Graphic Studio Dublin: die offene Druckwerkstatt seit 1960
Seit 1960 vermittelt das Graphic Studio Dublin traditionelle Drucktechniken, die irische Kunsthochschulen damals nicht anboten. Die Werkstatt arbeitet heute im Distillery House am North Circular Road, die dazugehörige Graphic Studio Gallery seit 1988 in Temple Bar. Mitglied wird, wer sich mit Mappe bewirbt und ein Panel überzeugt; danach läuft der Zugang über Jahresmitgliedschaft, Graduate-Mitgliedschaft oder Open Access.
1960 beginnt eine kleine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern in einem Keller an der Upper Mount Street 18.
Das Graphic Studio Dublin arbeitet heute in einem umgebauten Kornspeicher am North Circular Road, auf vier Etagen. Zwischen dem Keller und dem Speicher liegen mehrere Stationen: eine Rechtsform, eine eigene Galerie, ein Gastkünstler-Programm, ein Umzug, und am Ende steht eine Gebührentabelle.
Was fehlte 1960 in Dublin, das fünf Künstlerinnen und Künstler selbst bauen mussten?
Traditionelle Drucktechniken waren 1960 an irischen Kunsthochschulen nicht zu lernen. Fünf Künstlerinnen und Künstler richteten deshalb in Dublin ihre eigene Lehrwerkstatt ein: Patrick Hickey, Leslie MacWeeney, Liam Miller, Elizabeth Rivers und Anne Yeats, in einem Keller an der Upper Mount Street. Unterrichtet wurde von Anfang an, und dazu kam Platz zum Arbeiten: Die Werkstatt vermittelt Drucktechniken und stellt Künstlerinnen und Künstlern Studioraum zur Verfügung.
Der Dubliner Radierer Stephen Lawlor gehört der Werkstatt seit 1984 an. Studio Sonsu, eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover, führt von ihm die 2018 in Dublin entstandene Radierung "And England's Dreaming".
Wann wird aus einer Künstlergruppe eine eingetragene Gesellschaft?
Graphic Studio Dublin und Graphic Studio Gallery sind Handelsnamen der Alchemiser CLG, einer Company Limited by Guarantee ohne Aktienkapital, eingetragen in Dublin unter der Registrierungsnummer 84785. Eingetragen wurde die Gesellschaft am 4. September 1981, 21 Jahre nach der künstlerischen Gründung.
Im Register steht als Sitz der Gesellschaft heute das Werkstattgebäude selbst, Distillery House, Distillery Court, 537 North Circular Road, Dublin 1. Die eigene Galerie folgte 1988.
Wo verkauft eine Werkstatt, die selbst keine Galerie ist?
Die Graphic Studio Gallery eröffnete 1988 an der Cope Street in Temple Bar. Laut eigener Angabe ist sie Dublins erste Galerie für Fine-Art-Druckgrafik und führt den größten Bestand an Druckgrafik zum Verkauf in Irland.
Auf einer Aufnahme von 2008 liegt der Eingang in einer schmalen gepflasterten Gasse neben der Cope Street, hinter einer schwarz gerahmten Schaufensterfront. Die Galerie zeigt bis zu elf nationale und internationale Ausstellungen im Jahr. Der Verkauf in der Galerie unterstützt die Künstlerinnen und Künstler und finanziert die Werkstatt mit.
Warum lädt eine Lehrwerkstatt Künstlerinnen und Künstler ein, die kaum Druckerfahrung mitbringen?
Das Visiting-Artist-Programm läuft seit 1980 und lädt bekannte Künstlerinnen und Künstler, oft ohne nennenswerte Druckerfahrung, ein, mit dem Meisterdrucker der Werkstatt eigene Originalgrafiken herzustellen. Zu den Gästen gehörten Tony O'Malley, Louis le Brocquy, Micheal Farrell und William Crozier sowie, von außerhalb Irlands, Elizabeth Blackadder.
Wer malt, muss nicht drucken können. Seit Beginn des Programms haben einige wenige Meisterdrucker der Werkstatt die Gäste durch den Druckprozess geführt und begleitet.
Die Werkstatt zählt O'Malley, le Brocquy, Farrell und Crozier zu den prägenden Figuren der irischen Kunst des 20. Jahrhunderts, die dort eigene Druckgrafik-Werkgruppen schufen. Zu den heutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehören Alice Maher, Gwen O'Dowd, Mary Lohan, Anne Madden und Hughie O'Donoghue.
2010 zeigte das Irish Museum of Modern Art die Ausstellung "Graphic Studio: 50 Years in Dublin" zum fünfzigjährigen Bestehen der Werkstatt, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Visiting-Artist-Programm, das in diesem Jahr dreißig Jahre lief. Die Schau hing vom 8. September 2010 bis zum 3. Januar 2011 im Museum, kuratiert von Eimear O'Raw, Curatorial Coordinator des IMMA. Gezeigt wurden Drucke von rund 30 führenden irischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus 50 Jahren.
Seit 2007 arbeitet die Werkstatt an einer anderen Adresse.
Was steht heute in der ehemaligen Brauerei am North Circular Road?
Distillery House Dublin ist seit 2007 die Adresse der Werkstatt, ein zum Atelierhaus umgebauter Kornspeicher am North Circular Road in Dublin 1. Gebaut wurde das Haus 1852 als Teil der Findlater-Mountjoy-Brauerei. Nach Angabe der Werkstatt war das die zweitgrößte Brauerei Dublins nach Guinness, mit einem ganzen Häuserblock als Betriebsgelände.
Das Gebäude umfasst rund 7.000 Quadratfuß auf vier Etagen, gut 650 Quadratmeter, im Erdgeschoss die Säureräume, die Lager für die Lithografiesteine, den Plattenzuschnitt und das Papierlager.
2009 bekam das Haus über ein staatliches Investitionsprogramm einen Aufzug und ein neues Dach. Zwei der vier Etagen sind als offene Druckflächen erhalten geblieben.
Welche Presse ist laut eigener Angabe die größte Irlands?
Auf der zweiten Etage liegen die Lithografie, der Siebdruck und zwei Ätzpressen, darunter die größte; auf der dritten der Bereich für den Hochdruck, dazu vier weitere Ätzpressen. Die größte Ätzpresse ist nach Angabe der Werkstatt die größte Irlands; ihr Pressbett misst 2400 mal 1150 Millimeter.
Die vier Pressen der dritten Etage haben Betten von 920 mal 460, 1500 mal 660, 1700 mal 790 und 1900 mal 790 Millimetern. Für die Lithografie steht eine Brand-Presse für Steine bis 600 mal 1000 Millimeter bereit, dazu eine Tacach-Presse für die größten Steine des Hauses bis 1400 mal 1900 Millimeter. Die Angaben zur Ausstattung stammen von der Ausstattungsseite der Werkstatt und können sich ändern.
Angeboten werden Aquatinta, Radierung, Photo-Etching, Kaltnadel, Stein- und Plattenlithografie, Linolschnitt, Holzschnitt, Mokuhanga, Siebdruck, Carborundum, Blindprägung, Buchdruck (Letterpress), Buchbinden und Mezzotinto. Die Radierung aus dieser Liste ist auch Lawlors Verfahren: "And England's Dreaming" ist von vier Platten gedruckt und zeigt ein elisabethanisches Staatsporträt.
Zugang zu dieser Ausstattung hat nicht jeder gleich.
Was kostet ein Jahr Zugang zur Werkstatt heute?
Der Zugang beginnt mit einer schriftlichen Bewerbung samt Mappe; ein Panel, dem unter anderem Geschäftsführung, Werkstatttechnik, Bildungsprogramm und ein Künstler des Boards angehören, prüft sie. Die volle Jahresmitgliedschaft kostet 600 Euro, im Voraus für das am 1. Januar beginnende Jahr. Wer neu aufgenommen wird, zahlt im ersten Jahr anteilig; für den Einstieg zum 1. Juli 2026 nennt die Werkstatt 300 Euro für die sechs Monate bis zum 31. Dezember. Wer als Absolventin oder Absolvent erfolgreich aufgenommen wird, zahlt als Graduate Member 60 Prozent davon, also 360 Euro im Jahr; dieser ermäßigte Satz gilt bis zu zwei Jahre nach dem Abschluss. Open Access für ausgewählte Druckgrafikerinnen und Druckgrafiker gilt in der Wochenmitte während der Arbeitszeiten und kostet 330 Euro für 15 Tage, die innerhalb eines Jahres genutzt werden müssen.
Neue Vollmitglieder dürfen in den ersten sechs Monaten nur während der Arbeitszeiten in die Werkstatt. Nach zwölf Monaten können sie eine Mappe einreichen; wird sie angenommen, bekommen sie den Schlüsselstatus und damit 24 Stunden am Tag Zugang, an sieben Tagen der Woche und 365 Tagen im Jahr.
Über 100 Künstlerinnen und Künstler nutzen nach eigener Angabe die Infrastruktur. Getragen wird das von einer gemeinnützigen Gesellschaft (Registernummern CHY 9124 und RCN 20022839). Die Kernförderung kommt vom Arts Council of Ireland. Den Vorsitz des Boards hat Thomas Hanney, die Geschäftsführung Laura Garbatavičiūtė.
Öffentlich sichtbar wird die Werkstatt weiterhin über Ausstellungen. Zum sechzigjährigen Bestehen zeigte die Hyde Bridge Gallery im Yeats Building in Sligo 2020 eine Schau mit 50 Künstlerinnen und Künstlern, die bis zum 29. September lief; vertreten war darin auch das 2001 verstorbene Gründungsmitglied Anne Yeats mit dem Blatt "Three Lamps". Unter den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern war auch Stephen Lawlor. Die Eröffnung fand virtuell statt.
Einer, der den Weg über die Werkstatt gegangen ist, kam zuerst nicht als Mitglied, sondern als Kursteilnehmer.
Wie weit trägt ein Kurs von 1983?
Stephen Lawlor kam zuerst als Kursteilnehmer in das Haus: 1983 belegte er einen Kurs im Print Workshop des Graphic Studio Dublin. Ein Jahr später war er Mitglied der Werkstatt. Von 2000 bis 2005 stand er demselben Print Workshop als Chairman vor.
In seinem eigenen Atelier steht eine Tiefdruckpresse, und in Dublin läuft die Mitgliedschaft seit 1984 weiter.
Neben Dublin hat Lawlor eine zweite institutionelle Adresse. Bei der Royal Society of Printmakers in London ist er seit 2023 Fellow mit Sitz im Council. Er gehört damit zwei Druckgrafik-Institutionen an, die ihre Mitglieder unterschiedlich aufnehmen: Dublin lässt die eingereichte Mappe von einem Panel prüfen, London wählt seine Mitglieder, erst als Associate, dann als Vollmitglied.
Ein Blatt aus Lawlors Radierpraxis ist "Infanta", das mit einer Velázquez-Referenz und einem Reifrock arbeitet.
Was in dem Keller an der Upper Mount Street anfing, war als Unterricht angelegt, mit Platz zum Arbeiten. Heute regeln Mappe, Panel und Gebührentabelle den Zugang, und ein Schlüsselstatus öffnet die Tür rund um die Uhr. Lawlor hat 1983 mit einem Kurs angefangen; im Jahr 2000 stand er dem Print Workshop selbst vor.
Häufige Fragen zum Graphic Studio Dublin
Wurde das Graphic Studio Dublin 1960 oder 1961 gegründet?
- Die Chronik der Werkstatt, das RTÉ-Archiv und der Fließtext des englischsprachigen Wikipedia-Artikels zu Patrick Hickey nennen übereinstimmend dieses Jahr. Gegründet wurde die Werkstatt von Patrick Hickey, Leslie MacWeeney, Liam Miller, Elizabeth Rivers und Anne Yeats. Die Einleitung desselben Wikipedia-Artikels nennt abweichend 1961, widerspricht sich also selbst. Wer die Jahreszahl braucht, nimmt 1960.
Was kostet eine Mitgliedschaft im Graphic Studio Dublin?
Die volle Jahresmitgliedschaft liegt bei 600 Euro, im Voraus für das Kalenderjahr. Im ersten Jahr wird anteilig abgerechnet; für den Einstieg zur Jahresmitte 2026 nennt die Werkstatt 300 Euro für das zweite Halbjahr. Für Absolventinnen und Absolventen gibt es eine Graduate Membership zu 60 Prozent des vollen Satzes, also 360 Euro im Jahr, und zwar bis zu zwei Jahre nach dem Abschluss. Open Access wird nach demselben Mappenverfahren vergeben wie die Mitgliedschaft und kostet 330 Euro für 15 Tage, die innerhalb eines Jahres genutzt werden müssen. Die Beträge stammen von der Gebührenseite der Werkstatt und können sich ändern.
Wo befindet sich das Graphic Studio Dublin?
Die Werkstatt sitzt seit 2007 im Distillery House am North Circular Road in Dublin 1, einem 1852 als Teil der Findlater-Mountjoy-Brauerei gebauten Kornspeicher, heute zum Atelierhaus umgebaut, mit vier Etagen. Die dazugehörige Graphic Studio Gallery arbeitet seit 1988 an einer anderen Adresse, in einer Gasse neben der Cope Street in Temple Bar.
Welche Drucktechniken kann man dort lernen?
Die Werkstatt zählt vierzehn Verfahren auf, darunter neben Drucktechniken auch Buchdruck und Buchbinden: von Radierung, Lithografie und Linolschnitt über Holzschnitt, Mokuhanga und Siebdruck bis zu Carborundum, Blindprägung und Mezzotinto. Die Werkstatt vermittelt die Verfahren in Kursen und im Mitgliederbetrieb. Die Ausstattung verteilt sich über das Haus: Säureräume und Steinlager im Erdgeschoss, Ätzpressen, Holzschnittpressen und Lithografiepressen in den offenen oberen Geschossen.
Was ist das Visiting Artist Programme?
Seit 1980 lädt die Werkstatt bekannte Künstlerinnen und Künstler ein, die oft wenig Druckerfahrung mitbringen, um mit dem Meisterdrucker des Hauses eigene Originalgrafiken herzustellen. Teilnehmer waren unter anderem Tony O'Malley, Louis le Brocquy, Micheal Farrell und William Crozier. Das Irish Museum of Modern Art zeigte 2010 eine Überblicksausstellung mit Arbeiten aus diesem Programm.
Quellen und weiterführende Literatur
- Graphic Studio Dublin, About (institutionseigene Seite, aktueller Stand zu Galerie, Techniken, Ausstellungen und Leitung)
- Graphic Studio Dublin, History of Graphic Studio Dublin (institutionseigene Chronik zu Gründung, Standorten und Gebäude)
- Graphic Studio Dublin, Studio Access und Studio Facilities (Gebührenmodell, Zugangsregeln und Pressenmaße)
- Irish Museum of Modern Art, Graphic Studio: 50 Years in Dublin (2010, Presseinformation zur Überblicksausstellung des Visiting-Artist-Programms)
- RTÉ Archives, Graphic Studio Dublin (2016, Archivbeitrag zu Werkstatt und Ausbildung)
- Angela Griffith, The Graphic Studio Dublin: history, impacts and artistry (2020, Essay zum sechzigjährigen Bestehen, veröffentlicht von Graphic Studio Dublin)
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.
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