Moderne Kunst

Moderne Kunst bezeichnet die Kunst zwischen dem späten 19. Jahrhundert und der Mitte des 20. Jahrhunderts, in der die naturgetreue Abbildung der Welt aufhört, das Ziel zu sein. Ihr deutschsprachiger Kern heißt Klassische Moderne und umfasst grob die Jahre 1900 bis 1937/1945: Expressionismus, Kubismus, Dada, Bauhaus, Surrealismus, Neue Sachlichkeit und die russische Avantgarde.

München, 19. Juli 1937, das Galeriengebäude im Hofgarten. In den Arkaden hängen mehrere Hundert Werke von über 100 Künstlern, möglichst eng und hoch gehängt, teilweise ohne Rahmen. Auf die Wände sind Sprüche und Karikaturen gemalt, die die Bilder verhöhnen. Adolf Ziegler, Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, eröffnet die Ausstellung mit dem Satz: "Sie sehen um uns herum diese Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtkönnens und der Entartung."

Was dort hing, war ein Querschnitt durch rund vier Jahrzehnte moderne Kunst, aus deutschen Museen zusammengezogen und in wenigen Räumen zur Besichtigung freigegeben. Der Staat behandelte diese Bilder als abgeschlossenen Fall. Damit hat er, ohne es zu beabsichtigen, etwas bestätigt: Hier existierte eine Epoche, die sich benennen, einsammeln und an einer Wand zusammenfassen ließ. Was diese Kunst war und wohin die Blätter nach diesem Sommer verschwanden, sind zwei verschiedene Fragen.

Was ist die Klassische Moderne, und wann begann sie?

Die Klassische Moderne ist der Sammelbegriff für die europäische Kunst zwischen 1900 und 1937/1945, vom Ende der Belle Époque bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt ein Zeitfenster, in dem sich die Bildsprachen vervielfachten. Die Bewegungen darin sehen einander oft nicht ähnlich. Sie teilen eine Abkehr: Die Wiedergabe des Sichtbaren hört auf, die Aufgabe der Kunst zu sein. Das doppelte Enddatum ist dabei kein Schreibfehler. Es markiert zwei Brüche, einen kulturpolitischen 1937 und einen militärischen 1945.

Der Kunsthistoriker Gottfried Boehm hält den Begriff selbst für schief. Er nennt "Klassische Moderne" eine ominöse Wortverbindung, ähnlich wie "hölzernes Eisen". Klassik meint Kanon, Maß und Abgeschlossenheit, Moderne meint den Bruch mit genau diesen Dingen. Wer beides in ein Wort packt, erklärt den Bruch nachträglich zum Kanon.

Paul Klee, Greiser Phoenix, 1905. Schmale, gebeugte Vogelgestalt in feinen Linien auf hellem Grund.
Paul Klee, Greiser Phoenix, 1905. Public Domain.

Paul Klees "Greiser Phoenix" von 1905 liegt zeitlich noch vor dieser Grenze und zeigt, dass das Fenster schon offen war, bevor die Gruppen sich formierten. Benutzt wird der Begriff trotzdem, und das aus einem praktischen Grund: Er trennt die Jahrzehnte vor 1945 von allem, was danach kam. Vor diesem Fenster liegen Romantik, Realismus und Impressionismus, danach Pop Art und Street Art. Die Kunstrichtungen im Überblick ordnen diese Kette chronologisch, mit der Rolle der Druckgrafik in jeder einzelnen Bewegung.

Ein Zeitfenster erklärt allerdings noch nicht, warum diese Jahre so unruhig waren. Dafür braucht es den zweiten Begriff aus dieser Zeit, der bis heute in Ausstellungstexten steht.

Was hat "Avantgarde" mit moderner Kunst zu tun?

Avantgarde war zuerst ein militärisches Wort. Es bezeichnet die Vorhut, die Truppe, die vor dem Hauptheer marschiert und als erste auf Widerstand trifft. In den 1820er Jahren wurde der Ausdruck im Umkreis des französischen Frühsozialisten Henri de Saint-Simon auf die Künste übertragen. Die Londoner Tate zitiert ihn mit der Wendung, die Künstler würden als Avantgarde dienen, die Macht der Künste sei die unmittelbarste. Gemeint war das wörtlich: Kunst als Vorausabteilung einer Gesellschaft, die sich ändern soll.

Zwischen 1900 und 1945 bekam das Wort eine handfeste Bedeutung. In diesen Jahren hieß Avantgarde Kunst mit Programm: kleine Gruppen mit eigenem Namen, Manifeste, eigene Zeitschriften, eigene Ausstellungen. Wer dazugehörte, bestimmte die Gruppe selbst. Die Eckdaten dieser Jahre sind entsprechend gut greifbar: Dezember 1911 in München, 1919 in Weimar, Oktober 1924 in Paris.

Welche Kunstrichtungen gehören zur Klassischen Moderne?

Den Kern der Epoche tragen Expressionismus, Kubismus, Bauhaus, Dada, Neue Sachlichkeit, Surrealismus und die russische Avantgarde. Einige dieser Gruppen gaben eigene Mappen und Zeitschriften heraus.

Der Expressionismus hatte zwei Zentren, die Brücke ab 1905 in Dresden und den Blauen Reiter ab 1911 in München. Die Brücke finanzierte sich über Passivmitglieder: Wer den Jahresbeitrag zahlte, bekam dafür eine Mappe mit Originalgrafiken ins Haus geschickt. Bis zur Auflösung der Gruppe 1913 waren es 68 solcher Mitglieder, überwiegend Intellektuelle und Angehörige des Bürgertums. Auf diesen 68 Adressen verteilte die Gruppe ihre Jahresmappen.

Im Dezember 1911 gründeten Wassily Kandinsky und Franz Marc in München den Blauen Reiter, nachdem Kandinsky aus der Neuen Künstlervereinigung München ausgetreten war. Kurz danach, 1912/13, erschien Kandinskys Buch "Klänge" bei R. Piper & Co. in München: 56 Holzschnitte, davon 12 farbig und 44 in Schwarz-Weiß, dazu 38 Prosagedichte, in einer Auflage von 345 Exemplaren.

Der Kubismus bildet in dieser Liste die Ausnahme: Seinen Namen bekam er von einem Kritiker, der ihn nicht als Kompliment meinte, und nicht von einem gedruckten Blatt der eigenen Gruppe. Louis Vauxcelles schrieb 1908 über Braques Bilder, sie reduzierten alles auf geometrische Schemata, auf Würfel. 1909 etablierte derselbe Kritiker den Begriff cubisme; die erste Gruppenausstellung der Kubisten folgte im Frühjahr 1911 im Salon des Indépendants, ohne Picasso und Braque. Zwischen Spott und Etikett lag ein Jahr.

Das Bauhaus gehört als Schule in diese Reihe, mit Standorten in Weimar, Dessau und Berlin und einer Laufzeit von 1919 bis 1933. Die Graphische Druckerei gehörte 1919 zu den ersten Werkstätten in Weimar; Walther Klemm leitete sie bis 1921, danach Lyonel Feininger. Unter Feininger entstand die auf fünf Mappen angelegte Reihe "Neue Europäische Graphik"; die erste Mappe versammelte die Meister des Weimarer Bauhauses, darunter zwei Farblithografien Lothar Schreyers.

Die Werkstatt beherrschte mehrere Verfahren nebeneinander: Radierung im Tiefdruck, Holzschnitt und Linolschnitt im Hochdruck, Lithografie im Flachdruck.

Der Surrealismus begann mit einem Text. André Bretons "Manifeste du surréalisme" erschien am 15. Oktober 1924 bei Éditions du Sagittaire in Paris. Am Anfang dieser Bewegung steht eine Drucksache mit Verlag und Erscheinungsdatum.

Cover der Zeitschrift MERZ Nummer 1 von Kurt Schwitters, 1923. Typografie in Rot und Schwarz, Schriftgroessen gegeneinander gesetzt.
Kurt Schwitters, Cover der Zeitschrift MERZ Nr. 1, 1923. Public Domain.

Zwei weitere Richtungen fallen in dasselbe Zeitfenster. Dada startete 1916 in Zürich gegen die bürgerliche Kultur, die Europa in den Ersten Weltkrieg geführt hatte; in Hannover entstand daraus mit Kurt Schwitters und dessen Zeitschrift MERZ, deren erste Nummer 1923 als "Holland Dada" erschien, eine eigene Variante. An der Weimarer Republik arbeitete sich ab etwa 1920 die Neue Sachlichkeit ab. Nicht zum Kern der Epoche, aber zeitgleich lief in den 1920er und 1930er Jahren Art Déco, näher an Plakat, Mode und Fassade als an der Staffelei.

Was war die russische Avantgarde?

Als russische Avantgarde bezeichnet man die künstlerische Epoche in Russland und der frühen Sowjetunion zwischen etwa 1905 und 1934. Der Suprematismus, den Kasimir Malewitsch ab 1912/13 entwickelte, und der Konstruktivismus stehen dort neben Neoprimitivismus, Kubofuturismus, Rayonismus und weiteren Richtungen bis hin zum Kosmismus.

Der Unterschied zu Dresden, München und Paris liegt weniger in den Formen als im Auftrag. Kunst sollte hier zur Infrastruktur einer neuen Gesellschaft werden. Wie ernst dieser Auftrag genommen wurde, zeigt sich an der Ausbildung. Die Moskauer VChUTEMAS, die Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätten, bestanden von 1920 bis 1930 mit 100 Lehrenden und 2.500 Studierenden, unter den Lehrenden Lissitzky, Rodtschenko und Kandinsky. Das ist keine Ateliergemeinschaft mit Programmheft, das ist eine Hochschule im Maßstab einer staatlichen Institution.

Nach Deutschland kam diese Kunst früh. 1923 gab die Kestner Gesellschaft in Hannover El Lissitzky eine erste Ausstellung und den Auftrag für eine Lithografiemappe als Jahresgabe: die erste Kestnermappe "Proun", entstanden in Hannover. Wo sich Konstruktivismus und Bauhaus berührten und an welchen Stellen sie auseinandergingen, ist im direkten Vergleich der beiden aufgeschlüsselt.

Welche Künstler prägten die Klassische Moderne?

Franz Marc, Tiger, 1912. In kantige Farbflaechen zerlegter Tigerkoerper, der sich im Bildraum zusammenduckt.
Franz Marc, Tiger, 1912. Public Domain.

Moderne Künstler dieser Jahrzehnte lassen sich nach den Bewegungen ordnen, in denen sie gearbeitet haben. Franz Marcs Gemälde "Tiger" von 1912 gehört in den Umkreis des Blauen Reiters. Zum Expressionismus gehört Ernst Ludwig Kirchner als Mitglied der Brücke, dazu Wassily Kandinsky auf der Seite des Blauen Reiters. Edvard Munch ist älter als die Epoche. Er lebte von 1863 bis 1944.

Kaethe Kollwitz, Die Muetter, Holzschnitt 1921/22 aus der Folge Krieg. Eng ineinander gedraengte Frauengestalten, die ihre Kinder abschirmen.
Käthe Kollwitz, Die Mütter, 1921/22, Blatt 6 der Folge Krieg. Holzschnitt. Public Domain.

Bei Käthe Kollwitz trugen die gedruckten Blätter das gesamte Werk. Radierung, Lithografie und Holzschnitt waren ihre primären Medien, bewusst gewählt. "Die Mütter", Blatt 6 der Folge "Krieg" von 1921/22, ist einer dieser Holzschnitte. Neun Jahre lagen zwischen zwei Kollwitz-Meilensteinen bei der Preußischen Akademie der Künste: 1919 wurde sie als erste Frau ordentliches Mitglied und zugleich Professorin, das Meisteratelier für Grafik aber übernahm sie erst 1928. Ihren Namen tragen heute drei voneinander unabhängige Käthe-Kollwitz-Museen in Köln, Berlin und Moritzburg. Aus Worpswede kommt Paula Modersohn-Becker, deren Werk 1907 abbrach, als sie im Alter von 31 Jahren starb.

Am Bauhaus arbeiteten Paul Klee und Lyonel Feininger; Feininger übernahm 1921 die Leitung der Graphischen Druckerei.

In Paris stehen Pablo Picasso und Georges Braque am Anfang des Kubismus. Picasso ist in Deutschland mit einem eigenen Haus vertreten. Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster geht auf die Sammlung des Sammlerehepaars Jutta und Gert Huizinga zurück, über 800 Exponate mit Schwerpunkt Lithografie.

Henri Matisse illustrierte 1944 das Künstlerbuch "Pasiphaé" mit 51 Linolschnitten; es erschien bei Fabiani in Paris in einer Auflage von 230. Für Marc Chagall fing die Druckgrafik in Berlin an: 1922 begann er im Auftrag des Kunsthändlers Paul Cassirer Radierungen zu einer Buchausgabe seiner Autobiografie "Mein Leben". Am 1. September 1923 folgte er einer Aufforderung seines Freundes Blaise Cendrars und zog mit seiner Familie nach Paris.

Aus Dada und Neuer Sachlichkeit kommen drei Namen, die selten zusammen genannt werden. Hannah Höch lernte das Grafikhandwerk, bevor sie mit der Schere bekannt wurde: 1915 trat sie in Berlin in die Grafikklasse Emil Orliks an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums ein. Bei George Grosz landete ein gedrucktes Blatt vor Gericht. Zwei Blätter seiner Mappe "Hintergrund" von 1928, darunter ein Christus mit Gasmaske, brachten ihm und seinem Verleger Wieland Herzfelde eine Anklage wegen Gotteslästerung ein; der Streit ging durch mehrere Instanzen bis zum Reichsgericht. Ihn und Otto Dix zählte Gustav Friedrich Hartlaub 1925 in seiner Mannheimer Ausstellung "Neue Sachlichkeit" zum veristischen, also sozialkritischen Flügel der Bewegung.

Zum Surrealismus gehören Max Ernst, der vorher schon Dada in Köln mitbegründet hatte und in Bonn Philosophie, Kunstgeschichte und Psychologie studierte, aber nie eine Kunstausbildung erhielt, und Joan Miró, der 1920 nach Paris zog und sich 1924 der Surrealistengruppe anschloss, in ihr aber ein Außenseiter blieb.

Und dann ist da Max Beckmann. Am 19. Juli 1937, dem Tag der Münchner Eröffnung, verließ er Deutschland endgültig und ging nach Amsterdam. 21 seiner Werke hingen in der Ausstellung. Die Namen und die Werke dieses Kapitels existierten am 19. Juli 1937 also längst. An diesem Tag holte sie ein Staat aus den Depots.

Was geschah mit dieser Kunst, nachdem sie 1937 für "entartet" erklärt wurde?

Die Münchner Ausstellung war der Auftakt, nicht das Ergebnis. Ab dem 6. August 1937 bereisten Kommissionen rund 100 Museen und beschlagnahmten, das Münchner Ausstellungsgut eingerechnet, über 20.000 Werke von mehr als 1.400 Künstlern. Was Museen über Jahrzehnte angekauft hatten, verließ die Häuser innerhalb weniger Monate.

Max Beckmann, Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921. Frontales Selbstbildnis mit steifem Hut, harte Schwarz-Weiss-Kontraste.
Max Beckmann, Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921. Public Domain.

Sein "Selbstbildnis mit steifem Hut" von 1921 entstand sechzehn Jahre vor diesem Sommer. Was danach mit den Werken passierte, folgte keiner einheitlichen Linie. Am 20. März 1939 wurde der als "unverwertbarer Rest" eingestufte Teil im Hof der Berliner Hauptfeuerwache verbrannt. Gut drei Monate später, am 30. Juni 1939, versteigerte die Galerie Fischer in Luzern im Auftrag der deutschen Regierung 125 Spitzenwerke aus derselben Aktion. Dieselbe Beschlagnahmung endete für die einen Werke im Feuer und für die anderen in einem Schweizer Auktionssaal.

Vollständig verschwunden ist der Bestand nicht: Ein Teil ging in Luzern in Privatbesitz über, und 244 Werke, die von Ausländern stammten, Ausländern gehörten, Leihgaben aus Privatbesitz waren oder als Grenzfälle galten, gaben die Nationalsozialisten an die Besitzer oder an die Künstler zurück.

Die Epoche selbst hatte damit ein Ende, und zwar ein datierbares. Wo genau der Begriff "moderne Kunst" aufhört, ist damit allerdings noch nicht beantwortet.

Wo endet die Klassische Moderne, und wo beginnt die Gegenwart?

Die Antwort hängt davon ab, wer zählt. Die Londoner Tate fasst modernism und modern art als Abfolge von Kunstbewegungen, die mit dem Realismus Gustave Courbets einsetzt und in der abstrakten Kunst der 1960er Jahre kulminiert. Nach dieser Lesart läuft die Moderne noch zwanzig Jahre weiter, nachdem sie in Deutschland längst abgebrochen worden war.

Das Museum of Modern Art setzt die Grenze anders und lässt die zeitgenössische Kunst erst um 1980 beginnen; diese Abgrenzung ist samt der documenta-Zäsur von 1955 auf der Seite zur zeitgenössischen Kunst nachgezeichnet. Die deutschsprachige Klassische Moderne endet 1937 beziehungsweise 1945, der internationale Begriff der Moderne läuft bis in die 1960er Jahre. Auf denselben Gegenstand fallen damit zwei unterschiedliche Datierungen, und jede ist innerhalb ihrer eigenen Zählweise richtig.

Zurück nach München. Die mehreren Hundert Werke, die am 19. Juli 1937 in den Hofgartenarkaden hingen, sind als Gruppe nie wieder zusammengekommen: ein Teil verbrannte, ein Teil wurde verkauft, ein Teil kam zurück. Die Epoche, die an diesem einen Tag geschlossen werden sollte, existiert seitdem verstreut: in Museumsdepots, in Werkverzeichnissen, in Mappen, die einmal an 68 Adressen verschickt wurden. Ob die Grenze zur Gegenwart bei 1937, bei 1945 oder in den 1960er Jahren liegt, ist deshalb weniger eine Frage der Kunst als eine Frage des Zählens.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen moderner Kunst und Klassischer Moderne?

Moderne Kunst ist der weite Begriff und meint die Abfolge der Bewegungen vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre. Klassische Moderne ist der engere, vor allem im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Ausdruck für den Kern dieser Zeit, ungefähr 1900 bis 1937/1945. Wer im Museum vor einem Kirchner oder einem Kandinsky steht, sieht Klassische Moderne und damit zugleich einen Ausschnitt der modernen Kunst.

Ist moderne Kunst dasselbe wie abstrakte Kunst?

Nein. Abstraktion ist eine von mehreren Antworten dieser Epoche, nicht ihr Kennzeichen. Kubismus, Suprematismus und Teile des Bauhauses arbeiten abstrakt. Neue Sachlichkeit, Surrealismus und große Teile des Expressionismus bleiben gegenständlich, oft sogar sehr genau. Gemeinsam ist ihnen die Abkehr von der reinen Wiedergabe des Sichtbaren.

Welche Künstler der Moderne sollte man kennen?

Wer moderne Künstler nach Bewegungen sortiert, kommt mit dieser Reihe weit: für den Expressionismus Kirchner und Kandinsky, für den Kubismus Picasso und Braque, für das Bauhaus Klee und Feininger, für Dada Höch und Schwitters, für die Neue Sachlichkeit Dix und Grosz, für den Surrealismus Ernst und Miró, für die russische Avantgarde Malewitsch, Lissitzky und Rodtschenko. Diese Namen decken die Epoche in ihrer Breite ab, ohne dass die Aufzählung vollständig wäre.

Bedeutet Avantgarde in der Kunst dasselbe wie modern?

Nicht ganz. Modern beschreibt einen Zeitraum, Avantgarde eine Haltung. Der Ausdruck kommt aus der Militärsprache und wurde in den 1820er Jahren im Umkreis von Henri de Saint-Simon auf die Künste übertragen. Zwischen 1900 und 1945 hieß Avantgarde konkret: eigene Gruppe, eigenes Manifest, eigene Zeitschrift. Nicht jede moderne Arbeit dieser Jahre ist deshalb avantgardistisch.

Wann endete die russische Avantgarde?

Üblicherweise wird die russische Avantgarde auf die Jahre zwischen etwa 1905 und 1934 datiert. Die wichtigste Ausbildungsstätte dieser Bewegung, die Moskauer VChUTEMAS, bestand mit 100 Lehrenden und 2.500 Studierenden von 1920 bis 1930. Danach setzte sich der Sozialistische Realismus als verbindliche Staatskunst durch, und die abstrakten Strömungen verloren ihre institutionelle Basis.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Freie Universität Berlin, Forschungsstelle "Entartete Kunst": Datenbank zur Beschlagnahmeaktion (1937/38)
  • Bundeszentrale für politische Bildung, Hintergrund aktuell: Vor 80 Jahren, Ausstellung "Entartete Kunst" (2017)
  • Historisches Lexikon Bayerns, Artikel "Entartete Kunst (Ausstellung)"
  • Tate, London, Art Terms: "Modernism" und "Avant-garde"
  • Bauhaus Kooperation, Werkdokumentation: Graphische Druckerei und die Mappenreihe "Neue Europäische Graphik" (1921)
  • Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Sammlungsdokumentation: Picasso und die Druckgrafik
  • Kollwitz Museum Köln, Biografie: Akademie 1919 und Meisteratelier 1928
  • Museum of Modern Art, New York: Paul Klee, Aged Phoenix (1905); Henri Matisse, Pasiphaé (1944)
  • Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Biografie Kurt Schwitters

Zuletzt aktualisiert am 06.09.2026.

Studio Sonsu ist eine Galerie für Originaldruckgrafik mit Standort in Hannover-Linden. Das Programm umfasst Radierungen, Holzschnitte, Siebdrucke, Lithografien und Linolschnitte von Künstlerinnen und Künstlern aus Europa. Alle Werke: studiosonsu.de/collections/all. Fragen: hello@studiosonsu.de