Druckgrafik-Institutionen: Society, Print Studio, Akademie, Kupferstichkabinett

Druckgrafik-Institutionen lassen sich in vier Typen sortieren: gewählte Fachgesellschaften, offene Druckwerkstätten, berufende Akademien und archivierende Kupferstichkabinette. Was sie voneinander trennt, ist nicht das Gründungsjahr und nicht das Ansehen, sondern das Zugangsmodell, die Form der Mitgliedschaft und die Funktion, die das Haus tatsächlich erfüllt.

Der Studiensaal des Kupferstichkabinetts in Berlin ist ein öffentlicher Saal: Wer hineinwill, braucht weder eine Wahl noch eine Mitgliedschaft, und das Haus legt Besucherinnen und Besuchern Originale zur Betrachtung vor. Was es verlangt, ist ein Termin: Der Besuch ist derzeit nur nach rechtzeitiger vorheriger Anmeldung möglich. Geöffnet ist an vier Tagen in der Woche, dienstags bis freitags, am Vormittag und am Nachmittag. Gesammelt wird in diesem Haus seit 1831.

Dublin, im Jahr 1983: Ein junger Maler meldet sich zu einem Kurs im Graphic Studio Dublin an, weil er herausfinden will, ob ihm das Drucken überhaupt liegt. In einem Interview mit Oliver Sears für das Gandon Profile #29 (Dublin, 2020) erzählt Stephen Lawlor von dieser Anmeldung und schiebt nach, er habe damals keine Ahnung gehabt, dass er fast vierzig Jahre später immer noch drucken würde ("I had no idea that I would still be making prints almost 40 years later").

Beides sind Druckgrafik-Institutionen, beide haben mit denselben Blättern zu tun. Trotzdem hängt der eine Zugang an einer Terminanfrage und der andere an einer Kursanmeldung. Dazwischen liegen zwei weitere Formen, die gewählte Fachgesellschaft und die Akademie. Alle vier laufen im Sprachgebrauch unter dem Wort Institution, als wäre das eine einzige Kategorie. Die Frage ist, was sie strukturell unterscheidet, wenn es weder das Alter noch das Prestige ist.

Wie kommt man in eine dieser vier Welten hinein?

Die heutige Royal Scottish Academy in Edinburgh wurde am 27. Mai 1826 als Scottish Academy of Painting, Sculpture, and Architecture von dreizehn Künstlern gegründet, elf Malern, einem Architekten und einem Bildhauer, und aufgenommen wird dort durch Wahl. Die Radierkünstlerin Bronwen Sleigh, deren Werke im Sortiment stehen, wurde 2023 gewählt.

Bei einer Fachgesellschaft läuft es ähnlich, mit einem Bewerbungsverfahren davor: Bei der Royal Society of Printmakers schickt man zuerst Abbildungen der eigenen Arbeiten und eine Gebühr von 50 Pfund nach London, und wer die Vorauswahl übersteht, muss ein echtes Blatt zur Begutachtung durch den Council nachreichen. Ein Print Studio dreht das um: Der übliche Einstieg ist ein Kurs, den man bucht, so wie Stephen Lawlor 1983 am Graphic Studio Dublin, das seit seiner Gründung 1960 genau dafür da ist, Leuten das Drucken beizubringen. In den Studiensaal eines Kupferstichkabinetts kommt man ohne jede Prüfung der eigenen Arbeit. In Berlin ist die Hürde ein Kalender, den man derzeit mit dem Haus abstimmt: Der Saal verlangt eine Anmeldung, zur Registrierung einen gültigen Ausweis. Wer besonders empfindliche Originale, umfangreiche Sammlungskomplexe oder besonders großformatige Werke sehen will, stellt die Anfrage mindestens zehn Tage vor dem Besuch.

Bronwen Sleigh an einer Tiefdruckpresse in einer Gemeinschaftswerkstatt, im Hintergrund arbeiten zwei weitere Personen an eigenen Tischen
Eine Tiefdruckpresse in geteilter Nutzung: im Hintergrund arbeiten zwei weitere Personen an eigenen Tischen, an der Presse hängt ein laminierter Aushang mit Nutzungsregeln.

Die vier Verfahren unterscheiden sich nicht nur im Aufwand, sondern in dem, was sie überhaupt prüfen. Eine Gesellschaft prüft Arbeit. Die Gesellschaft, die sich 1880 in London als Society of Painter-Etchers gründete und heute Royal Society of Printmakers heißt, hat den Zugang von Anfang an über das eigene Werk geregelt, über die Radierung, die man selbst gezogen hat, beurteilt von Leuten, die dasselbe tun. Neun Jahre später steht in Paris dieselbe Konstruktion, und der Name sagt sie auf Französisch: Société des Peintres-Graveurs Français, radierende Maler. Gegründet wurde die Gesellschaft im Januar 1889 von Félix Bracquemond gemeinsam mit seinem Freund Henri Guérard, unter der Patronage von Philippe Burty. Der Katalog der französischen Nationalbibliothek führt die Gesellschaft mit dem Gründungsjahr 1889, die erste eigene Ausstellung eröffnete am 23. Januar desselben Jahres in den Galerien Durand-Ruel.

Ein Print Studio prüft nichts, es vermietet Zugang und Wissen. Das Graphic Studio Dublin, gegründet 1960, nimmt niemanden auf und wählt niemanden, es setzt Leute in einen Kurs. Lawlors Satz über 1983 beschreibt genau diesen Mechanismus, ohne ihn erklären zu müssen: Er wollte wissen, ob ihm das Drucken liegt, also buchte er. Bei einer Gesellschaft wäre diese Reihenfolge unmöglich. Dort muss das Werk vor der Aufnahme bereits existieren. Ein Blatt wie Lawlors Radierung Judith, ein Kopf aus Dunkelheit, stünde dort am Anfang der Bewerbung, nicht am Ende eines Kurses.

Radierung Judith von Stephen Lawlor: ein Kopf aus Dunkelheit, die Oberfläche wie ein verwitterndes Fresko
Stephen Lawlor, Judith, Radierung. Ein Kopf aus Dunkelheit, in der Oberfläche wie ein verwitterndes Fresko. Vom Künstler, der 1983 als Kursteilnehmer anfing.

Der Studiensaal prüft nicht dein Können, er verwaltet Zeit und Bestand. Was du dort mitbringen musst, ist eine Vorstellung davon, was du sehen willst, dazu einen Ausweis und derzeit eine Anmeldung. Der Unterschied zwischen den vier Türen liegt also weniger im Schwierigkeitsgrad als in der Frage, worauf das Schloss überhaupt reagiert: auf ein eingereichtes Blatt, auf eine Buchung, auf eine Wahl oder auf einen Termin.

Eine Zusage und ein gebuchter Kursplatz sind allerdings noch keine Mitgliedschaft. Bei zwei der vier Typen beginnt die eigentliche Verpflichtung erst nach der Aufnahme.

Was schuldet man der Institution, sobald man Mitglied ist?

Bei der Royal Scottish Academy kostet die Wahl ein Werk. Seit 1831 geben die gewählten Academicians nach der Wahl ein Beispiel der eigenen Arbeit in die hauseigene Diploma Collection, und aufgenommen wird dieses Werk erst, wenn die volle Mitgliederversammlung zustimmt. Die Wahl ist damit kein Endpunkt, sie zieht eine Abgabe nach sich: Anerkennung gegen Bestand. Die Kontrollinstanz dabei ist nicht der Vorstand, sondern die Versammlung aller Mitglieder.

Verwechseln lässt sich das leicht, deshalb einmal sauber getrennt: Die Royal Society of Printmakers und die Akademie in Edinburgh führen jeweils eine eigene Diploma Collection, und in beide geht ein Werk aus der eigenen Arbeit ein, kein Sonderstück. Bei der Society betrifft die Abgabe die Vollmitglieder, ihr Diplomwerk geht in die RE Diploma Collection. Bei der Akademie hängt die Gattung am Gewählten: Ihre Sammlung besteht aus Werken, die Künstler und Architekten als Bedingung ihrer Wahl ausgesucht haben, ein Diplomwerk ist dort also nicht zwingend ein Blatt.

Ränge können auch verschwinden. 2005 schaffte die Royal Scottish Academy die Mitgliedsstufe "Associate" ab, die seit 1826 bestanden hatte. Was daraus für die damals amtierenden Associates folgte, geben die beiden verfügbaren Darstellungen unterschiedlich wieder. Die Akademie selbst schreibt, alle amtierenden Associates seien zu vollen Academicians aufgerückt. Die zweite Darstellung knüpft die volle Mitgliedschaft nach der Charter-Änderung dagegen an eine Bedingung: Erst wer ein Diplomwerk in die ständige Sammlung gegeben hat, hat Anspruch darauf. Ein Aufstieg ohne jedes Zutun und ein Aufstieg gegen Abgabe eines Blattes sind zwei verschiedene Vorgänge, und die Quellen legen sich nicht auf denselben fest. Sicher ist nur, dass die Stufe unter der Spitze ab 2005 aufhörte zu existieren.

Was die Wahl praktisch verändert, steht danach hinter dem Namen. Auf der Website der Royal Scottish Academy läuft das Profil von Bronwen Sleigh, 2023 gewählt, unter "Bronwen Sleigh RSA". Das Kürzel ist kein Titel, den man führen darf, weil man sich beworben hat, sondern einer, den die Mitglieder vergeben. Wie ihre Arbeit aussieht, zeigt die Radierung Laugardalslaug: ein fragmentierter Bauplan, feines Kratzliniennetz über die ganze Platte.

Radierung Laugardalslaug von Bronwen Sleigh: ein fragmentierter Bauplan, feines Kratzliniennetz über die ganze Platte
Bronwen Sleigh, Laugardalslaug, Radierung. Ein fragmentierter Bauplan, feines Kratzliniennetz über die ganze Platte. Von der 2023 gewählten Academician.

Zwei der vier Typen kennen dieses Konzept überhaupt nicht. Ein Kupferstichkabinett hat keine Mitglieder. Es gibt dort keinen Rang zu erreichen und keine Abgabe zu leisten, und wenn du den Studiensaal verlässt, endet das Verhältnis. Ein Print Studio wiederum kennt zwar oft das Wort Mitglied, meint damit aber etwas anderes: bezahlten Zugang. Das Spike Print Studio in Bristol, 1976 von Peter Reddick gegründet, zählt rund 160 Mitglieder, und Mitglied heißt hier, an den Pressen arbeiten zu dürfen, unter anderem an einer Albion-Presse von 1842, die immer noch läuft. Gewählt wird dafür niemand.

Auch das Wort Gesellschaft sagt für sich genommen wenig darüber, was sie von ihren Mitgliedern verlangt. Die Pirckheimer-Gesellschaft, am 29. Januar 1956 in Berlin gegründet, versammelt heute rund 600 Menschen, die Bücher und Grafik sammeln, nicht zwingend welche, die drucken. Der Print Council of America verlangt ebenfalls kein eigenes Werk, sondern beruflichen oder wissenschaftlichen Bezug zur Druckgrafik: in erster Linie Museumskuratorinnen und -kuratoren, dazu Hochschullehrende, Papierrestauratoren und unabhängige Forschende ("It is primarily a group of museum curators, but also includes university professors, conservators of works on paper, and independent scholars involved in the study of prints"). Beide Gesellschaften verzichten damit auf genau das, was eine Society oder Akademie verlangt: das eigene Werk als Eintrittskarte.

Noch einmal anders funktioniert der Kunstverein, der in Deutschland dieselbe Vokabel benutzt und ein drittes Modell dahinterlegt: Dort ist die Mitgliedschaft käuflich und oft die Voraussetzung dafür, überhaupt kaufen zu dürfen, wie bei den Jahresgaben der Kunstvereine, deren Termine zusammen mit den Grafikmärkten in Deutschland auf einer Karte stehen.

Was eine Akademie ihren gewählten Mitgliedern abverlangt, sagt noch nichts darüber, wozu sie einmal gegründet wurde.

Lehrt, sammelt oder stellt aus: Was macht die Institution wirklich?

1960 gründete der Maler Patrick Hickey zusammen mit Anne Yeats, Elizabeth Rivers, Leslie MacWeeney und Liam Miller das Graphic Studio Dublin, und der Grund war eine Lücke: In Irland fehlte die künstlerische Ausbildung. Eine Werkstatt übernahm damit die Aufgabe, die man üblicherweise bei einer Schule vermuten würde. Stephen Lawlor, der 1983 als Kursteilnehmer kam, war später selbst Chairman dieses Hauses, bis 2005.

Stephen Lawlor in seinem eigenen Atelier, Tiefdruckpresse mit blanker Stahlwalze, dahinter Bücherwand und Grafikschuber unter der Dachschräge
Stephen Lawlor in seinem eigenen Atelier: eigene Presse, Bücherwand, Grafikschuber unter der Dachschräge.

Der umgekehrte Fall steht in Edinburgh. Zu den erklärten Zielen der Scottish Academy gehörte 1826 ausdrücklich, eine Akademie der schönen Künste zu gründen, die ihre Studierenden kostenlos unterrichtet. Von außen betrachtet ist von diesem Ausbildungsauftrag heute wenig zu sehen. Sichtbar sind Wahlen, Ausstellungen und eine Sammlung, die mit jedem neuen Mitglied wächst. Nicht jede Institution, die sich Akademie nennt, unterrichtet. Strukturell steht so ein Haus näher an einer gewählten Fachgesellschaft als an einer Schule.

Eine Society hält von den drei denkbaren Aufgaben zwei: Sie sammelt, über die Diploma Collection, in die ihre Vollmitglieder ein Werk einbringen, und sie stellt aus. Wie regelmäßig das laufen kann, zeigt die Society of Wood Engravers: 1920 gegründet, schickt sie eine jährliche Wanderausstellung durch Großbritannien. Unterrichtet wird bei diesem Typ nicht. Wer sich bewirbt, bringt das Handwerk schon mit, sonst käme das eingereichte Blatt nicht durch den Council. Genau die Aufgabe, für die das Dubliner Haus 1960 gegründet wurde, kommt bei einer Society also nicht vor.

Der Lehrauftrag ist das, was eine Akademie von sich behauptet, und er sagt wenig darüber, wer dort tatsächlich unterrichtet. In Edinburgh steht er seit 1826 im Gründungszweck, im heutigen Betrieb ist er kaum zu erkennen. In Berlin lässt sich an einem einzelnen Fall sehen, wie weit Titel und Lehre auseinanderliegen können. Am 24. Januar 1919 wurde Käthe Kollwitz als erste Frau reguläres Mitglied und zugleich Professorin der Preußischen Akademie der Künste. Auf eigenen Wunsch war diese Berufung nicht mit einer Lehrtätigkeit verbunden, unterrichtet hat Kollwitz erst ab 1928. Dann übernahm sie die Leitung des Meisterateliers für Grafik an der Akademie. Zwischen Titel und Lehrtätigkeit lagen in ihrem Fall neun Jahre. Die Trennung zu den anderen Typen läuft damit nicht über den Titel, sondern über den Anspruch: Eine Society erhebt gar keinen Lehranspruch, in einem Print Studio ist der Kurs das Geschäft, und bei einer Akademie steht die Lehre im Gründungstext oder im Titel, während sich davon unabhängig entscheidet, ob jemand unterrichtet.

Das Kupferstichkabinett macht weder das eine noch das andere. Das Kupferstichkabinett in Berlin verwahrt mehr als 500.000 Drucke und rund 110.000 weitere Werke der Kunst auf Papier und ist nach Angabe des Hauses die größte grafische Sammlung in Deutschland. Es wählt niemanden aus und unterrichtet nicht. Seine Funktion ist, Bestand zu halten und ihn auf Anfrage vorzulegen. Der Name trägt den Kupferstich im Titel, das Haus verwahrt aber jede Technik, die auf Papier gedruckt wurde. Berlin ist dabei nicht das einzige Haus dieser Art in Deutschland.

Solche Bestände sind auch international schwer zu überblicken. Das Department of Prints and Drawings des British Museum verwahrt rund 50.000 Zeichnungen und über zwei Millionen Drucke aus sechs Jahrhunderten. Ein Haus dieser Größenordnung entscheidet nicht darüber, wer Künstlerin oder Künstler wird, und es bildet niemanden aus. Es hält bereit, was andere gemacht haben, und überlässt es dem Besuch, was daraus folgt.

Rod Nelson färbt in seinem Atelier die Teile eines großen mehrteiligen Holzstocks blaugrün ein, an der Wand großformatige Wellendrucke
Rod Nelson in seinem eigenen Atelier: die Plattenteile eines großen Holzstocks nebeneinander, die Wellenformen flach herausgeschnitten und blaugrün eingefärbt.

Wie Rod Nelson zum Holzschnitt fand, zeigt zugleich die Grenze dieser Vierer-Typologie. Auf seiner eigenen Website beschreibt er den Anstoß: Arbeiten, die ihn elektrisiert hätten, durch ihre Kühnheit, ihren Maßstab, ihre Schönheit, ihren Humor und ihre Menschlichkeit ("work that electrified me, by its daring, its scale, its beauty and its humour and humanity"). Gemeint sind die Blätter des japanischen Holzschnitt-Meisters Shiko Munakata, überwiegend in hartem Schwarzweiß. Der Satz nennt ein Werk, keine Institution: Hinter diesem Auslöser steht keiner der vier Typen. Was daraus geworden ist, zeigt ein Holzschnitt wie An Ancient Way: schwarze Stämme vor silbrigem Gegenlicht, geflecktes Licht auf dem Waldboden.

Holzschnitt An Ancient Way von Rod Nelson: schwarze Stämme vor silbrigem Gegenlicht, geflecktes Licht auf dem Waldboden
Rod Nelson, An Ancient Way, Holzschnitt. Schwarze Stämme vor silbrigem Gegenlicht, geflecktes Licht auf dem Waldboden, eine einsame Figur, ein Echo auf Caspar David Friedrich.

Zwischen Lehrwerkstatt und Archiv liegt eine vierte Funktion, die keine der drei Aufgaben abdeckt: die Werkstatt als Produktionsort für Künstlerinnen und Künstler, die anderswo längst etabliert sind. Stanley William Hayters Atelier 17, 1927 in Paris gegründet und 1940 nach New York verlegt, arbeitete so; die MoMA-Ausstellung "Hayter and Studio 17" zeigte von Juni bis Oktober 1944 einhundert Drucke von 32 Künstlern. Ähnlich das Kelpra Studio, das Chris und Rose Prater 1957 in Kentish Town im Nordwesten Londons aufmachten und das zur zentralen Adresse für die britische Pop Art und Op Art wurde. In beiden Fällen ging es um Zusammenarbeit an einer Maschine, die sich sonst niemand einzeln hinstellt.

Auch bei künstlerischen Drucktechniken als Kulturerbe geht es um genau diese Weitergabe von Können. Den Antrag dafür stellten in Deutschland ein Museum und ein Berufsverband gemeinsam, das Museum für Druckkunst Leipzig und der BBK Bundesverband. Unterrichtet wird davon unabhängig in den Druckwerkstätten in Deutschland, die von der offenen Werkstatt bis zur Hochschulwerkstatt reichen.

Was passiert, wenn sich die Regeln einer Institution ändern?

Eine Society ändert sich, indem sie erweitert, wen sie überhaupt zulässt. Bei der Royal Society of Printmakers, die damals noch Royal Society of Painter-Printmakers hieß, lässt sich diese Öffnung an Jahreszahlen ablesen: Der Stich (Engraving) kam 1897 hinzu, der Holzstich 1920. Danach öffnete sich die Gesellschaft zunächst über die Farbe, mit farbigen Originaldrucken ab 1957, bevor 1987 die Lithografie folgte und ab 1990 schließlich jede Form zeitgenössischer Originaldruckgrafik zugelassen war. Die Richtung ist eindeutig: Über neunzig Jahre hinweg wurde der Kreis der zugelassenen Verfahren Stück für Stück größer, während die Aufnahmelogik dieselbe blieb.

Wer nicht hineinpasst, gründet etwas Eigenes. Am 27. März 1920 entstand die Society of Wood Engravers. Im selben Jahr nahm die ältere Gesellschaft in London den Holzstich in ihren Kanon auf. Ein Verfahren bekam damit binnen eines Jahres zwei institutionelle Antworten, eine eigene Gesellschaft und einen Platz im Kanon der bestehenden.

Bei einer Akademie kann eine ganze Mitgliedsstufe verschwinden. In Edinburgh traf es 2005 die Associate-Stufe. Der Unterschied zur Society liegt damit im Ort der Entscheidung: dort wird der Kanon erweitert, hier die Rangordnung neu geschrieben.

Zwei Hände ziehen einen frisch gedruckten Bogen von rund zwanzig kleinen Holzstichstöcken auf dem Bett einer Albion-Handpresse ab
Eine Albion-Handpresse in Privatbesitz: rund zwanzig kleine Holzstichstöcke im Raster auf dem Pressbett, daneben eine handschriftliche Registeranweisung. Dieselbe Technik, ohne Institution drumherum.

Ein Print Studio ändert sich anders. Es kann schlicht aufhören. Am 1. Oktober 2020 schloss das London Print Studio. Angefangen hatte diese Geschichte 1972 an einem Küchentisch, an dem John Phillips frisch von der Kunsthochschule mit dem Siebdruck begann. Zwei Jahre später gründete Phillips gemeinsam mit Pippa Smith den Paddington Printshop, aus dem später das London Print Studio hervorging, und bezog eine alte Taxameter-Fabrik. Das Studio selbst begründete den Schritt damit, es sei unmöglich gewesen, den Betrieb mit dem Kursprogramm und den weiteren Aktivitäten während der Pandemie aufrechtzuerhalten ("We have found it impossible to run our studio with its course programme and other activities during the pandemic"). Fast fünfzig Jahre Werkstattbetrieb scheiterten an einem Jahr, in dem die Kurse ausfielen. Eine Gesellschaft kann eine solche Zeit als Mitgliederliste überstehen. Eine Werkstatt hängt an Miete, Maschinen und Leuten, die tatsächlich in den Raum kommen.

Manche Institutionen setzen außerdem Regeln für Häuser, die ihnen gar nicht unterstehen. Der 1956 gegründete Print Council of America, angeführt vom Sammler Lessing J. Rosenwald, veröffentlichte 1961 die Schrift "What is an Original Print?" mit drei Kriterien, deren drittes verlangt, dass der fertige Druck vom Künstler freigegeben wird. Diese Definition war bei einigen Fachleuten anfangs umstritten und rief bei einer anderen Organisation, dem World Print Council, ausdrücklich Ärger hervor. Genau diese Frage, was ein Blatt zum Originaldruck macht statt zur bloßen Reproduktion, geht Originalgrafik erkennen an einzelnen Merkmalen durch, vom Plattenrand bis zur Signatur und Nummerierung, also an Spuren, die am Blatt selbst sitzen und nicht an einer Mitgliederliste.

Für den vierten Typ gibt es keinen vergleichbar datierbaren Bruch. In Berlin wird seit 1831 gesammelt, und die Zahlen, die dieses Haus beschreiben, sind Bestandszahlen, keine Statutenänderungen. Von außen sieht das nach Stabilität aus. Genau genommen heißt es nur, dass die Veränderungen eines Archivs schlechter zu datieren sind als die einer Gesellschaft.

Was heißt das für jemanden, der anklopfen will?

Die Terminanfrage in Berlin ist derzeit der Weg in den Saal, und sie zeigt das Muster: Ein Haus, das keine Mitglieder führt und nichts unterrichtet, will von dir wissen, was du sehen willst und wann du kommst, nie, wie gut du bist. Deshalb steht dort ein Kalender, wo bei der Society ein Urteil über dein Werk steht.

Und Lawlors Kurs von 1983 beschreibt den Zugangsweg eines ganzen Typs in einem Satz: Man bucht, man arbeitet, und ob daraus etwas wird, entscheidet sich an der Presse und nicht in einer Abstimmung. Wer dagegen in eine Society will, muss das fertige Werk vorher haben, weil genau dieses Werk das Aufnahmekriterium ist. Bei der Akademie läuft es umgekehrt: erst die Wahl durch die Mitglieder, dann das Diplomwerk. Am Ende steht bei beiden dasselbe, ein eigenes Werk in der Sammlung des Hauses, bei der Society mit der Vollmitgliedschaft, bei der Akademie nach der Wahl.

Wie lange diese vier Formen so bleiben, ist offen. Druckgrafik-Institutionen ändern ihre Regeln nachweislich: Eine Akademie strich 2005 einen ganzen Mitgliedsrang, eine Gesellschaft hörte 1990 auf, Techniken vorzuschreiben, und ein Studio mit fast fünfzig Jahren Betrieb war 2020 zu Ende. Wer heute vor einer dieser Türen steht, erfährt aus dem Gründungsjahr wenig. Mehr sagt, woran das Haus hängt: an einer Mitgliederliste, an einem Bestand oder an einer Miete.

Häufige Fragen

Was ist ein Kupferstichkabinett?

Eine Sammlung von Kunst auf Papier, meist Teil eines Museums, mit einem Studiensaal für Besucherinnen und Besucher, aber ohne Mitglieder und ohne Lehraufgabe: Sie verwahrt Bestände und legt sie auf Anfrage vor. Das Berliner Haus sammelt seit 1831 und zählt mit über 500.000 Drucken zu den größten Sammlungen dieser Art in Deutschland.

Wie wird man Mitglied einer Druckgrafik-Gesellschaft?

Durch Bewerbung und anschließende Wahl: Erst gehen Abbildungen der eigenen Arbeit und eine Gebühr an die Gesellschaft, dann begutachtet ein Gremium ein physisches Blatt. Entschieden wird über die Arbeit, nicht über Lebenslauf oder Ausbildung. Das gilt für künstlerische Fachgesellschaften; bei einer Sammler-Gesellschaft wie der Pirckheimer-Gesellschaft zählt stattdessen das Interesse an Büchern und Grafik, dokumentiert unter anderem in der hauseigenen Zeitschrift "Marginalien", die viermal im Jahr erscheint.

Worin unterscheidet sich ein Print Studio von einer Akademie?

Ein Print Studio verkauft Zugang: Kurs buchen oder Werkstattbeitrag zahlen, dann darf man an den Pressen arbeiten. Eine Akademie wählt ihre Mitglieder, vergibt Titel und stellt aus. Die Lehre gehört bei diesem Typ zum Anspruch, fällt aber nicht mit dem tatsächlichen Unterrichten zusammen: In Edinburgh steht sie seit 1826 im Gründungszweck und ist im heutigen Betrieb kaum zu erkennen, in Berlin war Käthe Kollwitz' Berufung von 1919 auf eigenen Wunsch nicht mit einer Lehrtätigkeit verbunden, das Unterrichten begann erst 1928.

Kann man den Studiensaal eines Kupferstichkabinetts einfach besuchen?

Ja, ohne Mitgliedschaft und ohne Nachweis eigener künstlerischer Arbeit, aber nicht spontan: In Berlin ist der Besuch derzeit nur nach rechtzeitiger vorheriger Anmeldung möglich, zur Registrierung braucht es einen gültigen Ausweis, und wer besonders empfindliche Originale, umfangreiche Sammlungskomplexe oder besonders großformatige Werke sehen will, stellt die Anfrage mindestens zehn Tage vor dem Besuch. Geöffnet ist der Saal dienstags bis freitags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr, der Eintritt ist frei.

Braucht man eine Mitgliedschaft, um in einer offenen Druckwerkstatt zu arbeiten?

Meistens nicht im Sinne einer Wahl. Wo Werkstätten von Mitgliedern sprechen, ist damit ein bezahltes Nutzungsverhältnis gemeint: Beitrag zahlen, eingewiesen werden, an den Maschinen arbeiten. Für den Einstieg reicht in der Regel ein Kurs, bei dem Material und Anleitung gestellt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett: Studiensaal (Besuchsregeln und Öffnungszeiten, Stand Juli 2026)
  • Royal Scottish Academy, History und Diploma Collection (Chronik seit 1826, Edinburgh)
  • Print Council of America, What is an Original Print? (1961)
  • The Art Newspaper, Bericht zur Schließung des London Print Studio (Oktober 2020)
  • Stephen Lawlor, Interview mit Oliver Sears, Gandon Profile Nr. 29 (Dublin, 2020)

Studio Sonsu

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Die Werke kommen direkt von den Künstlerinnen und Künstlern, handsigniert und limitiert, darunter Arbeiten von Bronwen Sleigh, Stephen Lawlor und Rod Nelson.

Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de