Utagawa Hiroshige
Auf einzelnen Landschaftsblättern wie "Abendschnee bei Kanbara" komponierte Utagawa Hiroshige eine Szene, wo man eigentlich Reportage erwartet. Zwei Blätter aus seiner Serie "Hundert berühmte Ansichten von Edo" malte Vincent van Gogh später in Öl nach.
Im Jahr 1858 zieht die Cholera durch Edo. Mitten in dieser Epidemie liegt Utagawa Hiroshige im Sterben, seit zwei Jahren formal buddhistischer Mönch. Er diktiert ein Abschiedsgedicht. Er lasse seinen Pinsel im Osten zurück und mache sich auf den Weg, um die berühmten Orte im Westen zu sehen ("I leave my brush at Azuma, I go to the Land of the West on a journey / To view the famous sights there"). Am 12. Oktober 1858 stirbt er.
Ein Mann, der einen Großteil seines Werks damit verbracht hat, Reisewege zu zeichnen, kündigt auf dem Sterbebett eine letzte Reise an, die er nicht mehr antreten wird. Der Pinsel blieb in Edo. Seine Blätter blieben nicht.
Wer war der Junge, der später Hiroshige hieß?
Utagawa Hiroshige wurde 1797 in Edo geboren und hieß bürgerlich Andō Tokutarō. Sein Vater Gen'emon hielt das Amt des Feuerwehr-Wärters für die Burg Edo, eine Stellung im Dienst des Shoguns, die in der Familie weitergereicht wurde. 1809 starben beide Eltern. Der Junge war zwölf und erbte den Posten.
Zwei Jahre später bewarb er sich als Schüler bei Utagawa Toyokuni und wurde abgewiesen. Aufgenommen hat ihn 1811 stattdessen Utagawa Toyohiro. Ab 1812 durfte er seine Arbeiten mit dem Künstlernamen Hiroshige signieren.
Die Utagawa-Schule, in die er eintrat, war eine der Werkstatt-Linien des Ukiyo-e, der japanischen Kunst des Farbholzschnitts aus der Edo-Zeit. Am Amt änderte der Schuleintritt nichts: Der bürgerliche Andō Tokutarō behielt das feste Einkommen, während Hiroshige die Aufträge bekam.
Was geschah 1832 auf der Straße von Edo nach Kyoto?
1832 übergab Hiroshige den Feuerwehr-Posten an seinen Sohn und schloss sich einer offiziellen Prozession an, die auf dem Tōkaidō von Edo nach Kyoto zog. Zwischen den beiden Städten lagen 53 offizielle Poststationen.
Was er aus dieser Reise machte, erschien 1833 und 1834: "Dreiundfünfzig Stationen des Tōkaidō", 55 Blätter, für jede Station eines, dazu der Startpunkt Nihonbashi in Edo und das Ziel, die Sanjō-Brücke in Kyoto. Herausgebracht wurde die Serie von Hoeidō (Takenouchi Magohachi) gemeinsam mit Senkakudō (Tsuruya Kiemon), zwei Verlegern, die japanische Holzschnitte in Serien auf den Markt brachten.
Das erste Blatt zeigt den Aufbruch. Eine Daimyō-Prozession überquert früh am Morgen die Nihonbashi-Brücke, voraus laufen Fischhändler mit frischem Fang. Zwei Träger schleppen rot lackierte Kisten über die hölzerne Bogenbrücke, zwei hohe Standarten mit weißen Federbüscheln ragen über die Gruppe hinaus, im Vordergrund drängen sich flache Weidenkörbe mit Fischen. Rechts unten schnüffelt ein hellbrauner Hund am Boden. Der Hund hat mit der Prozession nichts zu tun. Er ist trotzdem da, und er ist der Grund, warum das Blatt nicht wie ein Protokoll aussieht.
Blatt 1 zeigt eine Prozession und Fischhändler auf der Brücke. Blatt 16 zeigt Schnee, wo kaum Schnee fällt.
Warum liegt in Kanbara tiefer Schnee, wo es kaum schneit?
"Abendschnee bei Kanbara" ist das sechzehnte Blatt der Serie, 22,5 mal 34,9 Zentimeter, ein Exemplar liegt im Metropolitan Museum of Art. Ein Dorf liegt unter schwerem Schnee, die Strohdächer sind zu weißen Polstern gerundet, drei Gestalten stapfen den Hang entlang. Eine trägt einen rot gestreiften Strohhut und einen blau getupften Mantel, eine andere einen gelben Strohumhang. Sonst ist das Blatt fast farblos: Grau und Weiß, dahinter gestaffelte Hügel und schwarz gepunktete kahle Bäume.
Im Sammlungseintrag des Metropolitan Museum steht es unverblümt: Die Szene ist fast vollständig erfunden, in der Gegend um Kanbara schneit es kaum.
Wer die Serie als Reisebericht liest, hat an dieser Stelle ein Problem. Wer sie als Bildfolge liest, sieht eine Entscheidung: Der Schnee macht aus einer Poststation eine Szene, in der drei Menschen gegen etwas anlaufen. Die reale Wetterlage von Kanbara wäre dafür unbrauchbar gewesen.
Hat Hiroshige die Orte, die er zeichnete, je selbst gesehen?
Ob er tatsächlich alle 53 Stationen der Route mit eigenen Augen gesehen hat, ist unter Kunsthistorikern umstritten. Einzelne Ansichten lassen sich auf ältere Vorlagen zurückführen, am deutlichsten die Station Ishibe: Sie gleicht nahezu identisch einer Illustration aus dem Reiseführer "Tōkaidō meisho zue". Dieser Reiseführer erschien 1797, in Hiroshiges Geburtsjahr.
Wie wenig es ihm um Dokumentation ging, zeigt ein Blatt von etwa 1835 aus der Serie "Acht Ansichten von Ōmi": "Nächtlicher Regen bei Karasaki", 22,2 mal 34,6 Zentimeter, Metropolitan Museum of Art. Die große Kiefer von Karasaki am Biwa-See füllt als dunkle Masse die Bildmitte, ihre Äste liegen auf dünnen Stützpfosten auf. Darunter tiefblaues Seewasser mit zwei hellen, flachen Booten, rechts eine blassblaue Schreinarchitektur mit geschwungenem Dach.
Der Regen liegt als eigene Schicht darüber. Feine senkrechte Linien ziehen über das gesamte Blatt, über den Baum, über den See, über die Schreindächer, ohne Rücksicht darauf, was hinter ihnen liegt. Ein Beobachter am Ufer hätte das so nicht gesehen. Ein Bild, das nass wirken soll, funktioniert so hervorragend.
Wie verändert sich der Blick, wenn keine Straße mehr die Route vorgibt?
Zwanzig Jahre nach dem Tōkaidō nahm sich Hiroshige das ganze Land vor. "Berühmte Ansichten der sechzig-und-einige Provinzen" umfasst 70 Blätter: eine Ansicht aus jeder der 68 Provinzen, dazu eine Ansicht von Edo und eine Inhaltsseite. Verlegt wurde die Serie von Koshimuraya Heisuke, erschienen ist sie zwischen 1853 und 1856.
Eines dieser Blätter zeigt die Meerenge von Naruto in der Provinz Awa, dort, wo die Strömung zwischen Shikoku und Awaji den Pazifik mit der japanischen Binnensee verbindet und sich die Wellen gegen die Felsen auftürmen. Das Blatt ist ein vertikaler Ōban, 35,6 mal 24,4 Zentimeter, ein Exemplar liegt im Metropolitan Museum of Art. Bei der Datierung widersprechen sich die Institutionen: Die Met datiert ihr Exemplar auf ca. 1853, das Art Institute of Chicago datiert seines auf den 9. Monat 1855. Belastbar ist die Laufzeit der Serie, 1853 bis 1856.
Der Formatwechsel ist der eigentliche Bruch. Die Tōkaidō-Blätter liegen quer, 24,1 mal 35,2 Zentimeter beim Nihonbashi-Blatt, und ein Querformat führt den Blick die Straße entlang. Das Naruto-Blatt steht hochkant, und es gibt nichts mehr, dem man folgen könnte. Der Strudel dreht sich in der unteren Bildhälfte, gesäumt von weißen Schaumkämmen, links und rechts ragen von Gischt überzogene Felsen ins Bild, ein dritter steht mitten darin. Dahinter öffnet sich die Meerenge auf eine grüne Landzunge und blassgraue Berge, darüber ein heller Himmel mit einer Handvoll skizzierter Vögel. Reisende, Poststationen und der Weg selbst kommen auf diesem Blatt nicht mehr vor. Das Wasser hat die Hauptrolle übernommen.
Warum sehen zwei Abzüge desselben Blattes nicht gleich aus?
Im 9. Monat 1857 erschien "Plötzlicher Regenschauer über der Shin-Ōhashi-Brücke bei Atake" aus der Serie "Hundert berühmte Ansichten von Edo". Das Exemplar des Metropolitan Museum of Art trägt die Objektnummer 55433; die Sammlungsbeschreibung hebt das feine, sich kreuzende Liniennetz hervor, das über die Ōhashi-Brücke am Sumida-Fluss gelegt ist. Fünf Figuren hasten über die Brücke, eine mit schwarzem Schirm in rot-grünem Gewand, zwei teilen sich eine Strohmatte über dem Kopf.
Genau an diesem Blatt lässt sich zeigen, dass "ein Hiroshige" selten ein einzelnes Ding ist. Der früheste bekannte Druckzustand zeigt zwei Boots-Silhouetten am fernen Flussufer, die in späteren Auflagen fehlen, vermutlich weil der graue Hintergrundstock nachgeschnitten und die Boote dabei vergessen wurden. Im selben frühen Zustand klafft mitten in den Brückenpfählen eine blanke dreieckige Lücke, ein Schnitzfehler, der in späteren Abzügen durch einen eingesetzten Zapfen im grauen Stock behoben wurde. Im Mokuhanga ist der Druckstock kein unantastbares Original: Er kann korrigiert werden, und genau das geschah hier.
Das oben gezeigte Met-Exemplar gehört nicht zu diesem frühesten Zustand. Auf ihm treibt ein einzelnes Floß auf dem türkisfarbenen Wasser, zwei Boote am fernen Ufer sind nicht zu sehen, und das Pfahlwerk ist geschlossen. Wenn du zwei Abzüge nebeneinanderlegst und sie sich unterscheiden, ist nicht automatisch einer davon falsch. Beide sind Zustände derselben Arbeit, aufgenommen zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Produktion.
Wie endete das Leben, das mit einem Feuerwehr-Posten begann?
1856 zog Hiroshige sich formal aus der Welt zurück und wurde buddhistischer Mönch. Gearbeitet hat er weiter. Sein Gesamtwerk wird auf 5.000 bis 8.000 Entwürfe geschätzt, Landschaften, Schauspielerporträts, Vogel-Blumen-Bilder und Buchillustrationen zusammengenommen. Reich wurde er davon nicht: Er kämpfte laufend darum, über die Runden zu kommen. Hiroshige starb am 12. Oktober 1858 an der Cholera.
Sein Schüler Shigenobu heiratete 1858 Otatsu, Hiroshiges Adoptivtochter, und übernahm daraufhin als Hiroshige II den Künstlernamen Hiroshige sowie die Namen Ichiryūsai und Ryūsai. Um 1865 wurde die Ehe geschieden, er zog nach Yokohama, und Otatsu heiratete einen weiteren Schüler, Shigemasa, der als Hiroshige III weiterarbeitete. Der Name wurde nicht vererbt. Er wurde verheiratet.
Welches Blatt aus Edo reiste am weitesten?
Die Serie, an der Hiroshige zuletzt arbeitete, heißt "Hundert berühmte Ansichten von Edo" und umfasst am Ende 119 Blätter, erschienen zwischen 1856 und 1859 in einzelnen Lieferungen. Fertig wurde sie ohne ihn: Hiroshige II vollendete die Serie nach dem Tod des Meisters. Verleger war Uoya Eikichi, auch als Sakanaya Eikichi geführt.
Nummer 30 dieser Serie erschien im 11. Monat 1857 und heißt "Pflaumengarten in Kameido". Das Rijksmuseum in Amsterdam beschreibt sein Exemplar RP-P-1956-743 als Blick auf einen Obstgarten mit Pflaumenblüten, gesehen zwischen den Zweigen eines Pflaumenbaums im Vordergrund, dahinter picknickende Besucher, alles vor feuerrotem Himmel ("tegen een felrode lucht").
Der Aufbau ist ungewöhnlich frech. Ein mächtiger dunkelblaugrauer Stamm schneidet in extremer Nahsicht diagonal von unten links nach oben rechts durchs Bild und verstellt genau das, was man sehen möchte: den Garten. Erst hinter ihm liegen die blühenden Bäume, ein Lattenzaun und die Besucher in dunkelblauen und schwarzen Gewändern, der Boden türkisgrün, der Himmel im oberen Drittel kräftig rot und nach unten in Creme auslaufend. Dreißig Jahre später malte Vincent van Gogh dieses Blatt in Paris in Öl nach.
Was macht ein Maler in Paris mit einem Holzschnitt aus Edo?
Vincent van Gogh sammelte in Paris japanische Blätter und malte im Herbst 1887 drei davon in Öl nach. Zwei der drei Vorlagen stammen von Hiroshige.
Die erste Kopie entstand im September und Oktober 1887 in Paris, nach dem Kameido-Blatt. Die zweite folgte im Oktober und November desselben Jahres, nach dem Ōhashi-Blatt mit dem Regenschauer. Beide hängen heute im Van Gogh Museum in Amsterdam. Zwei Ölbilder nach demselben Künstler, entstanden im selben Herbst, wirken nicht wie eine einmalige Verbeugung, sondern wie Arbeit an einer fremden Bildlogik.
Die Komposition übernahm Van Gogh fast unverändert: derselbe diagonale Stamm, dieselben Blütenzweige, derselbe Obstgarten mit Figuren hinter dem Zaun. Die Farben nicht. Der Stamm ist bei ihm rotbraun bis weinrot statt dunkelgrau, der Boden kräftig grün statt türkis, der Himmel läuft von sattem Rot über Rosa in ein cremiges Gelb. Dazu kommen zwei orange Randstreifen mit großen schwarzen Schriftzeichen über die volle Bildhöhe, die auf Hiroshiges Blatt nicht existieren. Selbst die roten und gelben Kartuschen des Originals hat Van Gogh ins Bildfeld hineingemalt, als gehörten Titel und Signatur zum Motiv.
Die dritte Ölkopie desselben Herbstes geht nicht auf Hiroshige zurück. Sie zeigt eine Oiran nach einem Farbholzschnitt von Keisai Eisen, den Van Gogh vom Titelblatt der Zeitschrift Paris Illustré abgepaust und vergrößert hat. Im Sammlungskatalog des Van Gogh Museums trägt das Bild den Titel "Courtesan (after Eisen)". Wer bei Van Gogh und japanischem Holzschnitt zuerst an Hokusai und die große Welle denkt, liegt bei allen drei Ölkopien daneben.
Wer geriet in Paris noch in Hiroshiges Bann?
Sechs Jahre nach Van Goghs Kopien organisierte Siegfried Bing 1893 in der Pariser Galerie Durand-Ruel eine Ausstellung mit rund 300 Blättern von Hiroshige und Utamaro. Camille Pissarro, einer der Maler des Impressionismus, schrieb seinem Sohn Lucien darüber und nannte sie bewundernswert ("admirable").
Von Paris führt die Spur weiter nach Chicago. Vom 29. März bis zum 18. April 1906 zeigte das Art Institute of Chicago die Ausstellung "Hiroshige, An Exhibition of Colour Prints from the Collection of Frank Lloyd Wright" mit 213 Blättern aus Wrights eigener Sammlung. Der Architekt kuratierte die Schau, gestaltete den Ausstellungsraum und schrieb den Katalog selbst.
Einundzwanzig Jahre später stand dieselbe Sammlung auf dem Auktionstisch. Am 6. und 7. Januar 1927 versteigerten die Anderson Galleries in New York Wrights japanische Drucke, auf Anordnung der Bank of Wisconsin in Madison. Der Katalog führte 346 Drucke von 26 Künstlern auf, entstanden zwischen 1664 und 1858. Wright hatte auf 100.000 Dollar gehofft. Die Auktion brachte 36.975 Dollar.
Aus dieser Sammlung stammt auch das Los, das im Juni 2025 bei Sotheby's in Paris aufgerufen wurde: der komplette Satz der "Sechzig-und-einige Provinzen", 69 Blätter plus Inhaltsseite, im Provenienz-Feld ausgewiesen als "Frank Lloyd Wright (1867-1959) / Gerhard Pulverer (b. 1930)". Ein kompletter Satz der "Hundert berühmten Ansichten von Edo" erzielte im Juli 2024 405.400 US-Dollar, 162 Prozent über der unteren Schätzung von 154.300 Dollar.
Das Gedicht vom Sterbebett hat sich geografisch erfüllt, nur anders, als es gemeint war. Der Pinsel blieb im Osten. Gereist sind die Blätter: auf eine Leinwand in Paris im Herbst 1887, in einen Brief von Pissarro an seinen Sohn, in einen Ausstellungssaal in Chicago im Frühjahr 1906, auf einen Auktionstisch in Paris im Juni 2025. Was der Mann, der zeitlebens um sein Auskommen kämpfte, von dem gehalten hätte, was ein kompletter Satz seiner Blätter heute erzielt, ist in keiner Quelle überliefert.
Häufige Fragen zu Utagawa Hiroshige
Wer war Utagawa Hiroshige?
Utagawa Hiroshige wurde 1797 in Edo, dem heutigen Tokio, als Andō Tokutarō geboren und erbte 1809 als Zwölfjähriger den Posten eines Feuerwehr-Wärters für die Burg Edo. Das Amt gab er 1832 an seinen Sohn ab. Den Künstlernamen Hiroshige durfte er ab 1812 führen, bekannt wurde er mit seinen Landschaftsserien. Er starb am 12. Oktober 1858 während der Cholera-Epidemie von Edo.
Welche Werke von Hiroshige sind am bekanntesten?
Am bekanntesten sind zwei Serien. Die "Dreiundfünfzig Stationen des Tōkaidō" erschien 1833 und 1834 und umfasst 55 Blätter. Die "Hundert berühmten Ansichten von Edo" umfasst 119 Blätter und erschien zwischen 1856 und 1859, vollendet von Hiroshige II. Aus letzterer stammen die beiden Blätter, die Van Gogh in Öl kopierte.
Warum kopierte Van Gogh zwei Blätter von Hiroshige in Öl?
Van Gogh malte im Herbst 1887 in Paris drei japanische Vorlagen in Öl nach, zwei davon nach Hiroshige. Die Komposition übernahm er dabei nahezu unverändert, die Farbgebung veränderte er deutlich und ergänzte zwei orange Randstreifen mit Schriftzeichen. Als Lesart lässt sich das eher als Auseinandersetzung mit einer fremden Bildsprache verstehen denn als reine Reproduktion.
Wie viele Werke hat Hiroshige geschaffen?
Sein Gesamtwerk wird auf 5.000 bis 8.000 Entwürfe geschätzt. Dazu zählen Landschaften, Schauspielerporträts, Vogel-Blumen-Bilder und Buchillustrationen. Auf die drei großen Landschaftsserien entfallen davon 55 Blätter für den Tōkaidō, 70 für die "Berühmten Ansichten der sechzig-und-einige Provinzen" und 119 für die "Hundert berühmten Ansichten von Edo". Trotz dieser Produktivität kämpfte er zeitlebens darum, über die Runden zu kommen.
Wo kann man Hiroshiges Blätter heute sehen?
Exemplare seiner Serien liegen in mehreren Museen mit offenen Sammlungen. Das Metropolitan Museum of Art hält unter anderem das Nihonbashi-Blatt, den Abendschnee bei Kanbara und den Regenschauer über der Ōhashi-Brücke. Der Pflaumengarten in Kameido liegt als Exemplar RP-P-1956-743 im Rijksmuseum Amsterdam. Van Goghs Ölkopien hängen im Van Gogh Museum Amsterdam.
Quellen und weiterführende Literatur
- Metropolitan Museum of Art, Sammlungseinträge zu "Nihonbashi: Morgenszene", "Abendschnee bei Kanbara", "Nächtlicher Regen bei Karasaki", "Naruto-Wirbel, Provinz Awa" und "Plötzlicher Regenschauer über der Shin-Ōhashi-Brücke bei Atake" (Werkangaben, Maße und Bildbeschreibungen).
- Rijksmuseum Amsterdam, Sammlungseintrag zum Exemplar RP-P-1956-743 von "Pflaumengarten in Kameido" (1857, Bildbeschreibung des Rijksstudio-Exemplars).
- Van Gogh Museum Amsterdam, Sammlungseintrag "Courtesan (after Eisen)" (1887, Zuschreibung der dritten Japonaiserie-Ölkopie an Keisai Eisen).
- Art Institute of Chicago, Sammlungseinträge zu "Berühmte Ansichten der sechzig-und-einige Provinzen" und zu den "Acht Ansichten von Ōmi" (abweichende Datierung des Naruto-Blattes).
- Art Institute of Chicago, Ausstellungskatalog "Hiroshige, An Exhibition of Colour Prints from the Collection of Frank Lloyd Wright" (1906, Ausstellungsdokumentation).
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