Klingspor Museum Offenbach

Das Klingspor Museum in Offenbach am Main ist ein städtisches Museum für internationale Buch- und Schriftkunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Gegründet wurde es 1953, auf Grundlage der privaten Sammlung des Schriftgießers Karl Klingspor. Es liegt im Südflügel des Büsing-Palais an der Herrnstraße 80.

Herrnstraße, Offenbach am Main. Im Museum hängen elf Schriftteppiche, ausgeführt in den 1920er Jahren von Rudolf Koch und seiner Werkstatt. Keine Bilder, keine Ornamente. Buchstaben, in Garn übersetzt, ziehen sich über ganze Wandflächen.

Das ist eine seltsame Entscheidung, wenn man kurz darüber nachdenkt. Gedruckt ist ein Satz in Sekunden hundertfach vorhanden. In Garn ist er ein einziges Mal da, in einem Material, das mit Sprache nichts zu tun hat. Wer vor diesen Teppichen steht, fragt sich, warum jemand diesen Umweg nimmt.

Die Antwort führt zurück zu einer Offenbacher Schriftgießerei, zu einem Mann, der Bleilettern verkaufte und nebenbei eine Sammlung anlegte, und wieder nach vorn, in eine Stadt, die sich bis heute an Buchstaben abarbeitet.

Was ist das Klingspor Museum, und was zeigt es?

Das Klingspor Museum in Offenbach am Main sammelt internationale Buch- und Schriftkunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt auf moderner Buchherstellung, Typografie und Schrift. Gegründet wurde das städtische Haus 1953, nachdem die Erben des Schriftgießers Karl Klingspor dessen private Sammlung der Stadt Offenbach geschenkt hatten. Es sitzt im Südflügel des Büsing-Palais an der Herrnstraße 80, das 2011 nach historischem Vorbild saniert und aufgestockt wurde. Der Bestand liegt bei rund 80.000 Einheiten: Die deutsche Wikipedia nennt für die Sammlung etwa 85.000, die englischsprachige Museumsseite für die zugehörige Bibliothek etwa 78.000. Dazu gehören der Bestand der ehemaligen Offenbacher Schriftgießerei Gebr. Klingspor, elf Schriftteppiche aus der Werkstatt von Rudolf Koch, die Offenbacher Haggadah von 1927 mit handkolorierten Holzschnitten und eine Sammlung des Typografen Hendrik Nicolaas Werkman. Der Bestand der Gießerei ist seit Dezember 2022 zusätzlich über die Datenbank Klingspor Type Archive online zugänglich.

Klingspor Museum Offenbach, Außenansicht: cremeweiße Fassade des Büsing-Palais-Südflügels mit dem Schriftzug KLINGSPOR MUSEUM über den Rundbogenfenstern
Das Klingspor Museum im Südflügel des Büsing-Palais, Herrnstraße 80. Foto: Klingspor Museum (CC BY-SA 4.0).

Dass die beiden Bestandszahlen nicht übereinstimmen, ist harmloser, als es klingt: Sie messen nicht dasselbe. Die Museumsseite beziffert die Bibliothek, die Wikipedia die Sammlung insgesamt. Wer eine Größenordnung braucht, ist mit rund 80.000 auf der sicheren Seite.

An der Fassade steht der Name des Hauses in schmalen Versalien auf einem weißen Band über der Fensterreihe. Es ist ein Nachname. Der Bestand stammt aus dem Nachlass eines einzelnen Mannes, der sein Berufsleben damit verbracht hat, Buchstaben in Blei gießen zu lassen.

Was steckt hinter den elf Schriftteppichen?

Rudolf Koch, geboren am 20. November 1876 in Nürnberg, gestorben am 9. April 1934 in Offenbach am Main, richtete 1921 an der Technischen Lehranstalt Offenbach, aus der später die heutige Hochschule für Gestaltung hervorging, eine eigene Schreibwerkstatt ein. Sie wurde international als "Offenbacher Werkstatt" bekannt. Was dort passierte, unterschied sich von einer Kalligrafieklasse: Die Schüler schrieben nicht nur. Die Werkstatt wuchs aus einer Praxis, die älter war als der Raum: Schon seit 1920 entwarf und fertigte Koch mit seinen Schülern liturgische Geräte, dazu kamen Holzschnitte.

Ab 1922 entstanden in dieser Werkstatt die ersten Schriftteppiche mit Bibeltexten. Das erste Stück dieser Reihe führt das Bestandsverzeichnis des Museums bis heute mit Titel und Jahreszahl: "In der Welt habt ihr Angst... Schriftteppich von Rudolf Koch. 1922".

Nicht alles davon hängt im Museum. In der Friedenskirche in Offenbach hängt bis heute ein Schriftteppich neben der Kanzel, der den Text des ersten Teils der Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Buch Mose wiedergibt. Ein Satz über die Angst in der Welt und der Anfang der Schöpfungsgeschichte, beides in Garn.

Koch selbst hat über seine Arbeit einen Satz hinterlassen, der die Sache erklärt:

"Das Buchstabenmachen in jeder Form ist mir das reinste und größte Vergnügen meines Lebens." — Rudolf Koch

"In jeder Form" ist hier der entscheidende Teil. Koch behandelte Schrift als Werkstoff: Man kann sie in Blei gießen, in Holz schneiden, in Metall treiben und in Garn sticken, und sie bleibt in jedem dieser Materialien dieselbe Sache. Die elf Teppiche verzieren keinen Text. Sie sind der Text, in einem Material, das ihn tausendmal langsamer macht und dafür an eine Wand bringt. Kochs Weg dorthin begann allerdings in einem Industriebetrieb, in den er 1906 eintrat.

Wie wurde aus einer Offenbacher Schriftgießerei ein Auftraggeber für Schriftkünstler?

Als Koch dort anfing, war der Betrieb schon über sechzig Jahre alt: 1842 von Philipp Rudhard, Johann Peter Nees und Michael Huck gegründet, 1892 von Carl Klingspor gekauft und an seine Söhne Karl und Wilhelm weitergegeben, die den Betrieb 1906 in "Gebr. Klingspor" umbenannten.

Aufgeklappte Schriftmuster-Kassette der Gebr. Klingspor mit rotem KABEL-Heft, FETTE KABEL, PRISMA-Blatt und Mappe der Schriftgießerei Offenbach
Schriftmuster der Gebr. Klingspor, zentral die Kabel von Rudolf Koch. Foto: Klingspor Museum (CC BY-SA 4.0).

Interessant an dieser Firma ist weniger ihr Alter als ihre Personalpolitik. Statt hausintern Stempel schneiden zu lassen, beauftragte Karl Klingspor Künstler mit dem Entwurf ganzer Schriften. Für die Gießerei arbeiteten unter anderem Otto Eckmann, Peter Behrens, Otto Hupp, Rudolf Koch und Walter Tiemann. Otto Eckmann zeichnete 1899 im Auftrag Karl Klingspors ein neues Alphabet für den Letterndruck. Die nach ihm benannte Schrifttype Eckmann gilt bis heute als die meistverwendete Jugendstilschrift. Ein Offenbacher Mittelständler beschäftigte damit jene Gestalter, deren Namen heute in Designgeschichten stehen.

Diese Haltung hatte Folgen über die Schriftmuster hinaus. 1907 gehörte Gebr. Klingspor zu den zwölf Unternehmen, die den Deutschen Werkbund mitgründeten. Die Mitgliedschaft endete 1934, nach der Gleichschaltung des Verbands durch die Nationalsozialisten.

Rudolf Koch trat 1906 als künstlerischer Mitarbeiter in die Gießerei ein und gestaltete dort an die drei Dutzend Druckschriften. Dazu gehören die Deutsche Schrift von 1908, die Deutsche Zierschrift von 1921, die Neuland von 1923, die Kabel von 1927 und die Zeppelin von 1929. Parallel unterrichtete Koch Schrift an der heutigen Hochschule für Gestaltung; man hatte ihn eigens dafür geholt. Von diesen Entwürfen ist die Kabel von 1927 besonders weit gekommen: Sie ist bis heute weltweit im Einsatz. In Offenbach selbst bekommt sie knapp hundert Jahre nach ihrem Erscheinen noch eine zweite Aufgabe.

Karl Klingspor selbst hat am Ende seines Berufslebens aufgeschrieben, worum es ihm ging. 1949 erschien im Frankfurter Verlag Schauer sein Buch "Über Schönheit von Schrift und Druck. Erfahrungen aus fünfzigjähriger Arbeit". Fünfzig Jahre Arbeit, und das Ergebnis heißt Schönheit: Schon der Titel sagt, was Klingspor am Ende wichtiger war als Umsatzzahlen oder Firmengröße. Der Autor war zu diesem Zeitpunkt Anfang achtzig. Viel Zeit blieb ihm danach nicht.

Wie wurde aus Karl Klingspors Privatsammlung 1953 ein Museum?

Karl Klingspor starb am 1. Januar 1950 in Kronberg im Taunus, geboren war er am 25. Juni 1868 in Gießen. Was er über die Jahrzehnte zusammengetragen hatte, blieb als Privatsammlung zurück. Seine Erben schenkten sie der Stadt Offenbach, und 1953 wurde auf dieser Grundlage das Museum gegründet.

Barocke Fassade des Büsing-Palais in Offenbach: cremeweißer Putz, Sandstein-Fenstergewände, Ornament-Reliefs und schmiedeeiserner Balkon
Das Büsing-Palais, seit 1953 Sitz der Sammlung. Foto: Hermann Luyken (CC0).

In einem Spezialmuseum, dessen Bestand man erst über Jahre überblickt, sind lange Amtszeiten weniger eine Verwaltungsnotiz als eine Arbeitsbedingung. Zwei der fünf Leitungsperioden dieses Hauses dauerten zwanzig Jahre und mehr: Auf Georg Alexander Mathéy (1953 bis 1957) folgten Hans Adolf Halbey bis 1977, Christian Scheffler bis 2001 und Stefan Soltek von 2002 bis 2021; seit Dezember 2021 leitet Dorothee Ader das Haus.

Was liegt neben Koch und Klingspor im Bestand?

Ein Bestand dieser Größe lässt sich mit zwei Namen nicht füllen. Vier Beispiele reichen, um zu sehen, wie weit er auseinanderliegt: Sie führen von einem niederländischen Typografen bis zu einem zweiten Schriftteppich im selben Haus.

Am weitesten weg steht Hendrik Nicolaas Werkman. Was das Haus an seinen Arbeiten verwahrt, gilt als die größte Sammlung des Typografen außerhalb der Niederlande. Er ist der eine unter diesen vier, den man in einem Offenbacher Bestand nicht erwartet.

Näher liegt die Offenbacher Haggadah von 1927 mit handkolorierten Holzschnitten. Eine Haggadah ist das Buch, aus dem am Sederabend, dem Vorabend von Pessach, gemeinsam gelesen wird. Koloriert wurde jedes Exemplar von Hand, gedruckt wurde es in der Stadt, in der zur selben Zeit die Gießerei Gebr. Klingspor ihre Schriften produzierte.

Noch näher an Koch selbst steht Fritz Kredel. Er begann 1920 sein Studium an der Kunstgewerbeschule in Offenbach am Main. Aus der Zusammenarbeit mit Koch gingen zwei Bücher hervor: "A Book of Signs" von 1923, ein Buch über Zeichen und Symbole, und "The Book of Flowers" von 1930. Der Lehrer lieferte die Zeichnungen und die Schrift, der Schüler schnitt sie in Holz.

Detail eines gestickten Schriftteppichs von Karlgeorg Hoefer: großformatige Versalbuchstaben in Violett, Beige, Braun und Schwarz als textile Flächen
Karlgeorg Hoefer, Schriftteppich (Detail), gestickt. Foto: Klingspor Museum (CC BY-SA 4.0).

Am nächsten dran ist ein Stück, das aus Kochs eigener Gattung kommt und trotzdem nicht von ihm stammt. Nicht alle Schriftteppiche im Haus gehen auf Koch zurück: Im Bestand liegt auch ein gestickter Teppich des Schriftkünstlers Karlgeorg Hoefer. Eine Detailaufnahme daraus zeigt, wie so eine Fläche aus der Nähe aussieht: ein großes A in Violett mit hellem Binnenraum, daneben Beige, Braun und Creme, dazwischen die gedrehten Garnstränge in dichten Reihen.

Der Name an der Fassade und der Mann hinter den elf Teppichen decken damit nur einen Teil dessen ab, was hier liegt. Ob es bei einem Bestand bleibt, den man verwahrt und ausstellt, entscheidet sich ein paar Gehminuten weiter.

Was passiert heute im Bernardbau, und was macht das Museum daraus?

In der Herrnstraße 61 arbeitet seit 2020 eine Druckwerkstatt im Bernardbau. Eingerichtet haben sie zwei städtische Häuser gemeinsam, das Klingspor Museum und das Haus der Stadtgeschichte; dritte Trägerin ist die Internationale Senefelder Stiftung. Für ein Haus, das Drucksachen sammelt, ist das eine ungewöhnliche Erweiterung: Es beteiligt sich an einem Ort, an dem produziert wird.

Zwei Hände halten eine dunkelblaue Mappe mit dem Prägedruck OFFENBACH, im Hintergrund kalligrafische Schriftproben und eine Kamera
Arbeit am Sammlungsobjekt: Schriftprobe mit dem Prägedruck Offenbach. Foto: Klingspor Museum (CC BY-SA 4.0).

Eingerichtet ist sie für Lithografie und Buchdruck, dazu kommen eine Buchbinderei-Linie und zwei Pressen für die Radierung. Hochdruck, Tiefdruck und Flachdruck, wie sie in dieser Werkstatt laufen, gehören zu den künstlerischen Drucktechniken, die seit 2018 als Kulturerbe der Druckkunst im Bundesweiten Verzeichnis stehen.

Auch im Bernardbau findet das Hot-Printing-Festival statt: Für den 22. und 23. August 2026 ist die dritte Ausgabe angekündigt, mit über 90 Kunstschaffenden an fünf Standorten, darunter der Museumsvorplatz, der Hof des Büsing-Palais und die Werkstatt im Bernardbau selbst; der Eintritt ist frei.

Dass die Lithografie in dieser Werkstatt einen eigenen Bereich hat, hat einen Grund, der älter ist als das Museum: Der Musikverleger Johann Anton André holte Alois Senefelder um 1800 in die Stadt, wo das Verfahren zuerst kommerziell für den Notendruck genutzt wurde. Die Stadt hat damit zwei Druckgeschichten nebeneinander: die der Lithografie und die der Schrift. Die Werkstatt im Bernardbau ist einer der Orte, an denen beide zusammenlaufen; verzeichnet ist sie auch im bundesweiten Druckwerkstätten-Atlas.

Nach außen ist das Haus ähnlich anschlussfähig. 2018 gehörte es zu den Mitbegründern der Assoziation internationaler Druckmuseen (IAPM).

Das Programm ist dabei nicht auf Fachpublikum zugeschnitten. Die Internationale Kinderbuchausstellung lief von Dezember 2025 bis März 2026 in ihrer 70. Ausgabe.

Parallel läuft die Erschließung des Altbestands. Seit Dezember 2022 ist das Klingspor Type Archive online, eine Datenbank zum Bestand der ehemaligen Schriftgießerei. Konzipiert und gestaltet haben sie die beiden HfG-Absolventinnen Laura Brunner und Leonie Martin, zusammen das Designstudio turbo type. Zwei Absolventinnen jener Hochschule, an der Rudolf Koch unterrichtet hat, bringen damit das Material der Gießerei ins Netz, für die er gearbeitet hat.

Wessen Handschrift trägt Offenbachs neue Stadtschrift OF Soul?

Am 27. Mai 2026 stellte die Stadt Offenbach ihre eigene Hausschrift vor: OF Soul, entwickelt vom Schriftkünstler Marc Schütz aus einer historischen Offenbacher Schrift von Rudolf Koch. Die Vorlage ist die Kabel von 1927.

Eine Stadt, die ein neues Erscheinungsbild braucht, kann eine der großen Systemschriften lizenzieren. Offenbach hat stattdessen in den eigenen Bestand gegriffen. Die neue Hausschrift geht auf Entwürfe zurück, die knapp hundert Jahre zuvor in einer Offenbacher Gießerei entstanden sind. Das Material dieser Gießerei liegt im Bestand des städtischen Museums an der Herrnstraße 80.

Die Teppiche hängen weiter

An der Herrnstraße 80 hängen sie nach wie vor: elf wandfüllende Flächen aus Garn, in denen sich Buchstaben zu lesbaren Sätzen ziehen und sonst nichts. Das älteste Stück der Reihe führt das Bestandsverzeichnis bis heute mit dem Satz, den es trägt: "In der Welt habt ihr Angst", 1922.

Ein paar Gehminuten weiter, in der Herrnstraße 61, stehen zwei Radierpressen, an denen gedruckt wird. In der Friedenskirche hängt neben der Kanzel weiter der Anfang der Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Buch Mose. Und seit Ende Mai 2026 schreibt die Stadtverwaltung in einer Schrift, die Marc Schütz aus Entwürfen von Rudolf Koch entwickelt hat, aus dessen Werkstatt auch die elf Teppiche stammen.

Häufige Fragen zum Klingspor Museum

Wie groß ist die Sammlung des Klingspor Museums?

Rund 80.000 Einheiten: Die Museumsseite nennt für ihre Bibliothek etwa 78.000, die Wikipedia für die Sammlung insgesamt etwa 85.000. Enthalten sind unter anderem der Bestand der ehemaligen Schriftgießerei Gebr. Klingspor, elf Schriftteppiche aus Rudolf Kochs Werkstatt, die Offenbacher Haggadah von 1927 und eine Sammlung des Typografen Hendrik Nicolaas Werkman.

Wer war Rudolf Koch?

Ein Schriftkünstler, geboren 1876 in Nürnberg, gestorben 1934 in Offenbach am Main. Koch trat 1906 als künstlerischer Mitarbeiter in die Schriftgießerei Gebr. Klingspor ein und gestaltete dort an die drei Dutzend Druckschriften, darunter die Deutsche Schrift von 1908, die Neuland von 1923 und die Kabel von 1927. Parallel unterrichtete er an der Offenbacher Kunstgewerbeschule, aus der die heutige Hochschule für Gestaltung hervorging. Sein Werk beschränkt sich nicht auf Blei: Aus seiner Werkstatt kamen auch liturgische Geräte, Holzschnitte und die Schriftteppiche.

Was war die Offenbacher Werkstatt?

Eine Schreibwerkstatt, die 1921 an der Technischen Lehranstalt Offenbach unter Rudolf Kochs Leitung eingerichtet wurde und international unter diesem Namen bekannt ist. Sie wuchs aus einer Praxis, die älter war als der Raum: Schon seit 1920 entwarf und fertigte Koch mit seinen Schülern liturgische Geräte, dazu kamen Holzschnitte. Ab 1922 entstanden die ersten Schriftteppiche mit Bibeltexten. Nicht alles davon steht heute im Museum, in der Offenbacher Friedenskirche hängt bis heute einer neben der Kanzel.

Wie kommt man vom Klingspor Museum zur Druckwerkstatt im Bernardbau?

Zu Fuß, in wenigen Minuten. Das Museum liegt an der Herrnstraße 80, die Druckwerkstatt im Bernardbau an der Herrnstraße 61, beide also in derselben Straße. Seit 2020 teilen sich das Haus der Stadtgeschichte und das Klingspor Museum die Trägerschaft, an ihrer Seite die Internationale Senefelder Stiftung. Eingerichtet ist die Werkstatt für Lithografie und Buchdruck, dazu kommen eine Buchbinderei-Linie und zwei Radierpressen. Beim Hot-Printing-Festival am 22. und 23. August 2026 ist sie einer von fünf Standorten.

Was hat die Stadtschrift OF Soul mit dem Klingspor Museum zu tun?

OF Soul, die neue Hausschrift der Stadt Offenbach (vorgestellt am 27. Mai 2026, gestaltet von Marc Schütz), baut auf Rudolf Kochs Kabel-Schrift von 1927 auf, entstanden in der Offenbacher Schriftgießerei Gebr. Klingspor, deren Bestand heute im Klingspor Museum liegt.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Deutsche Biographie, Artikel Rudolf Koch (Neue Deutsche Biographie, Werkstatt- und Lebensdaten)
  • Stadt Offenbach am Main, Pressemeldung "Offenbach setzt neue Zeichen: Stadt bekommt eigene Schriftart" (Mai 2026)
  • Stadt Offenbach am Main, Microsites des Klingspor Museums und des Hauses der Stadtgeschichte (Bestands- und Werkstattangaben)
  • Pirckheimer-Gesellschaft, Blogbeitrag zum Klingspor Museum (2025, Programm und IAPM)
  • Karl Klingspor, Über Schönheit von Schrift und Druck (1949, Verlag Schauer)

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

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