungsmitglied. Kein Déjeuner sur l'herbe, keine Olympia — noch nicht. Aber er radiert bereits. Die Gesellschaft verfolgt ein konkretes Ziel: Jedes Jahr eine Mappe mit Original-Radierungen veröffentlichen, vertrieben im Abonnement. Radierung soll nicht länger die Dienerin der Malerei sein, sondern eigenständig bestehen. Der Begriff des "Painter-Printmaker", des Maler-Druckgrafikers, entsteht in genau diesem Kreis.

Neunzehn Jahre später, 1881, zeigt das Berliner Kupferstichkabinett gemeinsam mit der Nationalgalerie 740 impressionistische Druckgrafiken als Leihgaben. Das war 15 Jahre, bevor dasselbe Haus Manets Im Wintergarten als ersten Impressionisten in eine deutsche Museumssammlung aufnahm. Berlin sammelte impressionistische Drucke, bevor es impressionistische Malerei sammelte. Druckgrafik war nicht das Nebenprodukt dieser Bewegung. Sie war ihr Experimentierfeld.

Edouard Manet, Lola de Valence, Radierung und Aquatinta, 1862. Metropolitan Museum of Art, Public Domain (CC0).
Édouard Manet, *Lola de Valence*, Radierung und Aquatinta, 1862. Metropolitan Museum of Art, CC0.

Was ist Impressionismus?

Als Gegenreaktion auf die akademische Salonmalerei des 19. Jahrhunderts entstand eine Bewegung, die alles anders machte. Statt historische Szenen im Atelier zu komponieren, gingen die Impressionismus-Maler nach draußen. Sie arbeiteten im Freien, direkt vor dem Motiv, mit kurzen, sichtbaren Pinselstrichen, die aus der Nähe fast formlos wirken, aber aus einigen Schritten Entfernung zu Licht, Wasser und Blattwerk werden.

Die akademische Tradition verlangte glatte Oberflächen, unsichtbare Pinselführung und idealisierte Motive. Monet, Renoir, Pissarro, Sisley und Berthe Morisot taten das Gegenteil. Sie malten Seerosen, Bahnhöfe, Boulevards, Kathedralen im Morgennebel. Nicht das Motiv war neu, sondern der Blick: Was passiert mit einer Fassade, wenn die Sonne wandert? Monet malte die Kathedrale von Rouen über dreißig Mal, immer dasselbe Gebäude, nie dasselbe Licht.

Der Name, ursprünglich ein Spott des Kritikers Louis Leroy, wurde zur Selbstbezeichnung. Zwischen 1874 und 1886 folgten sieben weitere Gruppenausstellungen, insgesamt acht. Jede mit anderer Besetzung, jede mit neuen Konflikten darüber, wer dazugehörte und wer nicht. Der Salon des Refusés von 1863 hatte den Anfang gemacht, als abgelehnte Werke erstmals öffentlich gezeigt wurden, aber die Gruppenausstellungen waren mehr als eine Trotzreaktion. Sie waren ein eigenes Vertriebsmodell, unabhängig vom offiziellen Salon.

In der Impressionismus-Malerei zählte der Augenblick. Die Farbe musste stehen, bevor das Licht sich änderte.

Warum haben die Impressionisten Druckgrafik gemacht?

Seerosen, Balletttänzerinnen, Gärten in Giverny. So kennt man die Impressionisten. Dass Degas, Pissarro, Manet und Cassatt einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit in Druckwerkstätten verbrachten, kommt in den meisten Darstellungen nicht vor.

Manet radierte ab den frühen 1860er-Jahren. Pissarro arbeitete fast vierzig Jahre lang an Druckgrafik und schuf rund 200 Blätter. Er experimentierte mit Aquatinta, Sandpapier, Drahtbürsten und allem, was eine Textur auf die Platte brachte. Seine Aquatinten wirken wie kleine Gemälde auf Papier: weiche Tonwerte, differenzierte Flächen, subtile Lichtführung.

Degas ging noch weiter. Er entdeckte die Monotypie für sich und schuf mehr als 300 Blätter in dieser Technik. Wischen, Kratzen, Fingerabdrücke, Entfernen von Tinte: Degas nutzte die Druckplatte wie eine Leinwand, die er nach jedem Abdruck neu bearbeiten konnte. Die Monotypie war für ihn ein Weg, Malerei und Druck in einem einzigen Verfahren zu verbinden. Wer tiefer in diese Technik einsteigen will: Monotypie erklärt.

Mary Cassatt war die einzige Amerikanerin in der Impressionisten-Gruppe und die einzige Frau, die von Degas persönlich eingeladen wurde mitzustellen. 1891 übersetzte sie japanische Holzschnitt-Ästhetik in Kupfer und produzierte zehn Farbaquatinten, die Mütter und Kinder in alltäglichen Situationen zeigen: beim Ankleiden, beim Briefschreiben, beim Bad. Alltägliche Motive, behandelt mit der Präzision eines Grafikers und dem Blick einer Malerin. Mehr zu ihrem Verfahren auf der Aquatinta.

Camille Pissarro, Wooded Landscape at L'Hermitage Pontoise, Aquatinta und Radierung, 1879. Metropolitan Museum of Art, Public Domain (CC0).
Camille Pissarro, *Wooded Landscape at L'Hermitage, Pontoise*, Aquatinta und Kaltnadel, 1879. Metropolitan Museum of Art, CC0.

Wer waren die deutschen Impressionisten?

Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt. Alle drei Mitglieder der Berliner Secession, alle drei als Maler berühmt. In Wien bildete sich parallel unter Gustav Klimt die Secession, die den Impressionismus in eine dekorativere Richtung trieb. Corinth und Slevogt produzierten neben ihren Gemälden ein gewaltiges druckgrafisches Werk.

Liebermann hatte in Paris gelebt, Manet und die Impressionisten studiert, und übersetzte deren Lichtmalerei in norddeutsche Landschaften und Gartenbilder. Seine Druckgrafik umfasst Radierungen und Lithografien, in denen er dieselbe lockere Strichführung anwandte wie in der Malerei. Die parallele Entwicklung der Fotolithografie ermöglichte es, impressionistische Werke in höheren Auflagen zu verbreiten.

Lovis Corinth zeigt die Verbindung am deutlichsten. Nach einem Schlaganfall 1911 veränderte sich sein Stil radikal: freier, expressiver, aufgelöster. In den dreizehn Jahren danach entstanden über 900 druckgrafische Arbeiten. Für Corinth war Druckgrafik nicht das Medium zweiter Wahl. Er arbeitete darin schneller und direkter als mit Pinsel und Öl.

Max Slevogt übertrifft beide in der reinen Menge: Sein Werkverzeichnis listet rund 2.100 druckgrafische Blätter. Illustrationen, Landschaften, Porträts. Slevogt nutzte die Lithografie für malerische Effekte und die Radierung für zeichnerische Präzision.

Corinth und Slevogt zusammen: über 3.000 Blätter.

Woran erkennt man impressionistische Kunst?

Vier Merkmale ziehen sich durch die Impressionismus-Kunst, in der Malerei genauso wie in der Druckgrafik.

Licht und Farbe: Impressionistische Bilder arbeiten mit reinen, ungemischten Farben, die nebeneinander auf die Leinwand gesetzt werden. Aus der Entfernung mischen sie sich im Auge des Betrachters. Schatten sind nicht schwarz oder braun, sondern farbig: blau, violett, grün. In der Druckgrafik zeigt sich dasselbe Prinzip in den differenzierten Tonwerten einer Aquatinta oder den weichen Übergängen einer Lithografie.

Sichtbare Werkzeugspuren: Wo die akademische Malerei jede Spur des Pinsels tilgte, machten die Impressionisten den Pinselstrich zum Gestaltungsmittel. In der Druckgrafik entspricht dem die sichtbare Plattentextur: der Grat einer Kaltnadelradierung, die Körnung einer Aquatinta, die Wischspuren einer Monotypie.

Alltägliche Motive: Keine Götter, keine Schlachten. Stattdessen Gärten, Cafés, Bahnhöfe, Menschen beim Baden, Wäscherinnen, Balletttänzerinnen. Die Impressionisten malten das Leben, wie es gerade stattfand.

Offene Komposition: Viele impressionistische Bilder wirken wie zufällige Ausschnitte. Figuren werden am Bildrand abgeschnitten, der Blickpunkt ist ungewöhnlich. Degas' Ballettszenen zeigen die Tänzerinnen oft von oben oder seitlich, wie durch einen Sucher fotografiert. Diese fotografische Perspektive war damals neu.

"Of the Impressionists, Pissarro was perhaps the one most devoted to printmaking and approached prints from the point of view of an avant-garde artist." — Cora Michael, Department of European Paintings, The Metropolitan Museum of Art (Heilbrunn Timeline of Art History, 2009)

Übersetzt: Von allen Impressionisten war Pissarro vermutlich der Druckgrafik am stärksten verpflichtete, und er ging an Drucke heran wie ein Avantgarde-Künstler. Die Impressionisten hatten das Handwerk der Akademie gelernt. Sie setzten es ein, um etwas zu tun, das die Akademie nicht vorsah.

Was unterscheidet Impressionismus von Expressionismus?

Zwei Bewegungen, oft verwechselt, grundverschieden in Absicht und Wirkung. Der Impressionismus beobachtet die äußere Welt und hält den flüchtigen Sinneseindruck fest. Der Expressionismus drückt innere Empfindungen aus und verzerrt die sichtbare Welt bewusst. Die Abgrenzung lässt sich an Motiven, Farben, Technik und historischer Einordnung festmachen.

Impressionistische Malerei ist hell, luftig, dem Licht zugewandt. Expressionistische Kunst ist oft dunkel, kantig, emotional aufgeladen. Ohne Impressionismus und Monet wäre die Malerei vielleicht nie ins Freie gegangen. Monet malte Seerosen in hundert Variationen. Kirchner malte die Straßen Berlins in giftigen Farben, weil die Großstadt sich so anfühlte.

Chronologisch liegt eine Generation dazwischen. Der Impressionismus hatte seinen Höhepunkt in den 1870er- und 1880er-Jahren, der Expressionismus begann um 1905. Beide Bewegungen haben Vorläufer: Der Impressionismus reichte zurück bis zu den Landschaftsmalern Constable und Turner, Schlüsselfiguren der Romantik, und zu Courbets Realismus, der die Abkehr von historischen Sujets programmatisch durchsetzte (den Vergleich beider Haltungen zeigt Romantik vs. Realismus). Die Brücke-Künstler in Dresden lehnten die akademische Tradition ab, aber auch den Impressionismus, den sie als zu beobachtend, zu passiv empfanden. Sie wollten nicht festhalten, was sie sahen, sondern sichtbar machen, was sie fühlten. Eine programmatische Umkehr, die sich in Farbe, Form und Material niederschlug.

In der Druckgrafik zeigt sich der Unterschied am Material. Pissarros Aquatinten suchen feine Tonwerte und atmosphärische Übergänge. Kirchners Holzschnitte suchen harte Kontraste und rohe Unmittelbarkeit. Beide nutzen Druckgrafik als eigenständiges Medium. Aber wo Pissarro das Licht festhält, schneidet Kirchner ins Holz.

Für die Gegenüberstellung beider Bewegungen in der Druckgrafik: Expressionismus und Druckgrafik. Wer sich für die Abgrenzung von Original und Kunstdruck interessiert, findet dort die Erkennungsmerkmale.

Paul Gauguin, Auti Te Pape (Women at the River), Farbholzschnitt, 1893-94. Metropolitan Museum of Art, Public Domain (CC0).
Paul Gauguin, *Auti Te Pape*, Farbholzschnitt, 1893–94. Gauguins Holzschnitte beeinflussten direkt die expressionistische Druckgrafik der Brücke-Künstler. Metropolitan Museum of Art, CC0.

Haben die Impressionisten auch Druckgrafik gemacht?

Ja, und in erheblichem Umfang. Manet war 1862 Gründungsmitglied der Société des Aquafortistes, einer Vereinigung, die Radierung als eigenständige Kunst förderte. Degas schuf über 300 Monotypien. Pissarro experimentierte vierzig Jahre lang mit Aquatinta und unkonventionellen Werkzeugen. Mary Cassatt entwickelte die Farbaquatinta weiter. In Deutschland produzierten Corinth und Slevogt zusammen über 3.000 Druckgrafiken.

Warum heißt es Impressionismus?

Der Name geht auf Claude Monets Gemälde Impression, soleil levant (1872) zurück. Als das Bild 1874 in einer Gruppenausstellung hing, benutzte der Kritiker Louis Leroy den Titel spöttisch in seiner Rezension. Die Künstler übernahmen den Begriff und machten ihn zur Selbstbezeichnung. Impression bedeutet Eindruck, und darum ging es: den flüchtigen Sinneseindruck festhalten, statt die Wirklichkeit detailgetreu abzubilden.

Gab es Impressionismus auch in Deutschland?

Die drei wichtigsten Vertreter sind Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt. Liebermann brachte den französischen Impressionismus nach Berlin, Corinth und Slevogt entwickelten ihn mit stärkerem Fokus auf Druckgrafik weiter. Corinth allein schuf nach 1912 über 900 Druckgrafiken, Slevogt über 2.100 Blätter. Alle drei waren Mitglieder der Berliner Secession.

Was ist der Unterschied zwischen Impressionismus und Expressionismus?

Der Impressionismus beobachtet und hält den Moment fest: Licht, Farbe, Atmosphäre. Der Expressionismus drückt innere Empfindungen aus und verzerrt die sichtbare Welt bewusst. Zeitlich liegen etwa 25 Jahre dazwischen. In der Druckgrafik zeigt sich der Unterschied an den Mitteln: Impressionisten suchten feine Tonwerte und atmosphärische Übergänge, Expressionisten harte Kontraste und rohe Unmittelbarkeit. Der Vergleich Expressionismus vs. Impressionismus zeigt, dass beide Bewegungen in der Druckgrafik mehr gemeinsam haben als in der Malerei.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Tate – Impressionism: Glossareintrag zu Ursprung, Technik und Künstlern des Impressionismus. https://www.tate.org.uk/art/art-terms/i/impressionism
  • The Metropolitan Museum of Art – Manet, Pissarro, Cassatt und Gauguin in der Public-Domain-Sammlung. https://www.metmuseum.org
  • Cora Michael, "Camille Pissarro (1830–1903)", Heilbrunn Timeline of Art History, The Metropolitan Museum of Art (2009), zur Bedeutung der Druckgrafik im Werk Pissarros.
  • Musée d'Orsay Paris – Zentrale Impressionismus-Sammlung mit Monet, Renoir, Degas, Pissarro. https://www.musee-orsay.fr/en/collections/paintings
  • Britannica – The eight Impressionist exhibitions (1874–1886): Chronologie, Teilnehmer, Konflikte. https://www.britannica.com/art/the-eight-Impressionist-exhibitions
  • Wikipedia – Impressionism (englisch): Überblick zu Geschichte, Technik und internationaler Rezeption. https://en.wikipedia.org/wiki/Impressionism
  • Wikipedia – Impressionismus (deutsch): Geschichte, Gruppenausstellungen und deutsche Vertreter. https://de.wikipedia.org/wiki/Impressionismus

Zuletzt aktualisiert am 26.05.2026.

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