Printmakers Council

Die Printmakers Council vertritt seit 1965 von London aus Druckgrafikerinnen und Druckgrafiker in Großbritannien; entstanden ist sie aus einer Künstlergruppe, die neue Entwicklungen im Druck fördern wollte. Die Bewerbung um eine Mitgliedschaft ist offen, der Beitrag für ein ausstellendes Artist Member liegt bei 100 Pfund im Jahr, Stand 2026. Für Ausstellungen wählt ein Gremium unter dem aus, was Mitglieder einreichen.

Am 23. Juni 1965, sieben Uhr abends, tagt in der F.B.A. Gallery in London eine Generalversammlung. Im Raum sitzen Druckgrafikerinnen und Druckgrafiker. Verhandelt wird an diesem Abend eine Zahl: sieben Guineen Jahresbeitrag. Geheim gewählt wird an diesem Abend das Komitee, dazu kommen der Betrag und ein zweiter Termin. Wer sind diese Leute, und was für eine Organisation wird aus einem Abend, an dem ein Beitrag festgelegt und ein Komitee gewählt wird? Was prüft sie, und wo prüft sie?

Wer traf sich vor der Gründungsversammlung im Juni 1965?

Die Printmakers Council ist eine 1965 in London gegründete Interessenvertretung für Druckgrafik. Vorausgegangen war eine Reihe informeller Treffen Anfang der 1960er Jahre, teils im Restaurant Bertorelli's, teils im Studio der Druckgrafikerin Birgit Skiöld. Michael Rothenstein führte das Gründungskomitee als Chairman an, Bernard Cheese als Vice Chairman. Das Komitee selbst wurde per geheimer Wahl bestimmt, dazu gehörten unter anderem Anthony Gross, Julian Trevelyan, Stanley Jones und Gertrude Hermes.

Das Motiv steht unverblümt in der eigenen Chronik: Druckgrafik habe in der Kunstausbildung wie außerhalb schlechte Bedingungen und ein schlechtes Ansehen, die bestehenden Print-Gesellschaften seien konservativ ausgerichtet ("print societies at the time were rather conservative in outlook"), gefördert werden solle ein experimenteller, zeitgenössischer Zugang, um den Status der Druckgrafik insgesamt zu heben. Frühe Mitglieder nannten das Ganze eine Gruppe, die Druck machen sollte ("pressure group").

Wie nimmt die Printmakers Council Mitglieder auf, und wie die Royal Society of Painter-Printmakers?

Zwischen den Gründungen der beiden Londoner Organisationen liegen 85 Jahre. Die Royal Society of Painter-Printmakers, 1880 als Society of Painter-Etchers and Engravers gegründet, startete mit sechs gewählten Fellows, unter ihnen Seymour Haden, Alphonse Legros und James Tissot. Wer dort heute aufgenommen werden möchte, schickt am Ende das physische Blatt an den Council, der es begutachtet.

Bei der Printmakers Council liegt der Zugang anders. Die Pallant House Gallery beschreibt den Wandel so: anfangs sei die Mitgliedschaft nur auf Einladung möglich gewesen, heute stehe sie offen ("at first membership was by invitation only, while today it is open membership"). Nach der Membership-Seite der Organisation läuft die Aufnahme über ein Formular und die Zahlung des Jahresbeitrags: 100 Pfund im Jahr für ein ausstellendes Artist Member, 12 Pfund für ein Friend-Mitglied ohne eigene Profilseite und ohne Ausstellungsrecht, Stand 2026. Beim Studentenbeitrag widersprechen sich die eigenen Seiten, Stand 2026: 35 Pfund auf der Mitgliedsseite, 45 Pfund im Shop, belastbar ist deshalb nur die Spanne von 35 bis 45 Pfund.

Siebdruck-Probedruck von John Simpson auf dem Werkstatttisch, der Siebrahmen hochgeklappt, daneben ein Notizbuch mit Farbproben
John Simpson beim Proofing: ein frischer Probedruck auf dem Siebdrucktisch, der Siebrahmen hochgeklappt, daneben das Notizbuch mit den Farbproben. Werkstattbild zur Technik, ohne Bezug zur Printmakers Council.

Für Ausstellungen reicht jedes Mitglied bis zu drei Bilder ein, als Dias oder digital gedruckte Fotografien, aus denen ein Gremium wechselnder Committee-Mitglieder auswählt. Damit rutscht die Organisation zwischen die Kategorien, nach denen sich britische Druckgrafik-Institutionen sonst sortieren lassen: die Aufnahme läuft über Formular und Beitrag, eine Werkauswahl gibt es für ihre Ausstellungen, und einen festen Produktionsort hat sie ebenfalls nicht. Ihre Bildungsseite nennt Grund und Folge in einem Satz: Weil kein dauerhafter Studioraum vorhanden ist, organisieren und halten die Mitglieder viele der dort aufgeführten Bildungsveranstaltungen selbst ("As Printmakers Council does not have a permanent studio space many of the Education events featured on this page are organised and delivered by our members independently").

Ob offener Zugang auch offene Standards für das einzelne Blatt bedeutet, wurde neun Jahre nach der Gründung zum Thema eines Ausstellungskatalogs.

Worüber stritt der Ausstellungskatalog der Printmakers Council 1974?

Die erste Jahresausstellung lief von Dezember 1966 bis Januar 1967 in der Grabowski Gallery in London, parallel dazu eine Schau in der AAA Gallery in New York. Acht Jahre später, im Oktober und November 1974, zeigte die Morley Gallery in London die Ausstellung, die der eigene Katalog als "zehnjähriges Bestehen" bezeichnete.

Werkbank mit Holzstich-Werkzeug: drei Stichel mit Pilzgriffen, ein eingefärbter Hirnholzblock auf dem Lederkissen, Tintenfass und grüne Walze
Stichel auf dem Lederkissen, ein eingefärbter Hirnholzblock, Farbtube und grüne Walze: Werkzeug des Holzstichs, eines der Hochdruckverfahren, die der Katalog von 1974 unter seinen vier Techniken führte. Werkstattbild, keine Aufnahme der Printmakers Council.

Der Katalog dieser Ausstellung führte vier Druckverfahren auf, Lithografie, Radierung, Siebdruck und Hochdruck ("four methods of printing, Lithography, Etching, Serigraphy and Relief"). Der Kritiker James Burr schrieb den Begleittext dazu und wurde darin deutlich: Ein Motiv, das für ein Medium entworfen und dann willkürlich in ein anderes übertragen worden sei, werde durch Signatur und Datierung nicht aus einem bloßen Reproduktionsverfahren herausgehoben ("Imagery that was conceived in one media has been arbitrarily transposed to another and signing and dating as a mark of approval does not . . . . elevate it from a mere reproductive process"). Burr hielt der Organisation dabei zugute, dass sie ein ratloses Publikum aufkläre, ein Bemühen, das andauere. Der Text hält im selben Zug fest, dass diese Frage die Organisation von Beginn an beschäftigt habe und damals wie heute ein Streitpunkt sei ("a contentious issue then as now"). Wie sich Originalgrafik erkennen lässt, wurde damit im offiziellen Katalog zu ihrem eigenen Jubiläum verhandelt.

Wie viele Jahre vergingen zwischen der Gründung und der Eintragung als Company Limited by Guarantee?

Im britischen Handelsregister taucht "PRINTMAKERS COUNCIL" erst am 11. Juli 2001 auf, unter der Company Number 04250158, als Private Limited Company by guarantee without share capital, Status aktiv. Register und Organisation nennen dieselbe Adresse, 23 Blue Anchor Lane: im Register als Ground Floor Unit in London, SE16 3UL, auf der eigenen Seite als Büro in Bermondsey, Stand 2026. Zwischen der Generalversammlung vom Juni 1965 und diesem Registereintrag liegen 36 Jahre. Agathe Sorel, 1965 unter den Gründungsmitgliedern, führte die Organisation von 1981 bis 1983 als Chairman, zwanzig Jahre vor der Eintragung als Company Limited by Guarantee. Vierzehn Jahre nach der Eintragung entstand das Portfolio, das heute im Victoria and Albert Museum liegt.

Was wurde aus dem Jubiläumsportfolio von 2015?

Zum fünfzigsten Jahrestag lief vom 18. bis 29. November 2015 in der Bankside Gallery, 48 Hopton Street in London, die Ausstellung "50 Years of Artists Prints". Neben den Arbeiten aktueller Mitglieder hingen dort Blätter von einundzwanzig namentlich genannten Künstlerinnen und Künstlern, unter ihnen David Hockney und Tracey Emin. Sieben dieser Namen führen zurück ins Gründungsjahr. Anthony Gross, Alistair Grant, Birgit Skiöld, Julian Trevelyan und Stanley Jones saßen 1965 im gewählten ersten Komitee, Michael Rothenstein führte den Vorsitz, und Agathe Sorel zählt die Organisation auf ihrer eigenen Seite zu den Gründern. Ihre Blätter hingen damit in einer Ausstellung der Organisation, an deren Anfang sie beteiligt waren.

Linolschnitt Summer's Trace von Richenda Court, zweifarbig, Kindergesicht mit Blättern und Vogel
Richenda Court, Summer's Trace, zweifarbiger Linolschnitt. Ein anderes Blatt derselben Künstlerin als das Portfolioblatt im V&A.

Aus dem Jubiläum ging außerdem ein Portfolio gleichen Titels hervor, und das ist der Teil, der geblieben ist. Der Organisationseintrag im Sammlungskatalog des V&A führt 117 Werke, sämtlich auf 2015 datiert, als Teil der Prints, Drawings & Paintings Collection. Unter E.794:26-2022 liegt dort der Linolschnitt "Shadow 1" von Richenda Court, verzeichnet als Schenkung der Printmakers Council aus dem Portfolio von 2015. Unter E.794:39-2022 folgt Janette Gibsons Photopolymer-Radierung "Indigo Bamboo", unter E.794:41-2022 Anne Gournays Siebdruck mit Goldpigmenten "Can you feel my Heartbeat?", beide mit derselben Schenkungsformel im Katalog.

Das Blatt von 2015 gehört seit der Schenkung dem Museum. Die Künstlerin arbeitet weiter, in derselben Technik. Studio Sonsu, eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover, führt von Richenda Court den zweifarbigen Linolschnitt "Summer's Trace", ein Kindergesicht mit Blättern und Vogel.

Ist die Printmakers Council heute noch aktiv?

Der Portfoliobestand im V&A ist nicht der einzige museale Strang der Organisation, und er ist auch nicht der älteste. Beim Scarborough Museums Trust wurde die Sammlung 1992 eingerichtet, und die Schenkung von 1992 blieb vierundzwanzig Jahre lang die einzige, bis die Printmakers Council das Archiv 2016 gemeinsam mit der Scarborough Art Gallery wiederbelebte und im Frühjahr 2017 eine Ausstellung aus den geschenkten Blättern und einer Auswahl aus der Sammlung zeigte.

Im September 2025 zeigte die Oxo Gallery an der Londoner South Bank vom 3. bis 7. September eine Ausstellung zum sechzigsten Jahr. Nach Angaben der Pallant House Gallery hat die Organisation Stand 2026 rund 270 Mitglieder.

Bronwen Sleigh dreht mit beiden Händen das gusseiserne Speichenrad einer Tiefdruckpresse in einer hellen Gemeinschaftswerkstatt
Bronwen Sleigh dreht das Speichenrad einer Tiefdruckpresse in einer Gemeinschaftswerkstatt. Illustration zur Werkstattpraxis, keine Aufnahme aus dem Umfeld der Printmakers Council.

In den USA formuliert die Southern Graphics Council International den Zugang ganz ähnlich auf ihrer eigenen Seite als offene Einladung an alle, die das Gespräch über Kunst, ihre Vermittlung und ihre Verfahren voranbringen wollen ("we welcome everyone interested in advancing the dialogue of art, its education, and its processes"). Juriert wird auch dort die Ausstellung, zu der ausschließlich Mitglieder einreichen dürfen. Das Programm der Printmakers Council reicht ebenfalls über britische Häuser hinaus: Austauschausstellungen liefen unter anderem mit Paris, mit Landau in Deutschland und mit Western Australia. 2022 kam ein Format dazu, das es vorher nicht gab: das erste Symposium der Organisation zu unkonventioneller Druckgrafik.

An jenem Abend in der F.B.A. Gallery wurde ein Beitrag festgelegt und ein Komitee gewählt, und die Mitgliedschaft lief zu Beginn über Einladung. Sechzig Jahre später zählt die Organisation rund 270 Mitglieder, die Mitgliedschaft steht offen und kostet 100 Pfund im Jahr, und ein Ausstellungsgremium sichtet bis zu drei eingereichte Bilder pro Mitglied, Stand 2026. Ob die Organisation dabei dieselbe Strenge walten lässt, die James Burr 1974 im Katalog ihrer Jubiläumsausstellung anlegte, ist damit nicht entschieden.

Häufige Fragen

Wie wird man Mitglied der Printmakers Council?

Stand 2026 füllst du ein Formular auf der Website der Organisation aus und zahlst den Jahresbeitrag. Wenn du als Mitglied etwas zu einer Ausstellung einreichst, wählt ein Ausschuss aus, und zwar aus bis zu drei Bildern pro Mitglied.

Was kostet die Mitgliedschaft in der Printmakers Council?

Ein ausstellendes Artist Member zahlt Stand 2026 100 Pfund im Jahr, ein Friend ohne Ausstellungsrecht und ohne eigene Profilseite 12 Pfund. Beim Studentenbeitrag widersprechen sich die eigenen Seiten, belastbar ist Stand 2026 nur die Spanne von 35 bis 45 Pfund.

Ist die Printmakers Council dasselbe wie die Royal Society of Painter-Printmakers?

Nein, es sind zwei verschiedene Londoner Organisationen. Die Royal Society of Painter-Printmakers geht auf eine Gründung von 1880 zurück und nimmt ihre Mitglieder durch Wahl auf, mit Begutachtung des eingereichten Werks. Die Printmakers Council (PmC) wurde 1965 gegründet, und die Aufnahme läuft dort über Formular und Beitrag.

Wo hat die Printmakers Council ihren Sitz?

Das Büro liegt in Bermondsey im Südosten Londons, 23 Blue Anchor Lane, SE16 3UL, Stand 2026. Dieselbe Adresse führt auch das britische Handelsregister, in dem die Organisation seit dem 11. Juli 2001 als Company Limited by Guarantee eingetragen ist, Company Number 04250158.

Welche Werke der Printmakers Council liegen im V&A?

Der Sammlungskatalog des V&A führt unter dem Organisationseintrag 117 Werke, alle auf 2015 datiert. Einzelne davon sind im Katalog als Blätter des Jubiläumsportfolios "50 Years of Artists Prints" und als Schenkung der Organisation verzeichnet, jeweils mit eigener Zugangsnummer, etwa Richenda Courts Linolschnitt "Shadow 1" unter E.794:26-2022.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Printmakers Council, A Sixties Pressure Group sowie die eigene Ausstellungsseite zum Archiv beim Scarborough Museums Trust (organisationseigene Chronik mit den Gründungsdaten von 1965, den Katalogzitaten von 1974 und der Archivgeschichte seit 1992)
  • Pallant House Gallery, Perspectives: The Printmakers Council (Museumspublikation zum Zugangsmodell, zur Mitgliederzahl und zum Symposium 2022)
  • Victoria and Albert Museum, Sammlungseintrag Printmakers Council sowie Einzelblätter der Serie E.794:xx-2022 (Katalogdaten zum Portfolio "50 Years of Artists Prints", 2015)
  • Companies House, Registereintrag PRINTMAKERS COUNCIL, Company Number 04250158 (2001, britisches Handelsregister)
  • Imprimata, Making an Impression: Printmakers Council at 50 (2015, 264 Seiten, Jubiläumsband zum fünfzigjährigen Bestehen)

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de