ZINNOBER Hannover: ein Wochenende in Ateliers, Projekträumen und Galerien
Sechs Leute stehen in einem Treppenhaus, das für drei gebaut wurde. Oben zieht jemand eine Rakel über ein Sieb, hört dabei nicht auf, sagt auch nichts, und niemand schickt die sechs wieder nach unten. Es riecht nach Lösungsmittel und feuchtem Papier. Auf dem Tisch daneben liegen zwei Bogen, die noch nicht trocken sind, und einer, der schiefgegangen ist und trotzdem liegen bleibt.
Das ist der ungewöhnliche Teil. Du stehst nicht in einer Ausstellung, sondern in einem Arbeitsraum, und die Person darin arbeitet weiter, während du zusiehst. An den meisten Tagen im Jahr wärst du hier eine Störung. An diesem Wochenende bist du eingeplant, ohne dass dich jemand herumführt.
Das Wochenende heißt Zinnober, und wer zum ersten Mal losgeht, merkt nach dem zweiten Stopp, dass "Kunstort" ziemlich verschiedene Dinge bedeuten kann. Ein Atelier funktioniert anders als eine Ateliergemeinschaft, anders als ein Projektraum, anders als eine Produzentengalerie oder ein Kunstverein. Diese Unterschiede entscheiden darüber, was du siehst, wen du ansprechen kannst und wie lange du bleibst. Studio Sonsu ist 2026 nicht dabei, wir schreiben hier also über die anderen Orte, nicht über die eigene Tür.
Was ist Zinnober, und wann ist es 2026?
ZINNOBER ist das Wochenende, an dem Hannovers Kunstszene ihre Herbstsaison eröffnet. ZINNOBER 2026 fällt auf Samstag, den 5., und Sonntag, den 6. September, jeweils von 12 bis 19 Uhr. Es ist die 29. Auflage; rechnet man die Editionszählung zurück, liegt der Anfang im Jahr 1998. Entstanden ist das Format aus dem von Galerien begründeten Herbst-Saisonauftakt mit Galerien, Kunsthäusern und Künstlergruppen. Die Stadt Hannover spricht von rund 60 Kunstorten mit über 300 Künstlerinnen und Künstlern, Lokalmedien zählen 61 und listen dabei Ateliergemeinschaften, Projekträume, Galerien, Kunstvereine und Kunstinstitutionen nebeneinander. Der Eintritt ist überall frei, an jedem einzelnen Ort. Organisiert wird das Ganze vom Kulturbüro der Stadt Hannover. Bis 2017 lief es offiziell als ZINNOBER-Kunstvolkslauf, danach verschwand der Zusatz aus der Vermarktung. Warum das Wochenende ausgerechnet Zinnober heißt, dazu haben die Stadt und der Berufsverband Bildender Künstler zwei unterschiedliche, dokumentierte Erklärungen abgegeben.
Welche sieben Orte zeigen dir das ganze Wochenende im Kleinen?
Das hier ist keine Bestenliste. Bei rund 60 offenen Türen wäre jede Empfehlung zugleich eine Nichtempfehlung für alle anderen, und dafür gibt es keinen Grund. Das Kriterium ist ein anderes, und du kannst es nachprüfen: Beim Zinnober öffnen fünf verschiedene Arten von Orten, und für jede steht hier genau eine Adresse, an der sich dieser Typ besonders klar ablesen lässt. Was die Bezeichnungen bedeuten, steht weiter unten. Dazu kommt am Schluss ein siebter Ort, der zeigt, warum das Schild über der Tür den Typ nicht verrät.
Die Auswahl gilt für 2026 und für kein anderes Jahr. Programme verschieben sich außerdem bis zuletzt. Am 20. August 2026 stand im offiziellen Stadtplan bereits ein Ort als "ENTFÄLLT!", nämlich die Kunsthalle Hannover mit "Resonance of Matter". Wirf am Vorabend also noch einen Blick auf die Liste.
Das Atelier: Studio Akkord, Schulenburger Landstraße 152 F. Hier wird gedruckt, und die Ausstellung heißt entsprechend "Noch mehr Druck!". Gezeigt werden Siebdruck-Arbeiten von Martin Grobecker, Chris Gundermann, Timo Bock und Christoph Sander aus den letzten ein bis zwei Jahren, und zwar in den Räumen der Druckwerkstatt selbst. Die Presse steht damit neben den Blättern, die auf ihr entstanden sind. Wenn du wissen willst, wie Siebdruck funktioniert, stehst du hier direkt daneben.
Die Ateliergemeinschaft: Kreative der Kornbrennerei, Bertramstraße 4 in Hainholz. Elf Künstlerinnen und Künstler stehen dort im Programm, unter dem Titel "I want you to draw me like one of your french girls". Einer dieser elf Namen ist Siegfried Neuenhausen. Der Bildhauer, Jahrgang 1931, erwarb das Haus 1983 und baute es als Künstler-Galerie aus. Die Gruppe, die dort 2026 ausstellt, arbeitet also in einem Haus, das einer ihrer eigenen Aussteller aufgebaut hat. Am Samstag läuft dort von 17 bis 20 Uhr ein eigenes Programm mit Live-Malerei, Musik und Bar. Das ist der Punkt, an dem eine Ateliergemeinschaft mehr wird als eine Mietgemeinschaft.
Der Projektraum: ad/ad – Project Space, Deisterstraße 13, im Hinterhaus. Im Programm steht kaum mehr als der Titel "carte blanche", dazu der Hinweis, dass weitere Infos zu gegebener Zeit über Instagram kommen. Das ist kein Versäumnis, sondern die Betriebsart. Ein Projektraum füllt sich für jedes Projekt neu, und manche legen sich entsprechend spät fest. Den Unterschied zur Ateliergemeinschaft siehst du hier schon am Programmeintrag, bevor du überhaupt losgegangen bist.
Die Produzentengalerie: 4h-art, Loebensteinstraße 7a. Neun Künstlerinnen und Künstler stehen dort im Programm. Am Sonntag von 14 bis 16 Uhr gibt es kreatives Drucken mit der Gelplatte, ausdrücklich für Kinder und Erwachsene, angeboten von Andreas Ziller. Am Samstag um 15 Uhr baut Dieter Rammlmair mit Kindern Masken aus Karton und Heißkleber. Von den sieben Adressen ist das die einzige mit zwei ausdrücklichen Angeboten für Kinder.
Der Kunstverein: Kunstverein Hannover, Sophienstraße 2. Gezeigt wird der Preis des Kunstvereins Hannover, eine Gruppenausstellung der aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten Aria Farajnezhad, Jonas Höschl und Jana Piotrowski. Am Samstag um 15 Uhr führen die Künstlerinnen und Künstler selbst durch die Ausstellung. Sie läuft bis zum 1. November und damit am längsten von allen sieben.
Die Artothek: artothek Hannover e.V., Theodor-Lessing-Platz 2. Eine Artothek verleiht Kunst, wie eine Bibliothek Bücher verleiht. Dieser Ortstyp kommt in den Abschnitten oben nicht vor, weil er im Programm 2026 nur ein einziges Mal auftaucht. Unter dem Titel "Klassische Ladestation" kannst du dich an beiden Tagen zwischen 14 und 18 Uhr hinlegen und 20 Minuten lang Musikerinnen und Musikern des Treppenhausorchesters zuhören. Ein neuer Durchgang beginnt alle 20 Minuten. Wie das Ausleihen anderswo funktioniert, steht im Atlas der Artotheken.
Der Fall, in dem das Schild nicht hilft: Galerie BOHAI, Schwarzer Bär 6. Im ZINNOBER-Programm steht dieser Ort als "Galerie BOHAI". Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine führt ihn dagegen unter ihren Kunstvereinen und beschreibt ihn als gemeinnützigen Verein, gegründet 2013, mit Schwerpunkt auf Fotografie und Medienkunst. Beides stimmt gleichzeitig, und genau deshalb steht er in dieser Liste: Der Name über der Tür verrät dir den Ortstyp nicht. Gezeigt wird "I WANT THIS HOUSE TO BE HAUNTED" von Annika Weertz, ein fotografisches Essay über Trauer und Erinnerung, entstanden über vier Jahre im Elternhaus der Künstlerin. Wenn du an einer Tür nicht sicher bist, wo du gerade stehst, ist die Frage danach der kürzeste Weg.
Diese sieben Adressen liegen nicht gleichmäßig über die Stadt verteilt, sondern in drei Gruppen. Studio Akkord und die Kornbrennerei stehen beide in Hainholz, 1,4 Kilometer Luftlinie auseinander. ad/ad und die Galerie BOHAI stehen beide am Schwarzen Bären in Linden, keine 150 Meter voneinander entfernt, das ist praktisch ein Stopp. Kunstverein, artothek und 4h-art bilden die dritte Gruppe um die Innenstadt, zwischen 0,5 und 1,4 Kilometern Luftlinie voneinander. Was ein Atelier von einer Ateliergemeinschaft unterscheidet und woran du eine Produzentengalerie erkennst, steht weiter unten.
Woher hat das Wochenende seinen Namen?
Auf der offiziellen Seite steht dazu ein Satz, der weit zurückgreift: "Angelehnt an das Künstlerfest um Kurt Schwitters in den 1920er Jahren feiert ZINNOBER die Kunst in Hannover." Das ist keine Zuschreibung von außen, sondern die Erklärung des Veranstalters selbst für das Format und seine Tradition.
Das Fest dahinter lässt sich auf einen Tag datieren. Am 7. Januar 1928 fand im Hannoverschen Konzerthaus ein Zinnoberfest statt, organisiert vom Reichsverband Bildender Künstler, Gau Hannover. Kurt Schwitters bekam den Auftrag, die Festschrift zu gestalten, und schrieb gemeinsam mit dem Komponisten Walter Gieseking den Zinnoberschlager. Er arbeitete damals längst unter dem Label MERZ, seiner eigenen Variante des Dadaismus. Eine Festschrift für ein Künstlerfest war für ihn ein Heimspiel.
Aus diesem Schlager zitiert die Stadt eine Zeile, wenn sie zum Wochenende einlädt: "Immer rinn in den Zinnober, immer knüppeldicke rinn." Sie steht 2022 im städtischen Artikel zur 25. Auflage, ausdrücklich Schwitters und dem Jahr 1928 zugeschrieben, und sie taucht 2025 in der Pressemitteilung zur 28. Auflage erneut auf.
Die Stadt schreibt "angelehnt an", nicht "benannt nach": eine vorsichtigere Formulierung, die sich auf das Fest beruft, ohne den Namen direkt daraus herzuleiten. Der Berufsverband Bildender Künstler in Hannover erklärte den Namen in seiner Ankündigung zur 17. Auflage 2014 auch ganz anders, nämlich über die Farbe: leuchtend schön, weder Gelb noch Blau, das Gegenteil von Grün. Diese Umschreibung für ein kräftiges Rot kommt selbst ohne jede Jahreszahl aus. Beide Erklärungen sind dokumentiert, die Farbe und das Fest, und keine schließt die andere aus.
Was zeigt dir ein Atelier, das eine Ausstellung nicht zeigt?
Ein Atelier ist kein kleiner Ausstellungsraum. Es ist der Raum, in dem die Arbeit entsteht, und man sieht das daran, dass alles darin benutzt aussieht: Farbe auf dem Tisch, Nadellöcher in der Wand, an der Leine ein paar Blätter, die noch trocknen. Was dort hängt, ist keine Auswahl, sondern ein Zwischenstand.
An einer Tiefdruckpresse dauert der interessanteste Moment ein paar Sekunden. Auf dem Pressbett liegt die eingefärbte Platte, darauf der feuchte Bogen, darüber die Filzdecke, und der Druck der Presse hat die Farbe längst ins Papier gedrückt. Dann greift jemand die Ecke des Bogens und zieht ihn ab. Bis dahin weiß auch die Person an der Presse nicht genau, wie das Blatt geworden ist. Das ist der Augenblick, in dem eine Radierung zum ersten Mal sichtbar wird, und er lässt sich in keiner Vitrine nachstellen.
Daraus folgt die Frage, die sich an einem Atelier-Stopp am meisten lohnt, und es ist die einfachste: Was machst du da gerade? Die Antwort dauert selten unter fünf Minuten, weil die wenigsten Menschen oft gefragt werden, warum sie etwas so und nicht anders machen.
Manche Ateliers bauen aus dem Wochenende einen Kurs im Kleinformat. Das Atelier am Tönniesberg bot 2019 an beiden Tagen um 14 Uhr eine Einführung in den Siebdruck an. Ob solche Formate stattfinden, steht im jeweils aktuellen Programm. Das ist keine Zusage für den nächsten Termin, aber ein realistisches Bild davon, was hinter einer offenen Ateliertür passieren kann.
Was ist der Unterschied zwischen einer Ateliergemeinschaft und einem Projektraum?
Eine Ateliergemeinschaft ist zuerst einmal eine Mietgemeinschaft. Mehrere Künstlerinnen und Künstler teilen sich ein Haus, eine Etage oder einen Hof, jeder hat seinen eigenen Bereich, geteilt werden Kosten, Presse, Absaugung und Küche. Für dich heißt das: mehrere Positionen an einem Stopp, ohne dass jemand sie kuratiert nebeneinandergehängt hätte. Die Sprünge zwischen zwei Türen sind manchmal härter als in jeder Gruppenausstellung.
Ein Projektraum funktioniert andersherum. Da ist zuerst der Raum, dann kommt für ein paar Wochen ein Projekt hinein, danach steht er wieder leer und wartet auf das nächste. Dauerhaft arbeitet dort niemand.
Die Grenze ist in der Praxis unscharf, und das ist keine Lücke in der Erklärung, sondern der Zustand. Ateliergemeinschaften betreiben oft einen Ausstellungsraum gleich mit, und in manchem Projektraum steht hinten eine Werkstatt. Wenn du an der Tür nicht sicher weißt, welcher Typ von Ort das gerade ist: Die Leute drinnen beantworten das in einem Satz.
Neu im Programm 2026 ist die Ateliergemeinschaft ART SPOT in Anderten. Wie eng solche Gruppen beieinanderliegen können, zeigt das Faust-Gelände in Linden-Nord, die ehemalige Bettfedernfabrik: Für 2026 stehen dort gleich drei Kollektive einzeln im Programm, das atelier:bettfedernfabrik mit "Mondstaubsilber", das Atelier Mira e.V. mit "WE ARE ALL ARTISTS" und das Atelier: ex.a.Tö mit "Neue Arbeiten". Gelistet sind dabei die einzelnen Ateliers, nicht das Gelände als Einheit. Die frühere Kunsthalle dort gehört nicht dazu: Der Raum wird seit Anfang 2025 als tanzRAUM Faust für den Tanz genutzt.
Solche Häuser machen an diesem Wochenende oft mehr, als nur aufzuschließen. Das heute als atelier:bettfedernfabrik gelistete Haus hatte 2016 eine Führung durch die Ausstellung um 13 Uhr im Programm und dazu ein Kinderformat um 11 Uhr, ab fünf Jahren. Was in einem bestimmten Jahr angeboten wird, steht im aktuellen Programm.
Ein Teil dieser Gemeinschaftswerkstätten ist auch außerhalb des Wochenendes zugänglich, über Tagesgebühren, Mietplätze an einer Presse oder Einsteigerkurse, wie sie der Atlas der Druckwerkstätten in Deutschland bundesweit verzeichnet. Der Übergang zum nächsten Ortstyp ist fließend: Sobald eine solche Gruppe regelmäßig ausstellt, feste Öffnungszeiten aushängt und Preise dazuschreibt, heißt dasselbe Konstrukt Produzentengalerie.
Wie erkennst du eine Produzentengalerie?
In einer Produzentengalerie hat die Person, die dir die Tür aufmacht, das halbe Programm selbst gemacht. Die Künstlerinnen und Künstler tragen die Miete, entscheiden über die Ausstellungen und stehen am Wochenende selbst im Raum. Eine kommerzielle Galerie arbeitet anders: Dort wählt jemand aus, der selbst nicht produziert, baut ein Programm über Jahre auf und lebt davon, Arbeiten zu vermitteln. Beide Formen sind beim Zinnober vertreten, und du merkst den Unterschied meistens daran, wie jemand über die Arbeit an der Wand spricht.
Der einfachste Test steht schon im Programmeintrag, weil solche Orte sich meistens selbst so nennen: Für 2026 gilt das zum Beispiel für die Produzentengalerie artlab-studio Hannover in Badenstedt. Der zweite Test funktioniert im Raum. Frag, wer die Arbeit an der Wand gemacht hat. Kommt die Antwort in der ersten Person, stehst du in einer Produzentengalerie, und dieselbe Person beantwortet dir gleich danach auch die Fragen nach Technik, Auflage und Preis.
Gekauft werden kann an manchen dieser Orte, an anderen nicht, und die Frage danach ist nirgends unhöflich. Eine Preisauskunft, die für das ganze Wochenende gilt, gibt es allerdings nicht: Jeder Ort entscheidet selbst, und schon auf einem einzigen Tisch liegt zwischen kleinem Probedruck und großformatiger Arbeit eine ordentliche Spanne. Manche Häuser legen eine Liste aus, andere sagen es dir, wenn du fragst. Niemand erwartet, dass du etwas mitnimmst.
Was bringen dir die Kunstvereine und Institutionen beim Zinnober?
Ein Kunsthaus oder ein Kunstverein fühlt sich an so einem Tag anders an als ein Atelier. Du bist wegen der Ateliers unterwegs, und plötzlich stehst du in einem Raum mit weißen Wänden. Der Besuch lohnt sich trotzdem, aber aus einem anderen Grund als der Rest des Tages.
Institutionen liefern Einordnung. Im Atelier erfährst du, wie etwas gemacht wurde, im Kunstverein, wogegen oder woran es sich abarbeitet. Der Kunstverein Hannover hatte dafür 2019 ein eigenes Format im Programm, ganztägig, unter dem Namen "Talking Labels", ausdrücklich für Fragen zur Ausstellung. Im selben Jahr standen außerdem Führungen mit Künstlerinnen und Künstlern, thematische Stadtteilspaziergänge und Fahrrad-Kunsttouren im Programm.
Der zweite Grund ist banaler. An kaum einem anderen Tag stehst du so nah an so vielen Originalen, mit jemandem daneben, den du fragen kannst. Der Plattenrand zum Beispiel, die scharfe Kante, die der Druck der Presse dort ins Papier stanzt, wo die Metallplatte endet, gehört zu den Merkmalen, an denen sich Originalgrafik erkennen lässt. Auf einem Bildschirm ist er praktisch unsichtbar.
Kunstvereine leben von ihren Mitgliedern, und viele geben einmal im Jahr eine Edition an sie ab. Bei diesen Jahresgaben der Kunstvereine zahlen Mitglieder in der Regel weniger als Außenstehende. Ein offener Samstag ist ein guter Moment, um an Ort und Stelle danach zu fragen, weil dann Leute im Haus sind, die den Vorgang erklären können.
Führungen und Einführungen stehen mit fester Uhrzeit im Programm. Alles andere läuft durchgehend, also entscheidet ein solcher Termin über die Reihenfolge des ganzen Tages.
Wie viele Kunstorte schaffst du an einem Nachmittag?
Die Ortszahl schwankt seit über zehn Jahren. 2025 waren es 66 Orte mit 19.000 Besuchen, für 2026 rund 60.
Räumlich konzentriert sich das Wochenende auf wenige Adressen. Schwerpunkte sind die Eisfabrik in der Südstadt, dieses Jahr mit der GAF als Galerie für Fotografie, KONG und den Ateliers im Haus, sowie die Kreativen der Kornbrennerei in Hainholz. Die Kornbrennerei existiert unabhängig von diesem Wochenende, sie ist ganzjährig ein Atelierkomplex. Wie sich Kunst das ganze Jahr über auf Linden, Hainholz und die Südstadt verteilt, zeigt die Seite Kunst in Hannover.
Die praktische Antwort lautet: drei bis fünf Orte an einem Nachmittag. Das klingt wenig bei rund 60 im Programm, ist aber die ehrliche Rechnung. Sieben Stunden Zeitfenster, zwanzig bis vierzig Minuten pro Ort, wenn du dich auf ein Gespräch einlässt, dazu Wege quer durch eine Stadt, in der Anderten im Osten und Badenstedt im Westen liegen. Wer sich zehn Stopps vornimmt, sieht am Ende zehn Räume und hat mit niemandem geredet.
Was die Rechnung verschiebt, sind Adressen mit mehreren Stationen. Die drei Kollektive auf dem Faust-Gelände kosten dich einen Weg und ergeben drei Einträge auf der Liste, in der Eisfabrik gilt dasselbe. Wer viel sehen will, sucht sich solche Häufungen und nicht die Einzeladressen an entgegengesetzten Enden der Stadt. Wie viele es am Ende werden, entscheidet sich trotzdem meistens am ersten Stopp: Wenn dort jemand anfängt zu erzählen, ist der Rest der Route Makulatur.
Was du vor dem Wochenende wissen solltest
Das Programm steht online, und es ist die einzige Quelle, auf die du dich verlassen solltest. Zur Orientierung gibt es einen digitalen Stadtplan unter zinnober.online mit den teilnehmenden Orten. Dort steht auch, welches Haus welche Formate anbietet.
Zwei Dinge stehen dort nicht. Zu Barrierefreiheit und zur Anfahrt mit Bus und Bahn ist auf den offiziellen Kanälen nichts ausgewiesen. Bei Ateliers in Hinterhöfen, dritten Stöcken und alten Fabriketagen ist das keine Nebensache. Wer auf einen stufenlosen Zugang angewiesen oder mit Kinderwagen unterwegs ist, ruft den Ort vorher an oder schreibt eine Mail. Die Leute, die dort arbeiten, kennen ihr Treppenhaus genau; eine zentrale Auskunft dazu gibt es nicht.
Der Rest ist schnell gesagt. Du musst nichts kaufen und niemand erwartet es. Du darfst fragen, auch Anfängerfragen, und die meisten Antworten fallen länger aus als erwartet. Und du solltest damit rechnen, dass dein Plan nach zwei Stunden nicht mehr gilt.
Am Montag danach ist das Treppenhaus wieder leer. Die Tür oben ist zu, die Rakel liegt am Rand des Tischs, und wer jetzt klingelt, stört tatsächlich. Das ist der Normalzustand und auch in Ordnung so, denn das sind Arbeitsplätze und keine Ausstellungshäuser. Geändert hat sich nur, dass du weißt, was hinter diesen Türen passiert.
Häufige Fragen zum Zinnober-Wochenende
Muss ich mich für Zinnober anmelden?
Nein. Es gibt keine Tickets und keine Anmeldung, der Eintritt ist an jedem Ort frei. Du gehst hinein, wenn geöffnet ist, und wieder hinaus, wenn du willst. Nur einzelne Formate wie Führungen oder Workshops können begrenzte Plätze haben. Ob das an einem bestimmten Ort so ist, steht in dessen Programmeintrag.
Nimmt das Faust-Gelände beim Zinnober 2026 teil?
Nicht das Gelände als Ganzes, aber mehrere Ateliers dort sind für 2026 einzeln im Programm gelistet. Für die Planung heißt das: eine Anfahrt, mehrere Stopps. Die frühere Kunsthalle dort gehört nicht dazu, sie wird seit Anfang 2025 als tanzRAUM Faust für den Tanz genutzt.
Kann ich mit Kindern hingehen?
Ja. Für 2026 kündigt die Stadt neben den Führungen ausdrücklich eigene Angebote für Kinder an. Was das an einem einzelnen Ort bedeutet, entscheidet der Ort selbst. Wer mit Kindern plant, schaut also am besten in den Programmeintrag des Ortes, den er ansteuert.
Wo finde ich die aktuelle Karte und das Programm?
Im digitalen Stadtplan unter zinnober.online, dort sind die teilnehmenden Orte verzeichnet. Zu den vergangenen Auflagen gab die Stadt zusätzlich ein Programmheft als PDF heraus. Die genaue Ortszahl unterscheidet sich dabei je nach Quelle, weil unterschiedlich gezählt wird; die Stadt selbst spricht von rund 60 Kunstorten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Landeshauptstadt Hannover, Kulturbüro: ZINNOBER, Programmseite, Kurzerklärung und Archiv der bisherigen Auflagen (Stand August 2026)
- Landeshauptstadt Hannover, Presseservice: Pressemitteilungen zum ZINNOBER 2019 und 2025 (Programmformate, Orts- und Besuchszahlen)
- ZINNOBER, offizieller digitaler Stadtplan mit der Teilnehmerliste zur 29. Auflage, einschließlich der Detailseiten der einzelnen Kunstorte mit Anschrift, Ausstellungstiteln, beteiligten Künstlerinnen und Künstlern und Sonderterminen (abgerufen 20. August 2026)
- Wikipedia, Siegfried Neuenhausen: Jahrgang und Erwerb der Kornbrennerei Hannover-Hainholz 1983 (abgerufen August 2026)
- Kurt Schwitters Stiftung, Biografie Kurt Schwitters, Eintrag zum Zinnoberfest vom 7. Januar 1928 und zum Zinnoberschlager
- Wikipedia, Zinnober Kunstvolkslauf: Editionszählung, Veranstalter und Namensgebrauch (abgerufen August 2026)
- Hannover Entdecken, Bericht zur 29. Auflage: Termin, neue Teilnehmer und digitaler Stadtplan (2026)
- Visit Hannover, ZINNOBER 2026: unabhängige Bestätigung von Termin und Kernzahlen
- Berufsverband Bildender Künstler Hannover, Ankündigung zum 17. ZINNOBER-Kunstvolkslauf (Namenserklärung über die Farbe)
Studio Sonsu
Studio Sonsu ist eine Galerie für originale Druckgrafik in Hannover-Linden. Wir arbeiten mit Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die ihre Auflagen selbst drucken und signieren. Alle Werke ansehen: studiosonsu.de/collections/all. Fragen: hello@studiosonsu.de