Stephen Lawlor
Stephen Lawlor (geboren 1958 in Dublin) ist ein irischer Druckgrafiker, der seit über vierzig Jahren mit mehrstufiger Radierung arbeitet. Er ist Mitglied von Aosdána, Fellow der Royal Society of Printmakers (RE) und in Sammlungen wie British Museum und V&A vertreten.
Graphic Studio Dublin, 1983. Ein NCAD-Absolvent nimmt einen Kurs in Druckgrafik, nicht aus Überzeugung, sondern aus Neugier. Vierzig Jahre später hängen seine Werke in den großen europäischen Sammlungen. Was dazwischen liegt, ist eine Auseinandersetzung mit einer Frage: Was kann eine Radierplatte eigentlich?
Lawlors Drucke sind keine Illustrationen von Kunstgeschichte. Wenn er Velázquez' Infantin durch den Ätzprozess schickt oder Tizians Lavinia in den Siebdruck übersetzt, entstehen keine Kopien. Er beschreibt seinen Ansatz selbst als ein Zerlegen und Verwischen der historischen Bilder. Die Figuren treten aus dem Dunkel hervor wie Freskostücke, die die Säure sichtbar gemacht hat.
Hofporträts aus dem 16. und 17. Jahrhundert ziehen Lawlor an: das steife Gewebe eines elisabethanischen Kleides, die Falten eines Seidenkimono. Strukturen, die Licht-Schatten-Dramatik erzwingen. Wenn er diese Stoffe durch den Ätzprozess schickt, überträgt die Platte ihre Körnung auf die Texturen. Das Ergebnis sieht aus wie ein Bild, das Zeit angesammelt hat.
„Infanta“ zitiert Velázquez unmissverständlich: gedämpfte Farben, das Gewicht von Hofzeremoniell. „Heart of the Night“ zeigt zwei Frauen in Kimonos von hinten, anonym, in Schwarz und Grün. Und bei „Of Sleuth Wood“ ist alle Figuration verschwunden: nur noch Lichtflecken auf dunklem Grund.
2018 wurde Lawlor in Aosdána gewählt, die irische Ehrenkörperschaft für Kunstschaffende (auf 250 Plätze begrenzt, Aufnahme durch Peer-Wahl). 2023 folgte die Fellowship der Royal Society of Printmakers in London.
Seine Werke befinden sich in: British Museum, V&A London, Royal Collection London, National Gallery of Ireland, Ashmolean Museum Oxford und Chester Beatty Library Dublin. Seit 1984 ist er Mitglied der Graphic Studio Dublin, einer 1960 gegründeten Druckgrafik-Kooperative. 2017 initiierte er das Kwaidan-Projekt: 20 irische und 20 japanische Druckgrafiker, alle arbeitend auf Grundlage von Lafcadio Hearns japanischen Geistergeschichten. Die Werkgruppe wurde 2025 im Rahmen der Weltausstellung in Osaka gezeigt. Mehr über Druckgrafik als eigenständige Kunstform.
-
Stephen Lawlor – And England's Dreaming
-
Stephen Lawlor – Infanta
-
Stephen Lawlor – Clarice
-
Stephen Lawlor – Venetian
-
Stephen Lawlor – Lavinia
-
Stephen Lawlor – Kvinna
-
Stephen Lawlor – Artemis
-
Stephen Lawlor – Sleuth Wood
-
Stephen Lawlor – Kawako
-
Stephen Lawlor – Judith
-
Stephen Lawlor – Antwerp (2nd State)
-
Stephen Lawlor – Revenant
-
Stephen Lawlor – Heart of the Night
-
Stephen Lawlor – Juana
-
Stephen Lawlor – Saihoji
-
Stephen Lawlor – 1779