Universal Limited Art Editions

Universal Limited Art Editions (ULAE) druckt nicht nur, sondern verlegt Editionen unter eigenem Namen. Tatyana Grosman (1904–1982) gründete die Werkstatt 1957 und lud 1960 Jasper Johns schriftlich ein. Zum Kreis gehören Namen wie Jasper Johns, Cy Twombly und Lisa Yuskavage.

West Islip auf Long Island, 1957. Im Vorgarten der Grosmans lagen laut der Chronik der Werkstatt zwei bayerische Lithografiesteine. Ein Nachbar war bereit, eine Lithografiepresse zu verkaufen, ein Drucker aus der Gegend bereit, vorzuführen, wie man sie bedient. Seit ihr Mann Maurice einen Herzinfarkt erlitten hatte, trug Tatyana Grosman die Familie finanziell. Um Geld zu verdienen, reproduzierten die Grosmans in ihrem kleinen Haus auf Long Island Gemälde, unter anderem von Marc Chagall und Grandma Moses.

Den Anstoß gab ein Besuch bei William Lieberman, damals Kurator am Museum of Modern Art: Er war von der Qualität ihrer Arbeit beeindruckt, an Reproduktionen aber nicht interessiert, und ermutigte sie, mit Künstlern Originalgrafik zu machen. Larry Rivers war der erste Künstler, den die Werkstatt einlud. Den Dichter Frank O'Hara ließ Grosman sich über einen Freund bei Grove Press empfehlen, dann brachte sie Rivers die Idee. Die beiden machten zusammen Lithografien. Sie begannen jedes Blatt mit einem eigenen Titel und antworteten danach auf die Bilder und Worte des anderen. Grosman hatte ihre Druckwerkstatt 1957 eröffnet. Die Werkstatt heißt Universal Limited Art Editions.

Was macht man mit zwei Steinen im Vorgarten?

Universal Limited Art Editions ist eine Druckwerkstatt mit eigenem Editionsverlag, 1957 in West Islip auf Long Island im Bundesstaat New York gegründet und im Fachgebrauch abgekürzt als ULAE. Die Verlegerin Tatyana Grosman gründete sie. Grosman wurde in Ekaterinburg im Russischen Kaiserreich geboren. Gedruckt wurde zunächst allein Lithografie, ab 1966 kam der Tiefdruck dazu, danach der Offsetdruck und später der Reliefdruck von Holzstöcken. Auflagenhöhe, Papier und Maß stehen auf den Werkseiten der Werkstatt.

Lithostein aus hellem Kalkstein mit seitenverkehrter Druckform für das Etikett Anchor Manilla, links unten liegt der fertige Druck auf dem Stein
Lithostein für das Etikett Anchor Manilla Tropical Gum. Fotografie: Edinburgh City of Print, 2009, CC BY 2.0, Wikimedia Commons. Auf dem Stein steht die Druckform seitenverkehrt, links unten liegt der fertige Etikettendruck.

Das erste Projekt der Werkstatt, die gemeinsame Arbeit von Rivers und O'Hara, hieß "Stones". Das Museum of Modern Art verzeichnet 1960 als Erscheinungsjahr. Die Werkstatt schreibt, die Arbeit daran habe zwei Jahre gedauert. Das Museum of Modern Art verzeichnet ein illustriertes Buch mit dreizehn Lithografien und einer Ölzeichnung auf Papier, Auflage 25. Die Werkseite der Werkstatt selbst zählt zwölf Lithografien.

Ein Lithostein ist eine flache Kalksteinplatte, auf die mit fettiger Kreide gezeichnet wird. Bei der Lithografie wird der Stein oder eine Metallplatte nach dem Zeichnen chemisch behandelt und angefeuchtet, sodass die fetthaltige Druckfarbe nur dort haftet, wo gezeichnet wurde.

Als Rivers 1957 ankam, gehörten zu den kargen Arbeitsbedingungen eine einzige Presse und Drucker, die nur in Teilzeit da waren. Rivers und O'Hara, beruflich wie privat ein Paar, taten sich mit der Mechanik des Verfahrens schwer. Sie verabredeten, an einem Stein nur zu arbeiten, wenn beide im selben Raum waren.

Wie kam eine jüngere Generation nach West Islip?

In einer Pressemitteilung des Museum of Modern Art heißt es, Grosman habe führende Maler und Bildhauer aus New York umworben, damit sie in ihre Werkstatt auf Long Island kämen und sich an dem ihnen fremden Medium versuchten. 1960 schrieb sie an Jasper Johns und lud ihn in die Werkstatt ein. Den ersten Lithostein, auf den Johns zeichnete, lieferte sie ihm 1960 persönlich in sein Atelier. Laut derselben Pressemitteilung entstanden in den folgenden drei Jahren bei ULAE mehr als 40 Lithografien von ihm. Die Werkseite der Werkstatt verzeichnet sein Blatt "0 through 9" von 1960 mit einer Auflage von 35 auf Arches-Papier, 76,2 mal 55,88 Zentimeter.

Lithografie Clywedog I von Bronwen Sleigh: eine Staudamm-Treppe zieht diagonal über einen Landkartengrund
Bronwen Sleigh, Clywedog I, Lithografie aus dem Sortiment von Studio Sonsu, gedruckt von einer belichteten Aluminiumplatte statt vom Stein. Eine Staudamm-Treppe zieht diagonal über einen Landkartengrund, dagegen das Blau des Wassers.

Über Johns lernte Grosman auch Robert Rauschenberg kennen. Auf den gemeinsamen Vorschlag der beiden Männer kam Jim Dine dazu, Rauschenberg brachte Cy Twombly mit, und über Johns kam James Rosenquist. Rivers selbst ermutigte Grace Hartigan, Helen Frankenthaler und Marisol zur Mitarbeit.

Auch der Maler Barnett Newman arbeitete bei ULAE; die Werkstatt datiert seine Mappe "18 Cantos" auf 1963/64. Laut der Werkseite umfasst sie 18 Lithografien auf handgemachtem britischem, französischem und japanischem Papier, in einer mit Pergament bezogenen Kassette, Auflage 18. Newman beschrieb die Lithografie selbst so: Sie sei für ihn wie ein Klavier oder ein Orchester, ein Instrument, das interpretiert ("For me, it [lithography] … is like a piano or an orchestra, and as with an instrument, it interprets").

Laut der Robert Rauschenberg Foundation brachen 1963 bei Rauschenbergs Arbeit die Lithografiesteine zweimal während des Drucks, und daher stammt der Titel des Blattes: "Accident". Als der zweite Stein brach, entschied sich Rauschenberg, weiterzudrucken. Der Abdruck des Sprungs und die Steinsplitter unten im Blatt halten das Ereignis fest. Die Edition umfasst 29 Abzüge auf Rives-BFK-Papier, 41 mal 29 Zoll oder 104,14 mal 73,66 Zentimeter.

Laut der Stiftung gewann "Accident" am 9. Juni 1963 den Grand Prize der 5. Internationalen Grafik-Ausstellung in der Moderna Galerija in Ljubljana, damals Jugoslawien. Die Stiftung schreibt weiter, der Preis sei zum ersten Mal an einen Amerikaner gegangen und Blatt und Auszeichnung hätten die Werkstatt als führendes Druckhaus etabliert ("The print and award establish ULAE as a preeminent print workshop").

Was passiert, wenn eine Lithografie-Werkstatt auch ätzt?

1966 beantragte und erhielt Grosman einen Zuschuss der National Endowment for the Arts, mit dem sie eine Tiefdruck-Werkstatt aufbaute. Bei ULAE arbeitete der Meisterdrucker Donn Steward mit Lee Bontecou, Helen Frankenthaler, Jasper Johns, Robert Motherwell und Cy Twombly. Die nächste Erweiterung kam aus Geldnot: Auf Zureden von Bill Goldston, der seit 1969 in der Werkstatt war, kaufte Grosman eine Offsetpresse. Er überzeugte sie, dass sich mit Plakaten und Büchern in hoher Qualität die Editionen quersubventionieren ließen. Die Künstler nahmen die Maschine dann als eigenes Mittel in Beschlag. Nach Angabe der Werkstatt vollendete Johns damit 1971 "Decoy". Auf den Offsetdruck folgte der Reliefdruck von Holzstöcken, den Helen Frankenthaler laut der Werkstatt-Chronik 1973 nach einer Holzschnitt-Ausstellung ausprobierte.

Radierung von Abraham Bosse, 1642: drei Drucker in einer Kupferdruckerei, vorn wischt einer eine Platte aus, dahinter färbt einer eine Platte ein, ein dritter bedient die Tiefdruckpresse, an Leinen hängen Abzüge
Abraham Bosse, Cette figure vous montre comme on imprime les planches de taille douce, 1642. Radierung. Musée Carnavalet, Paris, CC0. Die Inschrift unter dem Bild beschreibt, wie die Platte eingefärbt, ausgewischt und gedruckt wird; an Leinen im Hintergrund trocknen die Abzüge.

Wie man Kupferplatten druckt, zeigt Abraham Bosses Radierung "Cette figure vous montre comme on imprime les planches de taille douce" von 1642. Ein Drucker färbt mit einem Tampon eine gravierte Kupferplatte ein, ein anderer wischt eine weitere Platte mit der Hand aus. Ein weiterer setzt den Fuß auf das Kreuz der Tiefdruckpresse und bedient sie, damit die Platte von einer Seite des Druckzylinders auf die andere läuft.

Ein frühes Blatt aus der Tiefdruck-Werkstatt ist Lee Bontecous "Etching One" von 1967. Es ist eine Radierung mit Aquatinta auf handgemachtem französischem Papier, Auflage 35, 63,5 mal 50,8 Zentimeter.

Laut der Dedalus Foundation schrieb Robert Motherwell im Februar 1968 an Tatyana Grosman und schlug ein Künstlerbuch zu Rafael Albertis Gedicht "A la Pintura" vor. Für die Bilder im Buch wählte Motherwell Motive, die mit seiner damals neuen Open-Serie verwandt sind. Steward empfahl eine Kombination aus Aquatinta und Zuckerlavage-Radierung, um die kräftige Farbigkeit und die handgezeichnete Linie der Open-Gemälde einzufangen.

Die Arbeit begann nach derselben Chronik im Mai 1968 und zog sich über vier Jahre bis zur Veröffentlichung im September 1972. Das ungebundene Buch enthält 21 Tiefdrucke mit Texten Albertis, gedruckt auf J.-B.-Green-Papier in einer Auflage von 40.

Wer übernahm, als Tatyana Grosman starb?

Bill Goldston kam 1969 als Schüler des Druckers Zigmunds Priede in die Werkstatt, um an fotosensiblen Steinen für Rauschenberg zu arbeiten. Tatyana Grosman ermutigte Goldston nach dem Tod ihres Mannes Maurice 1976, Werkstatt und Geschäft zu leiten. Sie begleitete ihn dabei bis zu ihrem eigenen Tod. 1982 übernahm er die Verantwortung für das Geschäft.

Seine eigene Rolle beschreibt Goldston als die eines Anonymen, der zugleich Teil der Psyche des Künstlers wird, und Freundschaft als den Schlüssel dazu. Bei James Rosenquist hieß das: Der Künstler zeichnete an der Platte, während die beiden über Ferraris sprachen. Über die Kunst selbst werde an der Platte kaum gesprochen, sagt Goldston; das Gespräch gehe so: Er verlange die Platte, um sie dreißig Sekunden lang zu ätzen, dann decke der Künstler eine andere Stelle ab, dann werde drei Minuten weitergeätzt ("'give me that plate, I'll etch it.' We'll etch it for 30 seconds, and then 'you can paint out that other piece' and then we'll etch it for three minutes").

Er holte Terry Winters, Bill Jensen, Susan Rothenberg, Carroll Dunham und Elizabeth Murray ins Haus. Laut dem Museum of Modern Art arbeitete Kiki Smith vor allem im Siebdruck, bis Goldston sie 1989 in die Werkstatt einlud, damit sie sich an der Lithografie versuchte.

Der Katalogeintrag des Internet Archive verzeichnet Esther Sparks' Geschichte und Katalog der ersten 25 Jahre, erschienen 1989 beim Art Institute of Chicago und bei Abrams.

Wer gehört heute zum Kreis von ULAE?

Die Werkstatt leitet inzwischen Larissa Goldston, die Tochter von Bill Goldston und das Patenkind Tatyana Grosmans.

Die Künstlerliste reicht von Marina Adams über Lee Bontecou, Jasper Johns, Larry Rivers und Cy Twombly bis Lisa Yuskavage. Zu den zuletzt veröffentlichten Arbeiten gehören Sam Moyers "Leaflet"-Serie, Wyatt Kahns "Construction after Konstruktion" und Salman Toors "Night Visitor".

Die Werkstatt schreibt, das Museum of Modern Art erwerbe über eine Reihe von Zuwendungen den ersten Abzug jeder ULAE-Edition, und diese Tradition halte bis heute an.

Das Long Island Museum zeigte 2018 unter dem Titel "Revolution in Printmaking" eine Ausstellung zur Werkstatt, vom 11. Mai bis zum 3. September. Die Schau nahm den Fortbestand der Werkstatt in den Blick, die damals weiterhin in Suffolk County auf Long Island saß.

Lithografie Artemis von Stephen Lawlor, ein archaischer, mythischer Wald
Stephen Lawlor, Artemis, Lithografie aus dem Sortiment von Studio Sonsu. Lawlor arbeitete die Schichten sehr locker, bis Menschen, Bäume und Felsen ineinander aufgingen.

Am Anfang lagen nach der Chronik der Werkstatt zwei bayerische Steine im Vorgarten, und ein Nachbar war bereit, eine Presse zu verkaufen.

Häufige Fragen zu Universal Limited Art Editions

Wer gründete Universal Limited Art Editions?

Die Werkstatt geht auf Tatyana Grosman zurück, die sie 1957 in West Islip auf Long Island einrichtete. Grosman kam 1904 in Ekaterinburg im Russischen Kaiserreich zur Welt und starb 1982. Nach dem Herzinfarkt ihres Mannes Maurice hing der Unterhalt der Familie von ihr ab; die Werkstatt schreibt, sie habe ULAE aus der Not heraus gegründet.

Was war das erste Projekt von ULAE?

Das erste ULAE-Projekt trägt den Titel "Stones", ein Portfolio von Larry Rivers und Frank O'Hara. Das Museum of Modern Art verzeichnet dreizehn Lithografien und eine Ölzeichnung auf Papier in einer Auflage von 25. Die Werkseite der Werkstatt zählt zwölf Lithografien. Die Werkstatt schreibt, die Arbeit daran habe zwei Jahre gedauert.

Wie kamen die Künstler zu ULAE?

1960 schrieb Grosman an Jasper Johns und lud ihn ein. Über Johns lernte sie Robert Rauschenberg kennen. Auf beider Vorschlag lud sie Jim Dine ein, Rauschenberg brachte Cy Twombly mit und Johns brachte James Rosenquist mit.

Warum heißt Rauschenbergs Lithografie "Accident"?

Die Rauschenberg Foundation führt den Titel darauf zurück, dass die Lithografiesteine während des Drucks zweimal brachen. Rauschenberg druckte nach dem zweiten Bruch weiter, sodass Sprung und Steinsplitter unten im Blatt sichtbar blieben. Laut der Stiftung gewann das Blatt am 9. Juni 1963 den Grand Prize in Ljubljana.

Welche Drucktechniken werden bei ULAE eingesetzt?

Angefangen hat die Werkstatt mit Lithografie. 1966 kam über einen Zuschuss der National Endowment for the Arts der Tiefdruck dazu, später Offsetdruck und Reliefdruck von Holzstöcken. Ein frühes Tiefdruck-Blatt ist Lee Bontecous "Etching One" von 1967, eine Radierung mit Aquatinta in einer Auflage von 35.

Wo befindet sich ULAE heute?

Das Hauptstudio steht heute in Bay Shore, New York; in West Islip, 5 Skidmore Place, liegt die Skidmore Gallery. Dazu kommt ein Showroom im Flatiron District in Manhattan. Direktorin ist Larissa Goldston.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Universal Limited Art Editions, History, Studio und Werkseiten (werkstatteigene Chronik zu Gründung, Erweiterungen und Leitungswechseln, Werkdaten einzelner Editionen)
  • The Museum of Modern Art, Objektseite zu Larry Rivers und Frank O'Hara, Stones (1957–60), und Pressemitteilung zur ULAE-Ausstellung
  • Robert Rauschenberg Foundation, Chronologie 1963 (Accident, Grand Prize in Ljubljana)
  • Dedalus Foundation, Robert Motherwell Timeline (A la pintura, 1968 bis 1972)
  • Esther Sparks, Universal Limited Art Editions: A History and Catalogue, the First Twenty-Five Years (Art Institute of Chicago und Abrams, 1989)

Zuletzt aktualisiert am 11.09.2026.

Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft.

Die beiden Lithografien auf dieser Seite, "Clywedog I" von Bronwen Sleigh und "Artemis" von Stephen Lawlor, stammen aus dem Sortiment von Studio Sonsu.

Das Foto des Lithosteins für das Etikett Anchor Manilla Tropical Gum stammt von Edinburgh City of Print und steht auf Wikimedia Commons unter der Lizenz CC BY 2.0.

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