Dundee Contemporary Arts
Dundee Contemporary Arts ist ein Kunstzentrum an der 152 Nethergate in Dundee, eröffnet am 19. März 1999. Zum Haus gehört die DCA Print Studio, eine offene Druckwerkstatt mit eigenem Kursprogramm.
An der 152 Nethergate in Dundee teilen sich zwei große Galerieräume, zwei Kinosäle und eine gut ausgelastete Druckwerkstatt dasselbe Haus, so beschreibt es das schottische Doors-Open-Days-Verzeichnis ("two beautiful large-scale gallery spaces, two thriving cinema screens, a busy print studio").
Im Geschäftsjahr 2023/24 lief dasselbe Haus mit einem Defizit von 381.000 Pfund und beschrieb seine eigene Zukunft als äußerst ungewiss ("extremely uncertain future"). Eine Institution, die so über sich redet, betreibt trotzdem eine Werkstatt mit Ätzpressen, Kursprogramm und Jahresgebühr. Die interessantere Frage ist deshalb nicht, ob es dort gerade eng wird. Sie lautet, ob diese Abhängigkeit von fremdem Geld etwas Neues ist oder älter als das Gebäude, in dem Dundee Contemporary Arts arbeitet.
Wie begann die Werkstatt, aus der die Gründung von Dundee Contemporary Arts hervorging?
Die Dundee Printmakers Workshop nahm 1977 ihre Arbeit auf und bestand bis 1998. Untergebracht war sie zunächst im Dudhope Arts Centre. Miete, Betriebskosten und Gehälter zahlten der District Council und der Scottish Arts Council. Am Anfang stand damit keine Gruppe, die sich ein eigenes Haus leistete, sondern eine Werkstatt, deren Raum und deren Personal aus zwei öffentlichen Haushalten bezahlt wurden.
Das Museum der University of Dundee bezeichnet die heutige DCA Print Studio als Nachfolgerin dieser Werkstatt, das Branchenverzeichnis make.works schreibt, sie führe deren Tradition fort. Die Gründung des Kunstzentrums ging von dieser Werkstatt aus, daraus entstand eine Partnerschaft; den Vorsitz der Dundee Printmakers Workshop hatte Sheena Bell, den Vize-Vorsitz Douglas Black.
Wer heute in Dundee an einer Presse steht, setzt damit eine Geschichte fort, die vor dem Gebäude begann.
Wie wurde aus einem alten Whiskylager die Idee für ein Kunstzentrum?
Der Lokalarchiv-Text "Dundee: A Story of Arts Development", eine Dundeer Chronik der Kulturentwicklung, datiert den nächsten Umzug auf 1986: Damals bezog die Dundee Printmakers Workshop einen alten Whiskybond an der Seagate, geleast zusammen mit den Dundee Group Artists. Aus dieser Werkstatt und der angeschlossenen Galerieorganisation kam nach derselben Darstellung die Idee eines Kunstzentrums für Dundee. Ein Lagerhaus für Whiskyfässer ist kein Ort, an dem Kulturpolitik gemacht wird. Genau dort wurde sie gemacht.
In der Stadt gab es in den frühen bis mittleren Neunzigerjahren einen Ort ohne Förderbescheid und ohne Programmheft: "The Factory", einen selbstgebauten Skatepark auf dem Gelände, auf dem später Dundee Contemporary Arts stehen sollte. Der Künstler Raydale Dower beschreibt ihn als selbstgebaut und selbstorganisiert, Leute seien aus ganz Schottland zum Skaten angereist, ein kreativer Treffpunkt, bevor DCA überhaupt auf dem Papier stand ("It was DIY, self-built and self-organised, people travelled from all over Scotland to skate there… a creative hub before DCA was even on paper.").
Für Dower blieb der Ort folgenreich. Er nennt The Factory als einen Grund dafür, dass er sich für ein Studium am Duncan of Jordanstone College of Art entschied, und sagt, der Ort habe sein künstlerisches Arbeiten während des ganzen Studiums weiter geprägt ("The Factory was a motivating reason for why I chose to study at Duncan of Jordanstone and throughout my degree it continued to influence my artistic development.").
Was als Nächstes auf diesem Gelände passierte, hatte mit Skateboards nichts mehr zu tun.
Wie wurde aus einer halbverfallenen Garage ein preisgekrönter Neubau?
Im März 1995 kaufte der Stadtrat eine halbverfallene Garage an der 152 Nethergate. Im Juli 1996 gewann Richard Murphy Architects den internationalen Architekturwettbewerb für den Neubau.
Abgerissen wurde die Garage nicht vollständig. Das Architekturbüro schreibt auf seiner Projektseite, der Bau verwende den Ziegel-Warenhausteil der früheren Macleans-Garage weiter und bilde einen L-förmigen Grundriss auf einem Grundstück, das von vorn nach hinten über drei Geschosse abfällt.
Was der Bau gekostet hat, hängt davon ab, wen man fragt. Richard Murphy Architects nennt auf der eigenen Projektseite 6,1 Millionen Pfund, Wikipedia dagegen 9 Millionen Pfund.
Am 19. März 1999 öffnete Dundee Contemporary Arts. Im Eröffnungsjahr kam der Regeneration of Scotland Supreme Award, 2007 kürte das Dundee Institute of Architects denselben Bau zum Building of the Decade. Der erste Preis galt einem gerade fertiggestellten Entwurf, der zweite einem Haus, in dem seit Jahren gearbeitet wurde. Ein Jahr vor dieser Eröffnung, 1998, endete die Dundee Printmakers Workshop.
Bevor jemand im neuen Haus an die Maschinen darf, will die Werkstatt wissen, wer da kommt.
Wie kommt man heute in die DCA Print Studio?
Die Werkstatt heißt DCA Print Studio und ist als open access print studio in Dundee beschrieben, offen für Künstlerinnen und Künstler jeder Könnensstufe, die mit traditioneller Ausstattung und digitaler Technik neue Arbeiten herstellen können.
Wer keine oder wenig Druckerfahrung hat, wird Registered User, indem er einen Kurs im gewählten Verfahren abschließt. Wer aktuell Erfahrung hat und sich im gewünschten Verfahren sicher fühlt, macht stattdessen eine Induction- oder Refresher-Session. Damit gehört die DCA Print Studio zum Typ der offenen Werkstatt, den der Überblick über die Druckgrafik-Institutionen von der Fachgesellschaft wie der Royal Society of Painter-Printmakers unterscheidet.
Was die Registrierung kostet, hängt auch hier davon ab, wen man fragt. Der Print Studio Guide der DCA, ein herunterladbares Dokument des Hauses und nicht die laufend gepflegte Website, nennt 80 Pfund Registrierung pro Kalenderjahr, 50 Pfund für über 60-Jährige, 35 Pfund für Studierende und Leistungsempfänger, dazu einen Visiting Artist Pass für 25 Pfund pro Woche. Die Residency-Seite der Royal Scottish Academy nennt für dieselbe Registrierungsgebühr abweichend 72 Pfund im Jahr. Laut dem Print Studio Guide gilt für neue Registered User eine Probezeit von sechs Monaten, in der einige Nutzungseinschränkungen gelten.
Derselbe Guide nennt die Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags von 10 bis 20:30 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 17:30 Uhr, sonntags und montags gar nicht. Eine gebuchte Session dauert dort 3 Stunden und 30 Minuten. Das Kursprogramm, über das der Zugang läuft, deckt genau die Verfahren ab, für die die Maschinen im Haus stehen: "Aquatint Etching" für die Aquatinta, "Introduction to Lino Cutting" für den Linolschnitt, "MiScreen: Digital Desktop Screen Printing" für den digitalen Siebdruck.
Was steht heute in der Werkstatt?
Die öffentliche Seite der DCA fasst die Ausstattung als Spanne zusammen, von einer viktorianischen Reliefpresse über CNC-Technik bis zu Geräten zur digitalen Siebherstellung und einem Laser-Cutter. Im hauseigenen Print Studio Guide steht dann der Name der Maschine: Britannia Relief printing press, Albion-Bauart, Drucktisch 50 mal 64 Zentimeter, für Linolschnitt und Holzschnitt.
Eine weitere Presse im Raum ist eine motorisierte Praga-Mehrzweckpresse mit einem Drucktisch von 150 mal 225 Zentimetern. Ihre obere Walze lässt sich verstellen, ein Mikrometer-Druckmesser stellt die Druckkraft ein, und gedruckt wird darauf im Großformat: Radierung, Lithografie, Reliefdruck, Monotypie, Collografie.
Daneben stehen zwei Risograph-Drucker mit 10 Farben und zwei 3D-Drucker für PLA und ABS, dazu weitere Lithografiepressen, Ätzpressen, Laser-Cutter und CNC-Fräsen. Kommerzielle Aufträge nimmt die Werkstatt nicht an. Mit gemeinnützigen Organisationen und Community-Gruppen arbeitet sie dagegen zusammen.
Maschinen dieser Größenordnung stehen selten in privaten Ateliers. Große Druckpressen brauchen Platz, einen tragfähigen Untergrund und jemanden, der sie wartet, und das ist ein praktischer Grund, aus dem es offene Werkstätten gibt. Solche Werkstätten gibt es auch im deutschsprachigen Raum, gesammelt im Druckwerkstätten-Atlas.
Was entsteht dort, und wer druckt dort tatsächlich?
Der Künstler Scott Myles fertigte in der DCA Print Studio experimentelle Druckarbeit an, die heute zur Sammlung der Tate gehört.
Ein Teil der Arbeit dort läuft über die Residency der Royal Scottish Academy. Sie dauert mindestens einen Monat und höchstens sechs, verteilbar auf mehrere Besuche, und kostet ab 5 Pfund pro Session.
Im Herbst 2025 hängte die Werkstatt auf, was ihre Nutzerinnen und Nutzer produziert hatten: über 100 gerahmte Drucke von 47 lokalen Künstlerinnen und Künstlern, vom 20. September bis zum 5. Oktober. Im selben Jahr entstanden im Haus drei neue DCA Editions, nämlich Lauren Gaults "GOODBYE (deinos sauros)", Helen Cammocks "Solitude" und Ingrid Pollards "Wee Drummer Man". Anya Gallaccios dort realisierte Arbeit "eight hours of whale song" wurde als Auftragsarbeit für die Government Art Collection in London im Foreign and Commonwealth Office und bei der Frieze Art Fair gezeigt.
Wie konkret so eine DCA Edition aussieht, steht im hauseigenen Shop. Lucy Skaer druckte 2013 "Margin", einen vierfarbigen Siebdruck auf Somerset Satin White mit 410 g/m², Format 148,5 mal 101,5 Zentimeter, Auflage 8, Preis 2.200 Pfund. Ilana Halperin legte 2006 "Emergent Landmass (A Chronicle of Disappearance)" vor, eine Suite aus sieben Radierungen auf Arches Velin Blanc mit 400 g/m², Blattformat 17 mal 24 Zentimeter, Auflage 20, 144 Pfund je Blatt und 864 Pfund für die ganze Suite; Thema ist eine vulkanische Insel, die 1831 vor Sizilien auftauchte und wieder verschwand.
Wer als Registered User über "Made in DCA Print Studio" verkauft, bekommt laut Print Studio Guide den Verkaufspreis abzüglich der üblichen Kommission von 48 Prozent plus Mehrwertsteuer auf die Kommission, ausgezahlt innerhalb von 12 Wochen.
Dass dieser Betrieb weiterläuft, war zuletzt keine ausgemachte Sache.
Wie fragil ist eine Institution wie Dundee Contemporary Arts wirklich?
Katrina Brown, die erste Ausstellungsdirektorin des Hauses, hat den Status solcher Einrichtungen nüchtern beschrieben: Sie seien unabhängig, weder städtische noch nationale Institutionen, sondern unabhängige Unternehmen mit gewaltigen Fundraising-Zielen und fragiler Basis ("these institutions are independent, they're not city authorities or national institutions. They're independent companies with massive fundraising targets and fragile bases.").
Durch das Haus an der Nethergate gehen im Jahr rund 380.000 Besucherinnen und Besucher. Über den Fortbestand entscheidet trotzdem ein Förderbescheid. Ende Januar 2025 stand fest, dass Creative Scotland dem Haus zwischen 2025 und 2028 3,9 Millionen Pfund zahlt. Der Bescheid kam ein Geschäftsjahr nach dem Defizit.
Ob nach 2028 noch jemand an einer der Pressen steht, hängt von einer Entscheidung ab, die heute noch niemand getroffen hat. Am Eingang des Hauses an der 152 Nethergate, am Pfeiler des überdachten Durchgangs, steht eine Wegweiser-Liste, und die Druckwerkstatt bleibt vorerst einer ihrer Posten neben dem Kino.
Häufige Fragen zu Dundee Contemporary Arts
Was ist Dundee Contemporary Arts?
Ein Kunstzentrum an der 152 Nethergate in Dundee, eröffnet am 19. März 1999 in einem Neubau von Richard Murphy Architects. Unter einem Dach liegen Galerieräume, Kinosäle und eine offene Druckwerkstatt.
Wie wird man Registered User in der DCA Print Studio?
Wer wenig oder keine Druckerfahrung mitbringt, wird Registered User über einen abgeschlossenen Kurs im gewählten Verfahren, alle anderen über eine Induction- oder Refresher-Session. Danach folgt laut Print Studio Guide eine Probezeit von sechs Monaten, in der einige Einschränkungen bei der Nutzung gelten.
Was kostet die Registrierung in der DCA Print Studio?
Der herunterladbare Print Studio Guide der DCA, nicht die laufend gepflegte Website, nennt für die Registrierung 80 Pfund pro Kalenderjahr, für über 60-Jährige 50 Pfund und für Studierende sowie Leistungsempfänger 35 Pfund; ein Visiting Artist Pass kostet 25 Pfund pro Woche; die Residency-Seite der Royal Scottish Academy nennt für dieselbe Gebühr abweichend 72 Pfund.
Welche Pressen stehen in der DCA Print Studio?
Eine Britannia Relief printing press in Albion-Bauart mit 50 mal 64 Zentimeter Drucktisch für Linol- und Holzschnitte und eine motorisierte Praga-Mehrzweckpresse mit 150 mal 225 Zentimeter Drucktisch für großformatige Radierungen, Lithografien, Reliefdrucke, Monotypien und Collografien, beide nach dem Print Studio Guide.
Was war die Dundee Printmakers Workshop?
Eine Druckwerkstatt, die 1977 gegründet wurde und bis 1998 bestand. Von ihr ging die Gründung von Dundee Contemporary Arts aus, und die heutige DCA Print Studio versteht sich als ihre Nachfolgerin.
Quellen und weiterführende Literatur
- Dundee Contemporary Arts, Print Studio Guide (PDF: Gebühren, Öffnungszeiten, Maschinenliste, Kommissionsmodell)
- Richard Murphy Architects, Projektseite Dundee Contemporary Arts (Baukosten, Grundriss, Auszeichnungen)
- Wikipedia, Dundee Contemporary Arts (Grundstückskauf, Wettbewerb, Eröffnung, Besucherzahl)
- The Skinny, Interview-Rückblick zum Jubiläum von Dundee Contemporary Arts (Raydale Dower, Katrina Brown, Scott Myles)
- Dundee: A Story of Arts Development, Lokalarchiv-Text zur Kulturentwicklung der Stadt (Seagate-Whiskybond, Förderung der Vorgängerwerkstatt)
- The Art Newspaper und Museums Association (Creative-Scotland-Förderpaket, Defizit)
- Royal Scottish Academy, RSA Residency an der DCA Print Studio
- Dundee Contemporary Arts, Shop-Seiten der DCA Editions (Werkdaten der Editionen)
Studio Sonsu
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.
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