Was kostet eine Radierung?
Zwei Radierungen, nebeneinander gedacht. Beide auf Kupfer entstanden, beide mit der Nadel gezogen, beide geätzt, gedruckt und von Hand signiert. Die eine hängt bei einem Sammler an der Wand, für 30 Euro erworben. Die andere hat im Dezember 2025 bei Christie's in London 3,1 Millionen Pfund gekostet, für ein einziges Blatt, 200 mal 150 Millimeter groß: Rembrandts "Arnout Tholinx, Inspector", entstanden um 1656.
Was kostet eine Radierung? Die ehrliche Antwort lautet: kommt darauf an, welchen Markt man meint. Wie kann identisches Handwerk, dieselbe Nadelbewegung, dasselbe Material, derselbe Grundprozess, zu einer Preisspanne führen, die fünf Größenordnungen umfasst, ohne dass eine der beiden Antworten falsch ist?
Warum reicht die Preisspanne einer Radierung von 30 Euro bis 3,1 Millionen Pfund?
Die Spanne hat einen Grund, keinen Zufall. Wer heute nach dem Preis einer Radierung fragt, stellt in Wahrheit drei verschiedene Fragen gleichzeitig, je nachdem, welchen Markt er eigentlich meint.
Der erste Markt ist der Alte-Meister-Auktionsmarkt: Rembrandt, Dürer, Goya, Blätter aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, gehandelt bei Christie's, Sotheby's und vergleichbaren Häusern. Der zweite Markt ist der historische Editionsmarkt des 20. Jahrhunderts: Picasso, Chagall, Diebenkorn und andere, deren Auflagen inzwischen selbst zur Sammlerware geworden sind. Der dritte Markt ist der zeitgenössische Galeriemarkt: Werke, die heute in einer Werkstatt entstehen und zum ersten Mal verkauft werden, nicht auf einer Auktion, sondern direkt bei einer Galerie wie Studio Sonsu.
Das 30-Euro-Blatt aus der Eingangsszene gehört in den dritten Markt. Die 3,1-Millionen-Pfund-Radierung gehört in den ersten. Was ist eine Radierung eigentlich technisch: eine mit der Nadel gezogene Linie auf Kupfer, geätzt und unter der Presse abgezogen. Radierung geht dieser Frage im Detail nach. Beide Blätter erfüllen diese Definition gleichermaßen, gehandelt werden sie trotzdem auf komplett unterschiedlichen Märkten. Und ausgerechnet der älteste der drei Märkte ist auch der, in dem heute die höchsten Zahlen fallen.
Radierungen und Kaltnadelblätter der Hauskünstler von Studio Sonsu zeigen genau diese Bandbreite des dritten Markts, von kleinformatigen Studien bis zu aufwendigen, mehrere Wochen Werkstattzeit beanspruchenden Platten.
Was zahlt der Auktionsmarkt heute für ein Rembrandt-Blatt?
Dasselbe Blatt, Rembrandts "Arnout Tholinx, Inspector", war schon einmal Rekordhalter: 1924 wechselte es für 3.760 Pfund den Besitzer, damals ein Rekord nicht nur für einen Alte-Meister-Druck, sondern für jeden Druck überhaupt. Über hundert Jahre später kam es am 3. Dezember 2025 bei Christie's in London erneut unter den Hammer und brach den Rekord ein zweites Mal: 3,1 Millionen Pfund, der höchste je für einen Alte-Meister-Druck gezahlte Auktionspreis. Dazu kommt eine dokumentierte Seltenheit: Das versteigerte Tholinx-Blatt war das letzte bekannte Exemplar in Privatbesitz; die übrigen erhaltenen Abzüge hängen in Museen wie dem Rijksmuseum, dem British Museum, dem Louvre und der Morgan Library.
Die gesamte Auktion, "The Sam Josefowitz Collection: Graphic Masterpieces by Rembrandt van Rijn, Part III", brachte 8,6 Millionen Pfund bei einer Verkaufsquote von 99 Prozent nach Wert. Ein Alte-Meister-Auktionsabend, an dem fast jedes Los einen Käufer findet, ist kein Ausreißer, das ist ein aktiver Markt.
Innerhalb dieses einen Segments schwankt der Preis trotzdem enorm, und der Grund dafür liegt selten im Motiv selbst. Rembrandts bekanntestes Blatt, die "Hundred Guilder Print" (Christus heilt die Kranken, entstanden um 1647 bis 1649), existiert in nur zwei, kaum unterscheidbaren Zuständen, bei einem Plattenmaß von 278 mal 388 Millimetern. Trotzdem liegen Welten zwischen den erzielten Preisen: Bei derselben Josefowitz-Auktion im Dezember 2025 erzielte ein Abzug des Hundertguldenblatts 698.500 Pfund, während Abzüge des zweiten Zustands in den Jahren davor bei Auktionen für 60.000 bis 70.000 Dollar gehandelt wurden. Dasselbe Muster trägt Rembrandts Kaltnadelradierung "Die drei Kreuze" von 1653: Nach rund 40 Abzügen aus den ersten drei Zuständen war der feine Grat verschlissen, und Rembrandt arbeitete die Platte um 1660 radikal um.
Noch deutlicher wird es bei den Nachdrucken. 1775 kaufte der britische Offizier William Baillie die inzwischen abgenutzte Originalplatte, arbeitete sie eigenhändig nach und zog davon rund hundert Abzüge, bevor er sie in vier Teile zerschnitt. Diese Baillie-Abzüge erzielten 2013 bei Sotheby's London 38.000 Dollar und 2019 bei Christie's New York 25.000 Dollar, ein Bruchteil dessen, was frühe, noch zu Rembrandts Lebzeiten gezogene Abzüge desselben Motivs kosten. Nicht das Motiv entscheidet hier über den Preis, sondern wer die Platte in der Hand hatte, bevor der Abzug entstand.
Dieselbe Logik, Nähe zum Künstler entscheidet mehr als das Motiv, gilt im 20. Jahrhundert weiter, nur unter anderen Vorzeichen.
Warum kostete bei ein und demselben Auktionsabend ein Diebenkorn-Druck 381.000 Dollar und ein anderes Blatt unter 1.000?
Bei Sotheby's Prints & Multiples-Auktion im April 2024 wechselten Blätter für unter 1.000 Dollar den Besitzer, während ein einzelner Druck von Richard Diebenkorn 381.000 Dollar erzielte. Insgesamt kam die Auktion auf 4,6 Millionen Dollar bei einer Verkaufsquote von 85 Prozent. Zwischen 1.000 und 381.000 Dollar liegen innerhalb eines einzigen Auktionsabends fast drei Größenordnungen, und der Unterschied liegt diesmal weniger an der Plattengeschichte als am Künstlernamen und an der Position innerhalb der Auflage.
Genau hier tauchen zwei Kürzel auf, die im Sekundärmarkt des 20. Jahrhunderts eine reale Rolle spielen können: AP und HC. AP steht für Artist's Proof, eine Praxis, die im späten 18. Jahrhundert bei englischen Mezzotinteuren begann: eine kleine Auflage für Sammler, gezogen vor dem eigentlichen Verkaufszustand. HC steht für Hors Commerce, Galerie- oder Referenzexemplare außerhalb des regulären Verkaufs. Auf dem Sekundärmarkt gelten AP- und HC-Exemplare historisch oft als Knappheits- oder Qualitätsmerkmal, weshalb sich viele Käufer fragen, ob dieses Kürzel auch beim Kauf eines heute entstandenen Blatts etwas bedeutet. Dazu später mehr.
Bei einer Auktion historischer Editionen bietet man gegen andere Sammler auf ein Blatt, das schon existiert, mit eigener Verkaufsgeschichte. Beim Erstverkauf in einer zeitgenössischen Galerie zahlt man dagegen den Preis, den die Galerie zusammen mit der Künstlerin oder dem Künstler für ein gerade erst entstandenes Blatt festgelegt hat, ganz ohne Auktionsvergangenheit. Genau dieser Unterschied prägt den dritten Markt, den zeitgenössischen Galeriemarkt.
Was kostet eine Radierung, die heute in einer Galerie entsteht?
Der dritte Markt, der zeitgenössische Galeriemarkt, ist der einzige der drei, in dem man heute noch kaufen kann, bevor überhaupt eine Auktionsgeschichte existiert. Das Gesamtsortiment von Studio Sonsu reicht über alle Drucktechniken hinweg von 25 Euro für kleine Holzstiche bis 2.200 Euro, mit dem dichtesten Preisband zwischen 200 und 500 Euro; Radierungen und Kaltnadelblätter liegen darin aktuell zwischen 75 und rund 1.400 Euro (Stand Juli 2026).
Auf dem internationalen Marktplatz Riseart läuft unter der Kategorie "zeitgenössische Radierungen" auch Ware aus dem zweiten Markt mit, gelistet zwischen 120 und 9.715 Dollar, eine Momentaufnahme aus dem laufenden Angebot (Stand Juli 2026). Am oberen Ende dieser Liste steht ausgerechnet ein Picasso, "Two Women III", bei 9.715 Dollar, also gerade kein zeitgenössisches Blatt, während kleinere, tatsächlich zeitgenössische Formate schon ab 120 Dollar gelistet sind. Der Faktor 80 zwischen unterem und oberem Ende ist dabei zunächst schlichte Arithmetik dieser einen Liste. Dass mitten in der Kategorie "zeitgenössisch" ein Picasso auftaucht, zeigt dagegen etwas Grundsätzlicheres: Auf offenen Plattformen laufen die drei Märkte durcheinander, und genau deshalb hilft die Drei-Markt-Unterscheidung beim Einordnen eines Preises mehr als eine einzelne Kategoriebezeichnung.
Der Grund dafür ist derselbe wie in den beiden anderen Segmenten: Aufwand. Bronwen Sleighs "Kiyembe Lane", eine architektonisch dichte Radierung ostafrikanischer Stadtbebauung, verlangt eine andere Werkstattzeit als Rachel Duckhouses "North Uist Sketchbook I", ein kleineres, experimentelleres Blatt. Jemma Gunning kombiniert in einigen ihrer bisherigen Arbeiten Kaltnadel mit Aquatinta, genauer mit der Sugar-Lift-Variante, zwei Verfahren in einem Blatt, was den Zeitaufwand pro Platte zusätzlich erhöht. Alle drei zeigen, warum die Spanne selbst innerhalb einer einzigen Galerie real ist, nicht willkürlich.
Ein Original wird vom Künstler selbst gedruckt und von Hand signiert, eine industrielle Reproduktion entsteht dagegen maschinell und in unbegrenzter Auflage; Original vs. Kunstdruck zieht genau diese Grenze über alle drei Marktsegmente hinweg. Für gewerbliche Käufer hat dieser Preis eine direkte Konsequenz: Ob ein Blatt über oder unter 800 Euro netto liegt, kann unter bestimmten Voraussetzungen darüber entscheiden, wie es sich Kunst steuerlich absetzen lässt, und das dichteste Band zwischen 200 und 500 Euro bleibt deutlich unter dieser Grenze.
Und in genau diesem Markt, nicht am Rand einer Anomalie, sitzt auch die 30-Euro-Radierung: das reale untere Ende des zeitgenössischen Markts, kein Sonderfall.
Warum ist eine Radierung für 30 Euro schon knapp kalkuliert?
Am unteren Ende der dritten Preisklasse steht das 30-Euro-Blatt: Was bleibt von diesen 30 Euro noch übrig, wenn man allein das Material abzieht? Ein Quadratmeter Kupferblech in 0,7 Millimeter Stärke kostet in Deutschland 120 bis 180 Euro inklusive Mehrwertsteuer (Stand Anfang 2026).
Viele Werkstätten weichen deshalb auf das günstigere Zink aus: Eine Zinkplatte im Format 50 mal 50 Zentimeter liegt als Rohware bei 10 bis 20 Euro, zuzüglich Zuschnitt. Dazu kommt das Papier: Ein Bogen Künstlerpapier im Format 53 mal 78 Zentimeter kostet je nach Grammatur zwischen 4,50 und 7,50 Euro. Die Plattenkosten verteilen sich über die Auflage, bei einer unverstahlten Kaltnadelplatte auf 15 bis 30 Abzüge, das Papier fällt dagegen pro Blatt an. Schon Papier plus Plattenanteil pro Abzug lassen bei 30 Euro Verkaufspreis wenig Marge, noch bevor überhaupt die Arbeitszeit dazukommt.
Die Arbeitszeit fehlt in dieser Rechnung komplett. Der Drucker und Künstler Trevor Price beschreibt den Zeitaufwand in einem Interview mit der Porthminster Gallery in St Ives so: Bei größeren Arbeiten monatelange Plattenarbeit, bevor überhaupt der erste, riskante Probedruck entsteht ("it can easily take two or more months of platemaking with the larger works before the first print is taken, and with little room for error this first proof can be an anxious moment").
Die Materialrechnung erklärt allerdings nur den Boden des Preises: Papier, Drucktechnik, Auflagenhöhe und Signatur schieben ihn nach oben, bei der Radierung genauso wie bei jeder anderen Technik, und Druckgrafik Preise verstehen ordnet diese vier Faktoren technikübergreifend ein. Warum aber kostet ein Blatt aus demselben Segment am Ende 2.200 statt 30 Euro? Die zweite Stellschraube liegt nicht im Rohmaterial, sondern in der Platte selbst.
Warum sind Radierungs-Auflagen so klein und was heißt das für den Preis?
Eine unverstahlte Kaltnadelplatte gibt nach 15 bis 30 guten Abzügen auf, eine Ätzradierung hält 40 bis 100 durch, ein Kupferstich schafft 500 und mehr. Bei der unverstahlten Kaltnadelradierung ist diese Obergrenze physisch: Die Nadel hebt beim Ziehen einen feinen Grat aus dem Kupfer, und schon der zwanzigste oder dreißigste Abzug drückt diesen Grat unter der Presse Stück für Stück platt. Bei anderen Verfahren, auch bei der Ätzradierung mit ihren 40 bis 100 möglichen Abzügen, ist die tatsächlich gedruckte Auflage dagegen oft eine Entscheidung der Werkstatt, keine Materialgrenze.
Um trotzdem größere Auflagen zu ermöglichen, gibt es seit dem 19. Jahrhundert die Verstahlung, auch Steel-Facing genannt: Eine mikroskopisch dünne Eisenschicht wird galvanisch auf die Kupferplatte aufgebracht. Das verlängert die Drucklebensdauer der Platte erheblich, verhindert die farbliche Oxidation beim Abziehen von Hand und macht die Platte leichter abwischbar, weil weniger Farbe im Korn der Oberfläche haften bleibt. Auch historische Serien hängen an dieser Technik: Goyas "Desastres de la Guerra", zu Lebzeiten ungedruckt und erst 1863 posthum veröffentlicht, wurden von den im 19. Jahrhundert stahlverstärkten Kupferplatten gedruckt; ein Blatt wie "Nada" (Blatt 69 der Serie) existiert im Handel deshalb ausschließlich in posthumen Abzügen.
Auch bei Rembrandt spielte diese Materialphysik eine Rolle, nur ohne moderne Verstahlung. Eine verbreitete Klassifikation von Rembrandts Radierungen, die auf Nowell-Usticke zurückgeht, unterscheidet drei Wertstufen: frühe Abzüge zu Lebzeiten als wertvollste Kategorie, rund 25 weitere "intermediäre" Abzüge nach dem ersten Verkaufserfolg der Platte, und späte Abzüge als niedrigste Stufe. Dieselbe Platte, die einst Rembrandts eigene Abzüge lieferte, lieferte Jahrhunderte später noch Baillies Nachdrucke, bis sie buchstäblich in Stücke zerlegt wurde. Materialphysik verbindet das Alte-Meister-Segment und die Gegenwart enger, als der Preisunterschied vermuten lässt.
Ob das AP- oder HC-Kürzel bei dieser physischen Auflagenlogik überhaupt noch etwas bedeutet, hängt vom Markt ab, in dem das Blatt gerade gehandelt wird, nicht vom Kürzel selbst.
Zählt die Kennzeichnung AP oder HC beim Kauf heute genauso wie im Auktionshaus?
Nein, jedenfalls nicht im gleichen Maß. Im historischen Sekundärmarkt, wie bei der Sotheby's-Auktion aus dem vorigen Abschnitt, kann das Kürzel tatsächlich Teil des Preisarguments sein: Es signalisiert Nähe zum Künstler, eine kleinere Teilauflage, manchmal eine andere Papierwahl.
Im Erstverkauf bei einer zeitgenössischen Galerie ist das in der Regel anders. Ein AP- oder HC-Exemplar wird beim direkten Kauf regelmäßig nicht separat bepreist, es ist Teil derselben Auflage, gedruckt auf derselben Platte, signiert von derselben Hand. Was beim Kauf stattdessen zählt, sind Signatur, Auflagenposition und Zustand der Platte, drei Kriterien, die Signiert vs. unsigniert im Detail durchgeht.
Weder das 30-Euro-Blatt aus der Eingangsszene noch Rembrandts Radierung bei Christie's verdanken ihren Preis in erster Linie einer solchen Kennzeichnung. Preisrelevant wird AP oder HC vor allem dort, wo ein Blatt bereits eine eigene Verkaufsgeschichte hat, also im Sekundärmarkt, nicht beim Erstverkauf.
Die zwei Radierungen aus dem Anfang lassen sich jetzt nebeneinanderlegen, mit dem ganzen Zwischenraum dazwischen. Beide sind mit derselben Nadelbewegung auf Kupfer entstanden, beide geätzt, gedruckt, signiert. Der Unterschied zwischen 30 Euro und 3,1 Millionen Pfund liegt nicht im Handwerk. Er liegt im Namen, der später draufsteht, in der Seltenheit der überlebenden Abzüge und in der Zeitspanne dazwischen: Rembrandts Platte entstand um 1656, das andere Blatt heute. Das macht rund 370 Jahre Abstand zwischen den beiden Nadelbewegungen.
Was aus einem heute entstandenen Blatt in dreißig oder hundert Jahren wird, welchem der drei Märkte es dann einmal zugeordnet werden wird, kann niemand vorhersagen. Das ist keine Investitionsfrage und keine Wertsteigerungsprognose, dafür fehlt jede belastbare Grundlage. Es ist eine schlichte Beobachtung: Die Nadelbewegung, mit der ein Blatt entsteht, steht bereits heute fest. Welchem Markt es in der Zukunft angehören wird, steht nicht fest und wird es vermutlich auch nie, bevor es so weit ist.
Was kostet eine Radierung bei Studio Sonsu?
Radierungen und Kaltnadelblätter liegen bei Studio Sonsu aktuell zwischen 75 und rund 1.400 Euro, gut die Hälfte davon im Band zwischen 200 und 500 Euro (Stand Juli 2026). Das Gesamtsortiment über alle Drucktechniken reicht von 25 bis 2.200 Euro, mit dem dichtesten Band zwischen 200 und 500 Euro (46 Prozent der Werke, Median rund 310 Euro). Im unteren Bereich stehen eher kleine Formate und Studien, im oberen Bereich großformatige Platten und Blätter, die mehrere Verfahren auf einer Platte kombinieren. Der Preis hängt von Format, Auflage und Aufwand der Platte ab, nicht von einer pauschalen Künstlerposition.
Welche Mehrwertsteuer gilt für Radierungen?
Original-Radierungen unterliegen in Deutschland dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent, geregelt im Jahressteuergesetz 2024 (§12 Abs. 2 UStG neu, Anlage 2 Nr. 53b, seit 1. Januar 2025), vorausgesetzt, die Druckplatte wurde vom Künstler selbst bearbeitet. Reproduktionen ohne eigenhändige Plattenarbeit fallen unter den vollen Satz von 19 Prozent. Bei Studio Sonsu handelt es sich ausschließlich um solche handabgezogenen Originale, der ermäßigte Satz ist im angezeigten Preis bereits enthalten.
Warum ist eine Rembrandt-Radierung Millionen wert und eine zeitgenössische nur ein paar hundert Euro?
Weil beide in unterschiedlichen Märkten gehandelt werden, nicht weil das Handwerk unterschiedlich aufwendig wäre. Der Alte-Meister-Auktionsmarkt bewertet Seltenheit, Provenienz und jahrhundertealte Nachfrage, der zeitgenössische Galeriemarkt bewertet ein neu entstandenes Blatt zum ersten Verkauf. Das eine sagt nichts darüber aus, was aus dem anderen einmal wird.
Was bedeutet AP oder HC auf einer Radierung?
AP steht für Artist's Proof, eine kleine Teilauflage für den Künstler oder für Sammler außerhalb der nummerierten Hauptauflage. HC steht für Hors Commerce, Galerie- oder Referenzexemplare, die nicht für den regulären Verkauf gedacht sind. Beim Erstverkauf einer zeitgenössischen Galerie beeinflusst das den Preis in der Regel nicht.
Wie viele Abzüge liefert eine Kupferplatte?
Das hängt von der Technik ab. Eine unverstahlte Kaltnadelplatte liefert 15 bis 30 gute Abzüge, eine Ätzradierung 40 bis 100, ein Kupferstich 500 und mehr, weil bei der Kaltnadel der feine Grat unter der Presse am schnellsten plattgedrückt wird. Verstahlung ist der Ausweg gegen diesen Verschleiß und kann die Auflage deutlich erhöhen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Christie's London, Auktionsergebnisse "The Sam Josefowitz Collection: Graphic Masterpieces by Rembrandt van Rijn, Part III" (Dezember 2025)
- Artnet News, Berichterstattung zum Auktionsrekord für Alte-Meister-Drucke und zur Preisgeschichte des Hundertguldenblatts (2025)
- Radiertechniken, Kostenkalkulation für Radierwerkstätten (Stand Februar 2026)
- Jahressteuergesetz 2024, §12 Abs. 2 UStG mit Anlage 2 Nr. 53b (in Kraft seit Januar 2025)
- Porthminster Gallery St Ives, Interview mit Trevor Price (Februar 2026)
Studio Sonsu ist eine Galerie für zeitgenössische Druckgrafik in Hannover. Jedes Werk kommt direkt von den Künstlern. Ausgewählt, nicht eingekauft. Alle Werke ansehen | Fragen? hello@studiosonsu.de