Black Church Print Studio in Dublin
Black Church Print Studio ist eine gemeinnützige Druckwerkstatt in Dublin, die am 1. Oktober 1982 den Betrieb aufnahm. Mitglieder arbeiten dort an gemeinsam genutzten Pressen für Siebdruck, Tiefdruckverfahren wie die Radierung, Lithografie und Reliefdruck, dazu kommt digitaler Druck. Heute sitzt die Werkstatt an der Adresse 4 Temple Bar, Dublin 2.
Irgendwann 1990 steigen Kinder in die Druckwerkstatt in Ardee House in Dublin ein und nehmen die Portokasse mit. Dass es Kinder waren, schließt die Chronik des Hauses aus den Fußabdrücken. Dann kommen sie zurück und legen Feuer, und explodierende Druckfarben und Lösungsmittel verstärken den Brand.
Angefangen hatte die Werkstatt acht Jahre zuvor.
Wie entstand aus einer Handvoll Künstlerinnen und Künstler eine gemeinsame Werkstatt?
Das erste Treffen eines Komitees, das eine gemeinschaftliche Druckwerkstatt für die Stadt aufbauen wollte, fand laut Chronik des Hauses am 1. Januar 1980 in einer Küche statt. Am 1. Oktober 1982 nahm Black Church Print Studio den Betrieb auf, eingerichtet als gemeinnützige Organisation. Im ersten Vorstand saßen sechs Personen: Liam Ó Broin, Michael Byrne, Pádraig Ó Cuimín und Phoebe Donovan als Mitglieder, dazu Sara Horgan im Amt der Sekretärin und John Kelly als erster, turnusmäßig wechselnder Vorsitzender.
Warum reicht für Radierung kein privates Atelier?
Laut einem Bericht des Magazins IMAGE Interiors & Living von 2019 sieht David McGinn, damals Print Coordinator und Techniker des Studios, in der Radierung den eigentlichen Grund, aus dem sich die Werkstatt überhaupt gebildet hat. Die schwere Ausrüstung, die dieses Verfahren verlangt, habe einen Raum nötig gemacht, der gemeinschaftlich und sicher zugleich sei ("Etching is actually the reason the studio formed. The heavy equipment that etching requires meant a need for a space that's both communal and safe.").
Man kann den Satz als Rechnung lesen. Presse, Säurebad und Belüftung kosten Geld und brauchen auf Dauer Platz, und Säure will man nicht in der eigenen Wohnung stehen haben. Auf mehrere verteilt wird beides tragbar.
In den Bau, der dem Studio seinen Namen gab, zog die Werkstatt nie ein.
Was hat die "Black Church" mit dem Namen der Werkstatt zu tun?
Die ehemalige St Mary's Chapel of Ease steht nahe dem Parnell Square, und in Dublin heißt sie nur die Black Church. Dort wollte die Gruppe einziehen, und von diesem Plan stammt der Name der Institution.
Aus dem Einzug wurde nichts. Eine Untersuchung des Bauwerks ergab eine doppelte Lage verrottenden Asbests. Die Entfernung hätte 40.500 Pfund zusätzlich gekostet, eine Summe, die das Komitee laut Chronik nicht tragen wollte. Die Werkstatt zog stattdessen provisorisch nach Ardee House am Coombe. Der Name blieb.
Was geschah 1990 in Ardee House?
In Ardee House hatte die Werkstatt nur vorübergehend eine Einheit gemietet. Verloren gingen das Gebäude, die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler und der größte Teil der Ausrüstung. Die Chronik nennt Verluste durch Feuer oder Wasserschaden, darunter die eigenen Unterlagen des Studios. Zwei Jahre später nahm die Werkstatt den Betrieb wieder auf.
Wie wurde aus einem Totalverlust ein preisgekröntes Gebäude?
Entworfen hat das Haus das Architekturbüro McCullough Mulvin, und es entstand als Neubau auf dem Gelände ehemaliger Bekleidungswerkstätten. Der Bericht von 2019 nennt 1992 als Jahr der Wiedereröffnung. Die Unterseite des Studios datiert den Einzug in den Neubau dagegen auf 1993 und nennt eine Förderung aus dem European Regional Development Fund.
Die Fassade zur Temple Bar hin sei gegittert wie der Setzkasten eines Schriftsetzers, schreibt das Büro über den eigenen Entwurf. An einer Seite sitzt eine leere Fläche aus weißem Kalkstein, deren Einkerbungen an die Steine des lithografischen Verfahrens erinnern ("The facade to Temple Bar, gridded like a compositor's frame of typefaces, has a blank panel of white limestone to one side, with indented markings reminiscent of the stones used in the lithographic process."). 1996 erhielt der Bau den Regional Award des RIAI und die Downes Medal der AAI.
Wie dieses Haus zu seinem Grundriss kam, hat mit einem früheren Mitglied zu tun.
Wer beriet die Architekten, und wer kehrte später selbst zurück?
Andy Folan, ein früheres Mitglied der Werkstatt, arbeitete bei der Planung eng mit den Architekten zusammen. Er erklärte ihnen, was eine Druckwerkstatt räumlich braucht: Platz für eine Vakuumpresse, dazu Dunkelkammern, Nassräume und Belichtungsräume.
Ein Belichtungsraum ist keine Gestaltungsidee, sondern eine Bedingung, unter der bestimmte Arbeiten überhaupt entstehen.
Der Kreis schloss sich später, und der Bericht von 2019 hält den Moment ausdrücklich fest. Valerie Mulvin, eine der Architektinnen des Gebäudes, kam um 2017, zwei Jahre vor dem Bericht, selbst in die Werkstatt. Dort arbeitete sie an Radierungen. Heute ist das Haus nach Verfahren aufgeteilt.
Welche Technik liegt auf welchem Stockwerk?
Jede Etage gehört einem anderen Verfahren. Im ersten Stock stehen Lithografie und Reliefdruck, im zweiten die Radierung, im obersten Geschoss Siebdruck und digitaler Druck. Siebdruck, Tiefdruckverfahren, Lithografie, Reliefdruck und digitalen Druck nennt das Haus als eigenes Verfahrensangebot, dazu kommen Drucke am Risograph und Giclée-Drucke.
David McGinn, 2019 Techniker des Hauses, beschreibt den Kalkstein für die Lithografie als Stein aus einer Mine in Österreich und die Arbeit damit als Mischung aus Chemie und einer Portion Magie ("chemistry involved and a bit of magic. You work with a specific type of limestone that came from a mine in Austria.").
Wer sitzt im Vorstand, und wer darf hier überhaupt arbeiten?
Das Board of Directors hat neun Sitze. Die Governance-Regeln des Studios schreiben vor, dass fünf davon einschließlich des Vorsitzes an aktive Künstlermitglieder des Hauses gehen, während vier extern besetzt werden.
Laut dem Bericht von 2019 nutzten damals über 80 Vollzeitmitglieder das Haus mit Zugang rund um die Uhr, während General Manager Hazel Burke und David McGinn Programme für Nicht-Mitglieder betreuten. Dazu kommt ein internationales Residency-Programm, das seit 2009 besteht. Über alle Zugangs-, Bildungs- und Outreach-Programme zusammen nutzen rund zweihundert Kunstschaffende die Werkstatt pro Jahr.
Als eingetragene Wohltätigkeitsorganisation führt das Studio die Charity-Nummer CHY 6675. Als Geldgeber nennt die Studio-eigene Chronik den Arts Council, den Dublin City Council und das Department of Culture, Heritage, and the Gaeltacht. Eines der Gründungsmitglieder hatte sein Handwerk in der älteren Dubliner Werkstatt gelernt.
Was unterscheidet Black Church von Graphic Studio Dublin?
Liam Ó Broin steht als einer von sechs Namen auf der Liste des ersten Vorstands. Die Drucktechnik lernte er bei John Kelly am Graphic Studio Dublin, wo er später selbst Lithografie unterrichtete. Zwischen den beiden Häusern verläuft eine personelle Linie.
Graphic Studio Dublin entstand 1960, weil Patrick Hickey und seine Mitgründer auf die fehlende künstlerische Ausbildung in Irland reagieren wollten. Black Church startete 22 Jahre später. Den Grund liefert McGinn im Rückblick: die schwere Ausrüstung der Radierung, die einen gemeinsamen, sicheren Raum verlangte.
Verwechseln lässt sich Black Church am ehesten mit der Graphic Studio Gallery, die seit 1988 in der Cope Street in Temple Bar sitzt und zum Graphic Studio Dublin gehört. Die Werkstatt des Graphic Studio selbst liegt in Distillery Court, 537 North Circular Road, Dublin 1. Stephen Lawlor ist seit 1984 Mitglied des Graphic Studio Dublin, nicht von Black Church. Als Beispiele für Radierung und Siebdruck zeigt diese Seite die Radierungen And England's Dreaming und Infanta sowie den Siebdruck Clarice des Dubliner Künstlers Stephen Lawlor. Sie hängen heute bei Studio Sonsu, einer Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover.
Nicht jede Druckwerkstatt hat nach einer Krise weitergearbeitet.
Was passiert, wenn eine Druckwerkstatt aufhört statt weiterzumachen?
Das London Print Studio begann 1972 am Küchentisch von John Phillips. Es war wie Black Church eine offene Werkstatt, einer der vier Typen von Druckgrafik-Institutionen, die der Überblick unterscheidet. Am 1. Oktober 2020 schloss das Haus endgültig. Der Betrieb mit Kursprogramm ließ sich während der Pandemie nach eigener Begründung nicht aufrechterhalten. Black Church hatte 1990 sein Gebäude verloren und nahm 1992 den Betrieb wieder auf.
Die Unterlagen gingen 1990 verloren, und die Geschichte erzählt heute die Chronik, die das Haus online führt. Ob die nächste Werkstatt ihren Totalverlust ebenso ausführlich aufschreibt, mitsamt Portokasse und Fußabdrücken, ist offen.
Häufige Fragen zu Black Church Print Studio
Wann wurde Black Church Print Studio gegründet?
Laut der Chronik des Hauses traf sich das Gründungskomitee erstmals am 1. Januar 1980; der Betrieb startete am 1. Oktober 1982 als gemeinnützige Organisation. Im ersten Vorstand saßen unter anderem Liam Ó Broin, Michael Byrne, Pádraig Ó Cuimín und Phoebe Donovan; Sara Horgan führte das Sekretariat, John Kelly war erster, turnusmäßig wechselnder Vorsitzender.
Wo befindet sich Black Church Print Studio?
Die Werkstatt sitzt an der Adresse 4 Temple Bar, Dublin 2, in einem Gebäude, das das Architekturbüro McCullough Mulvin entworfen hat. 1996 erhielt der Bau den Regional Award des RIAI und die Downes Medal der AAI. Davor arbeitete das Studio in Ardee House am Coombe.
Welche Drucktechniken bietet das Studio an?
Das Haus nennt Siebdruck, Tiefdruckverfahren, Lithografie, Reliefdruck und digitalen Druck, dazu kommen Risograph- und Giclée-Drucke. Die drei Etagen sind nach Verfahren getrennt: Lithografie und Reliefdruck im ersten Stock, Radierung im zweiten, Siebdruck und digitaler Druck im obersten Geschoss.
Wer darf in der Werkstatt arbeiten?
Laut einem Bericht von 2019 nutzten über 80 Vollzeitmitglieder das Haus mit Zugang rund um die Uhr. Insgesamt arbeiten rund zweihundert Kunstschaffende pro Jahr im Studio.
Woher kommt der Name Black Church?
Der Name stammt von der ehemaligen St Mary's Chapel of Ease nahe dem Parnell Square, in Dublin nur Black Church genannt. Dort sollte die Werkstatt einziehen. Eine Untersuchung ergab eine doppelte Lage verrottenden Asbests, dessen Entfernung 40.500 Pfund zusätzlich gekostet hätte, weshalb die Gruppe stattdessen nach Ardee House am Coombe zog.
Quellen und weiterführende Literatur
- Black Church Print Studio, History (Studio-eigene Chronik zu Komitee 1980, Eröffnung 1982, Asbest-Befund, Brand 1990, Technikangebot und Förderern)
- Black Church Print Studio, Services (Studio-eigene Unterseite zu ursprünglichem Standort Ardee House, Provisorium am Coombe und Einzug in den Neubau 1993 mit ERDF-Förderung)
- IMAGE Interiors & Living, Inside Dublin's hidden print studio (2019, Reportage mit Zitaten von David McGinn, Etagenaufteilung und Mitgliederzahlen)
- McCullough Mulvin Architects, Black Church Print Studio, Temple Bar (Projektbeschreibung des Neubaus mit Fassadenbeschreibung und Auszeichnungen 1996)
- Res Artis, Black Church Print Studio (Verzeichniseintrag zum Residency-Programm seit 2009 und zu den Programmzahlen)
- Black Church Print Studio, Governance (Zusammensetzung des Board of Directors und Amtszeiten)
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft. Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de