Félix Bracquemond

Zwischen 1866 und 1875 entstand nach Entwürfen von Félix Bracquemond (1833-1914) das Service Rousseau, ein Tafelservice, dessen Motive unter anderem auf veröffentlichte Zeichnungen Hokusais zurückgehen. Sein öffentliches Debüt hatte es 1867 auf der Pariser Weltausstellung. Am Anfang steht, so erzählt es die Überlieferung, ein Fund im Packmaterial einer Porzellanlieferung, Paris 1856.

Paris, 1856. In der Werkstatt von Auguste Delâtre steht eine Kiste aus Japan. Darin liegt Porzellan, Stück für Stück in zerknittertes Papier gepackt, damit unterwegs nichts bricht. Zwischen diesem Papier steckt ein kleines Album mit rotem Einband, dicht gefüllt mit Tuschezeichnungen. Bracquemond zieht es heraus und blättert es durch, so wird die Szene bis heute erzählt.

Delâtre war Drucker, und er druckte die Kupferplatten des jungen Bracquemond. Spezialisiert war er auf die geätzten Kupferplatten der Radierung, und er hatte eine Eigenart, für die ihn die Pariser schätzten: Er färbte dieselbe Platte von Hand jedes Mal anders ein und holte auf diese Weise bis zu vierzig verschiedene Abzüge aus einem einzigen Kupfer. Seymour Haden brachte diesen Ruf auf eine Formel: Wenn Rembrandt heute lebte, würde er seine Platten zu Delâtre schicken ("if Rembrandt lived now, he would send his plates to Delâtre").

Das Album zwischen dem Porzellan war ein Band der Manga von Katsushika Hokusai, gedruckte Blätter aus derselben Bildwelt wie die Farbholzschnitte des Ukiyo-e. In diesem Moment trafen zwei Dinge aufeinander, aus denen zehn Jahre später ein Tafelservice werden sollte.

Wer ist der Mann, der das Blatt in der Hand hält?

Félix Bracquemond wird am 22. Mai 1833 in Paris geboren und stirbt am 29. Oktober 1914 in Sèvres. 1852 stellt er zum ersten Mal auf dem Pariser Salon aus, ein Porträt, und erregt damit Aufmerksamkeit. Aus demselben Jahr stammt die Platte zu "Le Haut d'un battant de porte", die er später noch einmal überarbeitet und im fünften Zustand auf 1865 datiert. Um 1853 entsteht sein Porträt des Radiererkollegen Charles Meryon.

Henri Béraldi legt 1885 in Paris den dritten Band von "Les Graveurs du XIXe siècle" vor, ein Werkverzeichnis für Sammler moderner Druckgrafik, und notiert darin für die Tür-Radierung rund dreißig Abzüge auf sehr starkem, geripptem Papier (Katalognummer 110), für das Meryon-Porträt gerade einmal zehn Abzüge von der Originalplatte (Katalognummer 77). Wer heute ein Exemplar sehen will, sucht in Museumsbeständen: Das Städel Museum in Frankfurt, die Yale University Art Gallery und das Art Institute of Chicago führen die Tür-Radierung, das Metropolitan Museum das Meryon-Porträt.

Radierung von Félix Bracquemond: obere Hälfte einer Holztür, daran genagelt drei tote Vögel mit ausgebreiteten Flügeln und eine Fledermaus, unten rechts ein Holzschild mit eingraviertem Vers
Félix Bracquemond, Le Haut d'un battant de porte, 1852, hier in der Fassung von 1865. Radierung und Kaltnadel. Public Domain (National Gallery of Art, Washington).

Das Blatt zeigt die obere Hälfte einer Holztür aus senkrechten Brettern. Daran genagelt hängen drei tote Vögel mit ausgebreiteten Flügeln, links einer kopfüber, rechts eine Eule mit weit gespreizten Schwingen, darunter ein kleinerer Greifvogel, dazu mittig eine Fledermaus. Rechts sitzt ein geschmiedetes Türband. Unten rechts hängt an einem Nagel ein Holzschild mit vier eingravierten Zeilen.

Der Vers auf dem Schild sagt sinngemäß: Hier siehst du sie traurig hängen, die räuberischen und begehrlichen Vögel, ihresgleichen zur Lehre, dass fliegen und stehlen zweierlei sind ("Ici, tu vois tristement pendre / Oiseaux pillards et convoiteaux [...] A leurs pareils. C'est pour apprendre / Que voler et voler sont deux"). Das Wortspiel funktioniert nur auf Französisch, weil "voler" beides heißt, fliegen und stehlen. Bild und Schrift stecken auf derselben Kupferplatte, und das Schild ist beides zugleich, Gegenstand im Bild und Träger des Textes. Wer will, sieht darin ein sehr frühes Comic-Panel.

Radiertes Porträt von Charles Meryon: sitzender Mann mit dichtem Bart in heller Arbeitsjacke, der rechte Arm über einer Stuhllehne
Félix Bracquemond, Porträt von Charles Meryon, 1853. Radierung. Public Domain (The Metropolitan Museum of Art, New York).

Das Meryon-Porträt ist stiller und deshalb aufschlussreicher. Ein sitzender Mann mittleren Alters, volles dunkles Haar, dichter Bart, helle Arbeitsjacke bis oben zugeknöpft. Der rechte Arm liegt über der Stuhllehne, die Hand hängt entspannt herab, der Blick geht knapp am Betrachter vorbei. Um das Bild herum steht ein sichtbarer Plattenrand. Die Haltung wirkt wie nach einer Arbeitspause. Ob Bracquemond den Kollegen dafür eigens gesetzt hat oder ihn so angetroffen, sagt das Blatt nicht.

Zehn Abzüge von einer Platte sind auch für die 1850er Jahre wenig. Zu finden ist diese Zahl im Werkverzeichnis, auf dem Blatt selbst steht sie nirgends. Wer heute wissen will, wie hoch eine Auflage ist, findet Signatur und Nummerierung am Rand des Blattes. Bei diesem Blatt steht die Zahl in einem Katalog, den ein Sammler dreißig Jahre später zusammentrug. Was Bracquemond 1856 in Delâtres Werkstatt noch nicht absehen konnte: Das Packpapier aus der Kiste würde seine eigenen Platten verändern.

Warum liegt dieser Fund elf Jahre vor dem großen Auftritt in Paris?

Japan hatte seine Häfen 1854 geöffnet, nach dem Vertrag von Kanagawa mit Admiral Perry. Zwei Jahre später steht die Kiste bei Delâtre. Das ist keine Wunderkette, sondern Handel: Wo Porzellan verschifft wird, braucht es Polstermaterial, und was in Japan zum Polstern taugte, sah in Paris nach etwas anderem aus.

Elf Jahre danach zeigt Japan auf der Pariser Weltausstellung von 1867 Kunst in einem eigenen Pavillon, vor allem Stücke aus den Provinzen Satsuma und Saga. Zwischen den beiden Daten liegt der Unterschied zwischen einem Einzelfall und einem Ereignis. 1856 hält ein Radierer ein Album in der Hand, das niemand für ihn ausgesucht hat. 1867 steht das Material in Vitrinen, mit Katalog und Öffnungszeiten.

Die Manga sind gedruckte Bände aus dem japanischen Holzschnitt, also selbst schon Vervielfältigung. Dass ausgerechnet ein Band von Hokusai als Verpackung nach Paris kam, sagt mehr über den Warenverkehr des Jahres 1856 als über den Geschmack der Beteiligten.

Blatt von Félix Bracquemond aus dem Jahr 1856: eine Stockente frontal im Flug mit weit ausgebreiteten Flügeln, darüber der Blocktitel JOURNAL und vier handschriftliche Verszeilen
Félix Bracquemond, Auffliegende Enten, Titelblatt für ein Journal, datiert 7. September 1856. Public Domain (Rijksmuseum, Amsterdam).

Aus dem Jahr des Fundes ist ein Blatt von Bracquemond selbst erhalten, auf den Tag datiert: 7. September 1856. Es ist ein Zeitungskopf. Über einer Wasserfläche steigt eine große Stockente frontal auf, die Flügel weit auseinander, der Schnabel offen, darunter mehrere kleinere Enten. Oben steht in Blockbuchstaben JOURNAL, daneben vier handgeschriebene Verszeilen, die den Leser ansprechen wie ein Marktschreier: Wunder, Wunder, Wunder, gute Leute, macht die Ohren auf ("Merveille! Merveille! Merveille! / Bonnes gens ouvrez l'oreille!"). Das Rijksmuseum ordnet das Blatt als Pressesatire ein.

Ob der Fund vom selben Jahr in diesem Blatt schon nachwirkt, lässt sich nicht belegen, und niemand sollte es behaupten. Sicher ist, was auf dem Blatt gedruckt steht, nicht wo die Werkstatt 1856 tatsächlich lag: Der Druckvermerk unten rechts nennt A. Delatre, Faubourg Poissonnière 145, Paris.

Wem schloss sich Bracquemond 1862 an, und wer arbeitete in derselben Runde?

Im Juni 1862 tritt er der Société des Aquafortistes bei. Entstanden ist sie im selben Jahr, betrieben von dem Verleger Alfred Cadart und von Delâtre, in dessen Werkstatt sechs Jahre zuvor die Porzellankiste gestanden hatte. Die Vereinigung gab ihre Blätter als Mappen im Abonnement heraus, jährlich, für Sammler.

In der Gruppe, die Cadart um sich versammelte, steht Bracquemonds Name neben dem von Édouard Manet. Manets Namen kennt heute jeder, der sich für Malerei interessiert. An geätzte Kupferplatten denkt bei ihm kaum jemand. Bracquemond selbst ist bei der ersten Ausstellung der Impressionisten 1874 dabei, mit 32 Radierungen und einer Zeichnung. Wer heute nach den berühmten Druckgrafikern des 19. Jahrhunderts sucht, findet ihn trotzdem seltener als die Maler, mit denen er ausstellte.

Nebenbei arbeitete er weiter, wie ein Handwerker arbeitet, der Aufträge annimmt. Er stach auch nach Bildern von Corot, Ingres und Delacroix und entwarf kunstgewerbliche Vorlagen für Stoffe und Schmuck.

Wie kommt ein Vogel von Hokusai auf einen Teller in Paris?

Der Auftraggeber hieß Eugène Rousseau und handelte mit Fayence und Porzellan. Bestellt war ein Tafelservice. Bracquemond radierte die Motive dafür auf 28 Platten, Pflanzen, Vögel und Tiere, die Vorlagen dazu unter anderem aus veröffentlichten Zeichnungen Hokusais. Produziert wurde das Service zwischen 1866 und 1875, sein öffentliches Debüt hatte es auf der Weltausstellung 1867 in Paris.

Geätztes Blatt von Félix Bracquemond für das Service Rousseau: acht Vögel frei über die Fläche verteilt, darunter ein Fasan mit langem Schwanz, mehrere Hähne und vier Enten
Félix Bracquemond, Dinner Service (Rousseau service): Roosters, ducks, etc. (no. 13), 1866. Radierung. Public Domain (Cleveland Museum of Art, Dudley P. Allen Fund).

Der Weg von der Kupferplatte auf das Geschirr führte über Papier. Die Platten wurden gedruckt, die einzelnen Motive aus dem Abzug ausgeschnitten und direkt auf die Fayence aufgebracht. Koloriert wurde danach von Hand, von den Werkstattarbeitern der Manufaktur Creil et Montereau, nach Bracquemonds Vorgaben. Aus 28 immer gleichen Platten entstand auf diesem Weg ein Service, in dem kein Stück dem anderen exakt gleicht.

Ob das noch Druckgrafik ist oder schon Kunstgewerbe, ist eine Frage der Zuständigkeit. Am Verfahren ändert die Antwort nichts. Was er 1856 gefunden hatte, brachte er mit demselben Werkzeug auf Geschirr, das er als Radierer ohnehin in der Hand hielt. An dieser Stelle laufen die beiden Spuren zusammen. Er sah die gefundenen Blätter als Radierer an, und dieser Blick brachte ihn am Ende in einen zweiten Beruf.

Wen heiratete Bracquemond 1869, und wo arbeitete er ein Jahr später?

Am 5. August 1869 heiratet er in Paris die Malerin Marie Anne Quivoron. Unter ihrem Ehenamen Marie Bracquemond taucht sie später in der Malerei des Impressionismus auf.

Um 1870 arbeitet Bracquemond als Porzellanmaler für die Manufacture de porcelaine de Sèvres.

Aufgehört hat er mit der Kupferplatte deswegen nicht.

Wer las Bracquemonds Buch, als er selbst noch niemand war?

1885 erscheint "Du dessin et de la couleur", eine theoretische Schrift über Zeichnung und Farbe. Im selben Jahr bringt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Besucher das frisch erschienene Buch nach Nuenen, ein Dorf in der niederländischen Provinz Nordbrabant, wo sein älterer Bruder als Maler lebt. So jedenfalls ordnet es die Brief-Edition ein. Der Maler behält es bei sich und schreibt dem Bruder auch, warum: Beim ersten Lesen habe er nicht verstanden, was Bracquemond über warm und kalt sage, aber über das Licht sage er etwas Wichtiges. Der Maler heißt Vincent van Gogh, der Besucher ist sein Bruder Theo.

Radiertes Porträt von Edmond de Goncourt: älterer Herr mit grauem Haar und Schnurrbart, unten im Bild eine Hand mit Zigarette, von der eine feine Rauchlinie aufsteigt
Félix Bracquemond, Porträt von Edmond de Goncourt, 1882. Radierung. Public Domain (The Metropolitan Museum of Art, New York).

Neben dem Schreiben blieb Bracquemond in diesen Jahren Radierer. Drei Jahre vor dem Buch, 1882, radiert er ein Porträt des Schriftstellers Edmond de Goncourt. Ein Brustbild, älterer Herr, volles graues Haar, geschwungener Schnurrbart, weißes Hemd mit locker geknotetem Halstuch. Im Hintergrund links ein gerahmtes Relief und ein Ring mit einem sitzenden Vogel, rechts eine dunkle Schraffurfläche. Unten im Bild liegt eine Hand mit einer Zigarette, von der eine feine Rauchlinie aufsteigt. Dieser Rauchfaden ist der interessanteste Zentimeter des Blattes: eine einzelne dünne Linie, die in einem Bild aus dichten Schraffuren und Punkten stehen bleibt, ohne dass sie jemand zugedeckt hätte.

Wie viele Blätter Bracquemond insgesamt radiert hat, weiß bis heute niemand genau.

Wie viel von Bracquemonds Geschichte steht eigentlich fest?

Béraldi spricht 1885 von rund siebenhundert Radierungen ("quelque sept cents eaux-fortes"). Eine zweite Quelle nennt über achthundert Platten. Eine dritte kommt auf über neunhundert Radierungen. Diese Abstände sind zu groß für Rundungsfehler. Platten, Zustände und einzelne Abzüge lassen sich verschieden verrechnen, deshalb kommen so unterschiedliche Summen zustande.

Auch der Fund selbst steht weniger fest, als die Anekdote nahelegt. Sophie Basch, Professorin für französische Literatur an der Sorbonne Université, formuliert die Anekdote in einem Essay vom 23. Juni 2025 im Konditional: Bracquemond sei 1856 bei dem Drucker Delâtre auf ein kleines Album mit rotem Einband gestoßen, einen Band der Mangwa von Hok'Saï ("Le graveur Félix Bracquemond serait tombé dès 1856, chez l'imprimeur Delâtre, sur un petit album à couverture rouge"), auf Deutsch: soll gefunden haben. Im Deutschen geht dieser Modus leicht verloren, und mit ihm der Vorbehalt.

Selbst die Adresse der Werkstatt hält der Prüfung nicht stand. Die Hausnummer 171 in der rue Saint-Jacques ist für das Jahr 1858 belegt, im Zusammenhang mit dem Druck von Whistler-Platten. Auf der Platte von "Le Haut d'un battant de porte" steht in der Fassung von 1865 die Nummer 303 derselben Straße. Auf dem Entenblatt von 1856 steht mit dem Faubourg Poissonnière 145 eine ganz andere Straße. Delâtre zog im Lauf seiner Karriere mehrfach um. Für 1856 gibt es keine gesicherte Hausnummer.

Für ein Blatt in der Hand hat das praktische Folgen. Der Druckvermerk auf der Platte, die Katalognummer, der Zustand: Das sind Angaben, an denen sich Originalgrafik erkennen lässt, und bei Bracquemond erzählen sie, richtig gelesen, zuerst etwas über Delâtres Umzüge und erst danach etwas über den Künstler. Eine Biografie, in der die Zahlen wackeln, zwingt dazu, auf die Blätter zu schauen statt auf die Bilanz.

Was gründete Bracquemond mit fünfundfünfzig?

Die Société des Peintres-Graveurs Français entsteht im Januar 1889. Der Name sagt, worum es geht: peintres-graveurs, Maler und Radierer in einer Person. Als Mitgründer wird Henri Guérard genannt, als Schirmherr Philippe Burty. Beide Namen stützen sich nur auf eine Quelle. Gesichert ist das Gründungsjahr über den Katalog der französischen Nationalbibliothek, und gesichert ist der Termin der ersten Ausstellung: 23. Januar bis 14. Februar 1889, in den Galerien Durand-Ruel.

Es ist die zweite Vereinigung dieser Art in seinem Leben, siebenundzwanzig Jahre nach seinem Beitritt zu den Aquafortistes, und die erste, bei der er von Anfang an dabei ist. Beide gehören zu den Institutionen der Druckgrafik, die im 19. Jahrhundert entstehen. Elf Jahre später, 1900, erhält er auf der Pariser Weltausstellung den Grand Prix für Druckgrafik.

Das Album mit dem roten Einband, das Bracquemond 1856 aus der Kiste zog, taucht in keiner der Quellen wieder auf, die den Fund erzählen. Sein Verbleib ist nicht dokumentiert.

Die Blätter, die er danach selbst radierte, liegen dagegen ziemlich genau dort, wo man sie sucht: "Le Haut d'un battant de porte" in Frankfurt, New Haven und Chicago, das Entenblatt vom 7. September 1856 in Amsterdam, das Goncourt-Porträt in New York. Das Papier aus der Kiste ist verschwunden. Wie viele Blätter er insgesamt hinterlassen hat, bleibt eine Frage mit drei Antworten.

Häufige Fragen zu Félix Bracquemond

Was fand Bracquemond 1856 in Delâtres Werkstatt wirklich?

Ein kleines Album mit rotem Einband, das als Polstermaterial für eine Porzellanlieferung aus Japan gedient hatte: einen Band der Manga von Hokusai. So erzählt man sich die Geschichte. Sophie Basch setzt sie in ihrem Essay von 2025 ausdrücklich in den Konditional ("serait tombé", also "soll gefunden haben"), weil sich der Vorgang selbst nicht dokumentarisch belegen lässt.

Wie viele Werke hat Bracquemond hinterlassen, und warum ist die Zahl umstritten?

Henri Béraldi zählt 1885 in seinem Werkverzeichnis "Les Graveurs du XIXe siècle" rund siebenhundert Radierungen, eine weitere Quelle nennt über achthundert Platten, eine dritte über neunhundert Radierungen. Je nachdem, ob jemand Platten, Zustände oder einzelne Abzüge zählt, fällt die Summe anders aus. Eine abschließende Zahl gibt es nicht.

Was verbindet das Service Rousseau mit Hokusai?

Die 28 immer gleichen Kupferplatten sind die Verbindung: Bracquemond radierte darauf Pflanzen, Vögel und Tiere, unter anderem nach veröffentlichten Zeichnungen Hokusais, für ein Service, das Eugène Rousseau bei ihm bestellt hatte. Er nutzte dafür dieselbe Radiernadel wie zehn Jahre zuvor, nur diesmal für Geschirr statt für Papier.

Warum kannte Van Gogh Bracquemonds Buch?

Bracquemond veröffentlichte 1885 die Schrift "Du dessin et de la couleur". Vincent van Gogh las sie im selben Jahr in Nuenen und schrieb seinem Bruder Theo, beim ersten Lesen habe er nicht verstanden, was Bracquemond über warm und kalt sage, über das Licht aber sage er etwas Wichtiges.

Wo lag Delâtres Werkstatt genau?

Nicht eindeutig, und genau das macht die Adresse zu einem Beispiel dafür, wie instabil scheinbar sichere Angaben sein können: Drei Quellen nennen drei verschiedene Hausnummern zwischen 1856 und 1865, in der rue Saint-Jacques und im Faubourg Poissonnière. Der Grund ist banal, Delâtre zog mehrfach um, aber die Konsequenz bleibt: Wer aus einem Druckvermerk auf eine feste Adresse schließt, liest eher die Umzugsgeschichte des Druckers als die des Künstlers.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Henri Béraldi: Les Graveurs du XIXe siècle. Guide de l'amateur d'estampes modernes, Band 3, Paris 1885 (Werkverzeichnis mit Auflagen- und Katalognummern zu Bracquemond)
  • Städel Museum, Frankfurt am Main: Sammlungseintrag zu "Le Haut d'un battant de porte" (Béraldi 110, fünfter Zustand)
  • Petit Palais, Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris: Sammlungseintrag zum Service Rousseau, mit Beschreibung des Übertragungs- und Kolorierungsverfahrens
  • Sophie Basch: Le peintre Hokusai était une icône en France avant d'être reconnu au Japon, The Conversation, 2025
  • Vincent van Gogh: Brief an Theo van Gogh, Nuenen, August 1885 (Van Gogh Letters, Brief 530)

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