Edinburgh Printmakers: die Werkstatt in der Gummistiefelfabrik

Edinburgh Printmakers ist eine offene Druckwerkstatt in Edinburgh, gegründet 1967. Wer dort an den Maschinen arbeiten will, zahlt eine Jahresmitgliedschaft und weist ein drucktechnisches Niveau nach, das selbstständiges Arbeiten erlaubt. Über die künstlerische Qualität der Arbeiten urteilt keine Jury.

Wer heute in Fountainbridge durch den Eingang von Edinburgh Printmakers geht, geht durch ein Werk von Rachel Duckhouse. Drei Sets zweiflügelig faltbarer, pulverbeschichteter, verzinkter Stahltore bilden das Werk. Duckhouse gestaltete sie 2019 als permanente Kommission für den neuen Standort, wo sie unter dem Titel "Edinburgh Printmakers Entrance Gates" geführt werden. Zur Kommission gehörte außerdem eine Edition von 20 Siebdrucken. Das Muster im Stahl besteht aus zylindrischen Rollformen. Duckhouse entwickelte es aus den Kalandern, mit denen auf demselben Gelände einmal Rohgummi zu Bahnen gewalzt wurde. Auf ihrer eigenen Projektseite beschreibt sie, wie der Zusammenhang für sie entstand: Fotografien von Arbeitern an diesen Maschinen erinnerten sie an Drucker an ihren Pressen ("The photos and illustrations of workers tending the machines reminded me of printmakers at their printing presses"), bis die Rollform für sie zur Verbindung zwischen der Vergangenheit des Geländes und seiner heutigen Produktion wurde ("Once I realised that this roller shape and movement was the link between the site's past and future production processes...").

In diesem Tor stecken zwei Fragen. Welche Geschichte muss ein Gebäude haben, damit eine Künstlerin sie in gewalzten Stahl übersetzt? Und was läuft dahinter heute, damit die Rollbewegung dort nicht nur zitiert wird?

Was stand hier, bevor hier Kunst gedruckt wurde?

Castle Mills am Gilmore Park im Stadtteil Fountainbridge war ab 1894 Hauptsitz und eingetragener Firmensitz der North British Rubber Company. Das Unternehmen stellte dort Gummiwaren her, darunter das Produkt, für das der Standort bis heute steht: den Wellington-Stiefel. Für die britische Armee im Ersten Weltkrieg wurden 1.185.036 Paar davon gefertigt. Das ist die Größenordnung, die dieses Gelände einmal hatte: eine Industrieanlage, die während eines einzigen Krieges über eine Million Paar Stiefel auslieferte.

Eine Schlauchfabrik auf dem Castle-Mills-Gelände schloss 1973. Edinburgh Printmakers gab es zu diesem Zeitpunkt längst, nur ganz woanders.

Der Weg dorthin führt über mehrere andere Adressen. Angefangen hat die Werkstatt 1967 in einem kleinen Raum an der Victoria Street im Stadtzentrum, aus dem sie schnell herauswuchs. Der Umzug an die Market Street 1975 brachte vor allem eins: mehr Platz. Das alte Waschhaus an der Union Street, in das die Werkstatt 1984 zog, eröffnete dagegen mit einer großen Ausstellung von Druckgrafik Henry Moores, danach kamen Arbeiten von John Bellany. Aus dem kleinen Raum im Stadtzentrum war eine Adresse geworden, an der Henry Moore hing.

Nach Castle Mills kam die Werkstatt erst 2019. Zwischen der letzten Gummiproduktion auf diesem Gelände und der ersten Radierpresse lag eine weitere Nutzung desselben Grundstücks.

Was lag zwischen Gummifabrik und Druckwerkstatt?

Nach der Gummiproduktion folgte auf demselben Gelände eine Brauerei.

Scottish & Newcastle, das Unternehmen hinter der Biermarke McEwan's, steckte 1973 eine Summe von 13 Millionen Pfund in eine neue Brauerei auf dem alten Castle-Mills-Gelände. Die Fountain Brewery lief bis 2004, und mit dem Kauf durch den City of Edinburgh Council ging das Gelände 2012 in öffentliche Hand. Was Edinburgh Printmakers am Ende bekam, war nicht die Braustätte, sondern der Rest des alten Castle-Mills-Komplexes, den die Brauerei als Bürogebäude genutzt hatte, verpachtet zu einer symbolischen Miete.

Zwischen dem Rückkauf durch die Stadt und dem ersten Abzug in den neuen Räumen lag noch etwas anderes: eine Baustelle in einer Größenordnung, die eine Werkstatt allein nicht trägt.

Was kostet es, aus einem Brauereigebäude eine offene Druckwerkstatt zu machen?

Den Umbau plante das Architekturbüro Page\Park, das den denkmalgeschützten Bau in öffentliche Nutzung überführen sollte. Entstanden sind 2.194 Quadratmeter, in denen die offene Druckwerkstatt, Ausstellungsflächen und Nebennutzungen untergebracht wurden. Geöffnet wurde an einem Samstag, dem 27. April 2019.

Frau in dunkler Schürze zieht mit dem ganzen Oberkörper am Speichenrad einer Tiefdruckpresse, rechts läuft das Pressbett mit einem Papierbogen aus dem Bild
Eine Tiefdruckpresse in einer Gemeinschaftswerkstatt: Der ganze Oberkörper geht ins Speichenrad, rechts läuft das Pressbett mit einem cremeweissen Bogen unter der Stahlwalze aus dem Bild. Hohe Sprossenfenster, Werkbänke, Regale mit Werkzeug.

Bezahlt hat das keine Werkstattkasse. Allein der National Lottery Heritage Fund steuerte 4,5 Millionen Pfund bei. Insgesamt kamen über 10 Millionen Pfund von mehreren Geldgebern zusammen, darunter die schottische Regierung, Creative Scotland, Historic Environment Scotland, die Garfield Weston Foundation und The Robertson Trust.

Eine einzelne Summe für dieses Projekt zu nennen, wäre falsch. Der ursprüngliche Bauantrag nannte ein Vorhaben von 10 Millionen Pfund, 80 Prozent der Finanzierung war damals gesichert. Zur Eröffnung lief dasselbe Haus als 11-Millionen-Pfund-Projekt, ein Bericht zum Baustart nannte 12,3 Millionen.

Der Umbau war eine einmalige Kraftanstrengung, der Betrieb ist es nicht. Im Register des Scottish Charity Regulators steht Edinburgh Printmakers als gemeinnützige Gesellschaft, eingetragen am 3. März 1970. Für das Geschäftsjahr bis zum 31. März 2025 weist derselbe Eintrag Einnahmen von 946.806 Pfund und Ausgaben von 1.089.136 Pfund aus. Sie zeigen die Größenordnung, in der ein Haus arbeitet, dessen Umbau ein Vielfaches davon gekostet hat.

Was für die Umbausumme in die Räume gestellt wurde, lässt sich zählen.

Was steht heute tatsächlich in den Räumen von Castle Mills?

4 Ätzpressen, 3 direkt motorisierte Pressen, 1 Laser-Cutter mit 80 Watt, 2 Großformat-Tintenstrahldrucker und 5 Vakuumbett-Pressen. Dazu kommen über 200 Lithografiesteine, der größte davon misst 66 mal 92 Zentimeter. Wer sich unter einer Künstlerwerkstatt einen Raum mit einer Presse und einem Trockenschrank vorstellt, liegt hier weit daneben.

Radierung Clywedog V von Bronwen Sleigh, Staudamm-Formen, kartografisch
Bronwen Sleigh, Clywedog V, Radierung. Staudamm-Formen, kartografisch.

Gearbeitet wird in Radierung, Siebdruck, Lithografie, Hochdruck, dem Verfahren, zu dem auch der Holzschnitt gehört, dazu kommen großformatiger Digitaldruck und Laserschnitt.

An diese Maschinen kommt man über eine Jahresmitgliedschaft: 110 Pfund zum Vollpreis, 75 Pfund ermäßigt. Voraussetzung ist ein Kompetenznachweis, meist über einen Kurs oder eine Einführung, damit jemand unbeaufsichtigt in der Werkstatt arbeiten kann. Geprüft wird das Können an der Maschine.

Bei der Royal Society of Printmakers in London läuft es genau andersherum. Dort schickt man Abbildungen der eigenen Arbeit ein, zahlt 50 Pfund Gebühr, und wer die Vorauswahl übersteht, muss ein physisches Blatt zur Begutachtung nachreichen. Beurteilt wird dort die Kunst, in Castle Mills das Handwerk. Werkstatt und Fachgesellschaft sind zwei verschiedene Typen von Druckgrafik-Institutionen, und Castle Mills gehört zur ersten Sorte. Nach dem Vorbild von Edinburgh Printmakers entstanden in den 1970er-Jahren das Glasgow Print Studio und Peacock Printmakers in Aberdeen.

Radierung ist auch die Technik, in der Bronwen Sleigh und Rachel Duckhouse im eigenen Sortiment vertreten sind.

Eine der Techniken, die diese Werkstatt hervorgebracht hat, trägt bis heute den Namen der Stadt.

Woher kommt der Name Edinburgh Etch?

Friedhard Kiekeben entwickelte 1997 bei Edinburgh Printmakers eine Ätzlösung, die seither Edinburgh Etch heißt. Sie tritt an die Stelle der klassischen Säureätzung und ist in einem Raum, in dem viele Leute gleichzeitig arbeiten, schlicht besser handhabbar.

Radierung Canberra V von Rachel Duckhouse aus der Canberra-Serie, warme Variante
Rachel Duckhouse, Canberra V, Radierung. Gleiche Formel wie in der Canberra-Serie, wärmere Variante.

Die Formel selbst ist unspektakulär: 4 Teile Eisen(III)-chlorid-Lösung auf 1 Teil Zitronensäure-Lösung. Der Trick steckt in der Zitronensäure. Ätzt man Kupfer mit reinem Eisenchlorid, setzt sich in den Linien ein Schlamm ab und bremst den Vorgang aus. Die Zitronensäure wirkt als Katalysator und hält die Metallsalze in Lösung, statt sie absinken zu lassen. Die Linie bleibt sauber, das Bad arbeitet schneller.

Auf seiner eigenen Fachseite zur ungiftigen Radierung führt Kiekeben eine Beispielplatte an, geätzt im Edinburgh Etch und entstanden 1997 in Zusammenarbeit mit Eduardo Paolozzi, der die Lösung für eine seiner Skulpturen einsetzte. 1999 steht Paolozzis Name in der Werkliste des Hauses, unter einem Siebdruck: "Canary Mixture".

In einem Gespräch bei den National Galleries of Scotland sagt Rachel Duckhouse:

Ich liebe die Radierung, weil sie diese zusätzliche Textur hat. Man macht die Zeichnung bewusst, aber unbewusst entsteht dabei diese ganze Bewegung. ("I love etching because it has this extra texture to it. You've got the drawing that you're making consciously, but unconsciously, you're making all these movement.") — Rachel Duckhouse

Wer die Editionen druckt, die in diesem Haus entstehen, sitzt selten allein an der Presse.

Wer sitzt mit am Tisch, wenn eine Edition entsteht?

Am Anfang einer Edition steht eine Zeichnung, am Ende ein Blatt, das die eingeladene Künstlerin nicht allein gemacht hat. Dazwischen sitzt ein Collaborating Printer, der die Vorlage technisch umsetzt, und beide arbeiten so lange an Probeabzügen, bis einer davon als verbindlicher Maßstab freigegeben wird. Dieser Abzug heißt B.A.T., von "Bon à tirer", auf Deutsch etwa "gut zum Abziehen". Jedes weitere Blatt der Auflage muss diesem einen Originaldruck entsprechen.

Hand hebt einen frisch gedruckten Bogen mit geometrischer Architekturkomposition von der dunkel eingefärbten Platte
Der Moment des Abziehens: Ein frisch gedruckter Bogen wird mit einer Hand von der Platte gehoben, darunter liegt die dunkel eingefärbte Platte auf dem Metalltisch. Im Hintergrund arbeitet eine zweite Person am eigenen Tisch.

Wie lange solche Partnerschaften halten können, zeigt John Bellany. Er war über 40 Jahre lang, ab den 1970ern, mit dem Haus verbunden und produzierte dort über 60 Druckeditionen. In der Werkliste der Ausstellung "Story: Selected Works from Edinburgh Printmakers' Collection" steht neben Barbara Raes Steinlithografie "Spanish Window" von 1992 auch eine Radierung von Antony Gormley, betitelt "from a billboard for edinburgh", entstanden 2010.

Auf ihrer eigenen Website fasst Bronwen Sleigh ihre Station hier in einem Halbsatz zusammen: Etching Technician und Collaborating Printer bei Edinburgh Printmakers, im Anschluss an ihre Zeit an den Royal Academy Schools. Sie saß damit auf der anderen Seite des Tisches: Sie zog den Abzug, während die Edition am Ende den Namen einer anderen Künstlerin oder eines anderen Künstlers trug. Aus dieser Zeit stammt Bronwen Sleighs eigenes Werk "Jattavagen" von 2013, eine Stein-und-Platten-Lithografie auf BFK Rives Grey, entstanden in Zusammenarbeit mit Alastair Clark.

Dass dieses Modell weiterläuft, zeigt das aktuelle Residency-Programm des Hauses. Die Jerwood Residencies vergeben Plätze für Radierung und Tiefdruck an Künstlerinnen und Künstler am Anfang ihrer Laufbahn, mit Stipendium und einjähriger Studio-Mitgliedschaft.

Bronwen Sleigh hat dort als Collaborating Printer für andere gedruckt. Duckhouses Arbeit steht am Eingang.

Welche Verbindung zu einem Ort wiegt schwerer, die Arbeit an seiner Presse oder das Werk am Eingang?

Häufige Fragen zu Edinburgh Printmakers

Was ist Edinburgh Printmakers?

Edinburgh Printmakers ist eine offene Druckwerkstatt in Schottland, 1967 als "The Printmakers' Workshop" gegründet und nach eigener Darstellung die erste offene Werkstatt dieser Art in Großbritannien. Mitglieder arbeiten dort selbstständig an professioneller Ausstattung. Daneben produziert das Haus eigene Editionen mit eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern und zeigt Arbeiten aus der eigenen Sammlung.

Wo befindet sich Edinburgh Printmakers?

Die Werkstatt sitzt in Castle Mills, Edinburgh, genauer an der Dundee Street im Stadtteil Fountainbridge. Dorthin zog sie 2019 von ihrem vorherigen Standort an der Union Street. Das Gebäude war ab 1894 Hauptsitz der North British Rubber Company.

Wie wird man Mitglied bei Edinburgh Printmakers?

Über eine Jahresmitgliedschaft, die 110 Pfund zum Vollpreis und 75 Pfund ermäßigt kostet. Voraussetzung ist ein nachgewiesenes drucktechnisches Niveau, das erlaubt, unbeaufsichtigt in der Werkstatt zu arbeiten, üblicherweise erworben über einen Kurs. Eine Jury beurteilt die künstlerische Qualität nicht.

Was ist der Edinburgh Etch?

Eine Ätzlösung, die Friedhard Kiekeben 1997 bei Edinburgh Printmakers entwickelte. Sie mischt 4 Teile Eisen(III)-chlorid-Lösung mit 1 Teil Zitronensäure-Lösung. Die Zitronensäure hält den Ätzschlamm gelöst, das Bad arbeitet dadurch schneller als reines Eisenchlorid.

Was bedeutet B.A.T. bei einer Druckedition?

B.A.T. steht für "Bon à tirer", auf Deutsch etwa "gut zum Abziehen". Gemeint ist der Probeabzug, den Künstlerin und Drucker gemeinsam freigeben. Er ist der verbindliche Maßstab: Alle Blätter der Auflage müssen ihm entsprechen, sonst gehören sie nicht dazu.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Edinburgh Printmakers, Studio Facilities und History (Institutionsseite, Ausstattung, Mitgliedschaft und Stationen der Werkstatt)
  • Office of the Scottish Charity Regulator, Registereintrag SC009015 (Rechtsform, Eintragung 1970, Geschäftsjahr 2024/25)
  • Rachel Duckhouse, Edinburgh Printmakers Entrance Gates (Projektdokumentation zur Kommission, 2019)
  • Friedhard Kiekeben, Edinburgh Etch (Verfahrensbeschreibung, 1997), ergänzt um die Low-Toxic-Etching-Dokumentation der Glasgow School of Art
  • Royal Society of Painter-Printmakers, Election (Bewerbungsverfahren als Kontrastfolie)

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

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