Linoldruck Anleitung: Schritt für Schritt zum ersten Druck

Eine Linoldruck-Anleitung, die funktioniert, braucht nicht viel Theorie. Eine Materialliste, ein paar Handgriffe und den Hinweis, wo Anfänger regelmäßig scheitern. Linolschnitt ist eine der zugänglichsten Drucktechniken, weil man mit wenig Ausrüstung sofort loslegen kann. Kein Atelier nötig, keine Presse. Ein Küchentisch reicht.

Das Starterset kostet zwischen 15 und 30 €. Vom Material über die Motivübertragung bis zum fertigen Druck: Rechne für den ersten kompletten Durchlauf mit einem Nachmittag, vielleicht zwei bis drei Stunden.

Welches Material brauche ich für den Linoldruck?

Die Liste ist kurz, und nichts davon ist schwer zu bekommen. Online-Kunstbedarfshändler oder der lokale Bastelladen haben alles.

Zwei geschnitzte Holzblöcke neben einem japanischen Baren und Paste, Werkzeuge für den Reliefdruck, Inga Eičaitė
Geschnitzte Druckstöcke, Baren und Paste: die Grundausstattung für Reliefdruck. Inga Eičaitė.

Linolplatte. Für den Anfang reicht eine Platte in A5 oder A4. Es gibt zwei Varianten: klassisches Linoleum auf Jutegewebe (härter, präziser) und Softcut-Platten aus einer festen Gummimischung (weicher, leichter zu schneiden). Softcut ist fehlerverzeihender. Wer noch nie ein Schnitzwerkzeug in der Hand hatte, fängt damit an.

Schnitzwerkzeug. Ein Linolschnitt-Werkzeug-Set mit auswechselbaren Klingen ist der sinnvolle Einstieg. V-förmige Eisen für feine Linien, U-förmige für breitere Rillen, ein Flacheisen für größere Flächen.

Druckfarbe. Wasserbasierte Linoldruckfarbe für den Anfang. Lässt sich mit Wasser reinigen und riecht nicht. Schwarz reicht für die ersten Versuche.

Walze (Brayer). Eine Gummiwalze, etwa 10 cm breit.

Papier. Normales Zeichenpapier, 120 bis 200 g/m². Wer bessere Ergebnisse will, nimmt ungestrichenes Künstlerpapier oder Japanpapier.

Löffel oder Baren. Linoldruck ohne Presse funktioniert problemlos. Ein Holzlöffel oder ein Falzbein reicht zum Andrücken.

Wie übertrage ich mein Motiv auf die Linolplatte?

Beim Linolschnitt wird alles spiegelverkehrt gedruckt. Buchstaben und asymmetrische Motive müssen also seitenverkehrt auf der Platte stehen. Das vergisst man beim ersten Mal garantiert.

Durchpausen: Motiv auf Papier zeichnen, mit der Bildseite nach unten auf die Platte legen, mit einem Löffel über die Rückseite reiben. Bleistift überträgt sich dabei spiegelverkehrt. Funktioniert am besten mit weichem Bleistift (4B oder 6B).

Direkt zeichnen: Mit Filzstift oder weißem Buntstift direkt auf die Platte. Einfacher bei abstrakten Motiven, bei denen Spiegelung keine Rolle spielt.

Bevor du schnitzt: Markiere die Flächen, die stehen bleiben sollen. Beim Linolschnitt gilt das Prinzip Negativ/Positiv. Was du wegschneidest, bleibt im Druck weiß. Was stehen bleibt, druckt Farbe. Denk an einen Stempel: Was raussteht, druckt.

Wie schneide ich die Platte richtig?

Hier passieren die meisten Fehler. Drei Dinge vorweg.

Immer vom Körper weg schneiden. Linolschnitt-Werkzeuge sind rasiermesserscharf. Dreh die Platte, nicht deine Hand. Deine Finger liegen immer hinter der Klinge, nie davor.

Beginne mit den feinen Linien. V-Eisen ansetzen, mit gleichmäßigem Druck durch das Material ziehen. Nicht zu tief: nur die oberste Schicht abtragen. Wenn das Linoleum splittert, ist das Werkzeug stumpf oder die Platte zu kalt. Leg eine kalte Platte zehn Minuten auf die Heizung.

Für größere Flächen auf ein U-Eisen oder Flacheisen wechseln. Lieber zweimal flach schneiden als einmal zu tief. Und: zwischendurch einen Probedruck machen. Etwas Farbe aufrollen, Papier drauf, prüfen ob genug Material abgetragen ist.

Wie drucke ich meinen Linolschnitt?

Die Platte ist fertig geschnitten. Jetzt geht es ans Einfärben, und hier entscheidet sich, ob der Druck sauber wird oder matschig.

Farbe auftragen. Gib etwas Druckfarbe auf eine glatte Fläche (Glasplatte, alte Fliese, Backblech). Roll die Walze darin aus, bis die Farbe gleichmäßig und leicht klebrig sitzt. Ein feines Zischen beim Rollen ist das Zeichen, dass die Farbschicht stimmt. Zu viel Farbe füllt die Rillen und macht den Druck matschig.

Platte einfärben. Farbe in verschiedene Richtungen aufrollen. Die erhabenen Flächen sollen eine gleichmäßige, dünne Schicht tragen.

Papier auflegen und andrücken. Papier vorsichtig auf die Platte legen, nicht mehr verschieben. Mit der Rückseite eines Löffels oder einem Falzbein gleichmäßig über die gesamte Fläche reiben. Kreisende Bewegungen funktionieren gut. Heb eine Ecke an, um das Ergebnis zu prüfen, ohne das Blatt komplett abzuziehen.

Abziehen und trocknen. Papier langsam von einer Ecke abziehen. Flach trocknen lassen. Wasserbasierte Farbe braucht mindestens 24 Stunden.

Welche Fehler machen Anfänger am häufigsten?

Die Probleme beim ersten Druck sind fast immer dieselben. Keins davon ist schlimm, alle lassen sich vermeiden.

Zu viel Farbe. Der häufigste Fehler. Eine dicke Farbschicht sieht auf der Platte satt aus, druckt aber matschig. Die feinen Rillen laufen zu, Details verschwinden. Weniger Farbe, dafür gleichmäßiger. Der Probedruck zeigt sofort, ob es passt.

Zu tief geschnitten. Wer zu viel Druck ausübt, gräbt sich ins Material. Das Linoleum splittert, Kanten werden unsauber. Die Klinge muss nur die oberste Schicht abtragen.

Spiegelung vergessen. Texte und asymmetrische Motive erscheinen seitenverkehrt im Druck. Prüfe die Spiegelung vor dem Schnitzen mit einem Spiegel oder der Handy-Kamera.

Papier verschoben. Einmal aufgelegt, darf das Papier nicht rutschen. Fixiere eine Kante mit Kreppband.

Werkzeug stumpf. Stumpfe Klingen reißen das Material statt es zu schneiden. Sieht man an ausgefransten Kanten. Nachschärfen lohnt sich.

Was unterscheidet einen Anfänger-Druck von professioneller Druckgrafik?

Wer zum ersten Mal selbst druckt, hat danach ein anderes Auge für Druckgrafik. Die Stellen, an denen man selbst gescheitert ist, sieht man plötzlich bei jedem Blatt an der Wand.

Professionelle Druckgrafikerinnen und Druckgrafiker arbeiten mit einer Präzision, die Jahre braucht. Die Farbschicht ist bei jedem Abzug gleichmäßig, weil die Hände die richtige Menge kennen. Die Schnitte sind exakt, weil hunderte Platten vorher da waren. Bei Mehrfarbdrucken stimmt die Registrierung auf Bruchteile von Millimetern. Dazu kommt das Papier: Profis drucken auf hochwertigem Künstlerpapier, das Farbe anders aufnimmt als Zeichenpapier.

Wer nach dem eigenen Küchentisch-Experiment Lust hat, an einer echten Presse zu arbeiten, findet im Druckwerkstätten-Atlas offene Werkstätten in der Nähe. Wer sich für Tiefdrucktechniken wie die Radierung interessiert, findet dort oft auch Kupferpressenzeit. Unsere Linolschnitt-Sammlung zeigt, wie die Technik in geübten Händen aussieht. Wer mehr über das Verfahren wissen will, findet auf der Seite Linolschnitt eine ausführliche Erklärung. Einen Überblick über alle Techniken der Druckgrafik gibt es auf der Übersichtsseite.

Häufige Fragen

Kann ich Linoldruck ohne Presse machen? Ja. Ein Holzlöffel, ein Falzbein oder ein Baren reichen zum Andrücken. Pressen liefern gleichmäßigere Ergebnisse bei großen Auflagen, aber für Einzeldrucke funktioniert Handabrieb einwandfrei.

Welches Material eignet sich für Anfänger? Softcut-Platten (feste Gummimischung statt echtem Linoleum) sind leichter zu schneiden und verzeihen Fehler eher. Dazu wasserbasierte Druckfarbe, ein Schnitzwerkzeug-Set mit Wechselklingen und eine Gummiwalze. Gesamtkosten für ein Starter-Set: circa 15 bis 30 €.

Warum ist mein Druck spiegelverkehrt? Beim Hochdruck wird alles seitenverkehrt übertragen. Buchstaben und asymmetrische Motive müssen auf der Platte spiegelverkehrt angelegt werden. Am einfachsten: Motiv auf Papier zeichnen, umdrehen und auf die Platte durchpausen.

Kann ich auf Stoff statt auf Papier drucken? Ja. Linoldruck auf Stoff funktioniert mit spezieller Textildruckfarbe, die nach dem Trocknen gebügelt und damit fixiert wird. Baumwolle oder Leinen eignen sich am besten. Vorher waschen, damit die Appretur raus ist.

Was ist der Unterschied zwischen Linolschnitt und Holzschnitt? Beide sind Hochdruckverfahren: Die erhabenen Flächen drucken, die vertieften nicht. Der Unterschied liegt im Material. Linoleum hat keine Maserung und lässt sich in jede Richtung gleichmäßig schneiden. Holz hat eine Faserrichtung, die den Schnitt beeinflusst und dem Druck eine eigene Textur gibt. Einen Überblick über alle Verfahren gibt die Seite Druckgrafik.

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Zuletzt aktualisiert am 28.05.2026.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Tate: Linocut – Art Term. Einführung in den Linolschnitt als Hochdruckverfahren mit historischem Kontext. https://www.tate.org.uk/art/art-terms/l/linocut
  • The Victoria and Albert Museum (V&A): Introduction to Printmaking. Überblick über Hoch-, Tief- und Flachdruckverfahren, einschließlich Linolschnitt und Holzschnitt. https://www.vam.ac.uk/articles/what-is-print
  • Royal Academy of Arts: A Beginner's Guide to Printmaking. Praktische Einführung in Drucktechniken für Einsteiger, mit Materialhinweisen. https://www.royalacademy.org.uk/article/from-aquatints-to-woodcuts-a-visual